Das zweite Heft 2+3 war gleich eine Doppelausgabe
Wie mir Karl Breh in unserem Zeitzeugengespräch in 2013 ausführlich und plastisch geschildert hatte, kommen (kamen) viele geplante und zugesagte Artikel viel zu oft zu spät, um in die aktuelle Ausgabe eingebracht zu werden.
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Und das mit der Theorie und der Praxis mußten auch die neuen "Zeitungsmacher" lernen. Und die Druckauflage dieser Ausgabe wurde mit 51 000 Exemplaren angegeben. Das mußte alles vorfinanziert werden, denn die ersten zwei oder drei Ausgaben sind immer ein Zuschußgeschäft.
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Der (zweite) Inhalt
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- Seite 4 . Hörste und Kiekste: Verdruß am Feierabend - Zwei „Knilche" streiten ums Programm
- Seite 6 . Spaß im Schnee - Fernsehen und Musik im Winterurlaub
- Seite 10 . Besser hören - ohne stören - Ein Weihnachtsgeschenk bringt Ärger
- Seite 14 . Geschenke „mit Musik"
- Seite 16 . Kleine Freuden nach dem Fest - Mehr Spaß mit dem richtigen Zubehör
- Seite 20 . Keine Angst vor vielen Knöpfen - Eine Serie über die Bausteine der Stereo-Anlage. 1. Fortsetzung
- Seite 24 . Die XII. Olympischen Winterspiele Innsbruck 1976
- Seite 26 . Compact-Cassetten - Ein „undurchsichtiges" Angebot
- Seite 28 . Peter Alexander wälzt Amerika-Pläne
- Seite 29 . Die Single-Hitparade
- Seite 30 . Das KlangBild-Preisrätsel
- Seite 31 . Tochter eines weltberühmten Vaters - Natalie Cole
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Hörste und Kiekste - Verdruß am Feierabend
Ich kam ins Büro und geriet mitten in einen fürchterlichen Streit.
Kiekste und Hörste, unsere Redaktionsknilche, hatten sich in der Wolle. Aber wie.
„Nein, nein, nein" schrie Kiekste mit hochrotem Gesicht, „du willst mich nicht verstehen! Du willst einfach nicht!"
„Aber ich sage doch bloß ...", wagte Hörste einen Widerspruch.
„Um Himmels willen, Freunde, um was geht's denn?", wollte ich wissen.
Kiekste schnaufte: „Also, dieses Fernsehen geht mir auf den Wecker! Diese Programmacher mit ihrem Sendungsbewußtsein! Schon nachmittags um zwanzig nach vier hecheln mich die Feministinnen an! Alle Männer raus, und so! Anschließend pauken sie den Kindern ein: Kampf den Eltern, Kaaaaampf! Um Viertel nach acht erklären ganz kluge Leute, wie sie die Weltwirtschaftslage einrenken wollen. Tun's aber nicht! Dann womöglich Unterhaltung. Als wenn das Ballett die miesen Schlager aufmöbeln könnte! Oder diese ausgedudelten Krimihelden -pro Stunde eine Verbrecherbande hinter Gitter gebracht - daß ich nicht lache!"
„Aber hör mal, laß' mich doch auch mal zu Wort kommen!", nutzte Hörste eine Atempause.
„Bitte -" kam es ziemlich eisig.
„Kuck mal. Fernsehen ist doch nun mal für alle da. Für zwanzig, dreißig oder vierzig Millionen Menschen bedeutet das Fernsehen nach dem Arbeitstag Unterhaltung, Anregung und Entspannung ..."
„Entspannung?", schrie Kiekste schon wieder dazwischen, „Entspannung? Ich kriege so manches mal die schönste Wut! Diese Magazinsendungen! Da sitzt einer - oder mehrere - und enthüllt unentwegt die schreiendsten Ungerechtigkeiten, mehrmals pro Woche, immer wieder - und nichts ändert sich -nichts, nichts, nichts!! Elend, Krieg und menschliche Niedertracht, immer wieder aufs neue - in Farbe —, und wenn die Katastrophe groß genug ist, sogar über Satellit!"
Nun mischte ich mich ein: „Aber lieber Kiekste, du kannst dir doch nicht vormachen, diese Welt sei heil, schön und gesund! Du kannst doch nicht auf Dauer Augen und Ohren zupressen und von der ganzen Misere einfach keine Notiz nehmen."
„Nein, nein, das will ich ja auch gar nicht", lenkte Kiekste ein. „Nur, weißt du, ich fühle mich von den Programmachern vergewaltigt. Ich habe das Gefühl, daß die sich als Lehr-und Zuchtmeister der Nation empfinden. Ist eigentlich kein Wunder - die sehen uns ja nicht als einzelne - die haben vor ihrem geistigen Auge immer die bewußten zwanzig oder dreißig Millionen. Weißt du was - die brauchen Konkurrenz. Es muß einfach mehr als drei Programme geben, damit die unkündbaren Gewaltigen uns nicht so in die Mache nehmen können.
Was meinst du, wie froh viele Zuschauer sind, wenn sie Fernsehsender aus dem Ausland empfangen können. Nicht weil da unbedingt bessere Programme laufen - aber man kann auswählen! Und das will ich - die Möglichkeit!!..."
„Aber wie stellst du dir das vor", sagte Hörste, „noch mehr Programme? ARD und ZDF haben doch jetzt schon kein Geld!"
„Kein Geld mehr, solltest du sagen. Denn sie hatten mal, und zwar enorm viel. Aber das ist weg - jeder Sender brauchte einen gewaltigen Studio- und Sendekomplex und noch gewaltigere Verwaltungsgebäude - mit vielen, vielen Verwaltern - die man nie mehr loswird. Die sind nämlich praktisch auf Lebenszeit fest angestellt - wenn sie keine silbernen Löffel klauen. Daß die Zuschauergebühren und Werbefernseheinnahmen nicht so hoch steigen wie die Fernsehburgen, daran hat keiner gedacht. Der Trick mit der vierteljährlichen Vorauszahlung bringt zwar Geld ein - es funktioniert rationeller —, aber die hundert Millionen DM sind für die ein Klacks."
„Also bitte - wer soll deine zusätzlichen Programme bezahlen?"
„Ich weiß es doch nicht", sagte Kiekste kläglich. „Private Fernsehunternehmer - das lehnen die Poliker ab - wegen der Meinungsfreiheit - oder Meinungsmache - oder Meinungsvielfalt - wie sie sagen. Aber technisch ist ja alles drin. Jetzt laufen doch in Hamburg und in Nürnberg die Versuche mit Großgemeinschaftsanlagen - wo zwanzigtausend Fernsehempfänger an eine Großantenne angeschlossen sind. Wenn man nun einen Satelliten in den Himmel hängen würde - dann könnte man die ganze Welt empfangen. Aber - wer soll das wieder bezahlen?" Kiekste war sichtlich zerknirscht.
Ich wollte ihn trösten: „Lieber Kiekste", sagte ich, „wer sagt denn eigentlich, daß du jeden Abend vor dem Fernseher sitzen mußt? Du solltest dir wirklich mal in der Programmzeitung anschauen, was die Herren vom guten alten Dampfradio zu bieten haben - du wirst staunen. Spannung, Unterhaltung, Information - und Musik in Hi-Fi-Stereophonie! Mein lieber Kiekste, hör mal wieder Radio!"
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