Von den "Analog-Gurus" geflissentlich verschwiegen:
Was habe ich überhaupt für eine "Konserve" ??
Die Experten wußten es schon seit etwa 1955.
Auf den Schallplatten sind die unterschiedlichsten "Entzerrungen" oder auch "Verzerrungen" drauf.
Das hat nichts mit dem Klirrfaktor zu tun, ist aber dennoch eine Wissenschaft für sich. Viele dieser Schneid-Kennlinien sind heute gar nicht mehr dokumentiert und die mechanischen Kennlinien der diversen Schneideköpfe sind auch nur seltenst linear.
Ein historisches Urgestein, der Telewatt Ultra
An diesem frühen Röhren-Profi-Vollverstärker aus dem Jahr 195x?, und natürlich noch mono, kann man deutlich erkennen, es gab schon damals viele den Experten bekannte Phono Entzerrungskurven. Hier auf der Fontplatte waren "nur" ca. 25 solcher "Kennlinien" abzubilden durch die geschickte Kombination der beiden 5reihigen Schalter.
Über RCA, RIAA und DIN war fast alles vertreten.
Die BBC ist auch ein Urvater der High-Fidelity.
Bei der BBC und später beim NSA (National Sound Archive) jeweils in London hatte man sich schon sehr lange viele Gedanken über die unterschiedlichen Schallplatten Qualitäten und deren Restauration gemacht.
Warum ?
Jetzt also ein Exkurs in die Anfänge der Schallplatten- Schneidetechnik. Schön früh hatten die ersten "Tonmeister" gemerkt, die Mechanik der Schallplatte ist bei Musik doch arg begrenzt mit der Dynamik und dem Frequenzgang. Das Material und die Physik setzen enge Grenzen. In dem Neumann Taschenbuch von 1943 steh viel über die überhaupt erreichbare Qualität der 78er Ur-Schallplatten und der Verbesserungen bis 1943.
Die Experten dachten, das könnte man mit ein paar Tricks doch ändern. Man verbiegt oder "verzerrt" die lineare Verstärkungskurve des Originals bei den Mitten und den Höhen durch eine Anhebung (bzw. Verstärkung) und biegt diesen "verzerrten" Frequenzgang bei der Wiedergabe wieder zurück. Das war wirklich eine gute Idee. Doch wer bestimmt, welche Frequenzbereiche wie stark verändert werden ?
Am Ende gab es mehrere hundert Varianten und Kombinationen
von "idealen" Entzerrungen. Sicherlich haben sich im Laufe der Zeit wenige 20 als wirklich hilfreich und sinnvoll heraus kristallisiert, doch auch die muß man erst mal beherrschen.
Wenn Sie sich Studioplattenspieler beim Rundfunk ansehen, finden Sie an den Verstärkereinschüben 10 und mehrstufige Drehschalter mit so komischen Bezeichnungen wie RIAA und 75 µ (gesprochen müh) usw. Zu Hause haben Sie das selbst auf edlen Vorverstärkern nur selten. Auch für die Magnetbandaufzeichnungen gab es viele verschiedene Kurvern für Ver- und Entzerrung. Manche waren genormt, andere wiederum nicht und dennoch sehr gebräuchlich.
Beim Archivieren der Millionen von Tonträgern kam es dann raus, das historische Expertenwissen.
Mit der Reife der digitalen Speichertechnik kam der Wunsch auf, die gigantischen Archive der BBC von den vergänglichen Magnetbändern zu befreien und dann auch gleich mit die Schallplatten aller Epochen zu digitalisieren.
Und glücklicherweise wurden die Experten nicht nur europaweit bzw. weltweit gesucht, sondern die BBC hatte altgediente erfahrene Tonmeister in ihren Reihen, die diese Technik noch aus den frühen Anfängen in Erinnerung hatten.
Und einer von ihnen (Peter Copeland - verstorben 2006) hat es "uns" aufgeschrieben, auf 340 Seiten. Es sind 340 gigantische Seiten aus allen Bereichen der Tontechnik, der Video-Technik und (fast) allen sonstigen Speichermedien wie auch den diversen Lichtton- und Magnetton- Filmverfahren. Das Werk ist zur Zeit als PDF verfügbar und in (upper Class) Englisch verfaßt aber wir arbeiten an einer deutschen Web-Version.
Diese (mehrere Abende füllende) Lektüre erfordert wirklich volle Konzentration, um die immensen akribisch aufgeführten Varianten aller "Tonverfälschungen" und der damit verbundenen Recherchen überhaupt zu verstehen.
Es gibt fast keine objektiven Kriterien mehr für die alten Scheiben.
Peter Copeland kommt nach langen Jahren der Recherche zu dem Schluß, daß man die optimale Wiedergabe-Entzerrung mit hohem Zeitaufwand im Studio individuell herausfinden muß und dann auch reproduzierbar festhalten muß. Das ist die Quintessenz aus seinen 340 Seiten. Und dazu braucht man recht aufwendiges Studio-Equipment und sehr teure und vor allem rare analoge Entzerrer. Solch ein Entzerrer muß hunderte von Entzerrungskurven einstellen und abbilden können.
Wer hat solch ein Teil denn schon zu Hause ?
Der Vorteil der modernen professionellen digitalen Version alter Musikstücke :
Beim Digitalisieren bzw. Rippen alter analoger Aufnahmen werden in den Studios sowohl die überhaupt bekannten Entzerrungskurven bzw. überlieferten Daten der diversen Hersteller recherchiert und abgebildet sowie auch ein (sicher) subjektiver Hörtest unter Tonmeister-Profis durchgeführt.
Liegt dann endlich die digitale Version dieses einen Musikstückes vor, kann der Hifi-Fan und Studio-Laie so einigermaßen davon ausgehen, daß die Profis alles Erdenkliche unternommen haben, die optimale Konvertierung zu finden.
Bei Billig-CD aus der Bildzeitung oder HörZu oder anderen Hausfrauen- und Fernsehzeitungen oder von Keytel können Sie diesen Aufwand nicht erwarten. Bei den klassischen Labels wie DGG und Philips und Decca und Telefunken aber schon.
Hier kommen Sie zu den Seiten von Peter Copeland, . . .
die jetzt erst mal in Englischer Sprache hier verfügbar und verllinkt sind.
Ein vorbereitende Einführung in Deutsch mit den versteckten Highlights finden Sie hier.





