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Der Deutsche Rundfunk bis zum Inkrafttreten des Kopenhagener Wellenplans (1950)
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Von Gerhart Goebel (Darmstadt / Eberstadt)
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B. Die Entwicklung der Rundfunk-Technik in Deutschland

II. Aufnahme-Technik
e) Funkhäuser


Während der ersten Entwicklungsstufe des deutschen Rundfunks waren die Aufnahme- und Mikrophon-Verstärkerräume zur Ersparnis von Ortssendeleitungen fast durchweg im selben Gebäude untergebracht wie der Sender, d. h. vorwiegend in posteigenen Fernsprechämtern, Postscheckämtern oder in benachbarten öffentlichen Gebäuden, die sich für Aufnahmezwecke besonders gut eigneten, z. B. in Theatern (Königsberg, Elberfeld). Diese Räume wurden anfangs von den Sendegesellschaften gemietet, da man zunächst nicht übersehen konnte, wie sich der Rundfunk in Deutschland wirtschaftlich entwickeln würde.

1927 - von Aufnahmeräumen und Besprechungsstellen

1928 bestanden neben den ursprünglich geplanten Aufnahmeräumen am Sitze der Sendegesellschaften noch 27 Besprechungsstellen in kulturell oder künstlerisch bedeutsamen Orten wie Stettin, Chemnitz, Halle, Magdeburg, Dessau, Gerau, Sondershausen, Nürnberg, Kassel, Bremen, Hannover, Kiel, Freiburg, Mannheim, Karlsruhe, Gleiwitz, Münster, Elberfeld, Düsseldorf, Schwerin und Braunschweig. 1939 hatte sich die Zahl der selbständigen Sendebetriebe auf 38 erhöht.

Nach der Trennung von DRP und RRG - Bau eigener Funkhäuser

Erst nachdem die gesamte Rundfunk-Niederfrequenztechnik am 1. Juni 1929 von der DRP auf die RRG übergegangen war, begannen die deutschen Sendegesellschaften mit dem Bau eigener Funkhäuser, die zur Zeit der Planung allen Anforderungen der Aufnahmetechnik weitgehend entsprachen, nach der Fertigstellung allerdings vielfach durch die schneller fortschreitende Technik bereits in vielem überholt waren.

Sie enthielten stets einen repräsentativen großen Sendesaal für Publikumsveranstaltungen und daneben mehrere kleinere Senderäume für Hörspiele und Kammermusik. Der große Sendesaal erhielt bei Abmessungen von 27 x 17 x 10m (Frankfurt/M), 24 x 12 x 8m (München), 25 x 13 x 7m oder 40 x 22 x 12m (Berlin) meist trapezförmigen Grundriß.

Von nun an richtige akustische Kontruktionen

Die schmale Querwand wurde betont reflektierend, die breitere Querwand dagegen schallschluckend ausgebildet, um auch bei geringer Besetzung eine gewisse Nachhall-Dämpfung zu bieten. Das Orchester spielte im hallenden Raumteil, während das Mikrophon im gedämpfteren Teil stand und vielfach noch durch ein Schäffersches Zelt besonders abgeschirmt wurde.

Ebene Deckenflächen wurden durch tiefe Kannelierungen, Querschürzen, hölzerne Stege oder steinerne Stalaktiten unterbrochen. Die Seitenwände wurden profiliert oder mit schwach reflektierendem Sperrholz bekleidet. Einzelne Teilflächen dieser Wandbekleidung konnten bei Bedarf von Hand oder hydraulisch umgeklappt werden, so daß ihre mit Filz bekleideten Innenflächen dem Saal ein stärkeres Schallschluckvermögen verliehen.

Ganze Wände wurden hydraulisch verschoben

Im Funkhaus der Norag in Hamburg konnte die Akustik des großen Sendesaales durch hydraulische Verschiebung ganzer Wände und Wandteile sowie durch Heben und Senken des Orchesterpodiums noch weiter variiert werden. (Die Einrichtung wird heute nicht mehr benutzt, da genügend spezielle Studios zur Verfügung stehen.)

1931 - Das größte deutsche „Haus des Rundfunks"

Das im Januar 1931 in Betrieb genommene größte deutsche „Haus des Rundfunks" (Bild 76) in der Masurenallee in Berlin verfügte neben 3 sektorförmig um den Haupteingang angeordneten Sendesälen über insgesamt 15 Aufnahmeräume. Die um 1930 entstandenen Funkhäuser werden, soweit sie nicht durch Kriegseinwirkungen beschädigt oder zerstört worden sind - wie z. B. die Funkhäuser von München, Stuttgart u. a. - auch heute noch benutzt, wenn sie auch - dem durch den Länderrundfunk bedingten höheren Aufwand entsprechend - durch Hinzunahme anderer Gebäude sowie durch vollständige Neubauten erweitert oder ergänzt werden müssen.

Nach 1945 - Der Wiederaufbau der Studios kommt voran

So verfügt der Bayersche Rundfunk in München, der am 12. Mai 1945 den Sendebetrieb in einem beim Sender gelegenen Studio von 47m3 wieder aufnahm, heute bereits über 6 Studios von insgesamt 3.500m3 Rauminhalt.

In Nürnberg stehen 2 Aufnahmeräume im alten Funkhaus zur Verfügung, die durch größere Räume in einem ehemaligen Wehrmachtsgebäude ergänzt werden sollen.

Der Nordwestdeutsche Rundfunk in Hamburg benutzt neben 7 Studios von insgesamt 4.500m3 im alten Funkhaus 3 neu ausgebaute Aufnahmeräume von zusammen 5.800m3 in einer ehemaligen Synagoge, während in Köln 7 Studios von zusammen 2.800m3 zur Verfügung stehen.

In Hannover werden z. Zt. noch Aufnahmeräume in einem Akademiegebäude benutzt, während ein nach den neuesten Anforderungen der Studiotechnik gestaltetes Funkhaus sich noch im Bau befindet.

In Berlin betreibt der NWDR im ehemaligen „Haus der Zahnärzte" 6 Studios von insgesamt 2.000m3 Rauminhalt.

In Stuttgart, wo der Sendebetrieb seit 1943 ruhte und das Funkhaus völlig zerstört worden war, wurde der Sendebetrieb von „Radio-Stuttgart" zunächst aus einem amerikanischen Studiowagen und aus provisorischen Senderäumen durchgeführt. Später wurden im ehemaligen Telegraphenbauamt Stuttgart 6 neue Senderäume von zusammen 750m3 Inhalt geschaffen. Größere Darbietungen müssen noch aus gemieteten Räumen übertragen werden. Ein Sendesaal von 5.000m3 Inhalt ist geplant.

Der Aufnahmebetrieb von Frankfurt/M. wurde nach teilweiser Zerstörung des Funkhauses im Jahre 1943 nach Bad Nauheim verlegt, von wo auch am 1. Juni 1945 die erste Sendung nach dem Zusammenbruch ausging.

  • Anmerkung: In Bad Nauheim ist der amerikanische Offizier Jack Mullin über die beiden hypermodernen AEG K4 Magnetbandmaschinen gestolpert, deren zwei (aber nicht diese hier) er später mit nach USA rüber schickte und die den Grundstein für die Firma AMPEX gelegt hatten.


Heute verfügt Radio Frankfurt über 4 Senderäume mit insgesamt etwa 3.600m3 Inhalt, während 2 Sprecherräume und ein großer Schallaufnahme-Komplex im Bau sind.
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Moderne Studios mit exzellenter Schalldämmung

Der in einem Studio geforderte Ruhepegel beträgt 20db. Trotz der maximalen Lautstärke eines Orchesters von etwa 100 Phon begnügt man sich bei der Schalldämmung der Studiowände mit etwa 55 db und verhindert gegenseitige Störungen der Aufnahmeräume durch zwischengelegte Gänge oder Nebenräume.

Über die Spezifikationen eines großen Konzertstudios

Für die Schalldämmung der Außenmauern werden etwa 60db gefordert, die durch 1 1/2 Stein starke Außenwände mit 10cm Luftzwischenraum erreicht werden. Die Fensterflächen dürfen hierbei höchstens 1/15 der Wandfläche ausmachen [179]. Die Übertragung von Trittschall wird durch schwimmende Fußböden verhindert. Die Nachhallzeit eines großen Konzertstudios (Bild 77) mit Publikum soll für die tiefen, und mittleren Frequenzen etwa 1,5 ... 1,8 Sek. betragen und darf oberhalb von 2.000Hz abfallen.

Zur Erzielung eines diffusen Schallfeldes und zur Ausschaltung von Schmetterechos müssen die Wände durch Nischen oder Pfeiler aufgelockert werden, deren Rhythmus etwa der Wellenlänge der zu zerstreuenden Frequenzen entsprechen soll [179]. Unregelmäßige schiefwinklige Grundrisse der einzelnen Räume dienen dem gleichen Zweck (Bild 78). Die Nachhallzeit für Sprecherräume darf von 60 ... 300 Hz etwa von 0,5 auf 0,25 Sek. abfallen und soll diesen Wert für alle höheren Frequenzen beibehalten. [180].

II. Aufnahme-Technik
f) Schallspeicherung

Anfänglich miserable Qualität

In den ersten Jahren wurden die für den Rundfunk aufgeführten Darbietungen grundsätzlich unmittelbar vom Mikrophon auf den Sender übertragen. Die Speicherung solcher Darbietungen zwecks späterer Sendung oder Wiederholung war aus patentrechtlichen und qualitativen Gründen zunächst nicht möglich; denn die Schallplattentechnik bediente sich damals noch fast ausschließlich des akustisch-mechanischen Aufnahme-Verfahrens, und die Wiedergabequalität der damaligen Platten lag weit unter derjenigen einer direkten Sendung.

1924 - Aufnahmen auf Triergon-Lichttonfilm

1924 schlug einer der Erfinder des deutschen Triergon-Tonfilm-Verfahrens, H. Vogt, im Interesse der „Wirtschaftlichkeit des Rundfunkverfahrens" vor, die Darbietungen statt auf Schallplatten auf Lichttonfilm aufzunehmen, wies allerdings bereits damals darauf hin, daß dieses Verfahren der „aller Ursprünglichkeit, Einmaligkeit und Originalität feindlichen Mechanisation ... besonders stark" diene [184].

1925 - Schallspeicherungsverfahren auf Stahldraht

1925 versuchte der auf vielen Gebieten der Programmgestaltung führende Intendant des Frankfurter Senders, H. Flesch, das von V. Poulsen 1898 entwickelte magnetische Schallspeicherungsverfahren auf Stahldraht (Bild 81) für den Rundfunk auszunutzen. Die Versuche blieben jedoch infolge der Mängel der Stahldrahtaufzeichnung ohne Erfolg, so daß auch Flesch - abgesehen von aktuellen Ereignissen für Archivzwecke - für das Hörspiel als einzige Kunstgattung die Aufzeichnung auf Lichttonfilm forderte [185].

1927 - Der elektromagnetische Wachsschreiber

Ende 1927 war der Vox-Konzern dazu übergegangen, Schallplatten auf elektrischem Wege mit einem von H. v. Willisen und P. Erbslöh gebauten elektromagnetischen Wachsschreiber zu schneiden.

1929 - Wachsplatten ließen sich nur einmal abspielen

Anfang 1929 gelang es der RRG nach Überwindung zahlreicher Patentstreitigkeiten, dieses von der Schallplattenindustrie benutzte Wachsplatten-Aufnahmeverfahren mit elektrischer Aufzeichnung zunächst für die kurzfristige Konservierung hochwertiger Rundfunkdarbietungen einzusetzen [178]. Die Wachsplatten ließen sich allerdings mit den damaligen elektromagnetischen Tonabnehmern nur einmal abspielen.

1930 - Der Neumann Tonabnehmer zum mehrmaligen Abspielen

1930 schuf G. Neumann einen besonders leichten elektrodynamischen Tonabnehmer mit extrem geringer Rückstellkraft zum mehrmaligen Abspielen der Wachsplatten.

Seit 1930 ließ die RRG von den eigenen Wachsaufnahmen auch Schwarzplatten für Archivzwecke pressen.

1934 - 100.000 Tonträger im Archiv der RRG

1934 verfügte der deutsche Rundfunk über ein Archiv von etwa 20.000 Wachsplatten und 80.000 Schwarzplatten. Mit dem Beginn politischer Sendungen im Rundfunk ergab sich die Notwendigkeit, deren Text zwecks späterer Nachprüfung sicherzustellen.

1932 - Das Schallfolien-Aufnahmeverfahren bei der RRG

Zu diesem Zweck führte die Reichs-Rundfunkgesellschaft im Oktober 1932 das ursprünglich für Amateurzwecke entwickelte Schallfolien-Aufnahmeverfahren ein, nachdem die Aufzeichnungsmaschinen hierfür von G. Neumann den Anforderungen des Rundfunks entsprechend verbessert worden waren.
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1932 - Die Stille-Maschine mit Stahlband geht nicht

Versuche, für nur vorübergehend benötigte Aufnahmen die magnetische Aufzeichnung [254] auf dünnem Stahlband einzuführen (Dr. Stille, 1927/28 [255], hatten wegen der Unhandlichkeit des Materials und der noch erforderlichen hohen Bandgeschwindigkeiten keinen Erfolg.

1934 - Die AEG entwickelt an einem magnetischen Bandgerät

1934 griff die AEG einen früheren Vorschlag von F. Pfleumer [256] auf, statt des Stahl-Tonträgers unmagnetisches, mit pulverförmigem Eisenoxyd (Fe304 = Magnetit) belegtes Band zu verwenden. In Zusammenarbeit mit der I.G. Farbenindustrie wurde ein 40u dickes Acetyl-Zellulose-Filmband („C") von 6,5 mm Breite als Träger für die etwa 20u starke magnetisierbare Schicht entwickelt und 1937/38 erstmalig im Rundfunk verwendet [189]. Dieses Band wurde durch ringförmige, mit einem Spalt von 40 ... 14u Breite versehene Köpfe [295] besprochen und abgetastet.

1940 - der absolute Durchbruch - Das AEG K4

Zur Vormagnetisierung und Löschung diente anfangs Gleichstrom. Durch Löschung und Vorbehandlung der Aufnahme auf „gepulvertem" Schallträger mittels Hochfrequenz [296] konnten v. Braumühl und Weber (RRG) 1940 einen Dynamikgewinn von 15db erzielen und die Qualität der Magnettonaufzeichnung bei einer Bandgeschwindigkeit von 77cm/s so beträchtlich steigern, daß heute etwa 96 ... 100% sämtlicher Musiksendungen des deutschen Rundfunks vom Band abgespielt werden und unmittelbare „Life"-Musiksendungen zu den Seltenheiten gehören.

1941 - Das „Magnetophon" der AEG ist das Maß aller Dinge

Das heute im deutschen Rundfunk allgemein verwandte „Magnetophon" der AEG (Bild 82 und 83) arbeitet zwischen 40 und 10.000 Hz - neuerdings zwischen 30 und 15.000 Hz - praktisch geradlinig. Nur bei den Grenzfrequenzen wird ein
Abfall von 2db zugelassen. Die Ruhedynamik beträgt mehr als 50db linear oder etwa 60db über Ohrkurvenfilter. Die Betriebsdynamik liegt zwischen 45 und 50db.

Großer Mangel an Bändern nach 1945 bis 1949

Diese Werte hängen fast ausschließlich von der Qualität der verwendeten Bänder ab, die insbesondere ab 1947 infolge Fehlens geeigneter Rohstoffe stark absank (über 6.000Hz um etwa 10db), ohne daß die Rundfunkgesellschaften diesem Mangel durch Anhebung des Frequenzganges in den Auf Sprech- und Abspiel Verstärkern ausreichend abgeholfen hätten.

Die Deutschen holen um 1949 schnell auf

Seit 1949 sind die Eigenschaften insbesondere der auf Polyvinylchlorid-Grundlage aufgebauten Bänder („L") erheblich verbessert worden, so daß heute die C-, L- und die ähnlich den C-Bändern aufgebauten F-Bänder in scharfem Wettbewerb stehen.

Für den praktischen Rundfunkbetrieb werden je nach dem Wert der Sendung z. Z. noch zugelassen:

  1. ein Frequenzgang von +4db ... -7db
  2. eine Betriebsdynamik von 55db ... 42db
  3. ein Klirrfaktor von 0,7% ... 4,5%
  4. eine Kopierdämpfung von 55db ... 43db
  5. eine Empfindlichkeit von +8db ... -6db

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- gemessen gegenüber einem durch Vergleichsband festgelegten Wert.
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1950 - Man kann immer noch Unterschiede zum Original hören

Obwohl das Magnetophonverfahren allen anderen Schallspeicherungs-Methoden weit überlegen ist, läßt sich bei der Wiedergabe von Rundfunk-Musik durch einen hochwertigen Breitband-Ortsempfänger - entgegen der im Schrifttum [191] vertretenen Ansicht - noch ein allerdings geringfügiger Unterschied zwischen einer Original-Übertragung und einer Bandsendung feststellen.

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