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hifi & records Ausgabe 1 in 1997

von Gert Redlich um Juli 2015 - Dem Herausgeber und Macher und Chefredakteur Wilfried Kress ist es 1995/96 sicher wie mir ergangen, er konnte AUDIO und STEREO und steroplay nicht mehr sehen, geschweige denn in die Hand nehmen.

So viel lancierter Schmus und offensichtliche Unwahr- heiten auf einen Haufen waren schon destruktiv und verleideten das ganze Hobby. Denn wir reden ja hier insgesamt von einem Hobby. In den Gesprächen mit Karl Breh, dem ersten Hifi-Macher von 1962, erzählte er mir, so um 1992-93-94 war für Ihn des Ende der Fahnenstange erreicht.

Auch stereoplay, dort war er seit Ende 1984 als Chefredakteur angestellt, konnte und/oder wollte sich nicht gegen den Trend stellen. (Es gibt da einen Artikel von mir - "Hüte Dich vor Trends.") Und um "seinem Kind" keinen Schaden durch einen vorzeitigen - damals mit Sicherheit pressewirksamen - Abgang zuzufügen, blieb er als Kapitän im vorzeitigen Ruhestand fairer Weise noch bis Jan. 1996 an Bord.

In 2012 brauchte er aber kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen und was Herr Kress im Editorial schreibt, empfanden viele viele Leser so und stiegen einfach aus.
Bis diese Alternative hier kam.

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Editorial 1997-01 - Show business

von Wilfried Kress in 1997 - Die deutschen Medien, so der Hamburger Fachdienst MediaFacts, entwickeln sich zunehmend zur Unterhaltungsmaschine. Hinter diesem Trend, der für Fernsehen und Zeitschriften gleichermaßen gilt, steht eine einfache Rechnung: Unterhaltung kann viel billiger produziert werden als Information. Und so werden sich in einer rein kommerziell angelegten Medienland schaft die Gewichte weiter verschieben: "Brot und Spiele" allenthalben.

  • Anmerkung : "Brot und Spiele" - Viele jüngere Leser werden diesen Spruch nicht oder noch nicht kennen, denn das Fach Geschichte gibts in der Schule fast nicht mehr. Hintergrund : Einem römische Imperator oder Cäsar wurde von seinen Senatoren empfohlen, das Kochen der Volkssele mit "Brot und Spielen" zu besänftigen (zu löschen). Und so gab es mörderische Gladiatorenkämpfe und irgendwie etwas zu essen - jedenfalls für die römischen Bürger - und schon war (wieder) Ruhe. Kennen wir das nicht schon länger bei uns vom Fernsehen - 12 "Tatorte" an einem Tag ?


Das wichtigste Element der Unterhaltung ist die Show
, und diese Show dominiert auch die High Fidelity immer mehr. Die High End-Gigantomame vermittelt Außenstehenden der Branche mittlerweile jedoch den fatalen Eindruck, daß Spitzenanlagen gar nicht mehr unter 150.000 Mark zu haben sind. Es ist ja o.k., daß es extrem aufwendige Image-Produkte als Gegenpol zur Massenware gibt. Aber wer um alles in der Welt will uns ernsthaft glauben machen, daß man sie zum Musikhören unbedingt braucht.

Ein Schlüsselelement der Show ist die Anbindung des Spektakels an eine Person. TV Moderatoren sind heute Stars, HiFi Entwickler und Tester verwandeln sich zunehmend in Markenzeichen. Letztgenannte insbesondere dann, wenn sie griffige Superlative für Werbe-Zitate abliefern.

  • Anmerkung : Das mit den Superlativen war ja ab etwa 1985 der nun deutlich sichtbare Teil der Ideenlosigkeit der Redakteure oder Schreiberlinge, als der überbordende Zeitschriften Markt erheblich enger wurde. Die Kernfrage war doch : Wie soll ich mich gegen das andere "Blatt" positionieren ? So blieben nur spinnerte Ideen und Superlative übrig.

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hifi & records wird diesen Personenkult nicht mitmachen. Daher treten die vier an dieser Ausgabe mitwirkenden Technikschreiber - ganz in der Tradition der Nachrichtenmagazine - als Redaktion an. Die Redaktionsmeinung ist die Grundlage für eine Versachlichung der Berichterstattung, die unserer Meinung nach bei allem HiFi-Engagement dringend not tut.

Abseits der beiden Extreme der stromlinienförmigen Einheitsmeinung
und dem Test als inszenierter Personality-Show - gibt es noch einen, wenn auch oft steinigen Weg: informieren statt „Geschichten erzählen".

Diesen werden wir gehen und die Redaktions-Regel nur da durchbrechen, wo die individuelle Meinung zu Recht in den Vordergrund rückt: Bei Besprechungen von Platten in den drei Rubriken „Aktuell", „Audiophil" und „Collector" sowie bei Diskussionsbeiträgen Seite 52

Sie halten die erste Ausgabe von hifi & records in Händen. Wenn Sie auch die Nummer Zwei lesen möchten, finden Sie - da das Heft nicht am Kiosk ausliegt - auf Seite 83 unsere Abo-Infos und am Heftende ein Verzeichnis unserer Fachhändler. Viel Vergnügen bei der Lektüre der Nummer Eins.

Wilfried Kress

hifi & records Ausgabe 2 in 1997

Editorial 1997-02 - Aktion und Reaktion

von Wilfried Kress 1997 - Keine knalligen Schlagzeilen, keine Testsieger- Sensationen, keine besten Geräte der Welt - hifi & records startete mit seiner ersten Ausgabe wie versprochen ohne die spektakuläre Nachricht vom angeblich noch nie Dagewesenen. Diese Berichterstattung ohne den permanenten Nervenkitzel, sie wird honoriert, aber sie kann auch irritieren. Der Komplimente gab es viele, und natürlich auch ein wenig Kritik.

„Das ist, wie wenn man der hektischen Großstadt entflieht und in einen sauberen Wald kommt", beschrieb ein Fachhändler seine erste spontane Reaktion. Ruhe, Reinheit, Helligkeit und eine harmonische Ordnung sind die Grundlagen einer Blattästhetik, der praktisch durch die Bank eine Ausnahmestellung in der Zeitschriften-Landschaft zugestanden wurde.

Format, Layout, Papier und Druck ergeben kein Wegwerf Heftchen, sondern ein halbes Buch. Diese Heftqualität hat ihren Preis, aber für uns gehört sie zur Sache dazu. Schließlich ist hifi & records ein Magazin für Leser im Sinne des Wortes. Wir veröffentlichen keine Infographik Häppchen, nichts, was lediglich „ein Gefühl, informiert zu sein" erzeugt.

Wer das Heft nur schnell durchblättert, wird keine Punktebewertungen oder Testsieger-Logos, vielleicht nur weniger Geräte als anderswo finden. Erst wer hifi & records in Ruhe liest, entdeckt, was an Inhalten dahinter steckt. „Gratuliere. Das erste HiFi-Blatt, mit dem ich nicht nach zehn Minuten durch bin", lautete das für uns erfreuliche Urteil eines ehemaligen Kollegen.

Manch einer hat von uns besonders kritische Artikel oder einen Verriß erwartet. Aber wir bleiben bei der sachlichen Linie, zum Beispiel bei nachvollziehbaren statt ausufernden Klangbeschreibungen. Auch für Klang-Hochrechnungen nach der Formel „ Autor (mit seinen persönlichen Vorlieben) multipliziert mit den Komponenten der Testanlage ergibt eine Einschätzung, wie das Testgerät wirklich ( ) klingt" bieten wir bewußt wenig Spekulationsstoff. Denn dieses beliebte Spiel hat - Hand aufs audiophile Herz - nie funktioniert. Da Resultate den Inhalt von hifi & records bestimmen, sind in dieser Ausgabe weniger Verstärker vertreten als geplant.

So läuft es bei uns: Die empfehlenswerten Geräte kommen ins Heft, der Rest wird aussortiert - noch ehe teure Meßlabor-Stunden anfallen. Daher können wir diese Geräte nicht guten Gewissens öffentlich an den Pranger stellen. Aber wer keine Sieger kürt, muß ja auch keine Verlierer brandmarken.

Wilfried Kress

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