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Herbst 1979 - Der Markt wurde härter und DUAL mußte sich profilieren .....

Also wurde "U.L.M." kreiert und kräftigst beworben. Bis zu diesem ersten Prospekt wußte keiner in deutschsprachigen Landen, was das wirklich heißt. Auch mußte der neue Slogan international aussprechbar sein, denn der amerikanische Markt war nach wie vor wichtig, wenn auch gewaltig am schrumpfen.
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"Ultra Low Mass" - aha, so heißt das also ......

Die Werbetexter hatten in den neuen "U.L.M."-Prospekten dann auch ganze große A4 Seiten Platz bekommen, um das "völlig neue" Konzept ausführlich breit zu treten.

Dieses "neue" Konzept hatte ja nur Vorteile gegenüber den bisherigen DUAL Laufwerken, die man laut dieser Prospekte jetzt alle in die Tonne treten könnte oder sollte.

Im Umkehrschluß hatte uns DUAL also die letzen 20 Jahre nur Müll erzählt ...... und uns ganz offensichtlich (oder etwa vorsätzlich ???) absolut minderwertige Geräte angedreht.

Die Masse des Tonarms spielt also jetzt - jedenfalls ab jetzt - die absolut übergeordnete herausragende Rolle bei den edelsten Plattenspielern. Auch das Abtastsystem wurde so weit abgeschminkt, daß es es gerade noch 2 Gramm wog. Damit war die resultierende Masse von Tonarm und Abtaster wirklich marginalisiert.

Den gleichen Unsinn mußte ich leider bei einem LINN Vortrag in 2019 über mich ergehen lassen, als der Vortragende LINN-Beauftrage behauptete, daß das Plattenteller-Lager (natürlich nur des LINN Plattenspielers) das herausragend wichtigste Teil bei einem Plattenspieler sei.
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Frage Nummer 1 : Sind "die Anderen" alle doof oder unfähig ?

Die Frage, die ich mir damals stellte : Konnten das die anderen Spezialisten und Ingenieure nicht bereits auch ? - Zum Beispiel SME, SHURE, Thorens, ELAC, BRAUN oder EMT oder SONY, PIONEER, JVC, YAMAHA oder DENON ?. Und warum muß dann der neue ganz leichte 30cm Alu-Plattenteller über dem DUAL-Direktantrieb der letzten CS731 und CS604 Laufwerke so wackeln ?

(Übrigens, diese wackeligen DUAL Laufwerke stehen alle bei uns im Labor, können also jederzeit ausprobiert werden.)
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Die Physik mußte wieder mal herhalten, aber nur teilweise ....

Es ist physikalisch völlig korrekt, daß eine möglichst geringe Masse zu einer optimalen minimalen Trägheit des Tonarms samt Abtast-System führt.
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Der Tonarm könnte dann - bei welligen Platten - der Auf- und Ab- Bewegung deutlich besser folgen. (Wobei die Verbesserung "deutlich besser" relativ ist.)

Konnte das der DUAL 1009 nicht ? Der wurde doch damals 1963/64 so marktschreierisch beworben, daß er sogar - völlig schief oder sogar auf dem Kopf stehend - die welligen Platten absolut hervorragend sauber abspielt.
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Und deshalb kommt schon die nächste Frage auf :

Der Revox Tangential-Arm
so dünn wie nur möglich
Angeblich der Welt bester Abtaster - jedenfalls laut Prospekt

Wie viele von "meinen" teuren, kostbaren und lange sorgfältigst gehüteten (und immer senkrecht stehend gelagerten) Langspiel- Platten sind so wellig, daß ein moderner Tonarm damit Probleme hätte ? Ich habe ja 3 Revox B795er, einen TD 125 MKII und diverse DUAL 1229 und 1249 sowie mehrere DUAL 601 Laufwerke. Bei mir bei etwa 3.000 LPs sind es weniger als 10 (zehn !!) Platten, die 1mm oder gar 2mm Höhenschlag aufweisen.
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Dann kommt die Frage Nummer 3 auf :

Weniger Masse des Abtasters erfordert physikalisch zwingend eine erheblich größere (bessere) Nadelnach- giebigkeit. Große Auslenkungen der Rille sollen ja nicht den Abtaster bewegen, sondern nur die Nadel auslenken.

Was hat denn das für Nebenwirkungen auf die Stabilität der Aufhängung der Abtastnadel ? Die Abtastnadel mit dem Führungsröhrchen ist ja sowieso das empfindlichste Teil des ganzen Plattenspielers.
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Der Entwickler reitet also eine ganz difizile Gratwanderug zwischen minimaler Masse des eigentlich unbeweglichen Abtasters und der Beschleunigungskräfte der Auslenkungen der Rille, der sogenannten Schnelle.

Dazu wurden von DUAL Entwicklungsaufträge an Ortfon vergeben, solch einen minimalisierten Abtaster zu konstruieren. In den Zeitzeugen-Gesprächen kam heraus, daß Ortofon mehrfach vor dieser Sensibilität der physikalischen Grenzen gewarnt hatte ..... aber DUAL unbedingt wieder ein werbewirksames Alleinstellungsmerkmal gebraucht hatte.

Bei diesen ULM-Abtastern war das sogenannte "von Hand Auflegen" schon grenzwertig. Der notwendige Tonarmlift mußte sehr langsam und feinfühlig eingestellt werden, damit die Nadel beim Aufsetzen nicht vollkommen in das System eintaucht. Und ohne Tonarmlift geht deshalb beim ULM-Tonarm gar nichts mehr.
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Die Physiker (unter sich) sind gegensätzlicher Auffassung

Zugrunde liegt eine Doktorarbeit von der UNI Karlsruhe aus 1969. Welche Funktion oder welche Kraft verursacht bei der 33er Vinylschallplatte welchen Verschleiß. Es geht also um den Verschleiß des Abtastdiamanten (aber nur der Spitze .... "der Diamant-Spitze") und dem Verschleiß (oder der irreversiblen Verformung/Abnutzung = Beschädigung) der Rille. Das sind ja die beiden "sichtbaren" Beteiligten beim Abspielen.

Bei exakt wissenschaftlicher Betrachtung kann man die(se) Funktion der mechanischen Rillenabtastung in eine mathematische Formel packen (oder mit einer mathematischen Formel beschreiben). Das hat den großen Vorteil, alle beteiligten Massen, Kräfte und Eigenschaften (also die sogenannten "Parameter", das sind die "Konstanten" sowie die "Variablen") müssen in dieser Formel irgendwie enthalten sein.

Und das wiederum zwingt zum sehr gründlichen Nachdenken, welche Parameter überhaupt vorkommen und wie man die beschreibt. Weiterhin kann man bei neuen Erkenntnissen diese Formel korrigieren, erweitern und ergänzen.

Und man kann solch eine Formel samt der Beschreibung publizieren (auf Tonmeister- tagungen, AES Conventions usw.) und sie den Kollegen aus der Physik und der Mechanik vorlegen und deren "Einschätzung" (also deren Kritik bzw. Verbesserungsvorschläge) erbitten oder auch kollegial freundschaftlich provozieren.
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Es gibt da nämlich ein "Kriterium", das nennt sich Resonanz.

Erst in den 1960er Jahren haben die akribischen Platten- und Abtaster Experten herausgefunden, daß eine Tonarm/Abtaster Resonanz zu ganz merkwürdigen Abtastfehlern führt, die man deutlich hören kann und noch deutlicher messen kann.

Diese Resonanz wird von der Masse des Tonarmes und der Masse des Abtasters in Zusammenhang mit der Nadelnachgiebigkeit ermöglicht (oder hervorgerufen). Und wenn diese Resonanz in Frequenzbereichen oberhalb von 40 oder sogar 60 Hz liegt, wird der gesamte untere Frequenzgang - angeblich sogar bis hoch zu 2000 Hz - erheblich "deformiert".

Die messbare Resonanzfrequenz dieser 3 bestimmenden Komponenten sollte also deutlich unter 20Hz liegen, denn die allermeisten Phono-Vorverstärker schneiden unterhalb von 40Hz sowieso die ganz tiefen Frequenzen ab.
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Sinken Arm- + Abtaster-Masse, steigt die Resonanzfrequenz

Bei den ultra leichten Kombinationen muß also die Nadelnachgiebigkeit direkt proportional zur geringeren Masse verbessert werden. Sonst steigt die Resonanzfrequenz in diesen hörbaren Bereich.

Das wird in keinem DUAL Prospekt erläutert, weil es ja auch viel zu technisch ist und der Käufer mit solchem kleinkarierten Kram auch gar nicht belästigt werden sollte.
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In den ULM Tonarm passen nur ganz bestimmte Abtaster

Gespart wird vor allem an diesen "schweren" Alu-Schrauben, die den Standard Abtaster festhalten. Bei ULM geht das viel "einfacher". Dafür darf man auch nur diese DUAL-Abtaster und die zugehörigen Diamant-Nadeln (beim DUAL-Händler) kaufen. In dem DUAL CS-731Q , ein Geschenk eines Besitzers, der es einfach leid war, hatte ich gesehen, wie es aussieht, wenn der Kleber das Abtastsystem nicht mehr hält, weil er ausgetrocknet ist. Das Abtastsystem fällt einfach nach unten raus - aus der Halterung.
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