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Der Sony TA-F730ES auf dem Labortisch

Bei uns wird jedes eingelandete Gerät immer erst aufgeschraubt und ausgesaugt und dann mit der Pressluft-Düse ausgeblasen. Jetzt erst kann es an die erste Prüfung rangehen, sonst macht es keinen Spaß, im Staub zu wühlen.

Mit dem Tongenerator als Progammquelle zeigen sich die allermeisten Fehler sofort. Hinten dran hängt noch keine Last, sondern das Oszilloscope und das zeigt (in der Regel aber nicht immer) an, was da hinten heraus käme, schlösse man da zwei Boxen an.

Wenn die Regler spratzeln, sieht man das auf dem Schirm ganz deutlich. Ist das Sinus-Signal nicht symmetrisch und kanalgleich sieht man das auch sofort.
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Beeindruckend, die Drehregler

Ein voll gekapseltes ALPS Poti

Wenn Sie an diesem Lautstärkeregler drehen, fühlen Sie sich in die edle und extrem teure Accuphase-Welt versetzt. Der Regler geht wirklich wie Butter, ein tolles (Dreh-) Gefühl. Auch die beiden Klangregler samt Balance-Regler gehen sauber und butterweich. Und sie kratzen nicht, kein Bischen. Nach 2 Stunden ist der Kühlkörper ganz leicht handwarm, also der Ruhestrom dürfte auch noch stimmen. Wie der Tester es auch empfunden hatte, alles ist edel und teuer - und das damals für nur DM 1400.- - erstaunlich.

Beim Powerschalter leuchten erst mal 2 LEDs in rot, solange der Verstärker noch in der "Initphase" ist. Haben die Lautsprecher-Relais geklickt, gehen die roten in drei grüne LEDs über. Übesteuern sie den Eingang ganz brutal, werden die Lautsprecher- Relais abgeworfen und die roten LEDs zeigen das an. Erst einmal "Aus-" schalten und dann wieder "An-" schalten und dann geht er wieder.
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Kein Licht ohne Schatten (wie immer)

Sind die ganzen verbauten Drehpotentiometer zwar vom Allerfeinsten, haben die Schalter und Taster ihre kleinen Macken. Wir haben diesen Verstärker bekommen, weil der Besitzer einfach satt war mit diversen "unerfolgreichen" Reparaturen und angeblich ein Kanal immer wieder ausfiel. Ich musste die diversen Schalter auch mehrmals schalten.

Jetzt läuft der Verstärker im Labor schon etwa 2 Stunden mit mittlerer Zimmerlautstärke an 2 BRAUN L710 Boxen und es klingt ganz beachtlich. Jedoch zuvor musste ich den "Source Direct"- Taster mindestens 20 Male drücken, den Muitng-Taster auch und das Subsonic-Filter auch. Da liegt also der Wurm drinnen. Korrosion oder Sulfatierung der Silber-Kontakte, das ist der Knackpunkt.

Und wie auf der DUAL CV-1200 Seite beschrieben, muß man den (jeden) Verstärker erst mal mit 1000 Hz am Oszilloscope füttern und bewachen. Dort sieht man das ganze Ausmaß des Spratzelns ganz genau.
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Mit den BOSE 901 Boxen testen - das wäre was

Es sind keine Brücken gesteckt ???

Also Kraft muß er haben, der TA-F730. Und eine Auftrennung von Vor - und Endstufe soll es auch geben, die Buchsen (Adaptor) sollen hinten dran zu sein. Es stecken aber (wie bei anderen Vollverstärkern) keine "Brücken" in den Cinch-Buchsen.

Doch wo ist der Schalter ?? Die oft vorgefundene Auftrennung über 4 Coonch-Buchsen samt einem Brückenstecker gibt es also so nicht ? Sie ist anders gelöst. Laut Service Manual müsste es in Stellung "Adaptor" gehen.

Mit dieser Schalterstellung ließe sich ein Equalizer einschleifen. Weiterhin gibt es einen vom Lautstärkeregler abhängigen Vorverstärker-Ausgang für weitere Endstufen. Das Signal wird sogar am Ende der Endstufen ausgekoppelt. Und da es 3 Tape-Anschlüsse gibt, ist der BOSE Equalizer im Zweifelsfalle hieran verwendbar.

Inzwischen läuft der Verstärker an einem ASUS O!Play R3 Streaming Client mit 2 BRAUN L710 seit Stunden mit recht großer Zimmerlautstärke und unseren Muster- und Referenz- Musik-Stücken bei uns im Labor. Dort darf ich Musik ganz laut machen - ohne Grenzen. Die BOSE 901 würden natürlich noch lauter gehen.
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Im Schaltplan zu ersehen - der MC-MM Phono-Vorverstärker

Die allermeisten Vollverstärker haben in der Phono-Vorstufe einen einzigen (sicher hochwertigen) Operationsverstärker, mit dem sie die Verstärkung wie auch die Entzerrung bewerkstelligen. SONY hatte da mit den diskreten Feldeffekt- Transistoren einen deutlich höheren Aufwand gerieben, wie auch Revox zum Beispiel im B251. Nicht nur die Eingangsimpedanz für dem MC Eingang ist umstellbar, auch die Entstörung gegen äußere HF-Einstrahlung ist für WG (West Germany) anders als für den Rest der Welt.
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Einzelheiten aus der Endstufe

sehr breite Leiterbahnen

Bei den Endstufen gibt es ganz allgemein ein paar grobe Anhaltspunkte, wie leistungsfähig die sind und wie stabil sie Strom liefern bzw. wie hoch der Dämpfungsfaktor, also ein Rechenwert aus Lautsprecher-Impedanz und Innenwiderstand der Endstufe, ausfällt.

Manches sieht man nur im Schaltplan. Wenn also ein Transistor nur etwa Strom für 100 Watt Abgabe-Leistung liefern kann, werden 2 dieser Typen (parallel) nebeneinander betrieben und mit Hochlastwiderständen werden eventuelle (kleine) Unterschiede ausgeglichen, damit nicht doch der eine Transistor zuerst durchknallt.

Diese Hochlastwiderstände im Collector-Zweig liegen irgendwo zwischen 0,09 Ohm und 0,5 Ohm. Und 0,5 Ohm sind schon recht viel, solch eine Endstufe wird schwächlich funktionieren. Bei der SONY Endstufe sind es 2 x 0,22 Ohm parallel und das sind in der Summe nur niedrige 0,11 Ohm und das hört man. Bei dem gerade untersuchten DUAL CV1200 sind es 0,12 Ohm, also ebenfalls ganz erstaunlich gering bei einem nur 2 x 40 Watt Verstärker. Doch auch das hört man (und zwar positiv !).

Die Leitungen von den Endtransistoren zu den beiden dicken massiven Lautsprechklemmen Paar1 und Paar2 werden nur durch jeweils einen einzigen Relais-Kontakt geschaltet. Der Minuspol ist immer durchverbunden.
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2. Jan. 2017 - Zu früh gefreut - der Verstärker "schwingt" und hat sich soeben verabschiedet.

Jetzt ist also eingetreten, wovor mich ein paar Freunde gewarnt hatten, diese hochgezüchteten High-End Endstufen hätten Probleme. Denn ohne Last ist der Sony Verstärker (das war mein 1. Test) 12 Stunden auf beiden Kanälen nur mit angeschlossenem Oszilloscope am Stehkragen gelaufen - wobei mit "Stehkragen" erst mal die Spannungsfestigkeit der dicken Endtransistoren knapp am sogenannten Clipping gemeint ist. Dabei ist er erwartungsgemäß nicht mal handwarm geworden. Es floß ja auch kein Last-Strom.

Danach lief er (also mein 2. Test) mit vielleicht 2 x 40 Watt an zwei 8 Ohm Lastwiderständen mit ganz kurzen Kabeln und nur bei 400 Hz. Auch da ist er fast nicht warm geworden, die beiden Widerstände aber schon. Auch hier waren die beiden Sinuskurven am Oszi deckungsgleich und symmetrisch, also in Ordnung. Dieser Tektroniks Oszillograf kann bis zu 150 MHz abbilden und zeigt extrem hohe Frequenzen schon an - wenn man weiß, wie und wo man suchen soll.
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Ein sonderbares Problem - scheinbar nur mit echten Boxen

Der Streaming Client oben drauf
Unsere Labor- Test-Boxen L710
Hoch und Mitteltöner noch ok

Als 3. Test hatte ich dann 2 BRAUN L710 mit etwa 2 x 8m Kabel angeschlossen und vom Asus Streaming Client (per Cinch-Kabel) mit erhöhter Zimmerlautstärke Musik gespielt. Da wurde er auf einmal nahezu "glühend" heiß und dabei war er doch noch unten und oben offen.

Dann habe ich den Audio-Stream angehalten und konnte ein hochfrequentes dem Rauschen ähnliches Signal auf beiden Kanälen sehen. Also erst mal den LS-Regler ganz runter gedreht und dieses Signal war wieder weg. Den Oszillografen hatte ich dann auf höchste Eingangsempfindlichkeit gestellt und beide Leerlauf- Ausgangsspannungen angesehen - immer noch mit den beiden Boxen dran. Es waren keine 3mV - also im Prinzip lag keine Gleichspannung am Ausgang an.

Dann die Eingangsempfindlichkeit wieder auf 10 Volt/cm eingestellt und die Lautstärke wieder etwas weiter aufgedreht, bis das merkwürdige Rauschen wieder zu sehen war. Zu hören war aber nichts - auch kein Brumm - und der Audio-Streamer mit 200 Ohm Ausgangswiderstand (der analogen Audiostufe) war immer noch am (Tuner-) Cinch-Eingang angesteckt. Also der Eingang war mit 200 Ohm abgeschlossen und nicht etwa offen.

Jetzt die Frequenz am Oszi in den 10 MHz Bereich umgeschaltet, dann gerade noch erkannt, daß es ein sinusförmiges HF-Signal ist und just genau dann war das Spiel zuende. Die 4A Fein-Sicherung flog raus und seitdem ist er tot. Kein Lämpchen geht mehr an und selbst mit dem Regeltrafo steigt die Primär-Stromaufnahme extrem schnell an. Also hat mindestens eine Endstufe einen Kurzschluß.

Die beiden BRAUN L710 hat er nicht mit in denTod gerissen, Hoch- und Mitteltöner funktionieren noch. Jetzt geht die Sucherei los, warum er schwingt und wo ich die Ceramik-Entstör- Kondensatoren anlöten muß.
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Da er jetzt tot ist, eine gründliche Bestandsaufnahme :
Einblicke - das Netzteil des F730

Unser TA-F730 müsste die "WG" Version (steht für "West Germany") sein und dieser Trafo hat nur eine 220V/240V Primär- und zwei Sekundär-Wicklungen. Auch hat der gesamte Verstärker nur 2 Feinsicherungen, davon eine 3,1A für den Trafo und eine 2,5A für die Netzbuchse. Eine Spannungs-Umschaltung ist nicht vorgesehen.

Nach dem Trafo kommen ein dicker Zweiwege-Gleichrichter mit 2 dicken Kondensatoren je 12.000 µF für die Endstufen und ein leistungsschwächerer Brückengleichrichter mit 2 x 4700 µF für die Vorstufen. Weiterhin ist noch eine Einweggleichrichtung für die LEDs und die Einschaltverzögerung samt Endstufen-Schutzschaltung zu sehen. Auch hier sind üppige Siebkondensatoren verbaut.
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Einblicke - das Lautsprecher Terminal

Hinten am Verstärker befinden sich 8 dicke Schraubklemmen für die LS-Leitungen (Paar1 und Paar2) bis vielleicht 6mm² Stärke.

Im Gerät sind die Buchsen auf einer Platine mit den beiden Relais aufgelötet und über Widerstände wird das Pre-Out Signal abgegriffen. Weiterhin sind auf dieser Platine diverse HF-Filterkondensatoren (pro Kanal) enthalten, die eigentlich das Schwingen der Endstufe bei unglücklichen Leitungslängen verhindern soll.

Auch ist eine 1µH Luftspule (mit einem parallel geschalteten 10 Ohm Widerstand) mit dem Ausgang der Endstufe in Reihe geschaltet.
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Einblicke - der Vor-Vor-verstärker

Der Phono Vorvestärker ist sehr aufwendig gebaut. Er soll ja für MC und MM gleichermaßen geeignet sein. Dabei ist die Entzerrung für beide Arten von Abtastern gleich, nur die Verstärkung sowie die Abschlußwiderstände und Kapazitäten sind extrem unterschiedlich. Ich hatte bislang selten ein so aufwendiges Konstrukt gesehen. Die Auskoppelung des Audio-Signals an den eigentlichen Vor-/Eingangsverstärker / Klangregler erfolgt dennoch mit einem Kondensator.
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Einblicke - der Vorverstärker

Die Eingangs-Buchsen Platine
Der Class-A Vorverstärker

Der Vorverstärker bekommt über eine sehr aufwendige Eingangsumschaltung das Audio-Signal angeliefert. Alle Eingänge sind intern mit 1 MegOhm abgeschlossen, sodaß die nie "offen" sind.

Im Eingangsbereich unserer WG Version sind bereits HF-Sperr- filter und Schutzwiderstände (100Ohm) eingebaut. Von hier an sind alle Verstärker-Stufen durchgängig gleichspannungs- gekoppelt. Es ist weiterhin ganz erstaunlich, daß nirgendwo (meist in nur einem Kanal) ein kleines Trimmpoti zum Auspegeln / Abgleichen von Kanalunterschieden vorhanden ist. Die Sony-Ingenieure müssen sich also sehr sicher gewesen sein, daß die beiden Kanäle absolut pegelgleich arbeiten und das ist ebenfalls außergewöhnlich. Lautstärke-Regler und Balance-Regler sind eine Wucht, der Gleichlauf sowie das Drehverhalten sind auch nach 25 Jahren mustergültig.

Auch die überbrückbare Klangregelung ist mit zwei unterschiedlichen "Turnover" Frequenzen komfortabel ausgelegt.

Der Treiberverstärker für die Endstufe ist als Class-A- Verstärker ausgelegt und enthält einen Trimmregler zu Symmentrierung des Ausgangssignals.
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Einblicke - der Endverstärker

Jede der beiden SONY-Endstufen hat am Übergang der Treiberstufe zur Leistungsstufe eine zweistufige Temperatur- Kompensation sowie eine Übersteuerungssperre. Das sind je 4 Dioden pro Halbwelle je 0,7 Volt Durchlasspannung. Kommen also von der Vorstufe irgendwie mehr als 2,8 Volt an, warum auch immer, wird das Signal auf 2,8V automatisch begrenzt bzw. kurzgeschlossen.

Zusammenfassung : Je Endstufe gibt es (nur) 2 Trimmpotis für Symmentrie und Ruhestrom, mehr nicht. Alle Widerstände sind mit 5% spezifiziert. Die Kanalgleichheit der gesamten Kette der Verstärkerstufen ist ganz erstaunlich.

Der Endstufenblock samt Gleichrichtung ist mit etwas Geschick leicht ausbaubar. Ob die Endstufen auch solo auf dem Labortisch betrieben werden könen, muß noch geprüft werden.
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