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Der DUAL CV 1200 Vollverstärker aus 1978

Dezember 2016 - Dieser DUAL Vollverstärker ist noch ein deutsches DUAL Produkt und kommt aus der St. Georgener "Schmiede". Mitte der 1970er Jahre wurde der Hifi-Markt eng und jeder Hersteller fing an, sein Produktspektrum auszuweiten. Und damit fingen die Probleme an.

Der Chef von SABA (H. Brunner-Schwer) hatte das in seinem Buch sehr anschaulich beschrieben, wie sehr sich SABA nach der Decke gestreckt hatte, als es finanziell sehr sehr eng wurde. SABA konnte die Entwicklung hochwertiger Elektronik nicht mehr stemmen und ging eine Kooperation mit K+H (SABA Telewatt) ein.
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Ein DUAL CV 1200 steht auf dem Labortisch.

Wenn man es aus dem Blickwinkel des Jahres 1976-1978 betrachtet, ein tolles Proddukt. Viele für damalige Zeiten überaus gesunde Eigenschaften fallen sehr positiv auf. Doch dann erblickt man an manchen Ecken schlimme Sachen, die so nicht hätten vorkommen dürfen, auch 1978 nicht.

Um nicht mißverstanden zu werden, will ich das etwas genauer erläutern. Max Grundig wurde mal gefragt, was er von dem (highfidelen) "Einmarsch" der Japaner hielt. Angeblich soll er das als (für Ihn) belanglos abgewimmelt haben. Doch die Japaner hatten ein paar Philosophien, die absolut beachtenswert waren.

Mindestens auf 2 Entwickler (oder ein ganzes Team) kam eine Art Controller-Ingenieur, der nichts weiter im Sinn hatte, als irgendwo in dieser Entwicklung etwas wieder einzusparen oder mit anderen Ideen zu optimieren, daß die Entwickler großzügig reinkonstruiert hatten. Und so waren nach den ersten belächelten Anfängen um 1964 auf einmal Geräte entstanden, denen wir Europäer ab 1976 nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Einige Firmen hatten das anfänglich gar nicht geschnallt, was da ab ging.
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Die positiven Seiten

Die Optik für ein Gerät dieser Preisklasse (um 500.- DM) war toll. Ganz einfach und sauber aufgeräumt. Das ist ja der Kaufanreiz. Vor allem, der wichtigste (Lautstärke-) Regler ist von der Größe her deutlich hervorgehoben. Da konnten sich andere Entwickler oder Designer wieder mal "ein Stück abschneiden".

Die Frontplatte ist ein stabiles ALU-Strang-Profil mit sauberen runden Stanzungen und einer bronce eloxierten Oberfläche, auf die im Siebdruck die Beschriftung in Denglisch aufgedruckt wurde. Die Beschriftung ist nach 40 Jahren immer noch (zumindest) wasserfest. Auch gegen Seifenlauge ist sie resistent, denn die unvermeidlichen 40 Jahre alten Fettfinger sehen nicht mehr schön aus. Aber warmes Seifenwasser machts. Hinter der Fontplatte befindet sich eine nahezu ebenso große Kunststoff-Verstärkung, sodaß die Drucktasten nicht am ALU der Fontplatte reiben. Die runden Knöpfe auf den Drehreglern sind aus Aluminium mit eingelegtem schwarzen Kunststoff, also unverwüstlich und gut anzufassen.

Dann innen drinnen eine wirklich vorbildliche Auftreilung auf drei große Platinen, wobei die gesamte Umschaltung der Eingänge und auch der Ausgänge und des Netzschalters über lange Schubstangen ganz nach hinten an die Rückfront gelegt war.

Das Chassis besteht aus einfachsten Blechstanzteilen und zwei ALU Profilen als Seitenteile. Alle Chassis Blech-Teile sind durch Abkanten (Abwinkeln) sehr stabil, das macht eine guten Eindruck. Die Kabelverlegung von der vorderen Regler-Platine zu der hinteren Ein-/Ausgangs-Platine erfolgt in U-förmigen Blechschienen, eine gute Idee. Die Kühlfächen der Endstufen sind zwar innenliegend, aber gut plaziert und für 40 Watt Sinus großzügig bemessen.

Der Trafo ist zwar von der einfachen M-Kern Sorte, aber getränkt und brummt damit nicht. Die Wege der Stromversorgung zu den Leistungsendstufen sind damit erstaunlich kurz.

Die Lautsprecherpaare werden zwar mit Schiebeschaltern (über die Schubstangen) diekt an den Buchsen zugeschaltet, aber insgesamt von einem Relais an- und abgeschaltet. Es sind sowohl DIN als auch Klemmbuchsen vorhanden. Auch sonst ist der Wandel von den deutschen DIN Buchsen zu den jetzt zusätzlichen internationalen Cinch Buchsen erfreulich. Warum hatte das so lange gedauert ?
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Die Elektronik ist auf dem aktuellen Stand von 1977

Die Klangrgeler
Das Lautstärkerpoti ist aufwendig handverlötet

Nur wenige der ICs sind gesockelt, alles andere ist verlötet. Die Kabel sind alle mit Kabelbindern befestigt. Wie gut man die einzelnen Platinen ausbauen kann, habe ich nicht ausprobiert. Jedenfalls nach dem Abziehen von Loch-Deckel und gelochter Bodenplatte kommt man an fast alles an Bauteilen heran, außer, wenn der Netzschalter nicht mehr einrastet. Dann wirds eng.

Die Potentiomenter sind von solider Qualität, kein Japan-Billigstware wie bei so manchem anderen Deutschen Gerät aus jener Zeit. Doch die Potis sind alle (ein Bischen) offen, also der Staub kann da schon rein. Bis auf das Lautstärkepoti sind alle anderen Potis direkt auf den Platinen aufgesetzt/eingelötet. Warum das wichtig ist, erkläre ich später.
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Sehr erfreulich, die Potis kratzen nicht

Obwohl die Kohleschichtbahnen von Lautstärke und Klangreglern nicht vollständig gekapselt sind, spielt dieser Verstärker kratzfrei - erstaunlich.
Auch sind weder der Lautstärkeregler noch die Klangregler "hochpräzise" Stufenschalter, wie in manchen aktuellen marktschreierischen ebay Anpreisungen öfter behauptet wird. Es sind nur ganz normale Potentiometer mit Rasten bzw. einer Mittenraste.
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Der Innenwiderstand der Endstufe

Ein Maßstab für die Effizienz und Stabilität (der "Härte") des Endverstärkers sind meist die Collectorwiderstände in Reihe zu den Endtransistoren. Bei sehr vielen Endverstärkern sind das 0,3 bis sogar 0,5 Ohm, die quasi in Reihe zum Lautsprecher liegen, hier sind es nur !! 0,12 Ohm. Das ist sehr wenig - erfreulich.
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Die Lautsprecherumschaltung

Die Ausgänge der Lautsprecherpaare werden - direkt von der Endstufe kommend - per Schubstangen ganz hinten - nah an den Anschlüssen - aber auf der großen Platine geschaltet. Deren Leiterbahnen sind ausreichend breit und kurz, das ist eine sehr gesunde Lösung. Der Steckverbinder auf der eigentlichen Verstärkerplatine dagegen ist weniger gut. Ein Relais schaltet die Endstufen von allen Lautsprechern an und ab.
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Doch jetzt zu meinem Stirnerunzeln

Was wir von den modernen oder aktuellen Hifi-Geräten (inzwischen) gewohnt sind, fällt hier natürlich auf den ersten Blick auf. Oben sprach ich von den akribischen Japanern, die den jeweiligen Entwickler-Teams die pingeligen Controller auf den Hals (h..) oder (s)etzten. Die hatten natürlich ganz genaue Anleitungen / Vorgaben und Trainings, worauf zu achten war. In einer amrikanischen Elektronik-Zeitschrift von 1980 (oder danach) hatte ich von diesen (japanischen) Geheimnissen bzw. den Hintergründen von deren Erfolgen dazu gelesen.

Fangen wir mit den primitiven Aufgaben an, der Optimierung der Montagezeit. Hier auf dem Tastensatz des Eingangsumschalters sitzt eine von Hand eingelötete Massebrücke, eigentlich nur ein blankes Stück Draht. Wer denkt sich etwas dabei ? Es muß aber 8 mal händisch gelötet werden.

Bei den Kühlkörpern sehen Sie, daß die 8 einzelnen U-Rippen mit je 2 selbstschneidenden Schrauben an dem eigentlichen T-Profil verschraubt sind - und das für beide Kanäle. Es sind auch wieder 16 händische Schrauben zuviel.

Auch die beiden LS-Klemmen - also nicht die auf der Platine sitzenden vier DIN LS-Buchsen - sind mit 8 einzelnen Drähten händisch verschaltet. Das sind 16 Lötstellen von Hand. Da habe ich von Monacor (ein japanischer Billiganbieter von Bauteilen) bereits 1975 bessere Platinen-Lösungen gesehen.
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Die Erläuterung zum Stirnerunzeln : zu gut und zu teuer.

Den deutschen Firmen liefen zu jener Zeit die enorm gestiegenen deutschen Arbeitskosten (Lohnkosten) aus dem Ruder, die Japaner machten einfach alles, aber auch alles billiger und teilweise auch noch erheblich besser. Wie lange konnte das gut gehen ?

Hier bei dem CV 1200 bewegen wir uns nämlich in der untersten Klasse der noch (hier bei uns) verkaufbaren kleinen (2 x 40 Watt Sinus an 4 Ohm) Vollverstärker.

Und mein Fazit : Dafür ist er einfach technisch zu gut. Er hat tolle aber teure Eigenschaften, die einem 2 x 100 oder 2 x 200 Watt Edelverstärker sehr gut zu Gesicht stehen würden, doch diese Technik wollte in dieser LowCost Klasse keiner mehr bezahlen. Schaun Sie mal auf die Seite von dem kleinen und feinen UHER Vollverstärker, der für UHER um 1972 zu einem Fiasko wurde. Denn auch UHER versuchte, sich auf fremdem Terrain zu bewegen.
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Und dann sehe ich etwas, das paßt überhaupt nicht

Vom Netzteil zu der Vorverstärkerplatine sind zwei sehr niederohmige Widerstände samt Keramik-Kondensatoren - "rüber gelegt" - ich vermute, es ist die Stromversorgung. Aber das sieht arg gebastelt aus. Wer war das ?
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Wer brauchte einen Mikro-Eingang ?

Die Mikrofon-Platine

Der CV 1200 hat einen eigenen Mikrofon-Vorverstärker samt Klinkenbuchse in der Frontplatte und dazu einen Mischregler samt Einschalter. Aber wer braucht das wirklich ? Die Endstufe mit 2 x 40 Watt und knapp bemessenene Elkos waren für größere Disco-Aktionen sowieso nicht geeignet. Es war also ein "Feature", eine Eigenschaft, die nur Geld kostete. Und ich habe damals viele viele Hifi Fans gefragt, ob sie sich solch einen Karaoke Japaner, also einen dieser japanischen Monster-Receiver - auch mit Mikro-Eingang - anschaffen wüden. Antwort : Brauchen wir nicht.

Es brummt - also wird nachgebessert

Und dann fällt auf, der Trafo hat eine vermutlich zusätzliche Abschirmung. Von der Stabilität notwendig ist sie nicht, denn die Quer-Traverse hält das Gewicht alle Male aus. Dann gibt es noch ein langes Abschirmblech zwischen dem bereits abgeschirmten Trafo und dem Klangregelteil. Aha, da hat der Trafo also auch ein wenig Brumm eingestreut. Und dann ist unten drunter noch ein drittes kleines "Blechlein" mit zwei Schrauben nachgrüstet. Da hat also der (mögliche) Tuner oder das (mögliche) Kassettendeck von unten drunter in den darüber liegenden Phono- Vorverstärker eingestreut.

Aber das sind alles Maßnahmen, die am Ende Geld bzw. kostbare Montageminuten kosten. Und wie ich von den pensionierten Eingeweihten erfahren hatte, gab es ja einen Grund (oder gar mehrere ?), warum DUAL im Feb. 1982 endgültig pleite war. Sie hatten bei diesen vielen Kleinigkeiten geschludert (nicht akribisch genug aufgepaßt) und sie hatten von den Japanern eben nicht(s) gelernt, übrigens BRAUN in Frankfurt auch nicht. Die BRAUN / a.d.s. Leute mußten dann 1991 über die Last Edition1991 die Segel streichen
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Der (Entstör-) Kondensator - das Problem "ala Revox"

Hier also auch. Hier wurden die gleichen Entstörkondensatoren verbaut wie bei so vielen Wettbewerbern auch. Das sind die eingebauten Tretminen oder Zeitbomben. Und jetzt platzen sie alle, eine nach der anderen. Wie heißt es bei den Elektronikern so schön : "Siehst Du leichten Rauch aufsteigen, wird der Fehler sich bald zeigen." Das Atompilz ist schneeweiß und steigt bis an die Zimmer-Decke und stinkt und stinkt und stinkt. Und gesund ist der Qualm auch nicht. Also Vorsicht !!!
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verdampft
verschmort
aufgerissen
neu und alt

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Der Netzschalter rastet nicht mehr ein.

Und damit ist das Problem eskaliert. Er geht halt nicht mehr an. Ob es sich lohnt , den irgendwie auszutauschen, ist noch in der Schwebe. Nachkaufen geht bestimmt nicht mehr. Ob das zu reparieren geht, ist vage.

Dafür gibt es Abhilfe - mit wenig Aufwand

Ein etwa 6,2mm großes Loch in der Rückwand ist schnell gebohrt, entgratet und der Microschalter von Knitter zum Beispiel paßt da wunderbar rein.
Auch die Lötarbeiten sind akzeptabel, es sind 2 Stück 5cm lange Drähte und schon geht er wieder zu schalten, der CV 1200.

Und bis jetzt habe ich noch nicht gemessen, was er wirklich (noch) kann .

Das war erst mal nur der "erste" Eindruck, was ich da vor mir habe. Angeblich wurde er bis etwa 1981 angeboten. Doch als Grundig mit dem extrem flachen SV 2000 raus kam, war dieses DUAL-Teil preislicht und optisch schnell "out". Sollen wir da wirklich noch mal die Spezifikationen messen ?
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Der Verstärker an einer sauberen digitalen Quelle . . . .

klingt erstaunlich gut und das völlig unabhängig vom Alter und der Leistungsklasse. Damit könnten viele Hifi-Fans gut leben.
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