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Der (oder die) Lenco Plattenspieler

Der berühmte L75 von Lenco
und hier mit Haube in Natura

Lenco war eigentlich ein Nachzügler, der auf der neuen Hifi-Welle mitgeschwommen war. Denn wem der Thorens TD124 zu teuer war und wer dazu die marktbeherrschenden DUALs mit ihrer Automatik nicht mochte oder gar verteufelte, der kaufte einen Lenco.

Doch "der" Lenco, also der berühmte L75, war nicht das ultimative Abspielgerät. Und mit Studio-Plattenspieler hatte der L75 nun wirklich nichts gemeinsam, eher im Gegenteil. Eigentlich war er ein Sonderfall. Für die verbohrten Hifi Puristen war es die erschwingliche Lowcost Lösung, bei der man selbst sein Tonabnehmersystem aussuchen und einbauen konnte. Der L75 hatte zwar einen Lift für den Tonarm, aber sonst war alles handbedient.

Und der Lenco hatte eine ernsthafte (Hifi-) Schwäche, das relativ primitve aber robuste Reibradsystem. Denn, als die DUALs damals neu waren, rumpelten sie fast nicht, das kam erst nach vielen Dekaden, als die Gummiräder verhärtet waren.

Der Lenco L75 rumpelte von Anfang an. Das Antriebsystem war dazu zu primitiv. Auch der Tonarm war recht primitiv. Die Werbung gaukelte uns aber vor, diese Schneidenlager aus gehärtetem Stahl seien das Nonplusultra. Und wir hatten das auch geglaubt, damals jedenfalls.

Es gab auch "welche" vor und nach dem L75

Der DUAL 1019 vom Aug. 1965

Als der L75 in die Jahre kam, wurden weitere Modelle nachgeschoben (die heute fast Keiner mehr kennt). Doch die Zeit lief den Entwicklern bei Lenco davon und DUAL holte gewaltig auf. Gegen den DUAL 1019, 1219 und 1229 war dann überhaupt kein Kraut mehr gewachsen, weder vom Preis noch von der Qualität. Oben herum räumten Braun und Thorens alles ab, das irgendwie nach Stückzahlen roch. Der Braun PS-500 soll 48.000 Male gebaut worden sein. Die DUALs ab dem 1009 gingen in die Hundertatusende.

Die absolut ultimative Marktlücke, das damalige "Entertainment"

In den damaligen Diskotheken und Tanzschulen konnte der L75 und der L78 (nahzu baugleich) "punkten" (ein ausgesprochen blöder Spruch). Mit der stufenlosen Geschwindgkeit hatten diese Lencos den anderen Plattenspielern einiges voraus, aber nur für diese !! spezielle "Anwendung" und nur für diese Lücke.

In den Disko-Mischpulten des Autors gr von 1974 war das Wichtigste das besonders steilflankige Rumpelfilter ab 50 Hz abwärts. Dafür hatten wir extra je einen eigenen Operationsverstärker pro Kanal mit externer Beschaltung eingebaut, um sowohl beim Plattenspieler das Aufsetzen der Nadel (meist von einem Discjockey mit besoffenem Kopf), das Rumpeln und das Ploppen beim Brüllen ins Mikrofon zu unterdrücken.

Und als der Markt einbrach, wurde auch aus Lenco ein mittelmäßiger Hifi-Bauchladen.

Wie bei Dual und PE und vielen anderen Spezialisten kamen dann zugekaufte mittelmäßige Tuner und Verstärker und Boxen hinzu, die einfach irgendwo eingekauft wurden. Doch alle diese Produkte waren sogenannter Mainstream auf unteren Niveau. Man kennt sie kaum noch. Und gerettet hatten sie den Laden auch nicht.

Etwa ab 1980 war eine Flaute oder ein Einbruch im gesamten Hifi-Markt abzusehen, der dann 1982 voll eintraf. Nicht nur bei den Herstellern brach Katzenjammer aus, auch viele der Hifi-Studios starben lautlos.

Über die diversen Eigentümerwechsel der Firma Lenco gibt es bestimmt andere Webseiten, die darüber mehr zu wissen glauben.

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