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Schallplattenrezensionen aus den Anfängen der Hifi Ära.

Wir bringen diese Beschreibungen hier als historische Dokumente, da oft nicht gesagt wird, womit die der Teznsent überhaupt gehört hat. Und Hifi war vor 1960 richtig teuer und die Lautsprecher klangen überhaupt nicht bzw. wandelten die elektrischen Signale nur sehr bescheiden in Musik um.

RM 1955/2 - Philips Ton GmbH

Die erste der neuen Philips-Aufnahmen trägt die Titel „Regen auf dem Regendach" und „Carnavalito" (P 44 629 H). John Paris singt und das Orchester Berking begleitet. Die Aufnahmen erfolgten in einem hochmodernen Studio mittlerer Größe mit geneigter Decke. Das Orchester saß im niedrigsten Teil des Raumes. Der bewußt hervorgerufene Eindruck der Großräumigkeit macht die sehr gut gelungene Platte besonders für „Background" (Hintergrund)-Musik geeignet, wie sie vielfach für die Übertragung in Gaststätten gebraucht wird. — Alte Schlager klingen im Potpourri „Leckerbissen" auf, das Kurt Drabek mit seinen Solisten spielt (P 44 616 H). Im Stil ist die Interpretation der Zeit angepaßt, in der diese Schlager modern waren. Teilweise liebenswürdig parodiert, läßt die Platte beim Anhören manche alten Erinnerungen anklingen. Zur Aufnahme wurde eine große durch Vorhänge hallarm hergerichtete Bühne verwendet.

Eine nette Abwechslung bietet an einer Stelle die Melodieführung durch das Baßsaxofon. — „Fried'l mit der Fied'l" und „Im grünen Wald" wurden in einem ganz modernen sehr kleinen Studio aufgenommen, dessen Wände zur Hälfte verputzt und zur Hälfte mit Schallschluckplatten verkleidet sind; durch Vorhänge aus Spezialmaterial läßt sich die Raumakustik in weiten Grenzen verändern (P 44 621 H). Die mit drei Mikrofonen hergestellte Aufnahme ist sehr interessant: Die elektrische Orgel war direkt an den Aufnahmeverstärker angeschlossen, und das Händeklatschen wurde nachträglich über den Hallraum einsynchronisiert. Es spielten das Lucas-Trio, Henny Kraus und Peter Graf. — Was sich in einem so raffiniert eingerichteten Studio alles machen läßt, zeigt eine Will-Höhne- Platte mit „Großstadt-Blues" und „Vagabund" (P 44 620 H). Die Stimme des Sängers konnte ganz besonders intim auf das Tonband gebannt werden. Die einzelnen Instrumentegruppen hatte man in durch Schallschirme gebildete Nischen gesetzt und die Orgel wieder elektrisch auf das Mischpult geschaltet. Der Tonmeister konnte also die Stimme des Solisten unbeeinflußt durch die Begleitinstrumente so „herausschälen", wie es das Publikum heute so gern hört.

RM 1955/2 - Teldec

Eine wundervolle Orgelplatte mit Bach's „d-moll-Toccata" und „Präludium und Fuge in a-moll", gespielt von Professor Fritz Heitmann beweist so recht, was unsere heutige Aufnahmetechnik bietet (TW 30 003). Wir verglichen mit einer etwa 15 Jahre alten Aufnahme und machten eine recht aufschlußreiche Feststellung: Zu Beginn der ersten Plattenseite baut sich auf dem mächtigen D im Baß der verminderte Septakkord cis-e-g-b auf. Bei der früheren Aufnahme „reiben" sich die Töne dieser kühnen Harmonie, die neue Platte bringt sie so klar und sauber, daß man das Gefühl hat, neben der Orgel zu stehen.

Gleichfalls Bach bringt die 30cm-Langspielplatte „Brandenburgisches Konzert Nr. 1 und Nr. 5" (LXT 2540). Diese Decca-Aufnahme ist so recht geeignet, auch dem mit Vorurteilen behafteten Musikkenner zu beweisen, daß der gelegentlich noch abfällig gebrauchte Ausdruck „Konservenmusik" keine Berechtigung mehr hat. Mit einer einwandfreien Wiedergabeanlage klingen die beiden vom Stuttgarter Kammerorchester unter Karl Münchinger gespielten Konzerte so „duftig" und „durchsichtig", daß man seine helle Freude daran hat. Fri Kü

RM 1955/4 - Deutsche Grammophon GmbH

Der „schräge" und der „zackige" Otto, jene durch Polydor-Platten bekannt gewordenen Musik-Karrikaturisten, haben einen Bruder bekommen, den Orje an der Orjel. Er spielt unter dem Plattentitel „Parole Stimmung" bekannte Märsche auf einem leicht verstimmten Rummelplatz-Orchestrion (49441). Wer Sinn für musikalischen Ulk hat, kommt bei dieser Aufnahme ganz auf seine Kosten. Man muß die „herzlose Präzision" der Musikmaschine bei den komplizierten Pikkololäufen gehört haben, untermalt vom Unisono der pneumatischen Blasbässe und dazu das mechanische Schlagzeug! Die Komik ist überwältigend. - Als Übergang zur seriösen Unterhaltungsmusik spielt Kurt Edelhagen auf einer 17-cm-Polydor-Platte das Potpourri „Tanz mit Kollo und Raymond" (20105). Das ist eine typische Geschenkplatte, die jedem Freude bereiten kann. Die Jugend bewundert den straffen Rhythmus ihrer Lieblingskapelle, und die Älteren freuen sich über die Melodien aus ihrer eigenen Jugendzeit, die in so beschwingter moderner Form zu Gehör gebracht werden. Nebenbei: Die Aufnahme ist für Vorführzwecke gut geeignet, denn teilweise treten der typische Stil des Edelhagen-Bassisten und das begleitende Becken des Schlagzeugers rhythmisch gut in den Vordergrund, so daß man Höhen- und Tiefenwiedergabe zur gleichen Zeit beurteilen kann.
- Die nächste Platte, die wir uns angehört haben, enthält in doppelter Beziehung Delikatessen. Solist ist der berühmte Jazzgeiger Nr. 1, Helmut Zacharias. Vor Jahren unterhielt er sich mit dem Rezensent über seine musikalische Laufbahn, und befragt, wie er es zu dieser Popularität brachte, sagte er: „Ich wollte den Leuten zeigen, daß man auch die leichte Musik ernst nehmen kann." Auf dieser Aufnahme (78 U/min mit variablen Graden) beweist er mit den beiden berühmten Violinsoli „Hejre Kati" und „Zigeunerweisen" was er kann, und daß er eigentlich aus dem Lager der Konzertmusiker kommt (LVM 72489). Die Begleitung hat das Rias-Symphonieorchester unter der Leitung von Ferenc Fricsay übernommen. Daß die Aufnahmequalität ganz hervorragend ist, muß man nicht besonders betonen, und daß vermutlich ein erstklassiges Studio zur Verfügung stand, beweist z. B. der Schluß der Zigeunerweisen: Trotz des Orchester-Tuttis sind die schwierigen Läufe auf der Violine glasklar und unverwischt herauszuhören.

RM 1955/4 - Deutsche Tonträger GmbH

Auch auf Harmona-Schallplatten ist jetzt einer jener ulkigen Käuze zu hören, der mit Schlagzeugbegleitung alte Schlager im Vorstadt-Kneipen-Stil zu Gehör bringt. Aber . . ., wie er das macht, muß man genießen. Er parodiert gekonnt und mit Bravour, als Titel wählte er: „Die schrecklichste Platte der Welt, Klavierquälereien mit Tipp und Tapp" (16154). Jedenfalls dürften sich hinter den beiden Anonymen zwei tüchtige Musiker verbergen. Die Einzeltitel ihrer Melodienfolge lauten: „I want to be happy - I'd 've baked a cake - I can't give you - Sam's song - Bella, Bella Donna - Katharina - Blaue Augen
- Halt Dich fest Marie". Eine köstliche Aufnahme! - „Verträumte Musik" ist der Titel einer weiteren Folge bekannter Tanzlieder, die Gerhard Heinz auf der Kinoorgel zusammen mit dem Orchester Klaus Alzner spielt (16181). Der Titel ist gut gewählt, er paßt nicht nur zum Inhalt („Angelina - Mandolinen der Liebe - Man müßte nochmal zwanzig sein - Es blüht eine weiße Lilie - Glocken von San Marco - Oh Leopold"), sondern er charakterisiert auch treffend die Spielweise. Eine schöne Aufnahme für dezente background-Musik! - Melodienfolgen scheinen sich bei den Schallplattenfreunden immer größerer Beliebtheit zu erfreuen; jedenfalls lassen die zahlreichen Neuaufnahmen hierauf schließen. Das gilt sicher auch für die 45er-Harmona-Platte „Die schönsten Lieder aus Lehar-Operetten", die Rudolf Christ von der Wiener Staatsoper mit großem Orchester zu Gehör bringt (5515). Das Potpourri setzt sich aus nachgenannten Einzeltiteln zusammen: „Oh Mädchen mein Mädchen - Du bist meine Sonne - Freunde, das Leben ist lebenswert - Oh Signora, oh Signo-rina - Schatz ich bitt' Dich, komm heut' Nacht - Vilja, oh Vilja - Hast Du dort oben vergessen auf mich - Dein ist mein ganzen Herz".

RM 1955/4 - Lindström GmbH

Immer auf der Suche nach Raritäten fanden wir unter den Odeon-Neuaufnahmen für 78 U/min die Platte „Glocken der deutschen Heimat" verzeichnet (0-28694). Wieviel Arbeit der Tontechniker mag erforderlich gewesen sein, um das Geläut des Ulmer Münsters, des Kölner Doms, des Münsters in Freiburg, der Hamburger Michaelis-Kirche, des Frankfurter Doms, der Berliner Freiheitsglocke und der Münchener Frauenkirche aufzunehmen! Die zweite Plattenseite wird bei manchem Zuhörer wehmütige Erinnerungen an die alte Heimat wachrufen, denn sie enthält das Läuten der Jakobskirche Stettin, des Erfurter Doms, der Leipziger Thomaskirche, der Kirche aus Wang im Riesengebirge, der Potsdamer Garnisonkirche sowie der Gotteshäuser von Königsberg und Passau. - Klanglich ganz hervorragende Aufnahmen enthält eine 78er Columbia-Platte mit den Titeln „Allerhand, allerhand" und „Die Mädchen mit dem treuen Blick" (DW 5337). Wir hörten uns die von Paul Kuhn und den Starlets dargebrachten Stücke auf einer Nora-Hi-Fi-Truhe an und hatten unsere Freude an der brillanten und hervorragend durchgezeichneten Aufnahme. Cembalo und Baß bildeten einen reizvollen Gegensatz und bewiesen eindeutig die große aufgezeichnete Bandbreite.

RM 1955/4 - Tefifon GmbH

Als die Empfangsverhältnisse auf Mittelwelle noch normal waren, hörten viele Rundfunkteilnehmer regelmäßig die Zigeuner-Konzerte vom Sender Budapest ab. Heute ist das aus den bekannten Gründen leider nicht mehr möglich. Einen ausgezeichneten Ersatz bietet das Schallband „Zigeunerweisen", eine Melodienfolge, die das Budapester Radiola-Zigeunerorchester zu Gehör bringt (TA/S 2151). Die Geige des Primas klingt im Lautsprecher genau so typisch „nach Zigeuner", wie wir es vom direkten Hörer kennen: einmal vollendet süß, dann wieder herb, männlich und ein wenig rauh. Sie „weint und lacht", wie man im Volksmund so gern sagt. Die einzelnen Titel lauten: Rumänische Volksweisen - Schwarze Augen - Ungarischer Czardas - Rumänische Tänze - Zestoska. Übrigens, . . . wer feine Ohren hat, bemerkt deutlich, daß das Instrument, was man für eine Klarinette hält, in Wirklichkeit ein ungarisches Cakan ist. Eine nette Idee: Die Aufnahme schließt mit dem Pausenzeichen des Senders Budapest. FriKü

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