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Informationen über Grundigs Mikrofone von 1951

Edle Studio-Mikrofone waren bislang (bis Mitte der 1960er Jahre) die Domäne der Rundfunk- und Schallplatten- Studios. Und deren Typen waren für "Otto, den Normalverbraucher" absolut unerschwinglich. Jetzt hatte aber Max Grundig die Idee, das 1953 von Kurt Bier entwickelte Tonbandgerät Reporter 500 in großen Stückzahlen zu bauen und auch zu verkaufen.

Die Hobby Bandgeräte der anderen Hersteller waren dem Max allesamt viel zu teuer, auch die in Wedel bei Hamburg gebauten AEG/Telefunken Bandgeräte vom Typ AW1 und KL15. Und all die anderen auf dem Markt erhältlichen Geräte der 1950er Generation wie das PhonoRex vom Max Ihle und Loewe Opta und Schaub-Lorenz waren für den Hobbyisten viel zu schwer und auch zu teuer.

Zu einem Tonbandgerät brauchte man eigentlich auch ein bezahlbares Mikrofon, um zum Beispiel die Stimmchen der neugeborenen Nachkommen zu verewigen. Das waren die bei Grundig entwickelten beiden "Erstgeräte", das GKM7 und das GDM8.

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Dynamisches oder Kondensatormikrofon

GRUNDIG Unterlagen 1951-1956

Aus der Grundig Händler-Informationen aus 1953 :
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  • Wie Ihnen bekannt ist, liefern wir zu unseren Tonbandgeräten auf Wunsch zwei verschiedene Mikrofontypen, das GRUNDIG Kondensatormikrofon GKM 7 und das Dynamische Mikroton GDM 8.

  • Diese Mikrofone unterscheiden sich grundsätzlich in ihrer Wirkungsweise und im mechanischen Aufbau. Zweck der folgenden Ausführungen soll es sein, Sie mit den speziellen Eigenschaften dieser Mikrofone vertraut zu machen und Ihnen Hinweise für die Anwendungsmöglichkeiten zu geben.

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Das GRUNDIG GKM 7

Wie der Name schon sagt, besteht das Kondensatormikrofon im Prinzip aus einem Kondensator. Eine (der beiden) Elektrode(n) ist fest angeordnet, während die zweite unter dem Einfluß von Schallwellen Bewegungen ausführen kann. Diese Bewegungen bewirken Kapazitätsänderungen, die bei Vorhandensein einer Polarisationsspannung (Gleichspannung ca. 100—200 Volt) elektrische Wechselspannungen ergeben, die genau den Schalldruckschwankungen proportional sind.

Um bei solchen Mikrofonen eine ausreichende Empfindlichkeit zu erhalten, ist es zweckmäßig, den Abstand der beiden Kondensatorbelegungen sehr klein zu halten. Für einen guten Frequenzgang ist es notwendig, die Masse der schwingungsfähigen Elektrode so gering als möglich zu wählen. Für den Anschluß längerer Mikrofonleitungen ist es vorteilhaft, wenn die Eigenkapazität der Mikrofonkapsel groß ist.

Das elektrostatische Prinzip

Das elektrostatische Prinzip ist vom physikalischen Standpunkt aus betrachtet für die Verwendung als Mikrofon am besten geeignet. Unterhalb der System-Eigenresonanz ergeben sich von der Frequenz unabhängig für gleichen Schalldruck gleich große Membranauslenkungen und Ausgangsspannungen. Wenn es gelingt, die Systemresonanz an das obere Ende des Uebertragungsbereiches zu legen, erhält man im gesamten Uebertragungsbereich einen linearen Frequenzgang.

Als Meßmikrofon und als Studiomikrofon der deutschen Rundfunksender werden aus Qualitätsgründen ausschließlich Kondensatormikrofone verwendet. Die Kapazität dieser Mikrofone ist jedoch so klein (ca. 50—100pF), daß unmittelbar mit dem eigentlichen Mikrofon-Kondensator eine Verstärkerstufe zusammengebaut werden muß. Durch diese Verstärkerstufe und den dafür erforderlichen Netz- bzw. Batterieteil ergibt sich aber ein verhältnismäßig hoher Preis.

Beim GRUNDIG Kondensatormikrofon gelang es durch besondere Maßnahmen, die Mikrofonkapazität auf ca. 1500 pF zu erhöhen. Dadurch wird ein besonderer Verstärkerteil überflüssig und man erhält auf diese Weise ein äußerst preiswertes Qualitätsmikrofon hoher Empfindlichkeit.

Ähnlich unserem elektrostatischen Hochtonlautsprecher

Sein Prinzipaufbau ähnelt dem unserer elektrostatischen Hochtonlautsprecher. Gegen eine sehr dünne, einseitig metallisierte Kunststoff-Folie wird durch Federkraft eine perforierte, metallische Platte gedrückt. Diese stellt die feststehende Elektrode dar, während der Metallbelag der Kunststoff-Folie die schwingungsfähige Elektrode bildet.

Die im Hinblick auf hohe Empfindlichkeit und guten Frequenzgang sehr dünne Kunststoff-Folie von 20um Stärke hat naturgemäß nur eine begrenzte mechanische Festigkeit. Obwohl alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, lassen sich Folienrisse beim Herunterfallen des Mikrofons oder bei rauher Behandlung nicht ganz vermeiden.

Ferner sind Kondensatormikrofone ganz allgemein verhältnismäßig empfindlich gegen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen. Das hat folgenden Grund:

Empfindlich gegen Mancherlei - die Gründe

Die Isolation der beiden Kondensatorbelegungen der Mikrofonkapsel gegeneinander muß sehr gut sein, andernfalls treten unter dem Einfluß der Polarisationsspannung Kriechströme auf, die sich bei der hohen Nachverstärkung als Prasselgeräusche bemerkbar machen.

Auch bei Verwendung hochwertigster Isolierstoffe läßt sich diese Erscheinung dann nicht ganz vermeiden, wenn das Mikrofon in stark verunreinigter oder salzhaltiger Luft, z. B. in der Nähe von Industriebetrieben oder auch an der See, betrieben wird. Bildet sich durch irgendeinen Umstand, z. B. durch Temperaturwechse!, einmal ein Kondensniederschlag auf den Isolationsteilen des Mikrofons aus, so lösen sich darin die in der Luft enthaltenen wasserlöslichen Substanzen. Durch Elektrolytbildung gibt es dann auch beim besten Isolator sofort eine Oberflächenleitfähigkeit, die Kriechströme und als Folge davon Prasselgeräusche zur Folge hat.

Durch Trocknen des Mikrofons läßt sich zwar dieser Mangel in den meisten Fällen wieder beheben, doch bleibt auf den Isolierteilen eine dünne Salzschicht zurück, die bei jedem weiteren Feuchtigkeitsniederschlag sofort wieder Veranlassung zu Störungen gibt. Bei starken Verunreinigungen läßt sich auch durch Trocknen des Mikrofons der Mangel nicht mehr völlig beseitigen.

Die Verlängerungsleitung für Kondensatormikrofone

Soll die Mikrofonleitung des GRUNDIG Kondensatormikrofons verlängert werden, ist folgendes zu beachten:
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  • 1. Gut abgeschirmtes Kabel verwenden, um Brummeinstreuung zu vermeiden.
  • 2. Kapazitätsarmes Kabel verwenden, um Mikrofonempfindlichkeit nicht zu stark zu reduzieren.

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Die Eigenkapazität des Mikrofons bildet mit der Kapazität der Zuleitung einen kapazitiven Spannungsteiler, durch den die effektive Mikrofonempfindlichkeit bestimmt wird. Bei einer Mikrofonkapazität von 1500pF können z. B. ca. 19m Zuleitung mit einer Kapazität von 80pF/m angeschlossen werden (Gesamtkapazität der Zuleitung dann 1500pF), wenn ein Abfall der Mikrofonempfindlichkeit auf den halben Werl zugelassen wird.

Zusammenfassend kann gesagt werden:
Das GRUNDIG Kondensatormikrofon GKM 7 ist ein Qualitätsmikrofon zu einem erstaunlich niedrigen Preis. Es ist vornehmlich zur Verwendung in Innenräumen vorgesehen, insbesondere an unseren Musikschränken und Phono-Kombinationen.

Das dynamische Mikrofon GDM8

Die Wirkungsweise eines dynamischen Mikrofons oder Tauchspulmikrofons beruht darauf, daß in einem elektrischen Leiter, welcher in einem Magnetfeld bewegt wird, Spannungen induziert werden.

Der mechanische Aufbau des dynamischen Mikrofons GDM 8 ist etwa mit dem eines dynamischen Lautsprechers vergleichbar. Eine Spule aus dünnstem Draht taucht in den ringförmigen Luftspalt eines Permanentmagneten. Die Spule ist mechanisch starr mit einer dünnen schwingungsfähigen Metallmembrane verbunden, die an den Rändern fest eingespannt ist.

Diese Membrane wird durch die Schallwellen in Schwingungen versetzt. Die Eigenresonanz des Mikrofonsystems liegt etwa in der Mitte des Uebertragungsbereiches. Die Frequenzkurve eines dynamischen Mikrofons würde der Resonanzkurve eines elektrischen Schwingungskreises mit einer Spitze bei der Systemeigenresonanz entsprechen, wenn nicht durch besondere zusätzliche Maßnahmen eine Linearisierung des Frequenzganges bewirkt wird.

Diese Maßnahmen bestehen hauptsächlich in der Ausnutzung von Hohlraumresonanzen vor und hinter der Membran, wobei die Resonanzfrequenzen und Dämpfungen der Schwingungsgebilde dem Mikrofonsystem angepaßt sind. Auf diese Weise läßt sich auch mit Tauchspulmikrofonen ein linearer Frequenzgang über einen weiten Bereich erzielen.

Die Schwingspulenimpedanz

Die Schwingspulenimpedanz kann aus technischen Gründen nicht beliebig hoch gemacht werden. Das bedeutet, daß man, um eine genügende Mikrofonempfindlichkeit zu erhalten, zusätzlich einen Zwischenübertrager vorsehen muß.

Andererseits hat der kleine Innenwiderstand des Mikrofons wieder den Vorteil, daß praktisch ohne Empfindlichkeitsverlust Mikrofonleitungen von mehreren hundert Metern angeschlossen werden können.

Der Systemaufbau kann bei dieser Mikrofonart sehr robust gehalten werden, wodurch eine weitgehende Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Erschütterungen sowie Temperatur- und Feuchtigkeitseinflüsse erzielt werden kann.

Das dynamische Mikrofon GDM 8 besteht aus dem eigentlichen Mikrofonsystem, welches gefedert in einem Mikrofongehäuse aus Kunststoff gelagert ist, einer Anschlußleitung mit eingebautem Mu-Metallabgeschirmten Anpassungsübertrager und einem Tischstativ.

Die Verlängerungsleitung

Die Verbindung zwischen Mikrofongehäuse und Anschlußschnur ist lösbar, so daß dazwischen Verlängerungsleitungen mühelos eingeschaltet werden können.
Durch besondere Ausbildung des Mikrofonsystems ist es gelungen, den Mikrofonpreis bei hoher Qualität auf einen Bruchteil der bisher bekannten Preise zu senken.

Das dynamische Mikrofon GDM 8 ist insbesondere für die Verwendung in Verbindung mit unseren Reportergeräten gedacht. Durch seinen robusten Aufbau ist es auch starken mechanischen Beanspruchungen gewachsen. Seine Unempfindlichkeit gegenüber Temperatur- und Feuchtigkeitseinflüssen macht es besonders auch für Außenaufnahmen geeignet.

Wir empfehlen Ihnen daher dringend, dieses Mikrofon in verstärktem Umfange zu unseren Reportergeräten zu verkaufen. Der Mehrpreis gegenüber dem Kondensatormikrofon macht sich bestimmt in kurzer Zeit durch erhöhte Betriebssicherheit bezahlt.
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Diese Verkaufs-Infomationen stammen aus 1953 !!
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