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Feb. 2020 - Wir haben einen Dual CS 731Q mit defektem ULM 40S bekommen.

Beim ersten oberflächlichen Eindruck macht der DUAL 731 aus 1979 einen optisch präsenten Eindruck, ganz im Gegenteil zum späteren (1982) angeblich noch besseren und letzten originalen DUAL CS-741Q, der schon vom ersten optischen Eindruck her leicht gebastelt aussieht.

Der gewaltige massive ALU-Plattenteller des CS-731 reißt die Optik deutlich heraus und auch der Tonarm kann optisch begeistern. Was dahinter steckt, erschließt sich erst nach genauerem Hinsehen.

Unser Exemplar scheint ein Keller-Fund zu sein. Er geht nicht mehr. Trotzdem muß ihn mal ein Hifi-Fan benutzt haben. Die Zarge ist äußerlich intakt und nahezu unverkratzt. Erst später stellte sich aber heraus, "da war mal jemand dran".
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Das Stahl-Chassis ist in 4 Federelementen gelagert/aufgehängt

Doch es schwingt nicht, es bewegt sich fast nicht, weder in der Horizontalen und auch nicht in der Vertikalen, als wenn die Feder-Elemente klemmen. Das tun sie auch, jedenfalls wenn man das Chassis aus der Zarge heraus nimmt und nachsieht. Die Innen-Führungen der vier einzelnen Elemente (innerhalb der Spiralfedern - Teile-Nummer 7 aus dem Service-Manual Seite 13) aus weißem Kunststoff sind viergeteilt und bei mehreren ist ein "Beinchen" ziemlich weit aus der Normallage abgebogen und verklemmt so im Federweg.

Dieses weiße Plastikteil sollte eigentlich in das untere mit Talkum geschmierte Gummi-Lager eintauchen und dort quietschfrei (deshalb das Talkum Puder) das Chassis leicht schwingen lassen.

Es ist natürlich untragbar, denn wenn dieser sogenannte Trittschall-Absorber nicht funktioniert, hat der noch so gute Leichttonarm seine Probleme. Er fliegt bei jedem Stoß sofort aus der Rille, weil er nun fast keine Masse mehr hat.
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Die anderen Eindrücke sind heftiger.

Die Zarge alleine ist ein ganz billiges leichtes Kunststoff-Spritzteil mit einem ebenso leichten Presspanrahmen oben drauf, das hatte nichts mehr mit der ehemals typischen DUAL Qualität gemein.

Beim Plattenspieler gilt nach wie vor : Das gesamte Gerät muß möglichst schwer sein, um jegliche mechanische Beeinflussung von außen so gut wie nur möglich zu ignorieren.

Und das geht nur über die Masse (also das Gewicht). Oder das Chassis muß so weich und flexibel aufgehängt sein wie unser Thorens TD 125 MKII mit seinem extrem schweren Guß-Chassis.
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Das ist keine Präzision, wie sie immer wieder betont wird

Das DUAL Markting behauptet, die Besten der Besten zu sein. Doch das war einmal. Der 30cm Plattenteller, ein sehr robustens ALU-Gußteil, wird von oben auf die Achse des Direktantriebes aufgesteckt.

Doch diese Achse ist vermutlich konstruktiv zu kurz geraten. Den Teller kann man mit zwei Zeigefingern bis zu 1mm wippen lassen.

Das bedeutet, das Tellerlager hat "enormes" Spiel. So etwas ist bei einem Thorens TD125 unmöglich. Bei einem Linn LP12 übrigens auch, und da sind die Macher bei Linn seit 40 Jahren ganz stolz drauf.

Also das ist keine Super-Qualität für das DUAL Spitzenprodukt von 1979 und das ist bei dem preiswerteren DUAL 604 von 1978 übrigens genauso.
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Der eingebaute originale ULM Abtaster kann so nicht "gehen" (spielen) .....

Bei der Abnahme des Tonarmkopfes vom Tonarm suchte ich die Drähtchen zum feststehenden Teil des Tonarmes vergeblich. Wie kommt die Tonspannung zum Tonarm ?

Jedenfalls waren die versilberten Kontakte am Tonarm noch nicht korrodiert bzw. sulphatiert. Dennoch müssen die Signale irgendwie dorthin kommen.

Da hat jemand die Drähtchen (Teil Nummer 28 aus dem Service-Manual) "entnommen" ?. Weiterhin ist der Systemkörper nicht mehr fest in der TK260 Shell "eingeklebt". Der Kleber ist nach ca. 40 Jahren ziemlich ausgehärtet und da hält nichts mehr. Der Systemkörper klemmt zwar noch zwischen den Kunststoff- halterungen, das alles ist aber sehr wackelig (oder "flexibel").
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Im Innenleben gibts irgendwie Ähnlichkeiten mit dem großen letzten UHER SG 630/631 Bandgerät

Das UHER 630/631 ist die letzte große 3-Motoren Magnet- bandmaschine von UHER, bevor der Niedergang von UHER seinen unaufhaltsamen Anfang nahm. Auch bei dem DUAL CS 731 kommt mir das so vor.

Da sind viel zu viele kleine Platinchen eingesetzt, die - auch wieder wie bei dem UHER - alle verschaltet und verlötet werden müssen. Ich zähle mindestens 6 einzelne Platinen, auf denen die Funktionen und die Intelligenz des Systems verteilt sind.

Schaut man im Vergleich in den Revox B795 rein, der ja auch eine Menge Komfort eingebaut bekommen hatte, ist es dort aufgeräumt und deutlich einfacher.

Im Prinzip ist das mit den aufgeteilten Modulen nie etwas Negatives, doch in den schwierigen Zeiten, die über DUAL ab 1979 "hereingebrochen" waren (der Hifi-Markt war zum Ende 1979 bis weit über 1982 fürchterlich eingebrochen), wäre damals eine Produktionskosten- Optimierung dringendst angeraten gewesen. Die hier fortgeführte Materialkosten- "Optimierung" war auf jeden Fall kontraproduktiv.

Die Japaner haben das von Anfang an geschickter gemacht. Wenn dort in Japan 4 Ingenieure etwas "Geniales" entwickelt hatten, haben zwei weitere Controller das Konzept "durchleuchtet" und dann "optimiert", oft unter "Tränen" der anderen 4 Kollegen.

Erst in der PIONEER und SANSUI Historie war zig Jahre später zu lesen, daß diese so offen sichtbaren Verbilligungen mit dem vielen Plastik auch dort den Niedergang eingeläutet hatten.

Auch UHER ist an der Komplexität dieser 16 Platinchen gescheitert
- andere sagen "erstickt". Solch ein Konstrukt muß ja noch in der Fertigung und vor allem am Ende kurz vor dem Verpacken (end-) geprüft und getestet werden. Und da zählen die Montage-Minuten, auf die zum Beispiel Max Grundig von Anfang an allergrößten Wert gelegt hatte. Bei Grundig gabs dafür die Erbsenzähler, die (überall unbeliebten) Kollegen mit der Stoppuhr in der Hand.
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Und natürlich der Nippel oder Pimpel, der "verrottet" ist ....

Anscheinend ist das eine Langzeit-Macke von ganz vielen DUAL Modellen, auch aus der 1229/1249er Palette.
Der kleine von außen unsichtbare Kunststoff-Nippel direkt unter dem Tonarm hat sich zersetzt und verteilt sich im Gerät, schade. Der Tonarm wird nicht mehr ein- oder zurück- geschwenkt. Doch solch einen Nippel zu ersetzen, ist nicht besonders schwierig. Es gibt aber noch andere Schwächen.
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Es gibt 2 Funktionen, die niemand wirklich brauchte ....

Kein mir bekannter Hifi-Fan, selbst Gastronomen nicht, hatte jemals seine (vermeintlich kostbaren) Platten im Endlosbetrieb (Dauerbetrieb) laufen lasssen. Den ganzen Zirkus hätte man getrost einsparen können und eine Menge Komplexität vermieden.

Weiterhin ist die riesengroße LED-Anzeige der Drehzahl- genauigkeit an der Front soetwas von unwichtig, weil niemand mehr die Tonhöhe der Originalaufnahmen erläutern kann.

Es mögen zwar manche "Dreher-" Besitzer über Stunden davor sitzen und diese Anzeige bewachen, doch das waren nur sehr seltene Ausnahmen. Das Stroboskop war völlig ausreichend, wenn es denn überhaupt notwendig war.

Diese gewollt gequälte "Featureritis" in einem auslaufenden Markt war sicher auch ein Grund, warum sich DUAL verzettelte und den eigenen Blick in die Zukunft und den veränderten Markt eintrübte. - Übrigens ebenso wie ein Teil der großen Japaner - zum Beispiel PIONEER mit seinen 1980er Produkten. Auch SONY fing damals bereits 1976 an, alles und jedes als Feature zu verkaufen, wie zum Beispiel FM-Dolby, das wir in Deutschland auch nie hatten.
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Der Hauptfehler lag dazu im Netzteil - ein 1000 uF Kondensator

Unser Spezialist für solche Fälle - Peter - hat herausgefunden, daß ein dicker "ROE" 1000uF Sieb-Elko nur 0 Ohm Widerstand hatte und dann kommt natürlich keine Spannung mehr an der Motor-Elektronik an. Übrigens äußerlich war das dem Elko nicht anzusehen.
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Es gibt nur wenige Modelle wie den 1249 und den 701

Vorweg schicken möchte ich noch, daß ich alle die billigen DUAL Laufwerke wie der 1214 und der 1216 und der .... relativ schnell entsorge oder verschenke. Zum Betrieb als "gesunder" Plattenspieler zum Digitalisieren verbleiben von DUAL nur wenige außergewöhnliche Typen.

Da ist der DUAL 1229 mit Reibradantrieb und der 78er Geschwindigkeit für die Digitalisierung meiner alten Schellackplatten, 78 Upm hat fast keiner mehr.

Der DUAL 1249 ist der stabile und seriöse Automatikspieler als Wechsler mit einem Riemenantrieb und mit nur 2 Geschwindigkeiten, der 601 ist der abgeschminkte 1249 ohne Wechseltechnik, beide mit fast gleichem Tonarm.

Weiterhin ist der 701 Direktantriebler auf höchstem Niveau. Die später davon abgeleiteten Billigversionen haben alle ihre Macken oder Schwächen, auch unser 604.
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