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Eine Sonderform des Potis ist das Flachbahnpotentiometer

Eine Auswahl der 1970er Jahre

von Gert Redlich im Herbst 2015 - Manche nennen ihn Schiebebahnregler, Flachbahnregler oder englisch "Fader". Dort wird also nicht gedreht, dort wird geschoben. Der erste Verstärker, der mit solchen (damals) hypermodernen Flachbahnreglern für Aufmerksamkeit sorgte, war der Grundig SV140 aus 1968. In den Studios sowohl bei der Schallplatte, im Rundfunk wie im Fernsehen waren diese Regler schon lange ganz normal. Doch solch ein professioneller (linearer) Regler kostete damals bereits über 80.- DM, ein gutes normales Poti aber nur 1,30 DM und bei 10.000 Stück nur 10 Pfennige.
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Der Verschleiß bei Flachbahnreglern war schlimm

Richtige Studio-Regler - edel und teuer
Preh Semi-Profi Regler
mit Schleif-Bahn nach oben

Mit den Flachbahnreglern kam ich erst in 1973 in Kontakt, als in den aufkommenden Diskotheken reihenweise die Regler versagten. Damals war DYNACORD zusamen mit den Bastel- oder bausatz-Produkten von Radio RIM in München der Standard, es gab einfach nicht mehr Auswahl - mit wenigen Ausnahmen.

Die Tanzschulen hatten da noch ein paar Einzelkämpfer (wie mich), doch die Masse kaufte DYNACORD und Monacor. Doch das war leider fast immer qualitativer Müll. Alleine die Dynacord Preh Regler hatte Gummi-Dichtlippen, die aber aushärteten und dann offen blieben (und somit Cola und Bier "magisch" angezogen hatten).
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Bei den Flachbahnreglern gab es konzeptionelle Denkfehler - eigentlich mit wenig Nachdenken leicht zu ermitteln. Wo fällt der Staub und der Schmutz in waagrecht oder leicht schräg eingebauten Reglern hin ? Natürlich von oben auf jede beliebige Fläche und das warren die Kohlebahnen unter den Schleifern.

Wie kann man also Falchbahnregler so konsturieren, damit deren empfindliche Widerstandsbahnen (es sind aufgedampfte Kohlebahnen) nach oben offen liegen ? Damit hatte Preh angefangen, PIHER weiter gemacht und Ruwido abgekupfert, ein schlimmer Irrtum.

Selbst senkrechte Kohlebahnen an den Seitenflanken der Regler waren gegen diese Menge an Schmutz nicht gefeit, weil Discjockeys ab einer gewissen Promillezahl auch das Mischpult "kühlen" oder "schmieren" wollten, also nicht nur die eigene Stimme. Damit floß Wisky-Cola und Bier von oben in die Regler rein und spülte den aufgewirbelen Staub in jede Ritze.

Nur wenige (Profi- und Studio-) Hersteller hatten das erkannt (war das so schwer?) und bauten die Regler-Mechanik so, daß die Kohlebahnen nach unten zeigten. Diese Regler lebten deutlich länger, waren aber auch wiederum deutlich teurer und irgendwan nicht mehr erhältlich - bis die Japaner mit neuen produkten kamen. Aber das war dann nach meiner Zeit.
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Bei den Studio-Profis "abgucken"

Das absichtlich eingestaubte Bild steht auf dem Kopf !!
der Grafit-Kufen-Gleiter und der Staub

In den Rundfunkstudios durfte ein Regler nicht ausfallen, auch nicht irgendwann mal oder ab und zu mal. Selbst die uralten Ton-Regler aus uralten Studio- Mischpulten betrachtete ich anfänglich mit Argwohn.

Die sahen so klobig und gebastelt aus. Die gingen aber auch nach 50 Jahren noch butterweich und hatten nie Aussetzer. Da mußte doch was dran sein. War es auch. Die Vollprofis hatten das im Griff.

Auf der Widerstandsbahn rutsche auf 2 Kufen ein dicker Kohle/Grafit-Schuh über mehr als 10cm Schiebeweg. Auf der anderen Seite war eine massive Messinglaptte, auf der der andere baugleiche Schleifer mit einem ebensolchen dicken Kohle/Grafit-Schuh entlang "lief".

Dazu war der ganze (Mono-) Schieberegler steckbar, also mit massiven Steckkontakten ausgestattet, falls er dann doch mal ausfallen sollte. Von diesen wirklich teuren Edelversionen gab es auch noch kleinere Modelle.
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Ein gut gemachter preiswerter 5cm Flachbahn-Regler (Ruwido)

Ein gut gemachter Stereo-Schiebebahnregler kam von RUWIDO. Die Schleifbahnen waren in den Seitenwangen senkrecht stehend eingeklinkt.

Die Führung des Bedienknopfes glitt auf einer massiven und gefetteten Stange. Ob das mit dem vielen Fett am Ende sinnvoll war, der Schiebeweg von knappp 5cm war für meine Zwecke sowieso zu kurz.

An dem Kunststoffteil - dem Schieber - waren links und rechts die Kontaktfedern mit jeweils 2 Grafit-Kontakten - einem für die Widerstands- (Kohle-) bahn und einem Grafit-Kontakt für die Kontakt-Schleiferbahn eingesetzt.

Diese Regler wären "eigentlich" unkaputtbar für die Ewigkeit geeignet gewesen (wenn sie nicht so kurz gewesen wären).

Ein billiger 7cm Flachbahn-Regler von PIHER (Spain)

Das Gegenstück war der extrem billige Flachbahn Regler vom spanischen Hersteller PIHER.

Die Kohleschichtbahn war in einer nach oben offenen aber sonst geschlossenen Wanne eingelegt. Dazu war die Bahn auch noch mit einem Gleitmittel geschmiert, sodaß dort aber auch jeder Schmutz sofort festklebte. Die Schleifer waren komplett aus Metall einschließlich der ausgeformten Kontaktkuppen.

Der Vorteil war, ich wurde immer wieder gebraucht, um die Regler mit einem Lötkolben auszutauschen. Dennoch hielten die Regler erstaunlich lange durch - also wieder kein lebenslanges Geschäftsmodell - da war Bill Gates einfach besser als ich.

Ein vermeintlich gutes Beispiel war auch der 10cm lange Semiprofi Preh Regler

Dieser Flachbahnregler hatte vorausschauend bereits zwei "Anfasser" für den waagrechten oder den senkrechten Einbau, beide rechtwinklig am gleichen Schieber angebracht. Der Regel- bzw. Schiebeweg von 10cm hatte richtiges Profi-Feeling und anfänglich um 1975 ging dieser Schieber wie geschmiert.

Die elektrischen Werte von 47 Kilo-Ohm mit logarithmischer Kennlinie und Mittenanzapfung waren gut durchdacht und in fast jeder elektronischen Mischpult-Umgebung verwendbar.

Die beiden Widerstandsbahnen waren auf je einer eigenen Pertinax-Bahn aufgedampft  und dann auf einer gemeinsamen Pertinax-Platte auf einer Ebene mit Nieten befestigt.

Doch auch hier, kein Licht ohne Schatten

Die Bahn für den Kontaktschleifer war ehemals versilbert und hat im Laufe der Zeit Korrosionsprobleme bekommen. Das Silber bekommt eine Silbersulfid- Oberfläche und die ist nichtleitend. Das Schleifkontakt "kratzt" die bei fortwährendem Gebrauch zwar wieder frei, doch nach wenigen Tagen Pause ist sie wieder da.

Auf beiden Widerstandsbahnen sieht man deutlich die Spuren von zwei Schleifkontakten. Die Enden der beiden Widerstandsbahnen sind ebenfalls versilbert und scharz angelaufen. Der Schiebebahnregler ist zwar funkelnagelneu (er war noch nie in einem Mischpult verbaut), aber er setzt sowohl am Fußpunkt - dem Anfang - wie auch beim Maximum - dem Bahnende - einfach aus.

Bei einem BOSE Verstärker mit 2 x 1000 Watt mit 4 Bose 901 Boxen ist das fatal. Ist dann noch ein Bass-Horn auch mit 400 Watt angeschlossen, wie damals in einer Diskothek in Rüsselsheim direkt am Mainufer, dann "tut" es gewaltige Schläge. Man kann diesem Effekt zwar mit sogenannten Pull-up oder Pull-down Widerständen etwas abhelfen, verschlimmbessert aber die Regelcharakteristik.

Wie gesagt, dieser fotografierte Regler ist (nach 30 Jahren) neu aus der Verpackung (zugeschweißte Plastik-Tüte) entnommen. Und er ist im Prinzip dennoch unbrauchbar und auch nicht mehr reparabel.
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Und jetzt zu den Problemen der alten Grundigs

Max Grundig hatte als Vorreiter etwa 1968 die Branche wieder mal aufgemischt. Max Grundig stellte einen großen Vollverstärker mit Namen SV140 vor - und nur noch mit "Studio"- Flachbahn- Reglern - so nannte "er" es damals. Natürlich waren das beinahe billigste Consumer Regler, doch die hatten zumindest eine dünne Kunststoffolie als Staubschutzabdeckung, obwohl sie in einer senkrechten Frontpatte eingebaut waren.

Die 1969 nachgereichten Tonbandgeräte der TK 248/TK600 Klasse hatten auch solche Regler, die dort aber waagrecht eingebaut - und natürlich waren diese neuen Bandgeräte auch senkrecht zu betreiben. Doch diese Regler hatten andere (Langzeit-) Macken.
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