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Ein bemerkenswertes Editorial zur High-End 98

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  • Der Cherfedakteur des Magazins STEREO - Heinz Schmitt - schreibt hier, was er auf der High-End Messe im Jahr 1998 selbst so gesehen und gehört hat und er reiht das in meine Beurteilung der ganzen Voodoo Produkte und Kunden ein. Meine Kommentare finden Sie unter Hifi-Psyche. Daß er mich immer noch "herzlichst" grüßt, sei ihm bei so viel Offenheit hiermit verziehen.

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Der Selbstzweck heiligt die Mittel

Was da durch die Tür dringt, hört sich verdammt echt an. Sollte es am Ende wirklich jemandem gelungen sein, in einem dieser Hotelzimmerchen den Traum aller Musikbesessenen zu verwirklichen - die lebensnahe Reproduktion?

Ein scheuer Blick durch den Türspalt löst das Rätsel. Sitzen da doch tatsächlich drei lebendige Jazz-Musiker und spielen, was das Zeug hält. Platz für Publikum wäre ausreichend vorhanden. Doch außer Mikrofonen keine Zuhörer in Sicht.

Der Nebenraum, zur selben Firma gehörend, ist dagegen gerammelt voll. Der Grund: Das Live-Konzert wird via Kabel und HiFi-Equipment übertragen. Das Original scheint offensichtlich kaum jemanden zu interessieren.

Der Trugschluß

Nun dachte ich immer, auf einer derart erlesenen High-End-Show seien die Besucher besonders an Musik interessiert und auf der Suche nach Gerätschaften, die ihnen musikalische Erlebnisse ins Heim transportieren. Sozusagen als reines Medium ohne dabei selbst im Vordergrund zu stehen. Eindrücke von der diesjährigen High End 1998 lassen mich daran leise zweifeln.
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Ist HiFi und High End zum Selbstzweck verkommen?

Die Musik nur noch notwendiges Übel und pure Demonstrations-Software um dem staunenden Publikum die sagenhaften Eigenschaften von Verstärkern und Lautsprechern vorzuführen?

Tragen wir und unsere Kollegen der Konkurrenz am Ende gar eine Mitschuld an dieser Entwicklung, durch die ständige Suche nach noch besseren Geräten und der damit verbundenen Jagd nach neuen Superlativen? Motto: Größer, schneller, höher, weiter. (Anmerkung : es fehlt "teurer" und "gigantischer", sofern man "gigantisch" überghaupt steigern kann.)
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Ist das jetzt "gaga" oder einer an der Klatsche ?

Statt Musik zu genießen, wird endlos über Drähtchen, Füßchen, Nägelchen, seltsame Reinigungstinkturen, obskure Lacke und die verwendeten Bauteile debattiert. Und immer ist irgend etwas zu hören - oder etwa nicht? Da werden Wahrnehmungen während der Vorführung zum Gruppenphänomen.

Einer hört schließlich immer das Gras wachsen und die Beisitzer danach natürlich auch. Wer besitzt schon den Mut, seine Zweifel zu äußern und sich damit aus dem erlauchten Kreis derer, die da hören können, auszuschließen.

Das muß der Zeitgeist sein, ein kruder Zeitgeist

Hier feiert offenbar kruder Zeitgeist fröhliche Urständ'. Wie sonst ist es zu erklären, daß in einer Vorführung amerikanisches gegen europäisches High End zur kriegerisch anmutenden Auseinandersetzung antrat.

Mit Anlagen im hohen sechsstelligen Preisbereich, deren Verkabelung allein das Budget für ein gestandene Mittelklasse-Automobil sprengt.

Kabel zu Preisen, als hätte man hinter der Ummantelung fingerdickes Platin verzwirbelt. Tonnenschwere Lautsprecher wurden präsentiert, vor deren Aufstellung Baustatiker bemüht werden müssen.

Schmatzend und rülpsend für 200.000 Mark

Monstrosität und Technik für fast 200.000 Mark wurden dabei eifrig bestaunt, Musikgenuß, falls er sich einstellt, ist Zusatznutzen. Ärgerlich auch, daß selbst phänomenale Lautsprecher bisweilen mit stampfenden, schmatzenden und rülpsenden Geräuschen irgendwelcher Filmmonster präsentiert wurden, Jurassic Park läßt grüßen.
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Da wünschte ich mir manchmal fast die Zeit zurück, als man uns in Hotelzimmern mit audiophiler Geklimper-Untermalung die Flötentöne, oder genauer, deren Anblasgeräusche beibrachte - worüber ich mich sonst gerne ironisch auslasse. Von der High End 1998 bin ich jedenfalls recht nachdenklich zurückgekehrt.

Herzlichst Ihr
Heinz Schmitt CHEFREDAKTEUR

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