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Wie mache ich eine Klavieraufnahme ?

von Eberhard Sengpiel - ergänzt von Gert Redlich - In diesem Artikel wird der Sprachgebrauch der Laien (also für die Laien) besonders hervorgehoben, jedoch das bei den Audio-Fachleuten bereits vorhandene Wissen vorausgesetzt.

Darum im Vorgriff ein paar Grundlagen.

Bei "fast" allen Saiten-Instrumenten gibt es den Klangkörper oder auch Resonanzkörper. Ich jedenfalls kenne kein akustisches Saiteninstrument ohne solch einen Klangkörper. Gitarre, Violine, Bratsche, Chello, Kontrabass und natürlich Klavier, Flügel, Chembalo und auch die Harfe haben ihre eigenen Klangkörper, ohne die das Instrument überhaupt nicht "klingt".

Insbesondere beim Klavier bzw. beim Flügel gibt es den massiven Gußstahlrahmen, auf dem die Saiten aufgespannt sind und der in einem mehr oder weniger luxuriösen "Holzkasten" - dem Klangkörper - wohnt.
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Preisgekrönte Mikrofonaufstellungen zur Klavieraufnahme

Fachleute nennen einen Konzertflügel oder Flügel einfach Klavier oder auch Piano.

Eine Flügel-aufnahme ist keine Flügel-abnahme - Eine Klavier-abnahme ist keine Klavier-aufnahme. Beides wird undifferenziert mit "Mikrofonierung" bezeichnet. Das Wort Mikrofonie wäre dafür ganz falsch.

Tontechniker von PA-Beschallungsanlagen (Beschaller für meist große Flächen) betrachten nicht den großen, sich erst mit der Entfernung entwickelnden Klavierklang, den wir als Zuhörer ohne Verstärkung im Raum erleben. Sie gehen mit den Mikrofonen recht nah an die Klaviersaiten, um Rückkopplungspfeifen durch die verstärkenden Lautsprecher zu vermeiden.

Darum gibt es hier gezwungenermaßen die "Mikrofon-abnahme" nur eines unrichtig klingenden Teil-Schallspektrums des gesamten Instrumentenklangs. Auch entwickelt sich aus diesem Wort "Mikrofon-abnahme" eine ganz bestimmte feste Vorstellung und Vorgehensweise bei dieser speziellen Mikrofonierung zur PA-Beschallung von Auditorien. Starke Filterung (EQ- Effekt) ist üblich.
 
"Ton-aufnehmer" hingegen versuchen den Raumschall unbedingt als zum Klavierklang gehörend zu betrachten und suchen für die Mikrofone ideale Punkte im Raum, die einen großen ausgeglichenen Klavierklang als Tonaufnahme möglich machen.

Darum gilt hier die "Ton-aufnahme" des offenen Schalls (Direktschallfeld und Raumschallfeld).

Aus diesem Wort "Ton-aufnahme" entwickelt sich hierbei eine deutlich andere differenzierte Klangvorstellung und Vorgehensweise bei der Mikrofonierung für ein natürlich-erscheinendes reproduziertes Schallereignis von einem Instrument oder einem Klangkörper. Filterung ist hierbei nur im geringen Maße notwendig.
 
Es sollte aber niemals zu einer Bewertung der beiden vorhandenen "Lager" von Beschallung und Tonaufnahme führen, denn das sind zwei Paar völlig unter- schiedliche Schuhe! Jeder muss etwas anderes zur Optimierung des Klangs tun. Nur sollte das unbedingt eindeutig klar sein, was jedoch selten erkannt wird.
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  • Anmerkung : Bei fast allen E-Instrumenten gibt es den Begriff des Pickup's, des Ab-nehmers. Der Ton wird von den Saiten - also an der Quelle - ab-genommen. Der Sinn ist, daß man dann über einen (oder mehrere) Verstärker ganz erhebliche Lautstärken erzeugen kann, die das akustische Instrument nicht liefern kann. Bei einem Klavier (und auch der Harfe) kann man solch breite Bereiche nebeinanderliegender Saiten nicht mit einem Pickup abnehmen, deshalb nimmt man dort hochwertige rückkoppelungsarme Mikrofone, wenn man den Klang über Verstärkeranlagen ins Auditorium bringen muß.

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Merke:

Die PA-Beschallung und die Tonaufnahme haben viel weniger gemeinsam, als gemeinhin angenommen wird. Das ist nachdenkenswert.

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Manche Vorstellung geht eben so nicht ....

Etwas "ahnungslos" zeigt sich der Auftraggeber für eine Bühnen-Beschallung (das ist diese PA), mit der zusätzlichen Aufforderung, doch nebenbei eine Tonaufnahme zu machen, um eine CD zu veröffentlichen. Mikrofonierung für Beschallung und optimale Mikrofonierung für eine Tonaufnahme kann niemals ideal zusammengehen. Das sind zwei ganz verschiedneen Konzeptionen.

Wer einen Flügel "abnehmen" möchte, der hat klangmäßig schon verloren, wenn er damit eine CD aufnehmen will. Da liegt keine klare Vorstellung von einem brauchbaren Klavierklang vor. Tontechniker von PA-Beschallungsanlagen müssen gezwungenermaßen immer an "das Abnehmen" des Schalls denken - nur wo kommt dieser denn her?

Wer hat anstelle der Mikrofone schon einmal dort seine Ohren gehabt? So muss es dort klingen. Eben effektvoll - aber unnatürlich. Bei Jazzaufnahmen jedoch wollen wir das möglicherweise extra so haben, weil der Klang so gewünscht wird.
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Wir sprechen hier über die Konservierung des akustischen Schalls

Und noch einmal: Hier geht es um die Ton-Aufnahme des akustischen Schalls und nicht um die elektrische Effekt- Abnahme eines Instruments zur Lautsprecher- Beschallung.

Die "Mikrofonierung"

Unter Mikrofonierung versteht man die Auswahl und die Aufstellung der geeigneten Mikrofone für die aktuelle Situation. Unterschiedliche Richtcharakteristiken und Frequenzgänge definieren die Klänge und die dementsprechenden Einsatzgebiete der Mikrofone. Jeder Aufstellungsort der Mikrofone und jede Mikrofonanordnung klingt anders.
 
Das Gelingen einer Tonaufnahme ist von recht vielen Faktoren abhängig und zum überwiegenden Teil von den Musikern selbst:
 

  • Vom Niveau, dem Rhythmusgefühl, der Intonation und dem musikalischen Ausdruck ist eine gute Aufnahme sogar ganz entscheidend abhängig.
     
  • Von den akustischen Eigenschaften des Aufnahmeraums, z. B. dem Nachhall, dem Klang und den Störgeräuschen, kann der Klang einer Tonaufnahme recht stark beeinflusst werden.
     
  • Aufgrund der unterschiedlichen Richtcharakteristiken und Frequenzgänge der Mikrofone können die vom Instrument abgestrahlten und vom Raum reflektierten Frequenzen je nach Mikrofonauswahl besser oder weniger gut aufgenommen werden.
     
  • Von der Position des Mikrofons ist der aufgenommene Klang recht deutlich abhängig.

 
Einige dieser Parameter, wie die Musiker selber und der Aufnahmeraum, sind gar nicht oder nur in geringem Maße veränderbar; durch eine "intelligente" Mikrofonierung wird hingegen die Aufnahme immer deutlich positiv beeinflusst. Letzteres ist gerade das schwierige, wozu es keine "Kochrezepte" gibt und auch nicht geben kann.
 
Ein Mikrofon unter einem Flügel kann keinen brauchbaren Klang bringen, wie man sich mit eigenen Ohren überzeugen kann, wenn man unter den Flügel kriecht, während der Pianist spielt. Trotzdem wird hin und wieder der unverständliche Rat gegeben, dort ein Mikrofon hinzustellen.
 
Ein normales Haus-Klavier, so wie der hohe Kasten zu Hause steht, wird aus Klanggründen nie für klassische Klavieraufnahmen verwendet. Dieses "Up-right Piano" wird in der Unterhaltungsmusik nur ausnahmsweise in Tango-Orchestern und beim Oldtime-Jazz benutzt. Mit reingehängten Mikrofonen, also als "Mikrofonabnahme", ist dieses Klavier im Wohnzimmer eventuell als "Effektklavier" klangmäßig für Pop-Musik brauchbar.
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Überraschung - Der Klang kommt nicht aus den Saiten

Die Annahme, dass der überwiegende Klavierklang aus den Klaviersaiten kommen müsse, ist falsch. Das wird jedoch überwiegend - nicht nur von Amateuren - so angenommen, wie man aus den beliebten Mikrofonaufstellungen ganz dicht an den Saiten erkennen kann. So kommt aus den Schall-Löchern des Rahmens (beim Steinway) mehr brauchbarer Schall.

Wie klingen eigentlich Saiten? Man nehme eine reine E-Gitarre als Brett und höre sich genau an, was beim "Schrummen" zu hören ist, wenn der elektrische Gitarrenverstärker extra ausgeschaltet ist. Diesen wirklich scheußlichen Klang erzeugen eben die Saiten. Das ist kaum zu glauben.
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