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Späte Gedanken zu den aktiven Lautsprechern bei Grundig

Unser 2. Pärchen XSM 3000 im Frühjahr 2012

Mein erstes "Zusammentreffen" mit aktiven Lautsprechern überhaupt war etwa 1982/83 mit den XSM 3000. Die damals (teilweise auch schon viel früher) angebotenen Aktivboxen von Sennheiser, K+H oder Heco und Braun, damals die Edelschmieden, lagen alle preislich jenseits von "Gut oder Böse", also unerschwinglich zu teuer.

Die "Grundigboxen" waren typisch für Max Grundigs Philosophie : "erschwinglich", ein unschlagbares Argument. Ohne es genauer zu ergründen, wurden die XSM 3000 damals als echte Vierwege-Boxen betrachtet. Niemand verbiß sich in die detaillierten Spezifikationen oder die Feinheiten. Es war halt so. Reinschaun war wegen der Garantie sowieso verboten.

Heute in 2012 stellt sich das alles ganz anders dar und heute überwiegt die Neugierde und der so langsam zusammen gesammelte Sachverstand sowie die geplatzten Elkos in den Netzteilen.

XSM 3000 mit 120 Watt Sinus
Grundig XM 600 3-Wege Box

Die XSM haben die "gesundeste" Technik.

(Kann man "gesund" steigern ? Eigentlich nicht.) Also ist es eine überzogene retorische aber falsche Steigerungsform wie der bekloppte "aktuellste" Verkehrsservice im Südwestfunk. (Glücklicher Nachtrag vom Sept. 2012 : Sorry, "sie" haben das geändert im SWR und beim BR. Seit Spätsommer 2012 ist der stündliche Verkehrsfunk auf allen SWR Kanälen wieder "aktuell" - toll, nach so vielen Jahren.)

Warum das alles : 4 leistungsmäßig abgestufte Verstärker für 4 Lautsprecher mit aktiven Weichen, das ist eigentlich feine Technik in quasi optimaler Betriebsart.

Was wir damals nicht wußten, daß der eine (untere) Basslautsprecher einfach nur dem ganz unteren Tiefbassbereich (unterhalb 300 Hz) dazugeschaltet wurde, um in größeren Räumen eine ausreichende Bassfülle zu erreichen.

Die Leistung im tiefen Bass addiert sich dadurch auf 2 x 40 Watt Sinus und diese Box ist somit für deutlich größere Räume geeignet als zum Beispiel die technisch fast gleiche XM 600 und XSM 1500 mit jeweils nur 3 Verstärkern und 3 Chassis.

Noch etwas hatten die (Stereo-) Akustiker herausgefunden:

Heco LAB 2

Vergleichen Sie die Anordnung der Hoch und Mitteltöner der XSM 600 und der XSM 3000. Für uns war das in den 80ern im Prinzip "das Gleiche". Doch die akribischen Spezialisten hatten herausgefunden, daß diese beiden Chassis (es geht nur um Hoch- und Mitteltöner) für eine optimale Stereowiedergabe immer senkrecht übereinander plaziert sein soll(t)en / müss(t)en !!!

Das Erlebnis der Stereo-Wiedergabe
und damit der Ortung der Schallquellen läßt sich so erheblich steigern. Es sind (übrigens bei allen 3-Wege und mehr - Lautsprechern) wirklich hörbare deutliche Unterschiede zu hören, auch bei den Braun L710/L715/LV720, bei denen wir damals überhaupt nicht darauf geachtet hatten.

Was bei der XSM 2000/3000 gut ist /war . . . .

. . . ist bei den beiden noch größeren Spitzenboxen Monolith 120 und Monolith 190 nicht mehr so recht nachvollziehbar.

Die haben nämlich 4 Basschassis respektive 8 Basschassis und dann jeweils für 2 Chassis oder für 4 Chassis die gleichen 40 Watt Sinus Endstufen.

Wenn also nur die gleiche Leistung von 40 Watt pro Frequenzbereich zur Verfügung steht, erreicht man keine größeren unverzerrten Lautstärken, selbst wenn man die doppelte Membranfläche zur Verfügung hat. Damit sehen die Monolith 120/190 zwar gigantisch toll aus mit dieser Menge an Chassis, bringen aber nur eine geringe Steigerung der erreichbaren Qualität.

Hier im Hifimuseum wird zwar mit den Testberichten der diversen Hochglanzmagazine sehr sehr kritisch umgegangen, doch ein Tröpfchen Wahrheit müssen wir den Testern zugestehen. Die Monolith 120 und 190 wurden ihrer Größe und ihrem Preis nie gerecht. Da fehlte etwas, da fehlte Leistung.

Es gab übrigens auch bei Heco solche "Prospekt-Boxen" (LAB2), die zwar super aussahen, wie die große Monolith auch, aber nie geklungen haben.

Was könnte man da tun ?

Die Monolith 120 und die Monolith 190 wurden für Max Grundig Verhältnisse nur in homöopatischen Stückzahlen gebaut und verkauft, sind also doch recht selten. Das jeweilige Grundgewicht von 63 bzw. 83 Kilo pro Box war für den Hifi-Fan grenzwertig und die Größe der Boxen war in deutschen Wohnzimmern schwierig. Es waren die "Top-Produkte" in den Prospekten, die das Hifi-Marketing brauchte, um die kleineren Typen erfolgreich zu verkaufen.

Man könnte also, wenn man soche Boxen heute nochmal an Land zieht
, die im Endstufenblock kombinierten Bassendstufen abschalten und nach der Frequenzweiche mit deutlich größeren Endstufen ergänzen. Ich denke da an 120 Watt Sinus pro Box. Die Impedanzen der 4 bzw. 8 Bass-Chassis und deren Beschaltung habe ich noch nicht herausgefunden. Das sollte dann der jeweilige Besitzer evaluieren und bedenken.

Ich für meinen Teil werde mal versuchen
, diese Ideen mit jeweils 2 x XSM 3000 links und rechts zu simulieren. Die Grundig Endstufen bekommen dabei eine kleine Modifikation in Form von 4 eigenen Meßausgängen samt BNC Buchse zum Anschluß eines Oszillografen. Ich möchte schon mal detailliert sehen, bei welcher Lautstärke eine 40 Watt Endstufe "clippt" und wie sich die Simulation einer Monolith 120 mit 2 x XSM 3000 auswirkt.

Aussagen über die damit erreichbare Qualität . . . ?

April 2012 - Wir betrachten das aus historischen Gründen. Erwarten Sie also von diesen Grundig-Boxen keine Weltwunder.

Die Lautsprecherentwicklung hat in den 30 Jahren danach gewaltige Sprünge gemacht. Selbst die 590.- Euro Canton Säulen im wiedereröffneten Hifi-Studio im "Blödmarkt" klingen besser.

Ich darf bzw. kann diese "Grundigs" zum Vergleich natürlich nicht dorthin schleppen, die würden mich vermutlich auslachen und hinaus komplementieren. Darum verstehen wir das ganze als Spaß an der Freude und als das Erkennen und Betrachten des damals technisch Möglichen.
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