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Technik-Artikel 3 - teilweise aus einem Büchlein von 1988

Die beiden Autoren Michael Janitz und Claus Römer sind oder waren Ingenieure beim Südwestfunk Baden Baden (damals noch SWF, inzwischen SWR) und haben mehrere Aspekte der 1988 modernen Rundfunk- und Studiotechnik beschrieben. Die Didaktik ist vorbildlich und der Schreibstil ist mustergültig, darum hier ein paar Auszüge. Dies ist einer von mehreren Artikeln. Der nächste Artikel steht hier. Die Übersicht über alle diese Artikel steht hier.

Eine sehr "rudimentäre" Darstellung der Geschichte

So würde ein Jurist das nennen, das jetzt folgt. Es ist deshalb hier aufgenommen, weil es in einem Buch stand, in dem die Geschichte des Rundfunks recht detalliert und ausführlich dargestellt wurde. Diese Magnetbandgeschichte ist schon recht einfach "abgehandelt".

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Der tönende Draht

Die ersten gedanklichen Vorstellungen von dem magnetischen Aufnahmeverfahren stammten - wie schon angedeutet - von dem Amerikaner Oberlin Smith. Ob er seine Erfindung je praktisch erprobt hat, weiß man nicht. Bekannt sind jedoch die hoffnungsvollen Versuche des Dänen Valde-mar Poulsen (1869-1942), dessen Telegraphon genannter Apparat die Tonsignale magnetisch auf Draht speicherte. Dabei verwendete er als Tonträger eine Klaviersaite.

Das Telegraphon gilt als Vorläufer unseres heutigen Tonbandgerätes
. Valdemar Poulsen war ein eifriger Konstrukteur; er baute eine ganze Reihe verschiedener Geräte, verbesserte das Aufzeichnungsverfahren, experimentierte auch mit Stahlbändern und stellte schon fernbedienbare Diktiergeräte her.

Reinheit und Klarheit ohne lästigen Beilaut

Im Jahre 1900 veröffentlichte er in den "Annalen der Physik" seine Untersuchungsergebnisse. Zur Tonqualität seines Telegraphons schrieb der Erfinder: "Die wiedergegebene Rede hat eine besondere Reinheit und Klarheit ohne lästigen Beilaut. Die Apparate geben nicht nur, was gesprochen und gesungen wird, außerordentlich korrekt wieder, sondern auch, was in das Mikrofon geflüstert wird. Selbst der schwache Laut des Atemzuges kann wiedergegeben werden."

Im gleichen Jahre 1900 wurde die dänische Sprechmaschine auf der Pariser Weltausstellung gezeigt, auf der sie große Bewunderung erregte und ihrem Erfinder den Grand Prix einbrachte. Sie wurde dort auch dem greisen Kaiser Franz-Joseph von Österreich vorgeführt, der sich auf einer erhalten gebliebenen Aufnahme sehr lobend über den Apparat ausgesprochen hat.

Trotz dieser scheinbar guten Aussichten verschwand die Magnettontechnik für fast zwei Jahrzehnte wieder aus der Öffentlichkeit, denn obwohl Valdemar Poulsen bei seiner Konzeption versucht hatte, alle Forderungen für eine gute Magnettonaufzeichnung zu erfüllen, war die Zeit um die Jahrhundertwende noch nicht reif für ein derart anspruchsvolles Vorhaben.

Der damaligen Technik fehlten u.a. Hilfsmittel und Fertigungstechnologien für die Herstellung der Köpfe und des Antriebes. Sprache und Musik klangen keineswegs in "besonderer Reinheit", wie Poulsen seine Ergebnisse im Vergleich zu der damals noch recht primitiven Nadeltontechnik Emil Berliners und Edisons gerühmt hatte. Deutlich waren Verzerrungen und außerdem ein Rauschen hörbar, das, wie wir heute wissen, von der Gleichfeldmagnetisierung herrührte, die für die Plazierung eines günstigen Arbeitspunktes auf der Magnetisierungskennlinie notwendig war.

Es wurde ruhig um den tönenden Draht; der dänische Erfinder widmete sich neuen Problemen und überließ es anderen, die Magnettontechnik voranzutreiben.

Curt Stille und Fritz Pfleumer

1927 griffen die deutschen Ingenieure Curt Stille (1873-1957) und Fritz Pfleumer (um 1880-1945) das magnetische Verfahren wieder auf und experimentierten mit Stahl- und Papierbändern, die mit Stahlspänen beklebt waren. Diese Methode erwies sich als so zukunftsträchtig, daß sich der Elektrokonzern AEG dafür interessierte. Er beauftragte die BASF (damals die IG Farben Tochter), eine Kunststoffolie herzustellen, die anstelle des wenig reißfesten Papierträgers verwendet werden konnte.

Die Ludwigshafener Firma erfüllte diese Aufgabe und sorgte im übrigen auch für eine gleichmäßige Beschichtung mit der vorteilhaften Gamma-Eisenoxid-Substanz. 1934 konnten die ersten 50.000 Meter Tonband ausgeliefert werden.

Bei der AEG war inzwischen der Prototyp eines Magnetbandgerätes herangereift. Er wurde auf der Berliner Funkausstellung 1935 unter dem heute noch firmengeschützten Namen "Magnetophon" mit der Typenbezeichnung K1 (für Kofferversion 1) präsentiert. Auch der Rundfunk interessierte sich für das Magnetophon, denn die Reichsrundfunk-Gesellschaft (RRG) verwendete damals für ihre Schallaufnahme Wachs- und Decelith-Platten, also selbstgefertigte Schallplatten, die wegen der starken Abnutzung nur wenige Male gespielt werden durften.

Derartige Probleme gab es beim Tonband nicht, und man konnte uninteressante Aufnahmeteile leicht herausschneiden, denn die Tonbandmaschinen liefen mit einer Bandgeschwindigkeit von 1m/s. Die noch immer unbefriedigende Tonqualität ließ aber den Einsatz des Magnetophons nur in Ausnahmefällen, z.B. bei Reportagen, zu.

1940 - endlich perfekt

In den Labors der RRG und der Industrie arbeitete man an der Verbesserung dieses vielversprechenden Aufnahmeverfahrens. Ein entscheidender Schritt gelang den beiden Forschern Walter Weber (1907-1944) und Hans Joachim von Braunmühl (1900-1980), der nach dem Krieg zum Südwestfunk nach Baden-Baden kam und von 1960 bis 1967 dessen technischer Direktor war.

Durch Zufall bemerkten sie eine schlagartige Qualitätsverbesserung, als der Aufnahmeverstärker ungewollt auf einer hohen Frequenz zu schwingen begann. Das störende Rauschen und die Verzerrungen waren plötzlich nicht mehr hörbar. Nach Erforschung und Optimierung dieses Effektes wurde das Verfahren unter dem Namen "Hochfrequenz-Vormagnetisierung" 1940 allgemein eingeführt.

Neben den akustischen Verwendungszwecken hat sich die Magnetbandtechnik auch in anderen Bereichen bewähren können. Seit etwa 30 Jahren gibt es Bildaufzeichnungsgeräte, mit denen Videosignale auf Band gespeichert werden können. Ein Großteil der Fernseh-Produktionen wird heute auf sogenannten MAZ-Bändern aufgenommen. Zum anderen haben die modernen Computer vom Magnetband profitieren können, da es sich hervorragend zur Datenspeicherung eignet.

Abb.: Das erste Magnettongerät K1 von der AEG (1935)

Ausführliche Informationen mit vielen Bildern und Berichten finden Sie in unserem Magnetbandmuseum


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