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Schallplattentechnik 1965 - gestern und heute

Aus der Philips Händlerzeitschrift Kontakte vom Januar 1965. - Der Siegeszug der schwarzen Scheibe - teilweise aus einem Artikel von Dr. Lichthorn.

Ein Kapitel Historie - Wir schreiben das Jahr 1965 !!!

Die Schallplatte, ein Renner
Thomas A. Edison
Einer der ersten Phonographen (1877).
Emil Berliner
und sein "Grammophone"

Im Verlauf der letzten zehn Jahre hat die Schallplatte einen gewaltigen technischen und kommerziellen Aufschwung genommen. Das ist um so erstaunlicher, als die schwarze Scheibe schon zweimal - nämlich beim Aufkommen des Hörrundfunks in den zwanziger Jahren und fünfundzwanzig Jahre später, als die ersten Amateur-Tonbandgeräte in den Handel kamen - totgesagt worden war.

Aber Tonband, Rundfunk, Schallplatte
und - last not least - Fernsehen existieren heute friedlich nebeneinander, und nichts spricht dagegen, daß es nicht auch weiterhin so bleiben könnte. Es lohnt sich, den technischen Entwicklungsgang der Schallplatte einmal im Zusammenhang zu betrachten.

Der Wunsch, den flüchtigen Ton festzuhalten
, zu „konservieren", hatte seit Jahrhunderten Wissenschaftler, Erfinder und Scharlatane beschäftigt, jedoch ohne praktische Resultate. Den ersten brauchbaren Weg zur mechanischen Schallaufzeichnung fand der Amerikaner Thomas A. Edison. Sein „Phonograph", den er im Jahre 1877 zum Patent anmeldete, hatte als Tonträger eine stanniolbezogene Walze, in die die Schallrille in Form einer Schraubenlinie eingeprägt war. Beim Abspielen bewegte sich die mit einer Membrane und dem bekannten schallverstärkenden Trichter verbundene Abtastnadel in der Rille entlang, wobei die auf einer Gewindespindel rotierende Walze gleichzeitig axial verschoben wurde. Die Bewegungen, die die Nadel analog den eingravierten Schallvorgängen zu vollführen hatte, erfolgten senkrecht zur Walzenoberfläche; man bezeichnete diese Art des Schallrillenschnittes als „Tiefenschrift".

Der kommerziellen Nutzung und weiteren Verbreitung der sensationellen Erfindung stellten sich allerdings mancherlei Schwierigkeiten in den Weg. Abgesehen von der auch für damalige Ansprüche höchst unzureichenden Wiedergabequalität haftete den Phonographenwalzen ein entscheidender Mangel an: Sie waren nicht zu vervielfältigen. Jede Walze mußte einzeln bespielt oder besungen werden - eine im Zeitalter der Schallplatten-Millionenauflagen fast unvorstellbare Prozedur. Während aber trotzdem in den neunziger Jahren das Phonographengeschäft in Amerika ein wenig zu florieren begann, war schon der große Konkurrent, die Schallplatte, im Vordringen.

Die Idee, den walzenförmigen Tonträger durch einen scheibenförmigen zu ersetzen, stammt von dem Deutschamerikaner Emil Berliner. Seine erste Schallplatte, 1887 in den USA zum Patent angemeldet, bestand aus Zink, das mit einer Fettschicht überzogen war. Die Schallrillenaufzeichnung erfolgte nun nicht mehr senkrecht, sondern parallel zur Plattenoberfläche, d. h. in „Seitenschrift". In einem Säurebad wurde die Aufzeichnung haltbar gemacht.

Es leuchtet ein, daß bei der Schallplatte die Möglichkeit einer Vervielfältigung viel eher gegeben ist als bei der Phonographenwalze. Immerhin dauerte es aber auch hier noch einige Jahre, bis Emil Berliner ein Verfahren zur Schallplattenherstellung mit Hilfe von Preßmatrizen so weit entwickelt hatte, daß eine kommerzielle Nutzung möglich wurde.

1895 gründete er die „Berliner Gramophone Company"
in Philadelphia. Die ersten Schallplatten, die in den Handel kamen, bestanden aus Hartgummi; sie maßen siebzehn Zentimeter im Durchmesser und waren nur einseitig bespielt. Eine genaue Umdrehungszahl war zunächst nicht festgelegt; das hätte auch wenig Sinn gehabt, da die ersten Abspielgeräte noch mit einer Handkurbel betätigt wurden. Erst mit der Herstellung von Apparaten mit Federlaufwerk (1896) trat die Schallplatte in ernsthafte Konkurrenz zum Phonographen. Dieser hatte inzwischen auch in Europa eine beachtliche Verbreitung erlangt, zumal man Anfang des neuen Jahrhunderts endlich ein Verfahren zur Walzen-Vervielfältigung gefunden hatte. Der Kampf um den Markt dürfte erst 1910 endgültig zugunsten der Schallplatte entschieden gewesen sein.

Aus diesen Jahren stammen weitere bemerkenswerte technische Verbesserungen: Schellack statt Hartgummi als Plattenmaterial, Aufzeichnung nicht mehr auf Zinkfolien, sondern auf weniger geräuschbehafteten Wachsplatten; Vergrößerung des Plattendurchmessers auf 25 und 30 Zentimeter und wenig später - 1904 - auch die doppelseitige Prägung. Damit war ein Standard erreicht, der sich bis in die zwanziger Jahre kaum änderte.

Das bis heute gebräuchliche Prinzip der galvanischen Matrizenherstellung lag fest, ebenso die Spieldauer von etwa drei Minuten für die 25cm- bzw. viereinhalb Minuten für die 30cm- Plattenseite. Lediglich die Zusammensetzung der Plattenmasse selbst bot ein gewisses Experimentierfeld. Das Mischungsverhältnis zwischen Schellackharz, Gesteinsmehl, Farbstoff und sonstigen Zusätzen war das streng gehütete Geheimnis der einzelnen Herstellerfirmen.

Größtes Handikap blieb das nach wie vor rein mechanische Aufnahmeverfahren: Solisten und Orchestermusiker saßen vor gewaltigen Trichtern, die in daumendicke Schläuche mündeten, an deren anderem Ende eine runde Membran angebracht war, deren Schwingungen über einen Hebel auf den Schneidstichel übertragen wurden. Dieses primitive System erfaßte stets nur einen gewissen Teil des gesamten hörbaren Schallfrequenzspektrums; tiefe und hohe Töne einzufangen war unmöglich. Es entstand der bekannte „Telefoneffekt", der zwar noch eine halbwegs brauchbare Reproduktion der menschlichen Stimme, vor allem des gesprochenen Wortes, ermöglichte, die Wiedergabe eines vollen Orchesterklanges aber von vornherein ausschloß.

Die revolutionierende Wende in der Schallplatten-Aufnahmetechnik brachte das Jahr 1925 mit der Einführung der „elektrischen Aufnahme". An die Stelle des Trichters trat das Mikrophon; die von ihm aufgenommenen Schallschwingungen werden als elektrische Impulse über einen Verstärker einer magnetischen Schneiddose zugeführt und dort wieder in mechanische Bewegung umgesetzt. Damit wurde der Bereich der übertragbaren Schallfrequenzen um ein Vielfaches erweitert, so daß nun endlich auch große Klangkörper in befriedigender Qualität aufgenommen werden konnten.

Auch den Abspielgeräten kam die neue Technik zugute: Um 1930 erschienen die ersten elektrischen Tonabnehmer auf dem Markt; zunächst als Ersatz für die mechanischen Abtaster der Federlaufwerke, dann als komplette Einheiten mit elektrischem Plattentellerantrieb. Die Wiedergabe erfolgte schon damals über den Rundfunkapparat. Die mechanischen Plattenspieler kamen als Heimgerät bald aus der Mode; als Koffergerät fristen sie bis heute überall dort, wo noch Schellackplatten verkauft werden, ein bescheidenes Dasein.

Als letzte technische Neuerung vor dem zweiten Weltkrieg
erschienen die ersten Leicht-Tonabnehmer. Die unförmigen, schwarzen Magnetsysteme konnten durch Verwendung besserer Magnetstähle erheblich verkleinert werden. Auch die wesentlich billigeren Kristallsysteme kamen um diese Zeit in den Handel.

Die Kriegs- und Nachkriegsjahre bis zur Währungsreform ließen die technische Weiterentwicklung der Schallplatte stagnieren. Zunächst galt es, die weitgehend zerstörten Fabrikationsstätten wieder aufzubauen. Vor allem fehlte es an Aufnahmestudios, und so mußte man zunächst auf gerettete Matrizenbestände zurückgreifen. Dem chronischen Mangel an Platten-Rohmaterial, vor allem an Schellack, begegnete man, indem man bei der Herstellung der Preßmasse auch alte Schallplatten mit verarbeitete. Beim Kauf einer neuen Schallplatte mußte noch bis 1950 jeweils eine alte in Zahlung gegeben werden.

Die allmähliche Gesundung des Wirtschaftslebens zu Beginn der fünfziger Jahre brachte wiederum einige wesentliche technische Fortschritte. Die während des Krieges für den Rundfunk entwickelte magnetische Schallaufzeichnung wird nun auch für die Schallplatte nutzbar gemacht: Die Aufnahme erfolgt nicht unmittelbar auf die Wachsplatte, sondern zunächst auf Tonband. Dadurch wird ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ausgeschaltet; denn während bei der empfindlichen Wachsplatte eine Kontrolle durch nochmaliges Abspielen an Ort und Stelle nicht möglich war, kann das Tonband während und nach der Aufnahme abgehört werden.

Auf diese Weise werden musikalische oder technische Mängel sofort erkannt; und da sich das Tonband wie ein Film schneiden und wieder zusammenkleben läßt, genügt es, lediglich die fehlerhafte Stelle des betreffenden Musikstückes neu aufzunehmen und nachträglich in die Gesamtaufnahme einzufügen. Das „Überspielen", d. h. das Übertragen der Tonbandaufzeichnung auf die Wachsplatte, geschieht später in der Fabrik, so daß auf diese Weise auch der Transport der höchst temperatur-und stoßempfindlichen Wachse vermieden wird.

Die Zwischenschaltung des Tonbandes zwischen Aufnahmemikrophon und Schneidapparatur ermöglicht eine weitere technische Verbesserung, nämlich die Verlängerung der Spieldauer. Jahrzehntelang hatte man sich mit einer Laufzeit von höchstens viereinhalb Minuten begnügen müssen - eine besonders für die Reproduktion klassischer Werke höchst lästige Einschränkung (eine 1928 erschienene Aufnahme der Missa Solemnis von Beethoven umfaßte z. B. elf 30-cm-Platten!).

Das Füllschriftverfahren:
Bald nachdem sich die Tonbandaufnahme allgemein durchgesetzt hatte, kamen Schallplatten auf den Markt, die bis zu 70 Prozent mehr Spieldauer aufwiesen als bisher. Das wurde dadurch ermöglicht, daß man die Abstände zwischen den einzelnen Rillenwindungen auf der Plattenoberfläche variierte. Die „Auslenkung", d.h. die seitliche Bewegung der Schallrille, entspricht bekanntlich der Lautstärke: je lauter der aufgenommene Schall, desto größer die Auslenkung. Bei unveränderlichem Rillenabstand müssen die Windungen stets so weit voneinander entfernt sein, daß auch maximale Lautstärken keine Berührung oder Überschneidung benachbarter Rillen herbeiführen.

Bei dem neuen Verfahren
richtet sich der Windungsabstand nach der Lautstärke; an den „leisen Stellen" rücken die Windungen enger zusammen, so daß die Plattenoberfläche besser ausgenutzt wird. Der jeweils erforderliche Mindestabstand muß jedoch vorausbestimmt werden. Das geschieht, indem beim Überspielvorgang das Tonband an zwei Stellen abgetastet wird, wobei die erste Abtastung zur elektronischen Steuerung des Rillenabstandes dient. Die Schallplatten mit verlängerter Spieldauer bestanden nach wie vor aus Schellack; sie konnten mit einer normalen Stahlnadel abgespielt werden.

Das Ende der Schellackplatte

So bedeutungsvoll diese Erfindung auch war - sie konnte doch nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich die Ära der alten Schellackplatte mit 78 UpM ihrem Ende zuneigte. Seit etwa 1949 gab es in den USA Kunststoff-Langspielplatten, und schon 1951 erschienen die ersten Langspielplatten mit 33 1/3 UpM und verkleinerten Rillenmaßen auf dem deutschen Markt. Damit war der entscheidendste Schritt zur Vervollkommnung der Schallplattentechnik eingeleitet.

Die Vorteile der neuen Langspielplatten waren vielfältig: Ihre Spieldauer betrug bis zu 22 Minuten pro Plattenseite und in Verbindung mit dem variablen Rillenschnitt sogar über 25 Minuten. Der Frequenzbereich war nochmals beträchtlich erweitert, und das materialbedingte geringere Grundgeräusch ließ auch größere Dynamik zu. Darüber hinaus waren die Platten nahezu unzerbrechlich.

Die veränderte Umdrehungszahl
setzte allerdings neue Abspielgeräte voraus; zudem war eine Abtastung mit der immer noch gebräuchlichen Stahlnadel auf Grund des weichen Plattenmaterials in Verbindung mit den verringerten Rillenmaßen unmöglich.

Die seit 1951 hergestellten Plattenspieler trugen den neuen Erfordernissen Rechnung: Sie waren durchweg mit zwei Abtastsaphiren für Normal-und Mikrorillen ausgestattet und für die Umdrehungsgeschwindigkeiten 78, 33 1/3 und z.T. schon 45 UpM ausgelegt. In den folgenden Jahren gingen alle Firmen dazu über, ihr gesamtes klassisches Repertoire auf Langspielplatten umzustellen. Die Tagesschlager erschienen weiterhin auf 25-cm-Schellackplatten; aber auch hier ergab sich eine starke Konkurrenz in Gestalt der ebenfalls aus den USA stammenden 17-cm-Kunststoffplatte mit 45 UpM. Diese Plattenart kam 1953 in den Handel; sie entspricht qualitativ etwa der 33-cm-Langspielplatte und hat bei variablem Rillenschnitt bis zu sieben Minuten Spieldauer pro Seite.

Während der folgenden Übergangsjahre sah sich die deutsche Industrie genötigt, alle Tagesschlager sowohl auf 78er- als auch auf 45er- Platten zu veröffentlichen. Erst im Jahre 1958 wurde die Produktion von Schellackplatten endgültig eingestellt — eine „lautlose Revolution" hatte sich vollzogen. Die Einführung der Langspielplatte zwang alle Schallplattenfirmen zu gewaltigen Investitionen für Neuaufnahmen. Ein Pressen von alten Matrizen war nicht mehr möglich; also mußten beispielsweise sämtliche Werke des klassischen Standardrepertoires, sofern sie nicht schon als Tonbandaufnahmen vorlagen, neu eingespielt werden. Aber auch ältere Tonbandaufzeichnungen blieben bereits deutlich hinter dem neuen Qualitätsstandard zurück; denn auch die Studiotechnik hatte sich ständig weiterentwickelt.
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Jetzt kommt High Fidelity

Um diese Zeit kam in den USA das Schlagwort „High Fidelity" - soviel wie „hohe Wiedergabetreue" - auf. Unter diesem Zeichen sammelte sich bald in der ganzen Welt eine riesige Gemeinde von Qualitätsfanatikern. Die Forderung nach noch größerem Frequenzumfang, noch gewaltigerer Dynamik überwucherte hier und dort sogar die Frage nach der musikalischen Qualität der Darbietung. Die Einführung des UKW-Rundfunks, der weitesten Kreisen die Vorteile einer hochqualifizierten „Breitband"-Übertragung deutlich machte, hat diese Entwicklung entscheidend vorangetrieben. Die Geräteindustrie paßte sich dem neuen Trend an, indem sie neben üblichen Plattenspielern auch ganze Wiedergabeanlagen mit leistungsfähigen Verstärkern und großformatigen Lautsprechern lieferte.

Die gesamte Entwicklung mußte zwangsläufig zur stereophonischen Wiedergabe führen. Seit 1958 gibt es in Deutschland die stereophonische Schallplatte. Ihre Geschichte und ihre Technik sind so interessant, daß wir sie gesondert behandeln wollen.

Das Herstellungsverfahren - Wie eine Schallplatte entsteht

Das Herstellungsverfahren der Schallplatte ist seit den Anfängen im Prinzip das gleiche geblieben. Nur die Methoden sind verfeinert, die Materialien geändert worden.

Die Schallplatte wird gepreßt:
Ein weicher Masseklumpen verwandelt sich unter hohem Druck in eine flache Scheibe und erhält dabei die doppelseitige Schallrillenprägung. Das geschieht in einer Presse, die wie ein Waffeleisen auf- und zu- klappt. Auf den Innenseiten des festen und des beweglichen Teils ist je eine Preßmatrize befestigt. Das, das später die Schallrille werden soll, ragt als kleiner Steg über die eigentliche Oberfläche hinaus; die Matrize ist ein „Negativ".

Die Preßmatrize entsteht auf galvanischem Wege als Endprodukt eines komplizierten Fertigungsgan-ges, der mit der schon erwähnten Überspielung beginnt. Statt der früher gebräuchlichen, mehrere Zentimeter dicken Wachsplatte verwendet man dafür seit etwa 1950 eine Lackfolie, eine dünne Aluminiumplatte mit einer relativ weichen Lackschicht. Der Schneidstichel, ein besonders geschliffener Diamant, wird während des Überspielvorganges elektrisch geheizt; dadurch entstehen glatte Rillenflä-chen, und das Grundgeräusch wird reduziert. Der gesamte Ablauf der Überspielung ist heute automatisiert; nicht nur die Abstände der modulierten Schallrillen, sondern auch die der Windungen am Anfang und Schluß werden elektronisch gesteuert.

Die Qualität des Schnittes wird durch ein an der Schneiddose angebrachtes Mikroskop ständig kontrolliert. Die fertige Lackplatte muß zur weiteren Verarbeitung elektrisch leitend gemacht werden. Dies geschieht durch Besprühen mit einer Silberlösung. In einem galvanischen Bad erhält die versilberte Lackfolie dann eine etwa 1mm dicke Nickelschicht. Diese stellt — nach Ablösen der nunmehr unbrauchbaren Lackfolie — einen negativen Abdruck der Schallrillen dar. Sie dient im allgemeinen jedoch nicht als Preßwerkzeug; denn die Anzahl der Platten, die von einer einzigen Matrize hergestellt werden können, ist begrenzt.
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Vater, Mutter und Söhne

Vielmehr bildet der „Vater", wie dieses erste Negativ im Fachjargon heißt, den Ausgangspunkt weiterer galvanischer Vervielfältigungen: zunächst einiger Positive, der sogenannten „Mütter", von denen dann die eigentlichen Preßmatrizen oder „Söhne" abgenommen werden. Im Rahmen dieses galvanischen Fertigungsablaufs liegen mehrere Zwischenbehandlungen. So wird die Mutter, die als Positiv ja der späteren Platte entspricht, mikroskopisch auf Fehler untersucht, die sich u. U. durch Ausgravieren noch beseitigen lassen. Auch eine Qualitätskontrolle durch Abspielen ist ggf. möglich. Außerdem wird jedes Werkzeug, auch „Shell" genannt, an den Rändern und auf der Rück-seite mechanisch bearbeitet.

Während früher zur Herstellung der Schellackplatten - Preßmasse umfangreiche Mahl- und Walzeinrichtungen erforderlich waren, ist die Aufbereitung des Kunststoffmaterials wesentlich einfacher. Die Ausgangsbasis bildet im allgemeinen das Polyvenylchlorid, kurz PVC genannt, ein weißes Pulver, das durch Erhitzen eine zähflüssige Konsistenz und eine weinrote Färbung bekommt. Es wird unter Zusatz von schwarzem Farbstoff und einigen weiteren Chemikalien in einem sogenannten Extruder zu dünnen Strängen ausgepreßt, abgekühlt und dann in etwa erbsengroße Stücke zerkleinert. In dieser Form gelangt das Material an die Presse, in der es in kleine Meßbecher abgefüllt und in einem Wärmeschrank bereitgestellt wird. Jeder Becher enthält die zum Pressen einer Platte benötigte Menge.

Zu Beginn des Preßvorgangs werden die Plattenetiketten auf die aus der oberen und unteren Matrize herausragenden Zentrierdorne aufgesteckt und die auf 120° vorgewärmte Masse eingefüllt. Sodann schließt sich die Presse und treibt das Material unter einem Druck von mehreren Tonnen auseinander. Dabei werden die ober- und unterhalb der Matrizen ausgesparten Kanäle mit heißem Dampf und dann mit Kühlwasser beschickt. Wenn sich die Presse wieder öffnet, ist die Platte bereits erkaltet und kann sofort herausgenommen werden; die an ihrem äußeren Umfang überstehende Masse wird mit einem Messer abgetrennt. Der gesamte Prozeß dauert etwa 30 Sekunden.

17-cm-Schallplatten werden seit einiger Zeit
auch im Spritzverfahren hergestellt. Diese Methode lohnt sich jedoch nur bei sehr hohen Auflagen, da das Einrichten der Spritzgußmaschine relativ zeitraubend ist. Der Spritzvorgang selbst läuft dafür dreimal so schnell ab wie das Pressen. Als Plattenmasse finden in diesem Fall spezielle thermoplastische Kunststoffe Verwendung.

Die Stereo-Schallplatte

Die Stereophonie ist die notwendige und einzig sinnvolle Weiterentwicklung (soso ??) der HiFi-Technik. Zu der hochqualifizierten einkanaligen Schallübertragung (praktisch den gesamten Bereich hörbarer Luftschwingungen umfassend) tritt nun das Erlebnis räumlichen Hörens: Die am Aufnahmeort herrschenden geometrischen Verhältnisse sind am Wiedergabeort reproduzierbar, so daß die an der Übertragung beteiligten Schallquellen „lokalisiert" werden können.

Stereophonie bedeutet räumliches Hören. Das menschliche Gehör ist imstande, schon aus zwei unterschiedlichen Schallsignalen eine räumliche Hörwahrnehmung zu bilden, sofern diese beiden Signale dem linken bzw. rechten Ohr annähernd getrennt als Links- und Rechtsinformation zugeführt werden. Die Qualität des resultierenden Raumeindrucks hängt dabei allerdings wesentlich von der Zusammensetzung der beiden Teil-Klangbilder ab.

Grundlagen der Stereo-Schallplatte bereits 1931

Die Grundlagen für die heutige Stereo-Schallplatte wurden bereits vor über dreißig Jahren erarbeitet. 1931 ließ sich der Engländer A. D. Blümlein ein Verfahren patentieren, das es ermöglichte, die beiden Stereo-Informationen in einer einzigen Schallrille aufzuzeichnen. Er kombinierte dabei die Tiefenschrift des alten Edison-Phonographen mit der Seitenschrift der Schallplatte. Beide Modulationen wurden in einem Arbeitsgang durch einen sowohl vertikal als auch horizontal beweglichen, von zwei senkrecht zueinander stehenden Spulen angetriebenen Stichel geschnitten.

Daß die Entwicklung der Stereo-Schallplatte nicht schon damals, sondern erst um 1955 einsetzte, lag an den zunächst noch allzu deutlichen prinzipiellen Mängeln der Schallplattentechnik. Erst mit der Einführung der Langspielplatte waren die allgemeinen technischen Voraussetzungen geschaffen, und während die monophone HiFi-Technik immer weiter vervollkommnet wurde, ging man, vornehmlich in England und in den USA, auch das Problem der Stereo-Langspielplatte mit allem Nachdruck an.

Durch einen genialen Kunstgriff gelang es, das von Blümlein gezeigte Verfahren noch wesentlich zu verbessern. Man schneidet die Stereo-Schallrille nämlich nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in einer Kombination aus Seiten- und Tiefenschrift, sondern so, daß beide Bewegungsrichtungen um 45° zur Plattenoberfläche geneigt sind. Sie stehen somit senkrecht zur inneren bzw. äußeren Flanke der Schallrille (bei annähernd rechtwinkligem Rillenquerschnitt). Auf diese Weise sind linke und rechte Aufzeichnung qualitativ gleich; beide Rillenmodulationen enthalten sowohl Seiten- als auch Tiefenschrift- Anteile. Nur so ist es auch zu erklären, daß eine Mono-Schallplatte, auf einem Stereo-Gerät abgespielt, über beide Lautsprecher wiedergegeben wird; denn sie stellt praktisch eine Stereo-Schallplatte dar, bei der beide Kanäle gleich moduliert sind, und zwar nur mit Seitenschrift- Anteil.
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Mono kompatibel

Eine wichtige Voraussetzung für die Einführung der Stereophonischen Schallplatte ist, daß man sie auch auf den üblichen einkanaligen Geräten abspielen kann. Sie soll „kompatibel" („verträglich") sein. Die Wiedergabe von Stereo-Schallplatten auf einem Mono-Plattenspieler ist grundsätzlich möglich, sofern dieser mit einem modernen Leicht-Tonarm ausgerüstet ist. Da der Abtastsaphir eines solchen Gerätes wohl in horizontaler, nicht aber in vertikaler Richtung anspricht, kann er allerdings nur die Seitenschrift-Anteile der beiden Modulationen reproduzieren. Ob diese zusammen ein befriedigendes Klangbild ergeben, hängt weitgehend vom Aufnahmeverfahren ab.

Wir können auf Einzelheiten hier nicht eingehen; grundsätzlich gibt es jedoch zwei Verfahren, nämlich die Laufzeit- und die Intensitäts- Stereophonie. Mit Hilfe der Laufzeit-Stereophonie läßt sich ein flächenhaftes Klangbild mit starken Rechts-Links-Effekten erzielen; allerdings entsteht dabei leicht das berüchtigte „Loch" in der Mitte.

Die Intensitäts-Stereophonie ermöglicht uns
dagegen eine einwandfreie Mittenlokalisation und außerdem die Ortung einzelner Schallquellen an beliebiger Stelle zwischen linkem und rechtem Wiedergabelautsprecher. Sie vermittelt ein dreidimensionales, transparentes Klangbild. Den modernen kompatiblen Stereo-Schallplatten liegt durchweg das Intensitätsverfahren zugrunde.

Eine Stereo-Rille ist ein äußerst kompliziertes Gebilde, und dem-entsprechend kompliziert sind die Bewegungsvorgänge im Abtastsy-stem. Problematisch ist vor allem die Auflösung der komplexen Bewegung des Abtaststiftes in die beiden ursprünglichen Grundrichtungen. Ist nur eine Rillenflanke moduliert, so soll auch nur das dazugehörige System erregt werden.

Die „Übersprechdämpfung" zwischen den beiden Systemen muß genügend groß sein. Die beste Wiedergabequalität erzielt man mit magnet-dynamischen Tonabnehmern. Hier ist der Abtaststift direkt mit einem kleinen Magneten verbunden, der zwischen den Polen zweier senkrecht zueinander angeordneten Spulen frei beweglich ist. Das Erscheinen der ersten stereophonischen Schallplatten auf dem deutschen Markt im Oktober 1958 war vielleicht das bedeutendste Ereignis in der langen Entwicklungsgeschichte der Schallplatte.

Und wieder leben wir in einer „Zeit des Übergangs", wie damals vor zehn Jahren, als die Schellackplatte von der Kunststoffplatte abgelöst wurde.
Innerhalb des gesamten Schallplattengeschäftes hat der Umsatz an Stereo-Platten gerade im letzten Jahr sprunghaft zugenommen. Schon seit geraumer Zeit erscheinen fast alle Langspielplatten in Mono- und Stereoversion, und der Zeitpunkt, an dem ausschließlich kompatible Stereo-Platten angeboten werden, ist bereits abzusehen.

Wie am Anfang gesagt, wir schreiben (erst) das Jahr 1965 !! (in diesem Artikel) und heute (in 2009) sind wir viel "schlauer".

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