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1.September-Heft - 1950 Nr. 17
Statistik der neuen Empfangerproduktion

Zur technischen Struktur der Radio-Bauserie 1950/51

  • Anmerkung : Dieses Editorial sollte dem Radio-Handel Perspektiven aufzeigen und die Motivation stärken, sich weiter zu engagieren.


Wer sich der Mühe unterzogen hat, annähernd alle auf der 16. Deutschen Funkausstellung 1950 in Düsseldorf gezeigten Radioempfänger zu besichtigen, wird angesichts der verwirrenden Fülle der dort gebotenen neuen Gerätetypen meist nur bestimmte, besonders interessante Konstruktionen genau im Gedächtnis behalten haben.

Diese Tatsache ist nur allzu gut verständlich. Je mehr Geräte vorgeführt werden, desto schwieriger wird es, Vergleiche anzustellen, die Hand und Fuß haben.

Wer Gelegenheit hatte - sie ist von manchem FUNKSCHAU-Leser benutzt worden - an Hand der in Heft 16 veröffentlichten „Tabelle der deutschen Radiogeräte 1950/51" einen Rundgang an den Ständen der Empfängerindustrie zu machen, konnte sich leicht einen kleinen Überblick über die neue Produktion verschaffen.

Wenn auch die Statistik vielfach nur in Kreisen von Wissenschaftlern und Fachleuten Ansehen genießt, so ist sie doch zur exakten Begutachtung der neuen Bauserie vorzüglich geeignet.

235 Empfangsgeräte von 40 Herstellern

Zur näheren Beurteilung der Empfängerproduktion 1950/51 wurden in statistischen Zusammenstellungen der FUNKSCHAU-Redaktion, zu der die Radioindustrie freundlicherweise alle Unterlagen lieferte, 235 Empfangsgeräte von 40 Geräteherstellern erfaßt. Die Auswertung dieses umfangreichen Materials ist für den gegenwärtigen Stand und die Zukunftsentwicklung des Radiogerätebaues sehr aufschlußreich. Wir wollen sie daher unseren Lesern nicht vorenthalten.

Ein Blick auf den Durchschnitt

Ganz allgemein fällt auf, daß die Typenzahl der von den einzelnen Firmen produzierten Geräte gestiegen ist. Im Durchschnitt betrachtet liefert jede Radiofabrik 1950/51 etwa sechs verschiedene Geräte.

Die Typeninflation erklärt sich aus der Anzahl der fast bei jeder Firma neu hinzugekommenen AM-FM-Kombinationen. So erreichen die größeren Empfängerfabriken statt früher z. B. vier bis sechs Geräte jetzt in der Regel acht bis zehn verschiedene Empfänger.

Dagegen hat sich bei den ganz kleinen Empfängerfabriken die Typenzahl kaum erhöht, da diese Firmen für ihre Gerätetypen das UKW-Problem durch zusätzliche Einsatzteile gelöst haben.

Voraussagen vom Vorjahr ..... ?

Noch im vorigen Jahre (1949) ist prophezeit worden, daß aus wirtschaftlichen Gründen höchstwahrscheinlich der Allstromempfänger, der zahlenmäßig tatsächlich stärker vertreten war als der Wechselstromempfänger, in kommenden Jahren das Übergewicht erhalten werde.

Diese für den Techniker vielleicht wünschenswerte Entwicklungsrichtung hat sich im neuen Geräteprogramm erheblich gewandelt. Der Kunde bevorzugt wieder eindeutig den Wechselstromempfänger. So sind 70% der 1950/51 produzierten Radiogeräte Wechselstromtypen und nur 23% Allstromempfänger. Es ist nicht uninteressant zu beobachten, daß sich offenbar auch hinsichtlich der Stromart der Empfänger wieder friedensmäßige Verhältnisse durchgesetzt haben.

Der Geradeausempfänger

Wie unser Empfängerbericht in diesem Heft erläutert, der den Geradeausempfänger behandelt, ist im Vergleich zum Vorjahr der Einkreiser weiter zurückgegangen. Noch 1949/50 waren 10% aller Empfangsgeräte Einkreiser. Im neuen Baujahr finden wir nur mehr 5% Einkreis-Empfänger.

Man darf annehmen, daß der Geradeausempfänger noch mehr an Bedeutung verlieren wird, wenn die absinkende Preistendenz der kleinen Superhetklasse in nächster Zeit weiterhin anhält. An dieser Tatsache vermag auch die in der Geradeausklasse neu hinzugekommene AM-FM-Kombination nichts zu ändern. Auch die mittelgroßen Geräteproduzenten rücken immer mehr vom Geradeaustyp ab, pflegen dafür aber den billigen 6-Kreis-Super.

Das Superhetprogramm

Recht aufschlußreiche Einblicke gewährt die Statistik des Superhetprogrammes. Der vor zwei Jahren so sehr beliebte 3-Röhren-Kleinsuper ohne Zf-Stufe ist zahlenmäßig ganz erheblich abgesunken.

Noch im Vorjahre konnten wir den Anteil des 3-Röhren-Supers auf 15% beziffern. Im neuen Baujahr beträgt er nur 2,5%. Fehlender Schwundausgleich, mangelnde Trennschärfe und ein relativ hoher Verkaufspreis haben diesen Empfängertyp in Mißkredit gebracht. Bei den schwierigen Empfangsverhältnissen, die heute beim Empfang deutscher Sender im MW-Bereich vorherrschen, erweist sich der Kleinsuper als technisch überholt. Diese Mängel könnte zwar ein niedriger Verkaufspreis in gewissem Sinne ausgleichen, doch wird der Kleinsuper nie seine frühere Popularität zurückerobern.

Standard-Sechskreiser und 5-Röhren-Superhets

Mit je 30% sind im neuen Geräteprogramm der 4-Röhren- und der 5-Röhren-Super vertreten. Dabei handelt es sich beim 4-Röhren-Super meist um den Standard-Sechskreiser ohne Magisches Auge, während der 5-Röhren-Superhet zusätzlich ein Magisches Auge aufweist.

Bei günstiger Preiskalkulation und guten Fernempfangseigenschaften lassen diese produktionsmäßig stark vertretenen Klassen einen flotten Absatz erhoffen, auf den die niedrigen Preiskalkulationen Rücksicht nehmen. In der nächsthöheren Preisklasse hat der 7-Röhren-Superhet einen Marktanteil von ca. 10%.

Diese beinahe schon in die Großsuperklasse gehörenden Empfänger sind in erster Linie für hohe Trennschärfe und UKW-Empfang eingerichtet. Sie leisten fernempfangsmäßig etwas Besonderes, ohne allzu kostspielig zu sein. Die mit acht und neun Röhren bestückte Großsuperklasse ist mit insgesamt 6% vertreten.

Wie zu erwarten war, führte die Qualitätssteigerung der Empfängerproduktion und die Notwendigkeit einer größeren Typenauswahl zu einer zahlenmäßig größeren Produktion dieser Sonderklasse.

Die Spitzensuperhets

Die noch im Vorjahr schlecht besetzte Klasse der Spitzensuperhets hat sich gleichfalls günstig entwickelt und beansprucht mit ca. 2,5% Marktanteil beinahe ihren alten Platz, den sie im Vorkriegsprogramm jahrelang inne hatte.

Es lohnt sich ferner zu Beginn der AM-FM-Entwicklung den Anteil zu untersuchen, den dieser neue Empfängertyp heute schon erreicht hat. Es klingt überraschend, wenn man feststellt, daß unter den im Bauiahr 1950/51 hergestellten Superhetempfängern 32% AM-FM-Kombinationen sind, während 68% reine AM-Superhets darstellen.

Es ist außerdem ein gutes Zeichen für den Qualitätsgedanken der deutschen Gerätehersteller, wenn sich nur 11% der AM-FM-Superhets des Pendelaudions bedienen und 89% auch auf UKW mit Superschaltung arbeiten.

Jetzt kommt die Sonderspalte rechts neben dem Editorial

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UKW-Sendungen

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  • Anmerkung : Es fällt immer wieder auf, daß auch der Funkschau Leser verunsichert wird und der Redakteur das lange nicht bemerkt. Es wird sehr häufig mal von "FM" und dann wieder von "UKW" geschrieben - wie hier in der Überschrift. Für den normalen Leser liest sich daraus ein Unterschied heraus, denn in dem ganzen Editorial kam das Wort "UKW" nicht vor, dort wurde nur von "AM-FM" geschrieben.

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Die FUNKSCHAU hat sich in den letzten Heften öfters mit Problemen des UKW-Rundfunks auseinandergesetzt, fortschrittliche Entwicklungen aufgezeigt, aber auch dort, wo es angezeigt schien, berechtigte Kritik geübt. Auch heute besteht wieder Anlaß zu kritischer Stellungnahme.

Die Bandbreite der neuen AM-FM-Superhets ist wesentlich größer und vor allem um den Bereich der höheren Frequenzen erweitert worden.

Diese Tatsache findet bei den meisten für die UKW-Programmgestaltung verantwortlichen Abteilungsleitern und auch bei der Sendeleitung zu wenig Beachtung. Solange Original-Darbietungen, sogenannte „Life-Sendungen" übertragen werden, sind die UKW-Hörer restlos zufriedengestellt.

Der Empfang ist sauber und störungsfrei bei hervorragender Dynamik und einem Frequenzbereich, der 10 kHz sicher überschreitet.
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Viel zu oft kein Unterschied zur Mittelwelle

Sobald aber das normale Mittelwellenprogramm mit Schallaufnahmen bisher üblicher Qualität vom UKW-Rundfunk ausgestrahlt wird, treten in den UKW-Geräten beim bisherigen MW-Rundfunk nicht beobachtete Nebengeräusche aller Art auf, so daß man von einem genußreichen Empfang nicht mehr sprechen kann.

In diesen Fällen verzichtet der UKW-Hörer auf seinen UKW-Bereich und schaltet auf Mittelwelle, wo die gleiche Sendung zwar mit engem Band aber mit weniger Störgeräuschen abgehört werden kann.

Es liegt auf der Hand, daß die Qualitätssteigerung in sendetechnischer Hinsicht nicht von heute auf morgen geschehen kann. Es wird Aufgabe der Sendegesellschaften sein, bei allen Schallplatten- und Bandsendungen auf UKW besonders vorsichtig zu sein und möglichst wenig davon Gebrauch zu machen, solange einwandfreie Schallaufnahmen nicht zur Verfügung stehen.

Das nächste Editorial nach der Funkausstellung 1950

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2.September-Heft - 1950 Nr. 18
Von Stand zu Stand

Rund 230 000 Besucher sind in der Zeit von zehn Tagen auf der Deutschen Funkausstellung 1950 von Stand zu Stand gegangen, um sich persönlich von den gewaltigen Fortschritten der radiotechnischen Entwicklung der letzten Monate zu überzeugen.

Es waren viele Fachleute dabei, alle maßgebenden Großhändler und Radiohändler des westdeutschen Bundesstaates und aus Berlin, aber auch sehr viele Rundfunkhörer, die wieder einmal eine Funkausstellung erleben wollten. Das Gedränge war teilweise beängstigend und lebensgefährlich, und das zwar weiträumige, aber durchaus nicht übersichtliche Ausstellungsgelände war diesem Ansturm keineswegs gewachsen.

Die Ausstellungs-Leitung hatte alles getan, um den Besuchern neben der Industrie-Ausstellung viel des Sehens- und Wissenswerten zu bieten, und die Hallen der Rundfunkgesellschaften und der Bundespost waren schlechthin vorbildlich.

Der Besucher, der nicht über mehrere Tage Zeit verfügte, konnte sich hier immer nur ein paar Rosinen herauspicken, wollte er wenigstens noch einige Stunden für die Industrie - Schau übrig behalten.

Und auch in dieser, die umfangreicher war denn jemals vor dem Krieg, konnten viele nur feststellen, was „ihre" Marke, „ihre" Fabrik an neuen Geräten gebracht hatte.

Ein systematisches Durcharbeiten der ganzen Funkausstellung dürfte nur sehr wenig Besuchern möglich gewesen sein; mehr als in früheren Jahren muß hier die Fachpresse der Mittler zwischen der Fabrik und dem Interessenten sein.

(und jetzt loben wir uns mal selbst)

Daß sie sich ihrer Aufgabe bewußt ist, zeigten die umfangreichen und gründlichen Vorberichte der „FUNKSCHAU", die nun in der eigentlichen Berichterstattung ihre Fortsetzung finden, die sich indirekt noch durch manchen Monat hinziehen wird.

Die Berichterstatter müssen ja „von Stand zu Stand" gehen und die Ingenieure und Kaufleute jeder mal auf Herz und Nieren befragen und die neuen Schöpfungen in Augenschein nehmen.

Von Seiten der Techniker wurde ihnen die Arbeit zumeist leicht gemacht, denn wenn auch viele Empfänger-Modelle erst im letzten Augenblick auf der Ausstellung erschienen waren, so hatte man doch Schaltungen und alle technischen Unterlagen bereit.

Die Kaufleute dagegen waren diesmal oft in einer Abwehrstellung, hatten sie doch schon an den ersten Tagen, manche Firmen sogar am ersten Tag ihre gesamte Produktion ausverkauft, oder sie sahen sich bereits wieder in die höchst unfreiwillige Rolle des Verteilers gedrängt, der bemüht sein muß, die aufgelegten Geräte möglichst gerecht und gleichmäßig an die Händlerschaft zu verteilen.

Die gesamte Produktion von 1951 ausverkauft ?

Der Großhandel versuchte, bisher für unmöglich gehaltene Stückzahlen an Empfängern bei der Industrie in Auftrag zu geben, eine Anzahl großer Händler schloß sich diesem Vorgehen an, und nach einigen Tagen sah man die Radiohändler von Stand zu Stand gehen, froh, wenn sie hier oder da noch einige Empfänger in Auftrag geben konnten. Die Radioindustrie schien ausverkauft.

Wie kam dieser „Run" auf die Empfänger zustande? Gewiß mag die politische Situation ihren Einfluß ausgeübt haben, der Hauptgrund war aber wohl die Erkenntnis, daß man hochwertige Rundfunkempfänger, so billig wie in diesem Jahr, kaum je wird kaufen können.

Wenn es auch an sich erfreulich ist, daß die Empfänger- Preise noch einmal eine Reduzierung erfahren haben, erfreulich im Interesse des Hörers, so ist diese Entwicklung doch ohne Zweifel zu weit gegangen, so daß sie sich leicht zum Schaden nicht nur des Produzenten, sondern schließlich auch des Händlers und des Käufers auswirken kann.

Hier hat der Redakteur etwas versäumt oder nicht erkannt ....

Es ist sehr fraglich, ob das heutige Preisniveau gehalten werden kann, ja es ist höchst unwahrscheinlich.

  • Anmerkung : Hier zeigt der Redaktuer Schwandt, daß er nicht richtig hingesehen hatte oder es gar nicht mitbekommen hatte. Der "Newcomer" Max Grundig setzte seit vielen Monaten den Maßstab (für die niedrigen Marktpreise) sehr hoch an, denn er legte jeweils 10.000 Stück eines Modells auf seine Bänder. Da mußten die (alle) Wettbewerber eingermaßen mithalten, um nicht unglaubwürdig zu werden.


Wenn die Rohstoffe und das vorgearbeitete Material, das die Fabriken z. Z. auf Lager haben, um die aufgelegten Serien fertigzustellen, wenn also die jetzigen Vorräte aufgearbeitet sind und neue Serien oder Nach-Modelle aufgelegt werden müssen, dann werden sich Preiserhöhungen nicht vermeiden lassen.

Schon heute ist diese Tendenz zu beobachten, indem Fabriken die Serien der für sie preisungünstigsten Geräte beschränkten, um teure Empfänger in der zu fabrizierenden Stückzahl etwas günstiger zu stellen.

Überhaupt ist hier sehr deutlich der Zug zum hochwertigeren und damit teueren Empfänger zu beobachten; man legt lieber einen höheren Betrag an, wenn man dafür einen technischen Vorteil oder ein schöneres Gehäuse eintauschen kann.

und jetzt noch etwas Blablabla .....

Weitsichtige Fabrikanten haben sich durch die Entwicklung in Düsseldorf deshalb auch nicht täuschen lassen, sondern sie führen ihre Vertriebs- und Werbemaßnahmen genau so weiter, als hätte es diesen Run nicht gegeben.

Denn sie wissen, nicht die augenblickliche Absatz-Spitze, sondern eine stetige Beschäftigung ihrer Fabriken ist das, was sie mit allen Mitteln anstreben müssen.

E. Schwandt

  • Anmerkung : Da hat sich der Herr Schwand mehrfach geirrt oder ihm ist da etwas entgangen. Der Kollege aus der Funk-Technik hatte das viel treffender als gnadenlosen Wettbewerb bewertet (gegen den Markt-Störer Max Grundig - "störe meine Profite nicht"), das uns hier der Herr Schwand als kollegiales Miteinander verkaufen will (wollte). Das stimmte also überhaupt nicht.

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Bild : Auch die radiotechnische Fachliteratur war diesmal einem ungewöhnlichen Ansturm ausgesetzt. Der Stand der „FUNKSCHAU" und des Franzis-Verlages war ständig umlagert, und an manchen Tagen reichten die Verkauf smöglichkeiten dieser Buchausstellung bei weitem nicht aus. Großem Interesse begegnete vor allem die neue „Radio - Praktiker -Bucnerei", deren billige Bändchen einem großen Bedürfnis entgegenkommen.

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