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Hans Sutaner - Schallplatte und Tonband (aus 1953)
Rückblick - Historie

Von Papst Sylvesters sprechender Figur zum elektrischen Plattenspieler
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Paris - 11. März 1878 - Alles Lügen

„Sie Schuft! Glauben Sie, wir lassen uns von einem Bauchredner zum besten halten !!" Diese Worte soll der aufs äußerste erregte Akademiker Bouiland ehrlich entrüstet dem Physiker DuMoncel zugerufen haben, als dieser am 11. März 1878 in Paris Edisons Phonograph einer Versammlung von Gelehrten in der Akademie der Wissenschaften vorführte. Bouiland beharrte auch nach eingehender Prüfung des Apparats weiter auf seiner Meinung, die er mit den Worten begründete, er könne unmöglich annehmen, daß ein totes Stück Metall den edlen Klang der menschlichen Stimme wiederzugeben vermöge.

Eine sprechende Maschine - unmöglich

Es war der damaligen Zeit unfaßbar und daher unglaubhaft, daß eine unansehnliche, einfache Maschine deutlich, wenn auch wahrscheinlich „krächzend und entstellt", dieselben Worte wiedergab, die man in sie hineingesprochen hatte. Dabei hat das Problem, die menschliche Stimme festzuhalten, schon in frühesten Zeiten die Menschheit bewegt.

Im Jahr 998

Papst Sylvester hat bereits 998 bekanntgegeben, eine Figur verfertigt zu haben, die Fragen beantwortete. Der Dominikanermönch Albert Magnus zu Köln soll etwa 1265 eine Statue erfunden haben, die zu sprechen verstand. Damals hätte man mit Recht von Betrügereien sprechen können; denn es wird sich hier nur um versteckte Rohrleitungen gehandelt haben, die den Schall fortleiteten und die von lebenden, am anderen Leitungsende stehenden Menschen besprochen wurden.

Wie bei den Schildbürgern

Ähnlich wie die Schildbürger das Licht in Säcke füllen wollten, um damit ihre fensterlose Kirche zu erhellen, hatte sich der italienische Physiker Porta ausgedacht, wie man Worte in eine bleierne Röhre sprechen könne. Man müsse die Röhre nur flugs verschließen, so daß die Laute gar nicht erst zu vernehmen seien. Würde die verschlossene Röhre dann an einem anderen Ort wieder geöffnet, so wäre das Hineingesprochene wieder zu hören.

1634 - märchenhafte Theorien

Auch die angeblichen Erfindungen oder märchenhaften Theorien von J. Kepler (1634), von Cyrano de Bergerac (1656) und des Nürnberger Mechanikers Franz Gründle (1680) führten zu nichts. Erst französische und deutsche Gelehrte (Mersenne und Schellhammer) mußten Ende des 16. Jahrhunderts feststellen, daß sich der Schall wellenförmig ausbreitet, damit Sauveur die Lehre vom Schall (von der Akustik) um 1700 begründen konnte.

Musik von Walzen und Löchern

Nun erfand man wohl mechanische Musikinstrumente (Spieldosen, Drehorgeln usw.), die Töne oder Melodien erklingen ließen. Kunstvoll hatte man hierzu Stifte auf Walzen oder Löcher in Blechscheiben angebracht. Die Walzen oder Blechscheiben wurden über einen Federantrieb in Drehung versetzt, und ihre Stifte (Löcher) betätigten Stahlzungen oder Saiten, die auf verschiedene Töne abgestimmt waren, so daß Musik zustande kam. Alle diese Apparate konnten aber keine Töne aufnehmen.

um 1800 - Töne sichtbar machen

Erst der um 1800 von dem Deutschen W. E. Weber konstruierte Tonaufzeichnungsapparat - verbessert von Svart und Du Hamel - kam dieser Idee wieder näher. Die Schwingungen von Stimmgabeln oder von Saiten wurden auf eine sich langsam drehende und gleichzeitig fortbewegende Walze übertragen, die mit einer Rußschicht überzogen war. Bei dieser primitiven Aufzeichnung war eine Wiedergabe aber überhaupt nicht möglich.

1841 - Die sprechende Türkin

Rein mechanisch löste dann 1841 der deutsche Mechaniker Faber das Problem der Wiedergabe der menschlichen Stimme.

Er erregte mit seiner sprechenden Türkin (Bild 1) großes Aufsehen. Kehlkopf, Zunge, Lippen und Zähne waren genau nachgebildet, ein Blasebalg ersetzte die Lunge. Faber erreichte es, durch Niederdrücken von Tasten über einen komplizierten Mechanismus alle die Bewegungen genau nachzuahmen, die die einzelnen menschlichen Sprechorgane ausführen. Wurden die Tasten in den gewünschten Lauten entsprechender Reihenfolge angeschlagen, so konnten Worte und Sätze ganz nach Belieben gesprochen werden. 1901 war diese Maschine noch in Berlin von einem Schauspieler vorgeführt worden. Seitdem blieb sie verschollen.

1859 - Ein erster "Tonschreiber"

Einen Tonschreiber bildete erst wieder der Phonoautograph (Bild 2) des englischen Physikers Scott (1859). Er bestand aus Walze, berußtem Pappzylinder, Membrane und spitzem Stift sowie Schalltrichter. Wenn gegen die Membrane gesprochen und gleichzeitig die mit Spiralrillen versehene Walze gedreht wurde, so folgte der Stift den Furchen, wobei er in die Rußschicht des Pappzylinders eine Wellenlinie ritzte. Auch dieser Apparat konnte aber nur Schallwellen auf die Walze zeichnen.

Bald danach soll vorgeschlagen worden sein, den Zylinder mit Firnis zu überziehen und nach dem Hartwerden den Stift über diese Schicht laufen zu lassen. Es ist aber nicht bekannt, ob dieser Vorschlag, der zum Phonographen hätte führen können, jemals verwirklicht wurde.

Anmerkung : Das hat mit dem "Tonschreber" der AEG ab 1940 aber nichts gemeinsam.
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Juli 1877 - ein Sprechapparat

Immerhin vergingen noch 18 Jahre, ehe der Sprechapparat erfunden wurde, und zwar tauchten zwei nahezu gleiche Konstruktionen auf. Im April 1877 reichte der Franzose Charles Gros der Pariser Akademie der Wissenschaften in versiegeltem Umschlag eine Denkschrift ein, in der ein Phonograph beschrieben wurde, auf dessen Wachswalze die Schwingungen von Tönen nicht nur aufgezeichnet, sondern von der sie auch wiedergegeben werden konnten.

Das Edison-Patent

Wenige Monate später, am 30. Juli 1877, meldete Thomas A. Edison das Patent für seinen Phonographen in New York an. Während Cros' Name und Erfindung so gut wie vergessen waren, verstand es Edison von Anfang an, weite Kreise für seinen Apparat zu interessieren, und gilt allgemein als der Erfinder des Phonographen.

Die Legende über den Zufall

Derselbe Herr Du Moncel, den wir eingangs erwähnten, schrieb etwa folgende Legende über den Zufall, der Edison auf den Gedanken des Phonographen brachte:

„Als Edison mit dem Telephon experimentierte, ritzte ihn ein Stift, der an einer Membrane angebracht war, in dem Moment in den Finger, als die Membrane durch seine Stimme in Schwingungen versetzt wurde. Der Stich genügte, um das Blut sickern zu lassen. Das brachte Edison zu folgenden Überlegungen : Wenn schon die Vibrationen der Membrane ausreichten, um die Stiftspitze durch die Haut dringen zu lassen, dann müßte der Stichel auf einer nachgiebigen Oberfläche auch Linien hervorbringen, die genau die beim Sprechen entstehenden Schallschwingungen abbilden. Wenn man dann eine Nadel wieder über die Linie laufen läßt, müßte sie alle Vibrationen wieder ausführen und auf eine Membrane übertragen, wie er sie schon für die Wiedergabe von Morsezeichen verwendet hatte. Zwischen dieser Idee und ihrer Verwirklichung lag nur eine kurze Zeitspanne; zwei Tage später war der Phonograph angefertigt und ausprobiert."

Die Worte des alten englischen Kinderliedes „Mary had a little lamb" (Mariechen hatte ein kleines Lamm) waren die ersten Laute, die ein Phonograph der Nachwelt erhielt. Edison selbst sprach sie mit mächtiger Stimme in den Trichter.

Der erste Phonograph

Der erste Phonograph (Bild 3) sah noch recht primitiv aus. Auf einem eisernen Bock war eine Walze mit einer Achse gelagert, die über ein Schwungrad mit Handgriff gedreht und gleichzeitig in der Längsrichtung fortbewegt werden konnte. Auf die Walze legte man ein Stanniolblatt, gegen das der Stift einer dünnen Membrane drückte, die das eine Ende eines kurzen Rohres abschloß.

Die Funktion der Aufnahme

Drehte man langsam die Walze, so folgte die Nadelspitze den Rillen der Walze. Sprach man nun in den Trichter, so geriet die Membrane in Schwingungen, die der Stift in das Stanniolblatt eindrückte.

Die Funktion der Wiedergabe

Eine so bespielte Walze ließ sich wieder abspielen, wenn der Stift in die Anfangsstellung gebracht und durch Drehen der Kurbel erneut über das Stanniolblatt geführt wurde.

Die Nadelspitze folgte dann den ersten Aufzeichnungen und teilte ihre Vibrationen nunmehr der Membrane mit, die ihrerseits die Schwingungen auf die im Trichter stehende Luftsäule übertrug, so daß die vorher vom Stift aufgezeichneten Töne wieder zu hören waren.

Gefühl (beim Kurbeln) war gefragt

Die richtige Tonlage kam aber nur zustande, wenn die Walze sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Wiedergabe mit gleicher Geschwindigkeit gedreht wurde. Bewegte man die Kurbel schneller, dann folgten auch die Töne schneller aufeinander, und zwar in einer höheren Tonlage. Drehte man langsamer, so ergab sich auch eine langsamere Tonfolge, und der Klang wurde tiefer und dumpf.

1878 - Wunder verbreiten sich schnell

Die Kunde vom „Wunder des Phonographen" verbreitete sich schnell über die ganze zivilisierte Welt, wegen seiner Unvollkommenheit blieb aber auch eine heftige Kritik nicht aus.

Die „Leipziger Illustrierte Zeitung" schrieb im August 1878, daß der Phonograph nur als ein äußerst interessanter Versuch anzusehen sei, aber vorläufig praktisch nicht zu verwenden wäre.

Erst elf Jahre später (1889) beschreiben die Zeitungen einen vervollkommneten Apparat. Dieser besitzt nunmehr eine Walze aus einer wachsartigen harten Masse, die nicht mehr mit der Hand gedreht, sondern von einem kleinen Elektromotor gleichmäßig angetrieben wird.

  • „Zur Wiedergabe der Laute dient eine zweite, mit einem Metallknöpfchen versehene Membrane, und die Schallwellen werden jedem Ohr durch einen Hörer zugeführt, der aus einem Kautschukschlauch besteht. ... Bei einem Preis von 600 Mark soll der Phonograph damals in Amerika bereits in 3000 Exemplaren praktisch verwertet worden sein, insbesondere zur Aufnahme diktierter Briefe in großen Handelsgeschäften."

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1891 - in der „Leipziger Illustrierte Zeitung"

Die „Leipziger Illustrierte Zeitung" bringt in ihrer Nummer vom 4. Juli 1891 folgendes :

  • „Auf der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main ist die Koje, in welcher Edisons Phonograph vorgeführt wird, ständig umlagert (Bild 4). Es gewährt ein großes Vergnügen, das Mienenspiel derjenigen Personen zu beobachten, die sich die Hörröhrlein in die Ohren gesteckt haben und an dem ersten Phonographen hören, wie von einer schauspielerisch geschulten Stimme der Erlkönig declamiert wird, um dann an einem zweiten Phonographen ein Concert von Flügel und Flöte zu hören, welches, ebenso wie die Declamation, phonographiseh vor einigen Monaten aufgenommen ist."

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25 Pfg für den Gesang auf jeder Walze

Die von der Bell-Gruppe verwertete Erfindung Edisons besaß noch sehr wesentliche Nachteile: Die bespielte Wachsplatte ermöglichte nur eine sehr leise Wiedergabe, daher die „Hörröhrlein", und war auch nicht beliebig oft reproduzierbar; denn sie nutzte sich verhältnismäßig schnell ab. Auf dem Transport wurden die Walzen beschädigt, wenn sie nicht sorgfältig genug verpackt waren. Schließlich mußte jede Wachswalze für sich besprochen oder besungen werden. Ein guter Sänger erhielt für jede Walze 25 Pfg, was gegen die heute an Prominente zu zahlenden Honorare recht kläglich anmutet.

1887 - Das „Grammophon" mit der runden Platte

Inzwischen hatte der in Washington lebende Hannoveraner Emil Berliner eine andere Sprechmaschine gebaut, die er 1887 unter dem Namen „Grammophon" (Bild 5) herausbrachte. Es unterschied sich von Edisons Phonographen dadurch, daß Berliner an Stelle der Walze eine Platte benutzte.

Diese kreisförmige, ebene Platte war mit einer Wachsschicht überzogen, in die der mit der Membrane verbundene Stift die Tonschwingungen in einer Spirallinie eingrub. Die aus der Schicht herausgeschnittenen Wachsspäne wurden durch einen Flüssigkeitsstrahl herausgespült. Berliner gelang es, von den Aufnahmeplatten Matrizen auf galvanoplastischem Wege herzustellen und mit diesen Tausende von Spielplatten zu pressen.

In 1900 bereits über zweieinhalb Millionen Platten

Hiermit begann der Siegeszug des Grammophons (Bild 6). Obgleich man schon überglücklich war, wenn man der Platte die schneidigen Klänge einer handfesten Militärkapelle anvertrauen konnte, wurden im Jahre 1900 bereits über zweieinhalb Millionen Schallplatten verkauft, nachdem in den letzten Jahren vorher fast fünf Millionen abgesetzt worden waren (Phonographische Zeitschrift Nr. 24/1902). Wer älter ist, erinnert sich noch der Zeit, als das Grammophon in allen Ausführungen - von der einfachsten Sprechmaschine bis zum eleganten Tonmöbel - im Handel angeboten und auch abgesetzt wurde.

November 1909 - ein gewisser Felix Nabinger schreibt

Wenn auch die Meinung des Publikums über den Wert des Grammophons damals noch geteilt war, gab es bald begeisterte Anhänger dieser neuen Musikinstrumente.

Ein im November 1909 in den „Münchner Neuesten Nachrichten" erschienener Artikel kennzeichnet den damaligen Stand der Sprechmaschinenindustrie besonders deutlich. Unter der Überschrift „Der Grammophonvirtuose" schreibt ein gewisser Felix Nabinger u. a. folgendes:

  • „Wer wird heute, ich bitte Sie, nicht über das Grammophon schimpfen. Die Abneigung gegen die automatische Musikmühle gehört zum eisernen geistigen Inventar jedes gebildeten Menschen. Wer die Musikmühle verteidigt, riskiert, daß ihm nachts die Fenster eingeworfen werden. Es gehört Mannesmut dazu, ein gutes Wort für Stift, Membrane und Hartgummiplatte einzulegen. Und diesen Mannesmut besitze ich. Ich bekenne mich hiermit als begeisterten, ja fanatischen Anhänger der automatischen Musik."

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Der Durchbruch kam mit Enrico Caruso

Nachdem auch der weltberühmte Sänger Caruso seine Stimme auf Schallplatten aufnehmen ließ, waren Caruso-Platten ein begehrter Handelsartikel. Konnte doch jeder Carusos Stimme zu Hause hören, und diejenigen, die einer Caruso-Aufführung beigewohnt hatten, waren in der Lage, sich diese Erinnerung jederzeit mit Hilfe der gekauften Schallplatte im Heim wieder zu reproduzieren.

Zweifellos hat gerade Caruso erheblich zur Verbreitung der Schallplatte beigetragen. Was anfänglich nur für eine Konjunktur oder vorübergehende Neuheit gehalten worden war, wurde zu einem sich in jedem Jahr verdoppelnden Geschäft.

1914 beginnen schwere Zeiten

Der erste Weltkrieg 1914 und die darauf folgenden Inflationsjahre brachten der Phonoindustrie schwere Zeiten. Als ernsthafter Konkurrent tauchte der Rundfunk auf, der ab 1923 in Deutschland rasch aufblühte und das Interesse vieler auch in technischer Hinsicht erregte.

Ebenso wie Edisons Phonograph von dem Grammophon verdrängt worden war, so löste der Rundfunk die Sprechmaschine Berliners ab. Aber seine Schallplatte blieb am Leben !

1923 - Die Einführung des Rundfunks

Sehr bald nach Einführung des Rundfunks entwickelte man elektrische Abtastdosen und Plattenspieler, mit denen sich Schallplatten über den Lautsprecher des Rundfunkempfängers mit wesentlich besserer Qualität als mit den normalen mechanischen Abtastdosen der Grammophone zu Gehör bringen ließen.

Bis 1926 alle Aufnahmen per Trichter

Durch die beim Rundfunk gewonnenen technischen Erkenntnisse verbesserte man nunmehr auch die Aufnahmemethoden für Schallplatten. Bis etwa 1926 wurden alle Aufnahmen bei den Schallplattenherstellern rein akustisch durchgeführt, d. h., vor ein oder mehreren Riesentrichtern hatte sich das Orchester aufgebaut, der Sänger oder die Sängerin stand vor einem besonderen Trichter. Damit eine künstlerisch einigermaßen befriedigende Gesamtwirkung erzielt wurde und die einzelnen Instrumente in der ihnen zukommenden Stärke zu hören waren, mußten einige Musiker beinahe in dem Riesen trichter sitzen, während andere wieder weiter weg ihre Plätze hatten und noch andere auf hohen Podesten thronten.

Gesangsstimmen und gewisse Musikinstrumente - besonders die Trompeten - ließen sich verhältnismäßig gut auf die Platte bringen, andere - z.B. die Orgel - waren für die Aufnahme völlig ungeeignet.

Das Mikrofon änderte alles

Dies änderte sich mit einem Schlage, als die Aufnahmen auf elektrischem Wege durchgeführt wurden. Die Entwicklung führte bald vom Kohlemikrophon bis zum hochwertigen Kondensatormikrophon. Man konnte dadurch von der verkrampften Aufstellung des Orchesters absehen und auf die natürliche und zweckmäßige Anordnung der Musiker zurückkommen, weil einfach mehrere der kleinen und überall leicht unterzubringenden Mikrophone an den erforderlichen Plätzen aufgestellt oder aufgehängt wurden.

"Ausgezeichnete" Klangqualität und Tonfülle

Die ausgezeichnete Klangqualität und Tonfülle der nun aufkommenden leistungsfähigen Verstärker ermöglichte nicht nur große Auslenkkräfte für die Schneidnadel, sondern erlaubte das Festhalten jeder feinsten Klangschattierung, auf die eine akustische Aufnahmetechnik niemals reagiert hätte.

Durch diese neue Aufnahmetechnik erfuhr das Repertoire der Schallplattenfabriken eine erhebliche Bereicherung. Die Symphonien großer Meister ließen sich auf Schallplatten so aufnehmen, daß sie genußreich wiedergegeben werden konnten. Instrumente, deren Reproduktion früher nicht möglich war, erklangen nunmehr auch von den Schallplatten.

Ein gewaltiger Aufschwung

Die Schallplattenindustrie erlebte einen neuen Aufschwung. So wurden z. B. von dem Onestep „Valencia" insgesamt 22 Millionen Schallplatten abgesetzt. Die Börsenkurse der Phonoaktien stiegen auf 500 ..... 1000%, Zahlen, die auf phantastische Gewinne schließen lassen.

Nach dem 2. Weltkrieg ab 1946

Nach dem zweiten Weltkrieg kam auch die Phonoindustrie nur langsam wieder in Schwung. Die Schallplatte hat nunmehr aber wieder gute Aussichten; sie ist verhältnismäßig billig und liefert fertige hochwertige Aufnahmen. Zahllose Plattenspieler sind in den Händen der Menschen. Außerdem sind die Schallplattenhersteller sehr rührig. Neue Aufzeichnungsverfahren sind entwickelt worden, von denen wir noch sprechen werden; die Plattenspieler wurden durch neue, besonders leichte und daher plattenschonende Abtastdosen (Kristalltonabnehmer) beträchtlich verbessert, und schließlich hat man Langspielplatten mit wesentlich längerer Spieldauer herausgebracht.

Neu - das Tonbandgerät

Daneben kam das Tonband auf, das ebenfalls noch viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung hat. Wenn es gelingt, das Magnettonbandgerät zu einem für viele erschwinglichen Preis herzustellen, dann werden sich weite Kreise dafür interessieren. Sollten dann bespielte Tonbänder mit hochwertigen Aufnahmen in den Handel kommen, dann könnte dies das Ende der Schallplatte bedeuten. Aber bis dahin wird noch ein weiter Weg sein, der vielleicht nie begangen wird.

Zunächst liegt ja das Schwergewicht des Magnettongeräts darin, daß jeder selbst Aufnahmen herstellen kann, seien es eigene Darbietungen über ein Mikrophon mit Verstärker oder Sendungen des Rundfunks über einen Radioempfänger.

Zunächst wollen wir uns nunmehr der Schallplatte zuwenden und versuchen, dem Leser ihre vielen Geheimnisse zu entschleiern.
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