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Die (deutsche) Zeitschrift "AUDIO" und ihre Bedeutung :

Das deutsche Hifi-Magazin "AUDIO" kam im Januar 1978 recht spät auf den Markt. Mehrere andere Magazine waren da etwas schneller, die Amerikaner sowieso. Doch AUDIO glänzte von Anfang an mit bildzeitungsähnlichen Superlativen in jeglicher Coleur sowie Schlagzeilen auf Bildzeitungs-Niveau. Nichts war da noch steigerungsfähig, alles war immer das (aller-) Größte, (aller-) Teuerste, (aller-) Beste und (aller-) Schnellste. Das war auch das Merkmal der anderen Massen-Publikationen des Auto-Motor-Sport Presse Verlages aus Stuttgart.

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Die gesamten Ausgaben des AUDIO Jahrganges 1985 sind durchleuchtet und die wenigen beachtenswerten Artikel zum Kommentieren und Korrigieren eingescannt.

Es fällt auch hier wieder auf, daß wir alle unbekannter Weise "herzlich" gegrüßt werden - wenigestens nicht "herzlichst" - wie bei manch anderen Chefredakteuren.

Nur - ich kenne diesen Mann gar nicht.
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Ein einziger Artikel sticht in Heft 1 hervor

und das ist ein (Test-) Besuch bei 11 Frankfurter Hifi Händlern.
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Editorial AUDIO 01/1985 - Meine Meinung - Vorurteile

Lautsprecher mit Metall-Kalotten klingen bekanntlich hart, unterkühlt und zwangsläufig unmusikalisch. Mit ihnen verbinden sich alle Assoziationen, die zum Metall überhaupt möglich sind.

Oder klingen Lautsprecher mit Metall-Kalotten in Wahrheit doch gar nicht metallisch? Natürlich nicht! Zwar sind die Dinger teurer und schwieriger zu fertigen, aber sie haben handfeste Vorteile, die in der Akustik zählen.

Sie sind steif, leicht, verbiegungsarm und führen die beim Hin- und Herschwingen entstehende Wärme schneller ab. Weshalb sie auch meist noch hoch belastbar sind und nicht so rasch den Wärmetod sterben.

Aber um nicht an den schnellen HiFi-Brütern zu scheitern, die zu allem und jedem sich ihr Vorurteil bilden, treibt die Werbung prompt ihre fröhlichen Purzelbäume.

Die Firma Magnat preist ihre „Soft-Metal"-Kalotte in der Hoffnung, daß was Softiges keinen auf die Idee bringt, es könne hart klingen.

Der nächste Anbieter spricht von der „Weichalummium-Kalotte", damit nur ja niemand was Metallisches vermute. Längst fassen sich die Ingenieure an den Kopf und stöhnen.

Oh grausliche HiFi-Welt
Wenn das Material den Klang ausdrückte, dann müßte eine Gewebe-Kalotte ziemlich stoffig klingen, jede Diamantnadel, da geschliffen, von Hause aus brillant, und jede Box mit normalem Tieftöner recht pappig, was gottlob nur selten und dann aus anderen Gründen vorkommt.

Gelobt sei, was hart ist. Es klingt ganz anders.

Herzlich Ihr Hannes Scholten
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Editorial AUDIO 02/1985 -
Meine Meinung - 99 Luftballons

Fast jeden Monat präsentiert sich eine neue HiFi-Marke; neue Läden machen auf, neue Gesichter erscheinen in der Szene, neue Technologien kommen ins Gespräch - HiFi hat offenbar nichts von seiner Faszination verloren.

Aber ebenso oft verschwinden die Marken und die Läden, die Gesichter und die Technologien wieder, ohne wirklich etwas bewegt zu haben. Dann ist der Katzenjammer groß.

Der eine hat sich einen angeblich sensationellen Verstärker aus Japan einfliegen lassen; nun ist ein Transistor defekt, die Kiste bleibt auf einem Kanal stumm, der Besitzer klappert alle Adressen ab und sucht Ersatz für ein lächerliches Bauteil, das ihm keiner beschaffen kann.

Der andere braucht einen neuen Hochtöner für seine Exoten-Box aus den USA; längst aber ist der Vertrieb in Deutschland verschwunden, der Hersteller zwar auffindbar, aber er antwortet nicht; Amerika ist weit.

Der dritte ist auf ein geradezu unglaublich preisgünstiges Angebot eines 300-Watt-Vierwege-Lautsprechers hereingefallen, der ursprünglich mal über 2.000 Mark gekostet haben soll und jetzt nur noch 690 Mark kostet, wie der Hinterhofhändler in seinen Anzeigen geschrieben hat.
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  • Anmerkung : Das ist eine sehr sehr vage Kommentierung, denn hier habe ich ein Beispiel, wie ein eigentlich immer noch seriöses Hifi-Studio renomierte Markenprodukte verrammscht - natürlich mit Wissen des Herstellers, Importeurs oder des Vertriebs.

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Exotische Produkte können einen Heidenspaß machen, aber auch ein Heidengeld kosten. Sie ähneln den Luftballons, indem sie für schillernde Farbtupfer im grauen Alltag sorgen und das schöne Lustgefühl vermitteln, etwas Besonderes gekauft zu haben.
Aber einer platzt immer.

Herzlich Ihr Hannes Scholten

  • Anmerkung : Aber die vielen Anzeigen dieser Scharlatane, über die er hier so schimpft, die nimmt der Verlag doch gerne (ist natürlich immer diese böse Anzeigenabteilung), die bringen doch das Geld.

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Editorial AUDIO 03/1985 -
Meine Meinung - Kunden-Dienst

Wer Kunden gut beraten will, ist manchmal schlecht beraten. Aus Ärger über die Versand-Konkurrenz, die hochwertige Geräte aus manchmal sogar undurchsichtigen Quellen zu Schleuder- preisen ohne Service anbietet, ließ sich das alteingesessene Stuttgarter HiFi-Studio Barth eine besondere Anzeige einfallen. Text: „Stellt Ihr Postbote Nakamichi-Geräte auf und mißt sie fachgerecht ein? Na also! Darum sollte man Cassettendecks in der Nakamichi- Klasse auch nicht im Versandhandel kaufen."

Prompt meldete sich bei Barth eine „Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs E.V." aus Frankfurt und erklärte barsch: „Wir halten diese Werbung für eine unnötig herabsetzende bezugnehmende Werbung, die unter dem Gesichtspunkt der Behinderung gegen Paragraph 1 UWG verstößt." Beigepackt waren eine Unterlassungserklärung (Vertragsstrafe bei Zuwiderhandlung: 2000 Mark) und eine Forderung für die Kosten der Zentrale von 160 Mark. Die Firma Barth unterschrieb, zahlte die Rechnung und zog die Lehre aus dem Kunden-Dienst: Wer die Wahrheit sagt, erregt bei irgend jemand immer Anstoß.

Nun bin ich mal gespannt, ob auch AUDIO eine Abmahnung des Vereins erhält. Denn Cassettendecks in der Nakamichi-Klasse sollte man in der Tat nicht im Versandhandel kaufen.

Hannes Scholten

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Editorial AUDIO 04/1985 - Schlafgelegenheit


Die Compact Disc, besser unter dem Diplomatenkürzel CD bekannt, erlebt einen ungeahnten Boom. Fast täglich überpurzeln sich die guten und weniger guten Nachrichten. Polygram, der riesige Konzern, kann in diesem Jahr gar nicht genug schillernde Scheiben pressen, Sanyo ist auf Monate ausgebucht, JVC will ab September die monatliche !! Produktionskapazität auf eine Million Stück aufstocken, keiner kann weltweit so viel liefern, wie die Konsumenten verlangen - die CD dreht sich längst in atemberaubendem Tempo.

Den meisten Plattenläden in Deutschland scheint das freilich zu entgehen. Sie präsentieren ein mageres Angebot von mal 50, mal 100 verschiedenen CD-Titeln schamhaft in verschlossenen Verkaufsständern, so, als ob der Kunde auch noch dankbar sein müßte, wenn ihm eine Verkäuferin gnädig den Kasten aufschließt.

Manche kleben gar nur Coverfotos auf einen Pappdeckel und stellen diese ins Regal, andere legen Kataloge aus und bestellen die CDs einzeln auf ausdrücklichen Kundenwunsch.

Auch die Hardware-Anbieter in Deutschland scheinen die Compact Disc und die dazugehörigen Spieler nur als neue Schlafgelegenheit einzuschätzen - die pfiffigsten und komfortabelsten Player kommen, wie sollte es anders sein, überwiegend aus Japan.

Wie riesig das Angebot an CDs in Wahrheit ist und wie faszinierend die Vielfalt der Geräte, zeigt der neue CD-Spezialkatalog von AUDIO, der ab heute an jedem Kiosk zu haben ist. Die wichtigsten Angaben dazu finden Sie auf Seite 99 in diesem Heft. Er führt rund 4.000 CDs von Abba bis Zappa auf und enthält 72 Spieler mit ihren technischen Daten und einer Kurzbewertung - nicht zum Schlafen, sondern höchstens zum Träumen gedacht.

Herzlich Ihr Hannes Scholten

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Editorial AUDIO 02/1985 -
Meine Meinung - Die Hochtöner

Das etwas peinliche Mißverständnis unterlief mir schon vor ungefähr zwei Jahren, als ich zum ersten Mal den berühmten Ohrwurm „Won't let you down" im Radio hörte: Die Stimme klang so hoch und kehlig, daß ich eiskalt auf Miriam Makeba schloß. Es handelte sich jedoch um Jim Diamond vom Duo PH. D. Seitdem weiß ich, daß Männer auch nicht mehr das sind, was sie einmal waren.
Jedenfalls nicht in der Pop- und Rockmusik.

Waren die Herren Künstler vormals wenigstens noch an weiten Rüschenblusen, Beutelhosen oder Handtäschchen zweifelsfrei zu identifizieren, so scheint sich jetzt die androgyne Stimmengesellschaft durchzusetzen und vollends alle Unterschiede zu verwischen. Gefragt ist offenbar nicht mehr der harte Kerl mit stählernem Baß; das Publikum verlangt nach Kastraten-Softies.

Superstar Michael Jackson quiekt bei seinen besten Sachen in den höchsten Tönen; Leo Sayer gerät das Hohe C nicht minder mühelos als der Callas, und wer Nick Kershaw beim Hochgleiten der Tonleiter nachahmen will (ich hab's probiert), verwandelt sein Badezimmer zumindest akustisch in einen Schlachthof - dort dürfte es ähnlich klingen, wenn Schweine das Schafott erblicken.

Was ist bloß los in der Popmusik, daß alles nur noch hoch und hell und feminin tönt? Sind hier die Marketingstrategen am Werk, die Hits so lange trimmen, bis sie auch auf einem Kofferradio noch vollmundig wirken? Selige Zeiten, in denen ein Schaljapin seinen Baß orgeln ließ und Zarah Leander ihre Stimmbänder zu Kontrabaßsaiten umfunktionierte.

Aus der musikalischen Annäherung zwischen Macho und Mädchen in der heutigen Popszene fand allein Grammy-Preisträgerin Tina Turner einen Ausweg, wenn auch einen individuellen. Sie verzierte ihr Haupt mit einer derart interessanten Haarkonstruktion, daß sie nun weder nach Mann noch nach Frau aussieht, sondern ganz neutral nach Klobürste. Aber ob darin Zukunft liegt?

Herzlich Ihr Scholten
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