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Der Sony TA-F730-ES - ein Geschenk zum Reparieren . . .

von Gert Redlich im Dez. 2016 - Der Sony TA-F730ES war um 1989 der zweitgrößte der neuen Vollverstärker der ES Linie. Mit 22 Kilo ist er bestimmt kein Leichtgewicht und wurde uns freundlicherweise geschenkt, weil er scheinbar nicht reparabel wäre. Also mal sehen.

Schon der erste Einblick von oben durch das Gitter in das Innenteil ist beeindruckend und ähnelt den Accuphase Geräten. Dieses Modell gab es in Japan und den USA auch unter einem anderen Namen - dort hieß es TA-F333ESR. Ein Test bzw. eine Beschreibung steht in der Hifi-Vision vom Nov. 1989. Der TA-F730 soll auch nur DM 1400.- gekostet haben. Das war für diese Qualitätsklasse sehr preiswert - damals dem gnadenlosen Wettbewerb geschuldet. Heutige ebay-Preise von 600 bis 800 Euro sind daher absolut unangemessen hoch.
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Was ist das Besondere an diesem Verstärker ?

Der F730 ES auf dem Labortisch

Der TA-F730ES ist, wie oben gesagt, der zweitgrößte der SONY Vollverstärker aus der ES-Baureihe von 1989. Es ist noch genügend Platz für die Ingredenzien des TA-F830ES (auch TA-F555-ESR) drinnen - also ein noch größerer Trafo und noch mehr oder größere Kondensatoren - und es kann auch weniger rein "gesetzt" werden für leistungsschwächere preislich kleinere Varianten wie den TA-F630ES. Eine Fernbedienung war zu der Zeit noch nicht vorgesehen.
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SONY hat den Niedergang der Hifi-Industrie (ab etwa 1980) mit absolut hochwertigen Produkten einigermaßen unbeschadet überstanden. Die SONY Probleme kamen erst nach 2003 auf. Der Slogan "A SONY is a SONY" wurde damals konsequent bei Audio und Video beibehalten, auch im professionellen Audio- und Broadcast-Bereich, in denen SONY auch ein Vorreiter war.

Dieser Vollverstärker hat so gut wie alle Eigenschaften aus den Lehren der Vergangenheit intus und zählt zu den Spitzengeräten im "erschwinglichen" Vollverstärkerbau. Ein Vergleich mit den teilweise 4 mal so teuren Accuphase Geräten wäre unfair, obwohl die technischen Daten wie auch die Solidität und die Haptik sich sehr ähneln.
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Der Netztrafo und das Netzteil

Eine stabile Stromversorgung der eigentlichen Endstufe ist das A und O eines guten Verstärkers. Dazu gehören immer gut dimensionierte Trafos und gut dimensionierte Gleichrichter und Sieb-Kondensatoren. Bei beiden Bereichen kann man sehen, daß SONY Maßstäbe setzt. Der Trafo ist nicht nur metallisch gekapselt, er ist innerhalb der Kapsel mit Kunstharz komplett vergossen, er brummt nämlich selbst für sensibelste Ohren nicht.
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Die großen Kondensatoren sind gegen jedwede mechanische Vibration oder den Mikrofonie-Effekt im Bass und Tiefbassbereich durch eine massive Verschraubung mit Halterung geschützt. Die Zuleitungen vom Trafo zur Platine sind vom Querschnitt gut dimensioniert.

Die schweren Komponenten (Trafo und Kühlblock) wohnen auf einem ca. 1,5cm dicken verwindungssteif verrippten Kunststoffchassis, das in den Prospekten natürlich gebührend als "revolutionäres" G-Chassis (angeblich vom Felsen von Gibraltar abgeleitet) beworben und bejubelt wurde. Doch soetwas hatten YAMAHA und PIONEER auch bereits, also solch ein Wabenchassis. Dazu ist dieser schwarze Kunsstoff ein zwar aus modernen Baustoffen (also angeblich marmorähnlichem Kalziumkarbonat mit Polyester) hergestelltes Recyclingprodukt, für dessen Verwertung man in Japan bestimmt sehr dankbar ist.

Ob das aber wirklich etwas mit der klaren verzerrungsfreien Wiedergabe zu tun hat, sei nun mal dahingestellt. Accuphase und DENON haben kein solch verripptes Chassis und klingen ebenfalls hervorragend.
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Reserven für Impulsleistungen

Am oberen Rand des Fotos kann man es lesen, es sind 2 x 12.000 µF bei 63 Volt und 2 x 4.700 µF auch bei 63 Volt. Die Kondensatoren sind mechanisch in einem Kunststoffblock fixiert und auch der Kühlkörper hat eine Art "Spange", damit er nicht tieffrequent resonieren oder schwingen kann.

Ein Einblick in das Herz des Verstärkers

Der hier noch silberberne große innenliegende ALU-Guß-Kühlkörper (beim F830 ist der etwa gleichgroße "Strang-Kühlkörper" bereits schwarz eloxiert) ist auf der Unterseite glatt gefräst und dort sind die dicken Leistungstransistoren isoliert aufgeschraubt.

Die Verbindungen der Beinchen der Transistoren zur Basis-Leiterplatte und den dortigen dicken (also den breiten) Leiterbahnen führen direkt zu den vier Netzteilkondensatoren und diese Verbindungen sind ganz kurz gehalten, sodaß der Stromfluß auch bei hohen Impuls-Leistungen ungehindert gewährleistet ist.
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Programmschalter und Vorverstärker direkt an den Buchsen

Beim Grundig SV2000 von 1981 war mir dieses edle Konzept überaus positiv aufgefallen. Die Bedienung der Umschalter und sonstigen Schalter geschieht zwar von vorne auf der Frontplatte, doch am Ende werden die Schalter über diese blauen Zugbänder bis nach ganz hinten direkt an den Eingangsbuchsen gesteuert.

Was war 1989 bereits "normal"

In dieser Preisklasse mußten die Entwickler großen Wert auf die neudeutsche Haptik legen. Schwarz war angesagt und eine besonders dicke ALU Frontplatte mußte es sein. Dazu kamen die ganzen schwarzen Knöpfe - natürlich ebenfalls voll aus Metall.

Für eine Gravur der Beschriftung auf der richtig massiven Frontverkleidung - wie bei SONY 20 Jahre zuvor - hatte es aber nicht mehr gereicht. Es ist nur ein Siebdruck geworden. Die ganze Frontplatte wiegt aber bereits mehr als manche anderen Verstärker. Doch das sind nur die Äußerlichkeien.

Normal war auch die sinnvolle, aber spartanische Rückseite. Die Ein- und Ausgänge als Cinch, die beiden Boxenpaare mit dicken Schraubklemmen und dazu eine (220V Hilfs-) Netzausgangs- buchse. Hier finden Sie keine DIN Buchsen mehr. Die wurden nach dem Niedergang der großen Bandmaschinen nicht mehr verlangt. Auch waren die CD-Spieler - ausschließlich mit US Cinch-Buchsen bestückt - bereits etabliert, das Spulen-Tonbandgerät war auf dem Abstiegsweg, die Kassettengeräte waren nicht (eigentlich nie) High-End tauglich.
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Noch keine Fernbedienung

Der F730 ES hat (noch) keine Fernbedinung, das kam zu der Zeit bei den "Edelgeräten" gerade erst auf, auch wenn es die billigen Hifi-Anlagen bereits alle hatten.
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Was war "un-"normal ?

Es fällt erst so richtig auf, wenn man den Schaltplan vor sich hat. Es gibt da 4 Varianten von Stromversorgungen und damit vier "leicht" unterschiedliche Geräte des gleichen Verstärkers,

  1. die 220 Volt AEP Version (TA-F333ESR)
  2. die 240 Volt UK Version nur für England (TA-F333ESR) und
  3. die 220 Volt WG Version - steht wirklich für "West Germany" und
  4. die 120/220/240 Volt E Version für den internationalen Markt


- erstaunlich. - Auch werden für diese Varianten völlig unterschiedliche Leistungsaufnahmen ausgewiesen, die von 260 Watt (leicht verständlich) über 370 Watt (beinahe schon unverständlich) bis 800 Watt (völlig unglaubwürdig) reichen. Wie kann soetwas bei einem 2 x 110 Watt Verstärker vorkommen, daß er bei Vollast 800 Watt aufnehmen würde ?
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Das Kunststoff-Wabenchassis

Dazu werden 2 Gewichte angegeben, 21,2 Kilo für das AEP und E Modell und 19,9 Kilo für das UK Modell. Wo kommen 1,3 Kilo Gewichtsunterschied her ?

Und damit kontakariert auch !!! Sony seinen Erfolgsweg wie auch den der anderen großen Japaner wie PIONEER, SANSUI, MARANTZ, ONKYO usw., die ab 1966 immer nur eine einzige weltweite Version pro Type (also pro Gerät) mit allen erforderlichen Spannungen entwickelt und vertrieben hatten. Das ist für mich nicht richtig einleuchtend, denn daran sind unsere deutschen Unternehmen im weltweiten Export kläglich gescheitert, auch der pfiffige Max Grundig mit tollen Spitzengeräten.
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Was würde ich bemängeln ?

Die Kondensatoren sind fast schon zu dicht am Kühlkörper

Wenn man mal mehrere hundert Vor-, Voll- und End- Verstärker aller Größen- und Preisklassen auf dem Labortisch gehabt hatte, sieht man sofort genauer hin, wie manche Probleme gelöst wurden. Ein langfristiges Problem, das natürlich in den ersten Jahren während der Garantiezeit so gut wie nie aufgetreten war, ist das Problem der durch Wärme bzw. Hitze ausgetrockneten Kondensatoren.

Und damit sind wir bei den innenliegenden Kühlkörpern der großen dicken Leistungsendstufen. Da gibt es viele gute Beispiele von mehreren Japanern und Amerikanern (zum Beispiel der BOSE 1800 Verstärker) und von unseren Europäern, die sogar bei den Receivern die dicken ALU-Profil-Kühlkörper links und rechts außen plaziert hatten und haben (zum Beispiel BRAUN RA1 und RS1 und GRUNDIG R3000), sodaß diese Menge der Abwärme gleich nach draußen abfließen konnte und auch noch kann. Jetzt kann man auf der Belüftung durch den thermischen Schornstein Effekt fußen, doch da fließt die Abluft (ohne Lüfter) zu langsam und die Strahlungswärme (Hitze) strahlt auf die dicken Netzteil- kondensatoren aus. Und wenn die längere Zeit bzw. über Jahre über 60 Grad warm werden, leiden sie und verlieren ihre Kapazität.
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Das Problem mit den Ersatzteilen.

Es gibt heute fast keine Hifi-Reparteure mit Boliden-Erfahrung mehr. Die Fernsehreparateure hatten damit nämlich nie ein Problem, es war fast immer (nur) eine Komponente auszutauschen und dann ging er wieder, der Fernseher.

Bei dicken Leistungs-Endstufen ist das aber anders. Ist also bei einem solchen Boliden einer der dicken Transistoren oder sind gar beide pnp oder npn Typen von einer Endstufe defekt, ist es nicht gut, nur diese eine Seite zu ersetzen. Das geht nicht lange gut, wie mir der Vorbesitzer gesagt hatte. Nach der dritten Reparatur war er dauerhaft frustriert, daher dieses Geschenk. Hier steht mehr darüber.

Eine Reparatur ist also aufwendig und damit auch teuer. Die Beschaffung der Pläne und Bauteile ist trotz Internet zeitaufwendig, und es dauert manchmal länger als die eigentliche Reparatur.
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