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Der (7 Jahre alte) Shure SME 3009

Bild 1

Shure SME-Tonarme sind HiFi-Bausteine mit Tradition. Immerhin gibt es sie schon seit über sieben Jahren. In dieser ganzen Zeit waren sie - und sind es heute noch - eine Art Erkennungsmerkmal, an dem sofort der Qualitätsanspruch abzulesen ist, den der Besitzer an seine Anlage stellt.

Konsequent durchdacht und nahezu perfekt

Es ist immerhin bemerkenswert, daß der Verfasser schon jahrelang einen SME tagtäglich benutzt, ohne daß ihm in den Sinn gekommen wäre, diesen nach den inzwischen erarbeiteten Methoden zu testen. Das liegt einfach daran, daß man bei SME schon vor sieben Jahren das Problem der Schallplatten-Abtastung konsequent durchdacht und einen Tonarm entwickelt hat, der nicht nur hinsichtlich der denkbaren Feinkorrekturen alle Möglichkeiten bot, sondern auch hervorragende Lagereigenschaften aufwies.

In 1970 nicht mehr alleine auf dem Markt

Zwar gibt es heute mehrere Konkurrenzfabrikate, die die gleichen Möglichkeiten der Feineinstellung bieten und ähnlich leichtgängig sind, aber dem Autor ist kein Tonarm bekannt, der im Vergleich zum SME, von konstruktiven Unterschieden abgesehen, etwas grundsätzlich Neues aufzuweisen hätte. Aber seit es den SME gibt, wurden auf dem Gebiet der Tonabnehmersysteme eindrucksvolle Fortschritte erzielt, die es gestatten, die inzwischen ebenfalls hochgezüchteten Schallplatten äußerst schonend mit Auflagekräften abzutasten, die unter 1p liegen, ja bis 0,5 p hinabreichen. Dies setzt allerdings Tonarme geringster Lagerreibung und kleiner effektiver Masse voraus.

Erfreuliche Erfahrung

Zweck dieses Tests war es nun nachzuweisen - was wir aus Erfahrung wissen -, daß der, gemessen an der Schnellebigkeit technischer Entwicklung, „uralte" SME heute noch zu den Spitzenfabrikaten seiner Gattung zählt.

Die Beschreibung des 3009

SME-Tonarme sind eine schiere Augenweide. Ihnen hängt das gewisse Flair funktionsbedingter technischer Eleganz an. Und sie verraten in allen Einzelheiten die Solidität der Verarbeitung. Die SME-Tonarme sind so konzipiert, daß sie an Laufwerken unterschiedlicher Bauhöhe und mit verschiedensten Tonabnehmersystemen betrieben werden können.

Die Verstellbarkeit der Betriebshöhe

Für das erste ist die Verstellbarkeit der Betriebshöhe Voraussetzung, für das zweite die Möglichkeit der Feineinstellung des Überhangs. Diese ist beim SME dadurch gegeben, daß der Tonarmsockel auf einer zum Plattenteller etwa radial ausgerichtet montierten Grundplatte verschoben werden kann. Bei Verwendung verschiedener Systeme kann man sich die korrekte Lage des Sockels mit Hilfe von Markierungen an der rechten Seite der Grundplatte einprägen.

Kugellager und Schneidenlager

Die Drehbewegungen des Tonarmes in der horizontalen Ebene erfolgen dank zweier hochwertiger Kugellager extrem reibungsfrei. Für die Drehbewegungen in der vertikalen Ebene wird beim SME ein Prinzip angewendet, das von hochempfindlichen Analysenwaagen her bekannt ist: zwei gehärtete Stahlschneiden ruhen in V-förmigen Widerlagern.

Die dünnen, nicht verdrillten Tonleitungen werden genau in Lagerachsenmitte aus dem Tonarm heraus- und zur Anschlußleiste hinabgeführt, so daß sie kein unerwünschtes Drehmoment auf den Tonarm ausüben können. Dieser aber wird auch noch von anderen Drehmomenten freigehalten.

Gleichgewicht durch Gegengewichte

Bild 3

Das Gleichgewicht des Tonarms wird durch Verschieben des Gegengewichts hergestellt. Ein Teil des Gegengewichts wird an geeigneter Stelle mit Hilfe eines Inbusschlüssels fixiert. Er trägt an einem seitlichen Ausleger das zweiteilige kleine Gegengewicht zur Einstellung der Auflagekraft. Der Hebelarm dieses Auslegers ist ebenfalls regelbar, damit das durch die Abwinkelung des Tonarms entstehende Drehmoment neutralisiert werden kann. Um nachzuprüfen, ob dies der Fall ist, muß der vorne frei in der Halterung liegende Tonarm hinter dem Lager mittels eines Schraubenzieherschaftes angehoben werden. Hat der Tonarm keine Neigung, nach links oder rechts um die Längsachse zu kippen, befindet er sich im Gleichgewicht. Ist das nicht der Fall, muß der Hebelarm des Auslegers entsprechend verändert werden.

Holzgefülltes Armrohr

Um eine partielle Entkoppelung der rückwärtigen Tonarmmasse mit den Gegengewichten von der schwingenden Masse des Tonarms zu erreichen, ist diese über einen dämpfenden Gummipfropfen mit dem Hauptteil des Tonarmes verbunden. Dieser besteht aus einem 10 mm starken Rohr aus Leichtmetall, das zur Bedämpfung von Eigenschwingungen mit Holz gefüllt ist.

Der berühmte SME Tonarmkopf

Je größer die Nadelnachgiebigkeit der Tonabnehmer wird, desto geringer muß die effektive Masse des Tonarms sein, damit die Eigenresonanz von Tonarm plus System nicht allzu weit unter 15 Hz hinabrutscht. Dieser Entwicklung hat man beim SME dadurch Rechnung getragen, daß ein besonders leichter Tonarmkopf entwickelt wurde, der es gestattete, die Masse des Gegengewichts zu verkleinern und in Verbindung mit besonders leichten Tonabnehmern nur eines der kleinen Gegengewichte für die Einstellung der Auflagekraft zu benutzen.

Hydaulisch bedämpfte Aufsetzhilfe - und Antiskating

Der SME ist serienmäßig mit einer am Sockel befestigten, hydaulisch bedämpften und tadellos arbeitenden Aufsetzhilfe ausgestattet. Soweit dem Autor bekannt ist, war der SME-Tonarm der erste, der mit einer Antiskating-Vorrichtung ausgerüstet war.

  • Anmerkung : Das stimmt so nicht. Das Konzept der Antiskating-Kompensation wurde bei Dual etwa 1964 für den Welterfolg DUAL 1019 ausgetüftelt, der auch dann die gesamte Branche weltweit aufgerüttelt hatte und manchem Hersteller die Schweißperlen auf die Köpfe der Vertriebler getrieben hatte. Mehre Firmen weltweit hatten daraufhin die Herstellung und/oder den Vertrieb von Plattenspielern eingestellt.


Die Antiskating-Vorrichtung ist mehrfach nachgeahmt worden und beruht einfach darauf, daß ein kleines Gegengewichtchen über einen am Tonarmlager oben befestigten Hebelarm eine der Skating-Kraft entgegengerichtete Kraft ausübt. Bei einer Auflagekraft von 0,5 p soll das Gegengewichtchen am ersten Ring des Hebelarmes angreifen. Für jede Erhöhung der Auflagekraft um 0,5 p ist der Angriffspunkt des Gegengewichts um einen Ring nach hinten zu verlagern.

Es gibt heute Antiskating-Vorrichtungen, die ausgeklügelter sind, aber wie aus Tabelle 2 hervorgeht, arbeitet die des SME, so primitiv sie im Grunde ist, sehr zuverlässig. Vor allem erkennt man, und das ist die Voraussetzung, damit eine Antiskating-Vorrichtung überhaupt sinnvoll ist, daß die Reibungskräfte des Tonarms außerordentlich gering sind und weit unter den auftretenden Skating-Kräften liegen. Da der richtige Überhang des SME-Tonarmes mit Hilfe einer Schablone eingestellt wird, mußten wir die geometrischen Daten selbst ermitteln.

Die Geometrie

Bezogen auf das ADC 10 E II erhielten wir:
Länge des Tonarms von Lager bis Abtastspitze 235 mm
Abstand von Lagerachse bis Tellerachse 222 mm
Überhang 13mm - Kröpfungswinkel 21°

Der tangentiale Spurfehlwinkel

Aufgrund dieser Daten ergibt sich die in Bild 3 dargestellte Abhängigkeit des tangentialen Spurfehlwinkels vom Schallplattenradius. Im nutzbaren Radiusbereich der Schallplatte liegt der tangentiale Spurfehlwinkel unter 2°, wie es auch vom Hersteller angegeben wird.

Das Abtastverhalten

Über das Abtastverhalten des SME in Verbindung mit einem ADC 10 E II informiert Tabelle 1. Es handelt sich um das Exemplar eines ADC 10 E II, das in HiFi-STEREOPHONIE Heft 3/68 am ADC-Tonarm als Nr. 2 getestet wurde und eine höhere Nadelnachgiebigkeit hat als das am Sony-Tonarm getestete Exemplar Nr. 1.
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Tabelle 1- Abtasttest:
Shure SME 3009 mit ADC 10 E Mk. II (Nr, 2)

  CBS STR130 dhfi Nr.2  
Auflagekraft in Pond horizontal vertikal horizontal
       
       
0,5 63 µ sauber 36,7 µ sauber 50 µ sauber
0,8 89 µast sauber 44,6 µ sauber 60 µ sauber
1 89 µ sauber 44,6 µ sauber 80 µ sauber
1,3 89 µ sauber 44,6 µ sauber 90 µ sauber
1,5 89 µ sauber 44,6 µ sauber 90 µ fast sauber
1,8 89 µ sauber 44,6 µ sauber 90 µ fast sauber
2 89 µ sauber 44,6 µ sauber 90 µ fast sauber


Berücksichtigt man dies, so dürfte der kurze SME etwa gleich hervorragende Abtasteigenschaften haben wie der lange Sony-Tonarm. Damit ist bewiesen, daß der SME-Tonarm auch heute noch zu den absoluten Spitzenfabrikaten seiner Gattung gehört. Mit Hilfe eines Oszillographen und einer Meßschallplatte wurde die Eigenresonanz des SME mit dem ADC 10 E II im Baßbereich untersucht. Bei der Abtastung horizontaler Modulation konnte keine Eigenresonanz festgestellt werden. Bei vertikaler Modulation trat eine ganz schwache Eigenresonanz bei 10 Hz auf.
.

Zusammenfassung

Obwohl der SME-Tonarm in kaum veränderter Form schon seit über sieben Jahren existiert, bietet er auch heute noch bei hervorragenden Abtasteigenschaften alle erforderlichen Möglichkeiten der Feineinstellung - vom Ausgleich aller angreifenden Drehmomente bis zur Skating-Korrektur. Er zählt nach wie vor zur kleinen Gruppe von Tonarmen der Spitzenqualität.

Karl Breh 1970

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