Sie sind hier : Startseite →  Hifi Historie und Geschichte→  Der Rundfunk (allgemein)→  1963 Stereo im Rundfunk

Technik-Artikel 4 - teilweise aus einem Büchlein von 1988

Die beiden Autoren Michael Janitz und Claus Römer sind oder waren Ingenieure beim Südwestfunk Baden Baden (damals noch SWF, inzwischen SWR) und haben mehrere Aspekte der 1988 modernen Rundfunk- und Studiotechnik beschrieben. Die Didaktik ist vorbildlich und der Schreibstil ist mustergültig, darum hier ein paar Auszüge. Dies ist einer von mehreren Artikeln. Der nächste Artikel steht hier. Die Übersicht über alle diese Artikel steht hier.

.

Stereofone Musikübertragungen schon vor 100 Jahren

Auf der "Ersten Elektrischen Ausstellung" 1881 in Paris gab es eine besondere Attraktion: Im ersten Stock des Palais de PExposition konnte man allabendlich über zwei Telefonmuscheln an den Vorstellungen der Opera comique oder des Theätre Francais teilhaben. Die Übertragungen erfolgten - und das ist das Besondere daran - stereofon.

Der Initiator dieses und in den folgenden Jahren noch häufig kopierten Spektakels war Clement Ader (1841-1925), der sich mit der Entwicklung empfindlicher Kohlemikrofone und Telefonhörer einen Namen gemacht hatte. Bei seiner stereofonen Übertragungseinrichtung montierte er die Mikrofone links und rechts des Souffleurkastens (wir würden heute von AB-Stereofonie sprechen) und speiste sie aus Batterie-Elementen, die im Keller des Opernhauses untergebracht waren. Die Leitungen wurden unterirdisch ("durch die Kloaken", wie man nachlesen kann) zu den beiden Abhörräumen in das Ausstellungsgebäude geführt, in denen stets großer Andrang herrschte.

In einer zeitgenössischen Veröffentlichung wurde nicht nur die gute musikalische Übertragung gerühmt, sondern auch die Wahrnehmung von Beifallsäußerungen und Gelächter des Publikums vermerkt.

In den 20er Jahren

In den 20er Jahren begann man, die Schallplattenaufzeichnung von Grund auf zu verbessern, indem man die mechanische Aufnahmetechnik durch das elektrische Schneidverfahren ersetzte. Der gerade ins Leben gerufene Rundfunk hatte einen besonderen Anteil an der Schaffung hochwertiger
Schallwandler. Es wurden Studiomikrofone, Kopfhörer und die ersten Lautsprecher entwickelt.

Erst als ein gewisser technischer Standard erreicht war, erinnerte man sich wieder der mehrkanaligen Übertragungstechnik. In einer Fachzeitschrift aus dem Jahre 1920 lesen wir: "Die monaurale Wiedergabe von Klanggemischen gewährt jedoch selbst bei Verwendung sehr guter Wiedergabegeräte den Eindruck, als ob das wiedergegebene Klangbild nicht dem ursprünglichen Klangbild entspräche. Diese Beobachtung ist darauf zurückzuführen, daß wir mit zwei Ohren hören und dadurch eine gute Richtungswirkung der Schallwellen wahrnehmen. Stellt man daher bei der Schallaufnahme zwei Mikrofone in Ohrabstand auf und leitet die verstärkten Mikrofonströme getrennt auf je einen Hörer, so ist die Wiedergabe vollkommen, ein Unterschied der wiedergegebenen Schallwellen gegenüber den primären Schallwellen kaum mehr feststellbar."

Rundfunkstereophonie erst ab 1963

In Amerika wurde 1934 mit dem berühmten "Philadelphia- Washington- Experiment" ein großangelegter Versuch unternommen, der in die Geschichte der Schallübertragung eingegangen ist. Dabei wurden Konzerte und andere Darbietungen aus einem Saal der einen Stadt über Stereoleitungen in einen ähnlich großen Saal der anderen Stadt übertragen und auf - schon damals Hi-Fi-würdigen - Lautsprechern wiedergegeben. Nach dem Urteil der Anwesenden war die Natürlichkeit vollkommen, zumindest konnte die Wiedergabe in dem verdunkelten Raum von einer Originaldarbietung nicht eindeutig unterschieden werden.

In den frühen 30er Jahren beschäftigte die britische EMI-Schallplatten-Gesellschaft den genial-begabten Alan Dower Blumlein (1903-1942), der sich ebenfalls stereofonen Problemen widmete. Er entwickelte nicht nur ein noch heute gebräuchliches stereotüchtiges Mikrofon-Aufnahmeverfahren, sondern schuf auch die zweikanalige Plattenschneid-Technik, die 25 Jahre später bei der Stereo-Langspielplatte verwendet wurde. Blumleins Entwicklungen wurden wenig später in den USA aufgegriffen und bei stereofonen Versuchsaufnahmen der Bell Telephone Laboratories eingesetzt, wobei wiederum Leopold Stokowski mit dem Philadelphia Orchestra mitwirkte.

In Deutschland, der Hochburg der Magnettontechnik, entstanden im Jahr 1944 vor Kriegsende mehrere stereofone Bandaufnahmen im Berliner Funkhaus der Reichsrundfunk-Gesellschaft. Das zweikanalige Tonbandgerät mit getrennten Tonspuren bildete die Voraussetzung für die stereofone Wort-und Musikproduktion, die 1957 bei der Schallplatte und ab 1963 bei den Rundfunkanstalten der Bundesrepublik eingeführt wurde.

Es geht um unser bundesdeutsches UKW- Stereo-System.
.

Dies ist einer von mehreren Artikeln.
Der nächste Artikel steht hier.
Die Übersicht über alle diese Artikel steht hier.
.

- Werbung Dezent -
Zurück zur Startseite © 2007/2020 - Deutsches Hifi-Museum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Zum Telefon der Redaktion - Zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.

Privatsphäre : Auf unseren Seiten werden keine Informationen an google, twitter, facebook oder andere US-Konzerne weitergegeben.