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Ein Rückblick in die Welt der Begriffe um 1955

Lorenz Anzeige 1955

Als der Autor gerade mal 6 Jahre alt war, erschienen in den Ausgaben des Technik Magazins Hobby tolle Anzeigen, die wir heute nur noch mit einem Schmunzeln betrachten können.

Da stand ähnlich : Wenn Sie Ihr Radio mit unserem neuen Stereo-Lautsprecher aufrüsten, dann haben sie eine komplette Hifi-Anlage.

Dem "klugen" Werbetexter oder Chef-Verkäufer war mit Sicherheit nicht klar, was der Unterschied zwischen Hifi und Stereo ist und war. Nur, so war das damals und die Kunden hatten nur wenige Möglichkeiten, sich schlau (bzw. kundig) zu machen.

Andere verkauften kleine Zusatzverstärker samt Lautsprecher mit windigen Argumenten.

Wie fing das an mit Stereo und Hifi

Der Weg war lang und steinig, weil jeder Hersteller eigentlich nur seine eigenen Interessen pflegte. Inoffiziell haben sie schon gemerkt, daß Max Grundig sie alle nur noch vor sich her trieb. Nach außen wollten sie das aber nicht wahr haben.

RM 1955/3 - "Tonkammer" im Rundfunkgerät

Bild 1. Prinzip des 3-D-Tonkammer
Bild 2. Streureflektor

Im Leitartikel von Heft 1/1955 des RADIO-MAGAZIN wurde angedeutet, daß weitere Verfahren für den „3D-Ton" im Rund- funkgerät in der Entwicklung sind. Eines davon hat die Firma Emud zur Reife gebracht. Das Unternehmen, bekannt als Hersteller besonders billiger Geräte, mußte zwangsläufig nach einem anderen Weg der Höhenverteilung suchen, denn seine kleinen Empfänger sind aus Raumgründen und wegen der Kosten nicht in der Lage, eine Anhäufung von Lautsprechern zu tragen. Man fand daher die (in Bild 1) skizzierte Lösung.

Der große Ovallautsprecher sitzt auf einer gegenüber der Frontplatte zurückversetzten Schall-Systems mit Lochung- wand, so daß sich zwischen beiden Flächen eine Tonkammer ergibt, die nach oben durch die Gehäusedecke, nach unten durch eine Leiste abgegrenzt ist. Die stoffbespannte, ovale Lautsprecheröffnung der Frontplatte trägt innen einen Kegel mit Löchern bestimmten Durchmessers (Bild 2).

Die Rundstrahlung der hohen Tonfrequenzen verlangt seitliche Öffnungen, wie sie in Bild 1 erkennbar sind. Die Quelle der hohen Frequenzen ist das Zentrum der Lautsprechermembrane, und auf dieses zeigt die Spitze des V-förmig gebogenen Streureflektors. Auf diese Weise teilt sich der Schall in drei Hauptrichtungen: nach beiden Seiten vorwiegend die hohen Frequenzen und nach vorn die tiefen Frequenzen zuzüglich einem durch Größe und Form der Löcher im Streureflektor sehr einfach zu bestimmenden Hochtonanteil.

Die Rückverlegung des Lautsprechers um einen durch Versuche ermittelten Abstand und bestimmte Ausgleichslöcher in der Rückwand gestatten eine Variation des Druckvolumens in der „Tonkammer". Auf diese Weise kann das neue Verfahren anscheinend der jeweiligen Gehäusegröße und -abmessung sowohl als auch der spezifischen Lautsprechereigenart angepaßt werden.

RM 1955/3 - Neue Lautsprecheranordnung beim 4R-System

Bild 1. Graetz - Comedia - 4R mit Rückstrahl-Hochton-Schallkammer im Gehäusesockel
Bild 2. Ansicht der geöffneten Gehäuse-Unterseite

Der Graetz-Empfänger Comedia wird jetzt in einer neuen 4R-Ausführung hergestellt, in der der Hochtonlautsprecher im Sockel des Gehäuses untergebracht ist. Dieses Lautsprecher-system strahlt also nach unten in eine Rundstrahl-Schall- kammer, die ringsum mit Schallschlitzen versehen ist. Im Gegensatz zur ursprünglichen Ausführung, bei der sich diese Kammer an der Oberseite des Gehäuses befindet, zeichnet sich die neue Bauweise durch eine ruhigere Linienführung aus (Bild 1), ohne irgendwie an Wirksamkeit verloren zu haben (vergleiche Rundstrahldiagramm in RADIO-MAGAZIN 1954, Heft 10).

Bei den Versuchen im Laboratorium des Herstellers ergab es sich, daß die Wiedergabe der Höhen durch den Zusatzlautsprecher allein erfolgen muß, um den gewünschten Klangeindruck zu erhalten. Man mußte also nach Mitteln und Wegen suchen, um die hohen Töne vom Hauptlautsprecher fernzuhalten. Hätte man das nicht getan, so würde das Schalldruckdiagramm in Frontrichtung des Gerätes einen Zipfel aufweisen, weil dann an dieser Stelle eine zusätzliche Abstrahlung der Höhen durch den Hauptlautsprecher erfolgt.

Die Kanaltrennung des breiten Frequenzbandes, das am Ausgang der Endröhre vorhanden ist, wird beim Comedia 4R durch eine sehr einfache Weiche bewirkt. Diese besteht im wesentlichen aus zwei primärseitig in Serie geschalteten Ausgangsübertragern, von denen der für den Tieftonlautsprecher bestimmte mit 50nF überbrückt ist. Dadurch werden die Frequenzen über 2 KHz um 30db gegenüber 80Hz gedämpft. Die Primärinduktivität des Hochtonübertragers ist so ausgelegt, daß nur die Frequenzen über 1000 Hz mit zunehmender Amplitude übertragen werden und daß sie bei etwa 10 kHz eine Überhöhung von 20db erreichen. Die gesamte Impedanz des Anodenkreises bleibt durch diese Schaltungsmaßnahme über den ganzen Frequenzbereich nahezu konstant, ohne daß an der Überlappungsstelle der beiden Übertragungsbereiche wesentliche Phasenfehler auftreten. Wie aus Bild 2 hervorgeht, findet der Magnet des Zusatzlautsprechers gerade noch bequem unterhalb des Gerätechassis Platz.

Diese Anzeige hier rechts war es nicht, die originale kommt noch.

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