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Vor 30 Jahren - Die Hifi-Szene im Januar 1985 ganz allgemein

von Gert Redlich im Aug. 2015 - Der Hifi-Markt lag 1985 immer noch darnieder. In einigen Editorials diverser Magazine wird das auch ganz deutlich - aber immer rückwirkend - angemerkt und angeführt. Auch die Magazine mühten sich, noch nicht abgedeckte Themen irgendwie zu besetzen und so startete AUDIO den - natürlich exklusiven - Händler-Test. Angeblich, weil so viele Leserzuschriften sich über die Qualität der Händer "geäußert" hätten.
Von einem Insider der Branche - bei uns damals "Mr. Thorens" und danach "Mr. Tandberg" genannt - , leider schon verstorben, weiß ich, daß es diverse Fälle gab, in denen Leserzuschriften recht dubios "generiert" wurden, um in den zwangsläufig dazu erzeugten Antworten ganz gezielt diese neuen Themen indirekt vorzubereiten und somit geschickt zu bewerben..

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In der "AUDIO" nannten sie es :
Die "Frankfurter Rundschau" (das ist aber nicht die Zeitung !)
Händlerreport: Großraum Frankfurt aus Herbst-Winter 1985 !!

Händler-Tests - Jetzt ganz neu und nur in AUDIO

Wie gut sind Deutschlands HiFi-Händler? AUDIO prüft vor Ort. - Von Wolfgang Feld und Axel H. Lockau
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Die Einleitung

Arrogante Schnösel sind diese HiFi-Verkäufer", beschweren sich viele AUDIO-Leser, „und beängstigend ahnungslos dazu." Andere HiFi-Fans finden nicht genügend lobende Worte über Service, Beratung und fachliche Kompetenz ihres Stammhändlers.

Die Leser-Zuschriften mit Kritik und Lob für HiFi-Studios, die täglich in der Redaktion (von AUDIO) eintreffen, spiegeln die schroff gegensätzlichen Meinungen über den HiFi-Handel. Und 80 von 100 Briefen schließen mit der gleichen Frage: „Welchem Händler kann ich trauen, welchen sollte ich meiden?"

Vom Schreibtisch aus läßt sich keine befriedigende Antwort geben, und so startet AUDIO in diesem Heft (01/1985) eine neue Serie: den Händler-Report 1985. Jede Folge ist gleichzeitig ein Einkaufsführer, der Auskunft gibt über Angebot, Service-Möglichkeiten, Service-Bereitschaft, Vorführmöglichkeiten und Kompetenz der einzelnen HiFi-Studios.

"Weggelassen" = keine Bewertungen von vor 30 Jahren.

Aus den zitierten Originaltexten sind alle Bewertungen - soweit erkennbar - entfernt, denn es sind mehr als 30 Jahre vergangen und da stimmt sowieso nichts mehr. Die meisten der Hifi-Studios sind auch gar nicht mehr da.

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Die erste Folge führt durch Frankfurt.

Die Frankfurter Skyline - aber nicht in 1985 sondern 25 Jahre später in 2010


von Wolfgang Feld und Axel H. Lockau .

Mit einem Fragenkatalog, der detailliert Stärken und Schwächen der Läden auf den Grund geht,
bedrängten AUDIO-Redakteure Händler und Verkäufer. Freilich verließen sie sich nicht nur auf diese Angaben. Die Redakteure notierten gewissenhaft Mißstände, die mancher Händler lieber verschwiegen hätte. Defekte Umschaltanlagen, dünne Lautsprecherstrippen mit langen Wegen, Hörstudios mit Boxenwänden ohne Pegelausgleich, miserable Raumakustik, nicht vorführbereite Elektronik-Komponenten oder behelfsmäßige Wurfantennen - die Sündenliste ist lang.

Genauso penibel führten sie Buch, wenn der Händler klug und überlegt
solchen zweifelhaften Lösungen aus dem Weg ging, und hörten mit, wenn die HiFi-Berater ihre Kunden informierten. Bei den Verkaufsgesprächen offenbarte sich schnell, ob und wie weit Theorie und Praxis auseinanderlagen.

Es verbleiben 1984/1985 nur 11 von 20 Frankfurter "Händlern"

Rund 20 HiFi-Händler nahm das "Test-Team" in Frankfurt unter die Lupe, von denen neun auf der Strecke blieben. Denn nicht jeder Laden mit der stolzen Frontaufschrift „HiFi" trägt das Prädikat zu Recht.

  • Anmerkung : Wenn mich (als eingeborerer Wiesbadener) in 1985 eine Hifi-Redaktion nach München geschickt hätte, um die dortigen Hifi-Studios mal zu "untersuchen", wäre ich genauso verlassen aufgelaufen wie die beiden Redakteure hier. Ich zumindest hätte "meine" Leserbriefe (also die aus "meinem" Magazin) durchsucht und dazu einen Münchner Insider gebeten, mir mal aus seiner Sicht die Adressen zu nennen, die der "Eingeborene", der Münchner Hifi-Indianer kennt.

    Und dazu hätte ich alle Anzeigen in "meinem" Magazin und auch in den sonst irgendwo am Markt erhältlichen anderen Hifi- oder Unterhaltungs- Magazinenalle Adressen rausgesucht. - Die (Anzeigen-) Redaktionen oder Abteilungen in den anderen Magazinen haben nämlich - auch - allesamt gewissenhaft jedes "konkurrierende Blatt" genau durchforstet und so hätte man einen deutlich größeren aktuellen lokalen Adress-Fundus gehabt.

    Über die z.B. lokalen Münchner oder Frankfurter Leser hätte man dann noch mehr Informationen über die tatsächlichen Besuchs-Ziele gehabt, als vom Bahnhof oder Hotel aus die gelisteten Adressen anzufahren.


Ausreichende Auswahl an Geräten unterschiedlicher Preisklassen ist die erste Voraussetzung, um in die Endausscheidung zu gelangen. Ebenso wichtig für seriöse Beratung ist ein separater Hörraum; kurzerhand vom Verkaufsraum abgeteilte Ecken, eine Handvoll HiFi-Racks und ein Dutzend Boxen machen noch kein Studio.

Einer aus dem verbliebenen Elfer-Rat ließ sich allerdings aus anderen Gründen nicht zuverlässig beurteilen (siehe Kasten Seite 59). Der traditionsreiche HiFi-Händler Ullmann baute zur Zeit der Erhebung gerade seinen Laden um. In den nächsten Wochen soll „alles ganz neu und anders" sein. Man wird sehen - in einem der nächsten Hefte.

Die restlichen Zehn entpuppten sich als reinrassige "Fachhändler" :
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  1. • Radio Diehl HiFi-Center, Frankfurt;
  2. • Pro Markt, Eschborn;
  3. • HiFi-Haus, Frankfurt;
  4. • HiFi Im Hinterhof, Offenbach;
  5. • HiFi-Lager Suppes, Frankfurt;
  6. • Die HiFi-Profis, Frankfurt;
  7. • Main Radio, Frankfurt;
  8. • OKM-Tontechnik, Eschborn;
  9. • Raum Ton Kunst, Frankfurt, und
  10. • Wiessler highfi, Frankfurt.

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  • Anmerkung : Also Offenbach und Eschborn sind schon recht weit her geholt, um als "Frankfurter Hifi-Studios" oder Händler zu gelten. Doch die Redakteure (nicht nur von AUDIO) nehmen das nicht so genau. So sind einige Radio/Hifi-Läden im Taunus und im Rheingau nach wie vor Wiesbaden zugeordnet. Das ist aber genauso dummes Zeug wie der 80km von Frankfurt ertfernte Flughafen Frankfurt/Hahn. Es ist eine Weltreise von fast 1 Stunde.

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  • Anmerkung : Man nannte sie damals bereits "Hifi-Studios" und nicht Fachhändler. Hier war AUDIO mit dieser Bezeichnung schon am Zug der Zeit vorbei.

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Bis auf das neugegründete „HiFi-Lager Suppes", das mit Hinterhof-Image und Billig-Look seine Kunden lockt, setzt keiner der Läden auf typischen Discount-Charakter.
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  • Anmerkung : Das stimmt so nicht. Das erste (Gründungs-) Hifi-Lager Suppes war wirklich mal ein simpler Lagerraum im Wiesbadener Vorort Biebrich direkt am Biebricher Schloßpark - in Vaters ungenutzer Backstube. Mit einem damals (bereits deutlich vor 1980) neuen Verkaufs-Konzept als sogenannter Boxenschieber schob Gründer Bernd Suppes alles über den Tresen, auf dem irgendetwas von Hifi drauf stand - und das sehr erfolgreich. Herr Pause und Herr Helferich waren im Sommer 2015 bei uns in der Museumsredaktion und haben ein wenig von früher erzählt.

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Traditionsgemäß geben in Frankfurt die etwas feineren Händler den Ton an - angeführt von Radio Diehl mit 18 Filialen.
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  • Anmerkung : Das mit den 18 Frankfurter Radio Diel Filialen ist natürlich auch nur solch ein Werbe-Slogan. Da waren nämlich auch ein paar ganz kleine Lädchen für Küchengeräte und Staubsauger dabei. "Hifi" gab es nur in den wenigen größeren Geschäften und Edel-Hifi gabs nur in der Zeil.

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Radio Diel Werbung in 08/1981

Es geht los :

AUDIO besuchte deshalb gleich zwei Niederlassungen des (nach eigenen Angaben aus 1984 !! ) größten HiFi-Händlers Deutschlands: das HiFi-Center des größten Haupthauses im Holzgraben 5 - 7, und den „Pro Markt" auf der grünen Wiese in Eschborn. Hier trifft der Kunde mit ein wenig Glück zuweilen sogar den Chef der Ladenkette, Alexander Diehl, getarnt mit einem Schildchen, das ihn als „Herr Alexander" ausweist.

Große und qualifizierte Kaufhaus-Abteilungen mit umfangreichem HiFi-Angebot, als Gegengewicht zur Diehl-Kette, sucht der Kunde in Frankfurt freilich vergeblich. Nach Art großer Kaufhäuser sortiert zeigen sich lediglich die alteingesessene Firma Main-Radio und die Newcomer vom HiFi-Haus.

Schöne neue Welt 1985 - Ullmann Hifi

Plant für bessere Zeiten: HiFi- Veteran Ullmann vor dem Umbau.

In der Eschersheimer Landstraße, Nummer 71-72, herrschte Unruhe. Allerdings nicht, weil die AUDIO-Redakteure dem HiFi-Studio Ullmann und seinem Besitzer auf den Zahn fühlen wollten, sondern weil der Frankfurter HiFi-Pionier gerade seine Räume umbauen ließ.

Rolf Ullmann, der stolz darauf ist, „schon 26 Jahre dabei zu sein", (im Jahr 1984 sei er 26 Jahre dabei !!!!) will sich auf die in Frankfurt zu erwartende Marktveränderung einstellen.
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  • Anmerkung : Irgendetwas stimmt da nicht. Rolf Ullmann war ein Verkaufs-Profi und hätte nie und nimmer wenige Monate vor oder direkt nach Weihnachten, dem Jahres-Hauptgeschäft im Hifi-Bereich, seinen Laden umgebaut. Daß die Januar-Ausgabe 1985 von AUDIO bereits Mitte Dezember 1984 fertig (in den Kiosken, Läden und in der Auslieferung) sein mußte, ist klar. Also sind die ganzen Besuche/Tests deutlich vor Weihnachten - bereits im Herbst 1984 durchgeführt worden.

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Nachdem er in den letzten Jahren den Verkauf von Haushaltsgeräten aufgegeben hat, will er jetzt bei seinem HiFi-Angebot ein größeres Schwergewicht auf High-End-Geräte legen. Zukünftig sollen bei ihm häufiger Boxen der Marken KS, Audio Pro sowie Produkte von Revox, ASC und Yamaha stehen. Für diese Palette und andere High-End-Produkte hat er ein eigenes separates Hörstudio geplant, für die obere Mittelklasse bleibt der bisherige, größere Verkaufsraum mit abgeschlossenem Vorführstudio bestehen. Zusätzlich hat er noch Platz „für ein weiteres Studio im Keller, falls es notwendig werden sollte".

Dabei peilt er „eine vorwiegend jüngere Zielgruppe an" und malte den AUDIO-Besuchern zwischen Handwerkern und Werkzeugkästen jene Zeit „nach der Eröffnung Anfang 1985" in den schönsten Farben: „Beige und Braun ist passe, da kommen überall Rohr-Regale und Strahler rein - kühl und ästhetisch."

Wenn Ullmann mit seinen vier Mitarbeitern seine Pläne wahr macht und sich um seine Kunden weiterhin so engagiert bemüht, wie es AUDIO von Frankfurter HiFi-Fans berichtet wurde, dürfte auch sein renoviertes Studio zu den ersten Adressen zählen.
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Kleinere Studios

Dafür tummeln sich in der Frankfurter HiFi-Szene mehrere kleine Studios, die sich in fast freundschaftlichem Nebeneinander Marktnischen teilen. Zwei von ihnen erwiesen sich bei den Untersuchungen der AUDIO-Tester sogar als erste Adressen.

Horst Nowaks Studio „Raum Ton Kunst" in einer Ladenpassage neben der Zeil überzeugte durch kompetente Verkäufer, sorgfältig ausgewähltes Programm der Mittel- bis Oberklasse und umfangreiche Service-Leistungen.
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  • Anmerkung : Horst Nowak und sein Partner H. Bruns waren so zum Ende 1966 ziemlich die ersten, die sich im ernsthaften Oberklassen-Hifi engagierten. Beide waren vorher im Hifi-Studio des Frankfurter Bieberhauses am Ende der Zeil und stiegen dort aus, um in der Sandhof-Passage mit einem ganz kleinen exklusiven Schaufensterladen anzufangen.


Von gleicher Güte, wenn auch etwas kleiner, ist das OKM-Studio im Vorort Eschborn. Hier findet der CD-Fan zudem das umfangreichste Plattenangebot im Frankfurter Raum.
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Vorläufige erste Zusammenfassung

Das Bieberhaus vor 1974
Das dortige Hifi-Studio

Verglichen mit anderen Ballungsgebieten, gibt sich die HiFi- Szene im Großraum Frankfurt zur Zeit geradezu beschaulich: Die Pfründe sind seit Jahren vergeben, Verdrängungs- und Preiskämpfe mit harten Bandagen finden nicht statt.

  • Anmerkung : Auch das stimmt nicht. Sowohl der Hifi-Krieg aus Wiesbaden wie auch aus Darmstadt schwappte selbstverständlich auch nach Frankfurt rein. Mit dem Auto waren es keine großen Wege. Und die Hifi-Freaks gingen in ganz Rhein-Main schnuppern.


Sogar der Hecht im Karpfenteich, der Eschborner Pro Markt, blendet eher mit dem Image des Großmarktes als durch günstige Preise.
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  • Anmerkung : Der ProMarkt wie auch die anderen Märkte hatten immer ganz besonders preiswert "scheinende" Lockangebote, die nach Aussagen des Suppes Mitarbeiters Herrn Pause alle, aber auch alle, immer noch sehr gewinbringend mit über 30% Marge kalkuliert waren. Das waren fast alles Auslaufmodelle, die der (die) Hersteller in großen Mengen loswerden mußten.

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In Zukunft allerdings wird sich die Idylle ändern. Das technische Kaufhaus „Bieberhaus", das vor Jahren (Bilder rechts : 1974 in Konkurs gegangen) aus der Frankfurter City verschwand, drängt wieder auf den Markt. Dabei versucht der Bieber-Chef Borst, seine zukünftigen Mitarbeiter auf besondere Weise zu motivieren. Jeder Angestellte soll mit 30.000 Mark als Teilhaber einsteigen.
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Kaufhof geht, Saturn kommt: Im Mai 1985 eröffnen die Kölner hier ein Musik-Kaufhaus.

Noch mehr allerdings bangen Frankfurts HiFi-Händler vor einem anderen Newcomer: Der Kölner Unterhaltungselektronik-Riese Saturn übernimmt im Februar im Stadtteil Bornheim vom Kaufhof-Konzern ein dreistöckiges Kaufhaus - voraussichtliche Eröffnung Mitte Mai. Die Kölner, bei rheinischen Fachhändlern wegen ihrer forschen Niedrigpreis-Politik seit langem gefürchtet, könnten auch in der Äppelwoi-Stadt für rauhere Umgangsformen sorgen.

Der Preiskampf wird dann sicher härter werden, doch an der Verteilung von Licht und Schatten bei den zehn Händlern des AUDIO-Reports ändert sich wohl nicht viel. Ein gutes Studio kann sein Niveau halten.

Test 1 - Radio Diehl HiFi-Center

Holzgraben 5-7 6000 Frankfurt 1

Große Produktpaiette, erhebliche Platzprobleme: HiFi-Center im Holzgraben.
Radio Diel 10 Jahre später
Radio Diehl Anzeige 1976

Das Geschäft

Mit rund 500 Quadratmetern Verkaufsfläche auf zwei Stockwerken und vier Hörräumen gehört das HiFi-Center des Filialunternehmens (18 Geschäfte) Radio Diehl zu den größten Frankfurter HiFi-Anbietern; es liegt in einer kleinen Parallelstraße der Frankfurter Fußgängerzone Zeil. Laut Geschäftsführer Dieter Neuroth beraten zehn, teilweise im eigenen Betrieb ausgebildete Mitarbeiter.

Das Angebot
„Außer Yamaha führen wir alle wichtigen Marken", freute sich Neuroth bei der AUDIO-Befragung. Neben einigen preisgünstigen HiFi-Türmen bestimmen vor allem im ersten Stock auf Kartons gestapelte Komponenten der Preisklasse bis 2000 Mark das HiFi-Center-Angebot. Masse und Klasse lautet wohl die Devise im Frankfurter Holzgraben, und Neuroth will mit der „Stapelware" im ersten Stock den Kunden helfen, „sich einen Überblick zu verschaffen".

Die Vorführung
Von den vier Vorführstudios bietet nur eines akzeptable akustische Bedingungen - die drei anderen Kabinen sind zu klein, die Boxen stehen ungünstig. Aber auch im großen Hörstudio im Erdgeschoß (rechts) ist ein seriöser Hörtest kaum möglich, denn die rund 60 Boxen verstellen sich gegenseitig den Schallweg. Neuroth, der mit der Akustik selbst nicht zufrieden ist: „Für uns ist es wichtiger, möglichst viele Geräte angeschlossen zu halten, als optimale Vorführbedingungen zu realisieren."

Der Service
Radio Diehl betreibt eine eigene Servicewerkstatt mit 40 Technikern. Die Garantieleistungen beschränken sich auf die Herstellerangaben. Die wichtige Justage von Cassettenrecor-dern wird beim HiFi-Center nicht sonderlich ernst genommen: „Wir machen das nur, wenn's verlangt wird", erläutert der Geschäftsführer, und bei Recordern unter 400 Mark „ist das sowieso kein Thema". Ein Bo-xenhortest zu Hause ist im Normalfall nicht möglich, allerdings räumt Diehl ein Umtauschrecht ein.

Die Preise
Die HiFi-Center-Preise bewegen sich im normalen Rahmen; ausgesprochene Tiefstpreise sind nur bei Sonderangeboten zu erwarten.

Test 2 - Der Pro Markt von Radio Diehl

Philipp-Helfmann-Straße 2-4 6236 Eschborn

Das Geschäft

Bild : Lagerhallencharme und dürftige Beratung: Pro Markt auf der grünen Wiese.

Neben anderen Großmärkten im Gewerbegebiet Eschborn-Ost betreibt das Frankfurter Filialunternehmen Radio Diehl seinen ProMarkt, der auf einem 400 Quadratmeter großen Teil seiner Ladenfläche HiFi-Produkte offeriert. Insgesamt stehen, so Geschäftsführer Wolfgang Bree, 17 Fachverkäufer den Kunden zur Verfügung.

  • Anmerkung : Dieser ProMarkt agierte nach der Übernahme später bundesweit, wurde aber in den Ballungsräumen von Rhein Main von den Saturn/Media-Märkten verdrängt.


Das Angebot
Meist auf Kartons gestapelt, führt Pro Markt ein nahezu undurchschaubares HiFi-Angebot der unteren bis mittleren Preisklasse, bei dem augenfällig nur die Marke Yamaha fehlt. Zudem bietet Pro Markt Zubehör, Analogplatten und eine kleine CD-Auswahl.

Die Vorführung
In einem Elektronik-Demonstrationsraum stehen rund 100 Komponenten, die nur zum Teil über zwei äußerst ungünstig plazierte Canton-Boxen abgehört werden können. Auch der zweite Vorführraum eignet sich nicht zum aussagefähigen Hörtest, denn die Kabine ist oben offen und schirmt das heftige Dröhnen von der Car-Stereo-Vorführung nicht ab. Selbst wenn die Auto-Jünger eine Pause einlegen, verhindert die nicht eingepegelte Einfach-Umschaltanlage der Eschborner einen seriösen Hörtest. Daß eine drehbare Richtantenne fehlt, die für eine ernsthafte Beurteilung von Tunern erforderlich wäre, vermißt Geschäftsführer Bree nicht - „ein solcher Empfangstest sagt sowieso nichts aus".

Der Service
Beim Pro Markt gilt offensichtlich die Devise vom schnellen Umsatz, denn an Serviceleistungen wie Kopfjustage beim Recorder denken die Eschborner nicht: „Welcher Laden macht schon den Kunden von sich aus darauf aufmerksam?" lautete die lakonische Antwort Brees auf die AUDIO-Frage, ob im Verkaufsgespräch auf die Kopfjustage eingegangen wird. Dennoch messen die Pro-Markt-Techniker zumindest bei teuren Recordern auf Wunsch kostenlos auf Bandsorten ein, und auch bei billigen Geräten sind 30 Mark Werkstattkosten dafür durchaus angemessen.

Die Preise
Trotz der Discounter-ähnlichen Aufmachung bietet der Pro Markt keineswegs Tiefstpreise - gängige Markengeräte kosten nur im Ausnahmefall (beispielsweise Auslaufmodelle) deutlich weniger als in normalen HiFi-Studios. Cassetten und CDs sind beim Pro Markt sogar teurer als bei einigen Händlern in der Frankfurter City.
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Test 3 - HiFi-Haus

Große Friedberger Straße 6 6000 Frankfurt 1
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Das Geschäft

Wohngemeinschaftsatmosphäre auf drei Etagen: HiFi-Haus an der Konstabler Wache.

Über einem Brautmodengeschäft, zentral in der Nähe der Konstabier-Wache residiert das HiFi-Haus. Im ersten Stock gibt's Waschmaschinen, Henkelmänner und Uhrenradios, darüber liegen die zwei Etagen (Verkaufsfläche: rund 160 Quadratmeter) für HiFi-Kunden, die von drei Verkäufern beraten werden.

Das Angebot
Im zweiten Stock sind HiFi-Anlagen bis zur oberen Mittelklasse nur teilweise aufgebaut, vor allem Luxman, Akai, Toshiba, Technics, Revox und Hitachi. Alfred Sommermeyer, Einkaufsleiter und zugleich zuständig für den HiFi-Bereich, hält wenig von Türmen und Komplettanlagen: „Wir spezialisieren uns auf gute Einzelkomponenten." Im dritten Stock können auch High-End-Freunde fündig werden: Goldmund, Magnepan, Mission und Bowers & Wilkins sind hier vertreten.

Die Vorführung

Die Akustik in den beiden etwas zu stark hallenden hohen Altbauräumen liegt deutlich über dem Durchschnitt. Im zweiten Stock stehen allerdings zu viele Boxen auf engem Raum, und die Hörergebnisse sind hier nicht sehr aussagekräftig. Besser sieht's im dritten Stock aus, wo (oh weh) eine eingepegelte Umschaltanlage den Boxenvergleich erlaubt, ohne allerdings verschiedene Elektronikkomponenten direkt umschalten zu können. Doch Sommermeyer kommt speziellen Kundenwünschen entgegen und verkabelt von Hand. Tunertests ermöglichen eine Rotorantenne und ein Kabelanschluß, doch Sommermeyer weiß, „daß der Kunde das am besten zu Hause ausprobiert", und räumt Umtauschrecht ein.

Der Service
Nur Recorder ab 1.000 Mark justiert das HiFi-Haus beim Kauf, darunter gilt ein Festpreis von 55 Mark. Auch der Boxentest zu Hause ist nur bei teuren Boxen möglich - als Sicherheit müssen zumindest unbekannte Kunden den vollen Kaufpreis hinterlegen. Zusätzlich zur Herstellergarantie bietet das HiFi-Haus generell ein Jahr Gewährleistung.

Die Preise
Da die ausgestellten Geräte im HiFi-Haus nur selten mit Kaufpreisen versehen sind, war keine generelle Bewertung des Preisniveaus möglich. Potentielle Käufer sollten sich also vorher über die gängigen Marktpreise informieren.
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Test 4 - HiFi im Hinterhof

Bleichstraße 28 6050 Offenbach
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Das Geschäft

Kleines Studio mit HiFi- Studentenfutter: HiFi im Hinterhof.

Die Offenbacher Firma "HiFi im Hinterhof" ist ein eigenständiges HiFi-Geschäft, das außer dem Namen und der Hinterhoflage nichts mit anderen gleichnamigen Läden (beispielsweise in Berlin) zu tun hat. Auf rund 50 Quadratmetern Verkaufsfläche bedient Geschäftsführer Gerhard Kopp seine Kunden - hauptsächlich jugendliches Publikum besucht den etwas unaufgeräumten Laden.

Das Angebot
Neben Komponenten von Nakamichi, Thorens und JVC vertreibt der Offenbacher vor allem Eigenbauboxen (Marke K&F) und Lautsprecher von Canton, Cabasse und Restek. Das im Laden ausgestellte Angebot war zumindest beim AUDIO-Besuch recht spärlich - in der Nacht davor hatten HiFi-besessene Langfinger das Hinterhofstudio aufgeräumt.

Die Vorführung
In einem der beiden Verkaufsräume sind rund 25 Boxenpaare aufgebaut; eine einfache Umschaltanlage ohne Pegelabgleich (Kopp: „Das gleiche ich von Hand aus") bietet keineswegs gute Testvoraussetzungen. Die Lautsprecher sind mit dicken Kabeln angeschlossen. Tunertests sind ebenfalls nicht befriedigend möglich - das geht im Hinterhof nur per Wurfantenne.

Der Service
Auch im Hinterhof-Laden geht's nach dem Motto „Kaufen und gleich mitnehmen" zu. Nur auf Kundenwunsch (Kopp: „Das kommt selten vor") stellen die Offenbacher den gekauften Recorder auf die gewünschte Bandsorte ein und prüfen die Kopfjustage, das dann freilich unabhängig vom Kaufpreis zum Nulltarif.

Beim Boxentest zu Hause sind die Offenbacher ausgesprochen großherzig und geben dem unschlüssigen Kunden bis zu drei Paar Lautsprecher gegen Kaution mit nach Hause. Die Garantieleistungen entsprechen den üblichen Herstellerangaben.

Die Preise
Bis auf einige Sonderangebote entsprechen die Offenbacher Hinterhofpreise dem normalen Frankfurter Niveau.
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Test 5 - HiFi-Lager Suppes

Hanauer Landstraße 147 6000 Frankfurt 1

Das Geschäft

Mit Billig-Image auf Kundenfang: HiFi-Lager Suppes im Ostend.

Der Filialbetrieb eines (Anmerkung : sehr bekannten) Wiesbadener Unternehmens existiert erst seit rund einem halben Jahr im Osten Frankfurts. Auf einer Industrie-Etage (rund 200 Quadratmeter) agieren Geschäftsführer Miroslav Helferich und ein Verkäufer.

Das Angebot

Neben Henkelmännern und Uhrenradios, Autostereo und Video füllen HiFi-Geräte der unteren und mittleren Preisklasse den größten Teil der Verkaufsfläche. Rund 70 Geräte, vorwiegend von Sony, Technics, Pioneer, Harman Kardon und Teac, biegen die einfachen, hölzernen Lagerregale stellenweise kräftig durch. Die per Zeitungsinserat offerierte „Superauswahl" von über 3000 CDs entpuppte sich als dreiste Übertreibung.

Die Vorführung

Von Vorführstudio kann man bei Suppes nicht sprechen - die rund 50 Boxen stehen in einer Ecke des Ladens im Regal, über- und nebeneinander. Auch die aus mehreren kleinen Umschaltpulten zusammengestückelte Umschaltanlage (ohne Pegelausgleich) spricht jedem ernsthaftem Hörvergleich höhn. Immerhin dokumentiert Helferich seinen guten Willen, indem er statt einfacher Strippen zwei Quadratmillimeter starke Lautsprecherkabel zur Verdrahtung verwendet. Aussagekräftige Tunertests sind bei Suppes zumindest bislang nicht möglich - doch Helferich will nach dem Winter für eine Dachantenne sorgen.

Der Service

Über kostenlose Serviceleistungen der eigenen Servicewerkstatt in Wiesbaden wollte sich der Filialleiter nicht äußern - hier sollte der Kunde also nicht allzuviel erwarten. Suppes gewährt die volle Herstellergarantie. Bei Boxen ab 1.000 Mark Paarpreis läßt sich ein Hörtest in den eigenen vier Wänden arrangieren, und auch sonst können unzufriedene Kunden ihre Geräte umtauschen.

Die Preise

Nur ein Teil der im HiFi-Lager angebotenen Geräte ist mit Preisen ausgezeichnet, doch das allgemeine Preisniveau von Suppes dürfte leicht unter dem Durchschnitt liegen. Gemessen an den regulären, von den Herstellern angegebenen Preisen bietet Suppes zudem zahlreiche Auslaufmodelle preisgünstig an.
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Test 6 - Die HiFi-Profis

Am Eschenheimer Tor 2 6000 Frankfurt 1

Das Geschäft

Beengte Verhältnisse, viel Engagement: die HiFi-Profis am Eschenheimer Turm.

Etwas abseits von den Verkehrsströmen rund um den Eschenheimer Turm, mitten in der Frankfurter City, betreiben die in Mainz und Wiesbaden ansässigen HiFi-Profis eine Filiale. Im nur etwa 60 Quadratmeter großen Verkaufsraum beraten - Aushilfskräfte eingerechnet - vier Verkäufer.

Das Angebot
Die HiFi-Profis konzentrieren sich vor allem auf die Marken Kenwood, Denon, Luxman, Nakamichi, Sansui und Technics; bei den Lautsprechern favorisieren sie Infinity, Cabasse und Quadral. Trotz der beengten Platzverhältnisse bieten sie ein reichhaltiges Angebot an Komponenten bis 1.000 Mark; allenfalls bei den Lautsprecherboxen kümmert sich Filialleiter Joachim Fiedler, der langfristig in einen größeren Laden umziehen möchte, um High-End-Kunden.

Die Vorführung
Die rund 60 eng zusammengepferchten Boxen sind zwar alle über eine aufwendige Umschaltanlage angeschlossen, waren aber trotz entsprechender Vorrichtungen beim AUDIO-Besuch nicht auf gleiche Lautstärke eingestellt. Um Klangverluste zu reduzieren, ist bei den Profis sogar alles mit hochwertigen, dicken Kabeln verdrahtet, doch die sehr breite Boxenwand und der knappe Raum verhindern einen wirklich aussagefähigen Hörtest. Zudem störten in der Mitte des Raumes aufgestapelte Geräte (Fiedler: „fürs Weihnachtsgeschäft") das Abhören. Tunertest ist nur per Wurfantenne möglich; Fiedler zur Dachantenne: „Dafür gibt's keine Genehmigung."

Der Service
Fiedler offeriert Lautsprechereinmessung beim Kunden, ohne allerdings dem AUDIO-Team mitteilen zu können, was mit welchen Mitteln dabei eingemessen wird. Recorderkäufern bietet Fiedler in jeder Preisklasse Tonkopfjustage und Funktionskontrolle; das Einmessen auf bestimmte Bandsorten stellt er bei billigen Recordern mit rund 60 Mark in Rechnung, führt es ansonsten kostenlos per Nakamichi-Computer durch.

Für Plattenspielerjustage steht ein Ortofon-Testcomputer zur Verfügung. Das Plattenspieler-Tuning gibt's beim Neukauf zum Nulltarif; später kostet es rund 30 Mark. Die Garantieleistungen entsprechen den jeweiligen Herstellerangaben. Boxenhörtests ermöglichen die Profis gegen Kaution auch zu Hause, stellen aber Anlagen gratis beim Kunden auf. Inzahlungnahme von Gebrauchtgeräten ist nicht üblich.

Die Preise
Außer bei Sonderangeboten bieten die Hi-Fi-Profis durchschnittliche Preise.
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Test 7 - Main-Radio

Kaiserstraße 40 6000 Frankfurt 1
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Das Geschäft

Traditionsreiche Adresse mit Kompromissen: Main-Radio im Bahnhofsviertel.
Main-Radio Anzeige 1976

Der zweitgrößte HiFi-Anbieter Frankfurts betreibt drei Filialen im (Anmerkung : inneren) Stadtgebiet; AUDIO besuchte im berühmt-berüchtigten Bahnhofsviertel das Hauptgeschäft mit einer übersichtlichen HiFi-Verkaufsfläche von rund 180 Quadratmetern im ersten Stock; drei HiFi-Verkäufer stehen als Berater bereit.

Das Angebot
Rund 20 HiFi-Türme und vorführbereite Komplettanlagen (1.200 bis 2.000 Mark) mit großen Preisschildern und kurzen, technischen Angaben sowie rund 100 Einzelkomponenten in Verkaufsregalen bestimmen das Bild der HiFi-Abteilung.

Laut Fachberater Thomas Wendt sind neben anderen Marken Yamaha und Kenwood die wichtigsten Gerätelieferanten für Main-Radio. Im Erdgeschoß liegt eine aufgeräumte Plattenabteilung mit riesigem Angebot; die eigene CD-Abteilung bietet rund 1.000, zum Teil seltene CDs zu Preisen ab etwa 30 Mark an. Sogar CD-Leerhüllen sind bei Main-Radio zu haben.

Die Vorführung
Von den zwei Hörkabinen, die beide mit eingepegelten Umschaltanlagen ausgestattet sind, erlaubt die größere dank spezieller akustischer Maßnahmen einen akzeptablen Hörtest. Im tempelartig quadratischen zweiten Hörraum stehen die Boxen so unglücklich über eine Ecke verteilt, daß kein seriöser Vergleich möglich ist. Der vertrauenswürdige Fachberater Wendt bietet deshalb an, auf Wunsch die Boxen im zweiten Hörraum vorzuführen. Die zwölf säuberlich auf Glasköpfen aufgereihten Kopfhörer lassen sich problemlos umschalten, allerdings ist kein Pegelausgleich vorgesehen. Tunervergleiche sind nur am Kabelanschluß möglich; eine (drehbare) Dachantenne gibt es nicht.

Der Service
Ähnlich wie beim HiFi-Center justiert Main-Radio neue Recorder nur auf Wunsch (eigene Werkstatt), bei billigeren Recordern für rund 50 Mark, bei teuren Geräten kostenlos. Die Garantieleistungen beschränken sich auf die Herstellerangaben, im Einzelfall ist darüber hinaus Kulanz möglich. Boxentest außer Haus ermöglicht Main-Radio nur, wenn der volle Kaufpreis hinterlegt wird.

Die Preise

Die Preise entsprechen dem normalen Frankfurter Niveau; besonders günstige Angebote gibt's jeden Monat, wenn Main-Radio Auslaufmodelle und überprüfte, in Zahlung gegebene Geräte offeriert („Flohmarkt").
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Test 8 - OKM-Tontechnik

Rödelheimer Straße Ecke Kurt-Schumacher- Straße - 6236 Eschborn
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Das Geschäft

Vorbildliches Studio mit CD-Auswahl: OKM-Tontechnik in Eschborn.

Direkt hinter dem Eschborner Gewerbegebiet Ost mit dem riesigen ProMarkt residiert das OKM-Tonstudio mit rund 120 Quadratmetern Verkaufsfläche und zwei Fachberatern in einem Wohnhaus.

  • Anmerkung : Sie nennen sich OKM Tontechnik und nicht OKM-Tonstudio, wie die beiden Redakteure fälschlich geschrieben hatten. Es ist nämlich kein Tonstudio im Sinne der echten Studio Profis, hier werden keine Platten-Aufnahmen gemacht, es ist ein Hifi-Studio.


Das Angebot

Neben einem mittelgroßen Angebot von Lautsprechern der mittleren bis oberen HiFi-Klasse setzt Geschäftsführer Thomas Messer vor allem auf hochwertige Elektronik und Laufwerke der Marken Accuphase, Audiolabor, Onkyo, Nakamichi und Thorens. Zudem betreibt hier der CD-Versand-Solist einen eigenen Verkaufsstand mit rund 1.600 CDs, also fast allen lieferbaren Silberscheiben, die man sich auf Wunsch vor dem Kauf anhören kann. Für Analogfans hält Messer zudem eine respektable Zahl audiophiler Scheiben bereit.

Die Vorführung

Im angenehm ruhigen OKM-Geschäft, das Geräte nach dem Motto „Klasse statt Masse" offeriert, dient ein schmaler Gang als Vorführort der Mittelklasse-Boxen - eine etwas unglückliche Lösung, wie Messer selbst einräumt. Im dahinterliegenden Hörstudio herrschen dagegen gute akustische Bedingungen, zu denen ein schwerer, variabler Vorhang beiträgt. Nur bei High-End- Vorführungen verzichtet Messer auf eine Umschaltanlage, die hier nach seiner Meinung „den Klang zu stark beeinflussen würde" - ein zulässiges Argument. Hör- und Empfangstests bei Tunern sind ausschließlich über die im Mehrfamilienhaus installierte Gemeinschaftsantenne möglich. Deshalb vereinbart Messer zumindest bei teureren Empfängern ein Umtauschrecht mit den Kunden. Boxentests zu Hause sind nicht üblich, allerdings räumt OKM seinen Kunden auch hier das Recht auf Umtausch ein.

Der Service
Beim Recorderkauf justiert die Vertragswerkstatt von OKM kostenlos die Tonköpfe; weitergehende Einmeßarbeiten - beispielsweise auf andere Bandsorten - berechnen die Eschborner je nach Aufwand mit 20 bis 60 Mark.

Die Preise
Die Preise liegen trotz der eher aufwendigen Ladengestaltung und dem guten Serviceangebot auf dem üblichen Frankfurter Niveau.
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Test 9 - Raum Ton Kunst

Neue Kräme 29 6000 Frankfurt 1 - die Frankfurter kennen die Adresse fast nur als Sandhofpassage
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Das Geschäft

Gutsortiertes Angebot, lobenswerte Betreuung: Raum Ton Kunst im Zentrum.

Die zwei Hörstudios der Firma liegen etwas versteckt in einer Passage im Frankfurter Zentrum und sind rund 130 Quadratmeter groß. Insgesamt fünf, zum Teil bei Herstellerlehrgängen geschulte Fachberater stehen den Kunden zur Seite.

Das Angebot

Geschäftsinhaber Horst Nowak kümmert sich besonders um HiFi der gehobenen Mittelklasse bis Oberklasse. Marken wie Accuphase, Denon, Luxman, Nakamichi, Revox, Thorens und Yamaha bestimmen das Angebot in den beiden aufgeräumt wirkenden, übersichtlichen Studios. In einem zusätzlichen, kleinen Laden offeriert Nowak „alle erhältlichen Spezialplatten", ausgewählte, audiophile CDs (Mobile Fidelity, Sheffield-CDs und andere) sowie überprüfte Gebrauchtgeräte.

Die Vorführung
Statt eingepegelter Umschaltanlagen setzt Nowak auf Steckfelder, die in beiden Studios den direkten Vergleich verschiedener Komponenten gestatten. Das „Handicap" - so Nowak - fehlender Pegelübereinstimmung nimmt er aber in Kauf, um den Kunden nicht mit undurchschaubarer Umschaltelektronik zu verschrecken. Besonders das Hörstudio im ersten Stock, einem mittelgroßen Wohnraum ähnlich, bietet eine akzeptable Akustik, und die rund zehn aufgestellten Boxenpaare ermöglichen einen zufriedenstellenden Hörtest. Tunertests sind an einer 14-Element-Rotorantenne und am Kabelanschluß möglich.

Der Service
Service wird bei Nowak großgeschrieben: Beim Kauf justiert die hauseigene Werkstatt Recorder kostenlos (per Nakamichi-Computer), und Plattenspieler checkt der Ortofon-Computer ebenfalls kostenlos. Zudem liefert Raum Ton Kunst alle Geräte zum Nulltarif an die Kunden aus und stellt die Anlagen auch umsonst auf.

  • Anmerkung : Das müssen die auch, denn eine Abholung war in dieser parkplatzlosen Innenstadt-Lage nahezu unmöglich.


Die Garantie umfaßt, unabhängig von den Herstellerangaben, für alle Geräte zwei Jahre; eventuell längere Herstellergarantien gelten darüber hinaus weiter.

Die Preise
Trotz des großen Serviceangebotes liegen die Preise von Raum Ton Kunst im großen und ganzen nicht über dem Frankfurter Durchschnitt.
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Test 10 - "Wiessler Highfi" im Herbst 1984

Luisenstraße 37 - 6000 Frankfurt 1

  • Anmerkung : Sie haben richtig gelesen, so schrieb und (über-) schreibt Gerd Wiessler seinen Laden, auch 30 Jahre später in 2015 noch. Doch der Glanz ist vorbei, der Laden ist seit vielen Jahren quasi geschlossen, aber er ist noch da - jedenfalls im Sommer 2015.

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Das Geschäft

1985 : Ideale Atmosphäre zum Fachsimpeln: High-End-Fan Wiessler in Citynähe.
Zumindest der Mercedes vor der Tür hat sich um 10 Jahre verändert
wie vor 30 Jahren
seit 5 Jahren keine Vorführungen mehr

Im Norden der City (Anmerkung : also bereits recht weit ab von der City) ist das High-End-Studio Wiessler zu finden. Als die AUDIO-Tester das Edelstudio aufsuchten, herrschte in den zwei Vorführräumen im Erdgeschoß ein gewaltiges Durcheinander. Inhaber Gerd Wiessler erweitert seine Verkaufsfläche durch fünf zusätzliche Hörräume auf insgesamt rund 180 Quadratmeter.

  • Anmerkung : Dieser Erweiterung hat noch weitere 30 Jahre auf sich warten lassen (Herbst 2014), es war eben nur "geplant"


Das Angebot
Rund 80 Prozent des Wiessler-Angebots gehören eindeutig in den High-End-Bereich und zur HiFi-Oberklasse. Die Tendenz nach oben zeigt sich bei den Laufwerken, für die Wiessler ein besonderes Faible hat, den ausgesuchten Elektronikkomponenten von Audiolabor, Burmester, Threshold, Krell und einem breiten Angebot hochwertiger Boxen von Apogee bis Snell. Mit einer großen Auswahl an Spezialplatten CDs - immerhin rund 500 Titeln von 30 bis 80 Mark - hält Wiessler auch passende Software bereit, aber auch Edel-Zubehör wie Spezialkabel.

Die Vorführung
Wiessler versteht etwas vom Fach: Er vertraut nur bei Komponenten und Boxen der oberen Mittelklasse auf seine eingepegelte Umschaltanlage - „bei den High-End-Geräten schluckt die Anlage zuviel Klang". Die Akustik im ersten Hörraum kann allerdings durch eine große Schaufensterscheibe und die etwas unglücklich hinter einer Nostalgie-Box „Paragon" plazierten Boxen nicht recht befriedigen. Für Tuner steht eine Rotorantenne mit acht Elementen auf dem Dach bereit.

Der Service
Recorder ab 1.500 Mark prüft Wiesslers Auftragswerkstatt beim Kauf kostenlos per Nakamichi-Computer, ansonsten sind dafür 45 Mark zu bezahlen. Neue Systeme oder Laufwerke justiert der Service kostenlos mit dem Ortofon-Computer, nachträgliche Justage gibt's bei Wiessler für 35 Mark. Interessierte High-End-Käufer können die Boxen auch zu Hause testen und bekommen Anlagen kostenlos aufgestellt, wie es in dieser Preisklasse üblich ist. Zudem räumt Wiessler ein 14tägiges Umtauschrecht ein und verweist bei Garantiefällen auf die Herstellergarantie.

Die Preise
Die Preise der High-End-Komponenten liegen bei Wiessler im üblichen Rahmen.
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Das war also die Frankfurter Hifi Szene im Jahr 1984/1985

Die Hifi-Profis im August 2014 - inzwischen mit Raum-Ton-Kunst - ein riesiger Laden mit vielen Studios

Seitdem hat sich sehr sehr viel verändert. Die großen Media/Saturn Märkte haben das (Hifi-) Stadtbild bestimmt und die kleinen Studios fast alle verdrängt. Viele der altgewordenen Hifi-Studio-Gründer leben gar nicht mehr oder mußten altersbedingt aufhören. Keiner konnte (meines Wissens nach) im Alter seine Millionen verbraten. Wie gewonnen, so zerronnen. So sind Gerd Wiessler (in 2014 war er 72) und Herrmann Hoffmann beinahe die letzen Zeitzeugen aus einer irren Zeit.

Genugtuung und späte Rache : Im Herbst 2015 geht es den Media/Saturn- Märkten europaweit kräftigst an den Kragen. Der ganze Konzern krieselt und wie sagt der Fachmann - er muß sich neu aufstellen. Im Klartext bedeutet das, die "ehemals Großen" müssen sich dem Internet wie auch den Spezialisten geschlagen geben und ganz erheblich auf Normalmaß schrumpfen, sofern sie das überhaupt überleben. Und Edel-Hifi kann man nicht verramschen.

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Nur zu, die Informationen sind immer noch lückenhaft.
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