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Der Deutsche Rundfunk bis zum Inkrafttreten des Kopenhagener Wellenplans (1950)
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Von Gerhart Goebel (Darmstadt / Eberstadt)
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B. Die Entwicklung der Rundfunk-Technik in Deutschland
I. Sendertechnik

a) Hochfrequenz-Technik
1. Erste Bauperiode (bis 0,25 kW)


Am 29. Oktober 1923 um 20.00 Uhr begann der erste offizielle deutsche Rundfunksender (Betriebsleiter A. Schrock) im Vox-Haus in Berlin auf Welle 400m seine Tätigkeit mit einem Eröffnungskonzert. Der in den Werkstätten des TRA vom Personal der DRP auf einer Holz-Schalttafel aufgebaute Sender arbeitete mit einer einzigen Röhre von 1,5kW Schwingleistung (RS15) in induktiver Rückkopplungsschaltung (Bild 8).

Ein Mittelwellensender unterm Dach

Die Antenne war induktiv mit der Variometerspule des Anodenkreises gekoppelt [64]. Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als ob dieser erste Rundfunksender (0,25kW Telephonieleistung) gegenüber dem etwa 1/2 Jahr vorher ebenfalls von Postpersonal erbauten, mit 4 x RS15 in der Endstufe bestückten fremdgesteuerten Langwellen-„Konzertsender" Königs Wusterhausen einen Rückschritt bedeutet hätte. Man darf jedoch nicht vergessen, daß damals noch keinerlei Erfahrungen im Bau stärkerer Mittelwellen-Sender vorlagen und daß außerdem für den überstürzten Aufbau des Vox-Haus-Senders weder Zeit noch Mittel zur Verfügung gestanden hatten.

Damals waren die Röhrentypen absolut "wichtig".

Der Sender wurde um die Jahreswende durch einen vom TRA bei Telefunken in Auftrag gegebenen einstufigen selbsterregten Sender ersetzt, der ebenfalls mit nur einer selbsterregten RS15 über einen Zwischenkreis auf die Antenne arbeitete [65]. Mit diesem ersten Industriesender „Berlin I", der zunächst noch laboratoriumsmäßig auf einem Tisch aufgebaut war (Bild 9) und eine mittlere Trägerleistung von 0,25kW (nach heutiger Rechnung) abgeben konnte, begann die erste sich deutlich abhebende Entwicklungsstufe im deutschen Senderbau, die etwa bis zum Ende 1924 reichte.

Am 1.3.1924 wurde als nächster ein von der C. Lorenz AG. hergestellter, bereits fremdgesteuerter 0,25kW-Sender in Leipzig in Betrieb genommen, der in der Endstufe mit 3 parallel geschalteten RS18 (500W) oder 2 RS 15 bestückt und ebenfalls in (verkleideter) Tisch-Bauart (Bild 10) ausgeführt war [64]. Es folgten rasch hintereinander die Sender München, Frankfurt/M, Hamburg, Stuttgart, Breslau, Königsberg/Pr. und Münster.

Die Sender klebten an einem Stück Brett

Da die Industrie den plötzlich auftretenden Bedarf allein nicht decken konnte, mußten die ersten Sender teilweise vom TRA als Tischsender nach Industrie-Baumustern hergestellt werden. Bei den späteren, fabrikmäßig hergestellten Anlagen dieser ersten Entwicklungsstufe war der gesamte Hochfrequenz-Teil in einem Blechschrank zusammengebaut (sog. „Grude"-Sender). (Bild 11.)

Senderverteilung nach Gießkannenprinzip

Maßgebend für die Wahl der Sender-Orte war das Bestreben, „die Sender so aufzustellen, daß jedem ein ungefähr gleich großes, der angenommenen durchschnittlichen Reichweite der Sender (150km [73]) entsprechendes Gebiet des Reiches als Tätigkeitsfeld zufiel, ... daß namentlich der sogenannte Detektorbereich jedes Senders eine recht große Bevölkerungszahl einschloß" [69].

Aus demselben Grunde wurden die Sender während der ersten Periode grundsätzlich in einem im Stadtkern gelegenen posteigenen oder öffentlichen Gebäude errichtet. Die Zahl der von interessierten Kreisen erbetenen Sender überstieg allerdings um ein Vielfaches sowohl das Bedürfnis als vor allem die wirtschaftliche und technische Möglichkeit [69].

1924 - Zusätzliche Nebensender erforderlich

Außer den oben angegebenen 9 Hauptsendern mußten noch im Jahre 1924 zur Erweiterung des Detektor-Empfangsbereiches in den dicht besiedelten Stadtgebieten von Bremen (20.11.), Hannover (16.12.) und Nürnberg (2.8.) je ein Nebensender von 0,25kW errichtet werden, der anfangs über Freileitungen vom Aufnahmeraum des Hauptsenders besprochen wurde.

Dann wurden sogar eigenen Aufnahmeräume gefordert

Sehr bald nach Eröffnung der Nebensender tauchte aus Hörerkreisen der Wunsch nach eigenen örtlichen Darbietungen auf, so daß auch am Ort der meisten Nebensender behelfmäßige Aufnahmeräume eingerichtet werden mußten.

1924 - Der Sender auf dem Vox-Haus reicht nicht mehr

Noch während der ersten Senderbauphase begannen in Berlin umfangreiche Versuchsarbeiten zur Erhöhung der Senderleistung. Die Reichweite des Voxhaus-Senders „Berlin I" befriedigte infolge der räumlich begrenzten Antennenanordnung nicht. Deshalb übernahm die DRP eine vorhandene gute Antennenanlage der Firma E. F. Huth auf dem Rütgershaus am Magdeburger Platz und stellte dort im April 1924 einen zweiten Sender auf. Da die Lieferzeit für neue Sender damals etwa 1/2 Jahr betrug, mußte das TRA auf einen vorhandenen Sender der Firma Dr. E. F. Huth zurückgreifen, der mit zwei parallel geschalteten Senderöhren von je 500W Schwingleistung in der Endstufe bestückt war und der in der Selbsterregungsschaltung nach Huth-Kühn arbeitete. Röhren und Antennenabstimmittel waren in je einem Eisenblechschrank untergebracht. Die Antenne war ohne Zwischenkreis an das im Anodenkreis liegende Variometer angekoppelt. Der oben erwähnte Sender Königsberg war in gleicher Bauart ausgeführt.

Erstmalig spricht man vom Klirrfakter eines Senders

Der Huth-Sender „Berlin II" übertrug das Berliner Programm auf Welle 505m, während gleichzeitig der Sender „Berlin I" auf Welle 430m arbeitete [66]. Da die beträchtliche Reichweite des Senders II durch einen erhöhten Klirrfaktor erkauft wurde [67], errichtete das TRA am Magdeburger Platz einen dritten Sender mit Zwischenkreis, der mit 3 RS15 in der Endstufe bestückt war, trotzdem jedoch die Reichweite des zweiten Senders nicht ganz erreichte. Dafür war die Übertragungs-Qualität wesentlich besser.

Später wurde auch der Sender „Berlin II" durch einen dem Sender III völlig gleichwertigen Telefunken-Sender ersetzt, während die alte Anlage im Vox-Haus nur noch als Reservesender diente [68].

Wieder Versuche mit einem Maschinensender

Daneben unternahm die DRP in Berlin Versuche mit einem von Lorenz neu entwickelten Maschinensender nach K. Schmidt. Die Hochfrequenzmaschine lieferte eine Grundfrequenz von etwa 7.000 Perioden, die für den Rundfunkbereich durch zwei in Kaskade geschaltete ruhende Vervielfacher um den Faktor 85 ... 122 erhöht wurde [70]. Die erforderliche Frequenzkonstanz von 10 hoch-5 wurde durch einen von K. Schmidt angegebenen, tirillreglerartig arbeitenden Zentrifugalregler [71] erreicht, der bei jeder Umdrehung der Maschine einen Teil des Motor-Feldwiderstandes während einer mehr oder weniger langen Zeit kurzschloß. Der Sender, der einen Wirkungsgrad von etwa 15% besaß, wurde ebenfalls im Rütgershaus aufgestellt, arbeitete jedoch ebenso wie der seit dem 15.8.1925 in München betriebene Lorenz 2KW-Maschinensender nicht betriebssicher genug, so daß diese Versuche aufgegeben wurden.

a) Hochfrequenz-Technik
2. Leistungssteigerung - 1925 bis 1927

Die überraschend günstige Entwicklung des deutschen Rundfunks im ersten Jahre ermöglichte es der DRP, bereits vom September 1924 ab der deutschen Industrie Aufträge zum Bau von Sendern höherer Leistung für Berlin, Hamburg, Breslau, Leipzig (Bild 12), Frankfurt, Stuttgart, Königsberg und München zu erteilen. Damit begann die zweite Phase im Senderbau, die sich von Mitte 1925 bis etwa Mitte 1927 erstreckte.

Man sprach von sogenannten Bauphasen der Sender

Beim Bau der Nebensender markieren sich die einzelnen Bauphasen nicht so klar wie bei den Hauptsendern, weil Nebensender weniger nach einem festen Programm als vielmehr nach dem jeweiligen lokalen Rundfunk-Versorgungsbedarf eingerichtet wurden und weil als Nebensender gelegentlich provisorische Anlagen verwendet wurden oder solche, die bei den Hauptsendern entbehrlich geworden waren.

Phase 2 im Senderbau von Mitte 1925 bis etwa Mitte 1927

Man kann hier die zweite Bauphase etwa vom Anfang 1925 bis Ende 1928 rechnen. In dieser Zeit entstanden die Nebensender Dresden, Dortmund, Kassel, Gleiwitz, Stettin, Kiel, Nürnberg II, Augsburg, Köln, Aachen, Elberfeld, Kaiserslautern, Flensburg und Freiburg/Br. mit Leistungen von 0,25 ... 2 kW.

Im Hinblick auf die günstigeren Ausbreitungsbedingungen wurden die neuen Sender nach Möglichkeit am Rande des Stadtbezirks errichtet und mit dem Besprechungsraum durch eine Freileitung oder später durch ein Spezial-Ortskabel verbunden.

Neu: Zweiteilige Marmor-Schalttafeln

In dem Bestreben, den Aufbau der Sender mehr der üblichen Bauart der Elektrotechnik anzugleichen, ordnete Telefunken Röhren und Abstimmittel hinter einer zweiteiligen Marmor-Schalttafel an, die von einem stilisierten hölzernen Umbau abgeschlossen wurde (sog. „Büffets-Type) (Bild 13).

Die Sender Waren bei Telefunken zweistufig ausgeführt (RS 15 als selbsterregte Steuerstufe, 6 parallel geschaltete RS 15 als Leistungsstufe) und arbeiteten über einen Zwischenkreis auf die Antenne. Die Telephonieleistung betrug etwa 1,5kW [72]. Der entsprechende Sendertyp von Lorenz in Tischbauweise (z. B. Nürnberg II) besaß drei Stufen (RS 18, 2XR'S 15, 8XRS 15) und dementsprechend eine Telephonieleistung von etwa 2 kW (Bild 14).

a) Hochfrequenz-Technik
3. Der Rheinlandsender

Unmittelbar nach Aufhebung des Empfängsverbotes im besetzten Gebiet wurde von der DRP auf Grund von Feldstärkemessungen Langenberg/ Rhld. als Standort für den stärksten bis dahin in Europa errichteten Mittelwellensender festgelegt.

Erste 5kW-Leistungsröhre mit Wasser-Siedekühlung von Telefunken

Der dreistufige Telefunkensender mit 3 wassergekühlten 20kW Röhren RS225 in der Endstufe und 15kW-Trägerleistung wurde am 15.1.1927 in Betrieb genommen. (Die erste 5kW-Leistungsröhre mit Wasser-Siedekühlung war bei Telefunken von H. Rukop und K.W. Haußer bereits 1918 entwickelt worden (Bild 15) [74; 169].

Hier die Details der modernen Technik

Die Fertigung ging später auf die Röntgenröhrenfabrik von Siemens & Halske über, die auf eine spannungsfreie vakuumdichte Verbindung von Glas und Metall, die Ringschmelzung, besonders eingearbeitet war [75]. Die ersten abgeschmolzenen 10kW Röhren mit Wasser-Durchflußkühlung wurden Ende 1928 beim Sender Wien-Rosenhügel verwendet, wobei in den Kühlwasserkreis zur Verhütung von Gleichstrom- und Hochfrequenzverlusten anfangs noch drosselspulenartig aufgewickelte Gummischlauchleitungen eingeschaltet waren.

Die beiden ersten Stufen des Langenberger Senders waren in der üblichen Schalttafelbauart ausgeführt, während die Endstufe und die Antennenabstimmittel frei im Raum aufgestellt waren. Diese „offene" Bauweise wurde später bei allen Telefunken-Sendern beibehalten [76], während die C. Lorenz AG. die „geschlossene" Bauweise, d. h. den Einbau der einzelnen Senderstufen in Metallschränke bevorzugte.

Die Antenne des Rheinlandsenders war zur Unterdrückung von Oberwellen erstmalig kapazitiv an einen Tertiärkreis angekoppelt. Dadurch gelang es, die Energie der ausgestrahlten ersten Oberwelle auf den 10 ~ 5fachen Betrag der Grundwellen-Energie zu reduzieren.

Eindrücke in der Elberfelder Morgen-Zeitung vom 15. 12. 1927

Welchen Eindruck der damals stärkste Sender Europas (Bild 16) auf die Zeitgenossen machte, zeigt ein Bericht von J. Unold-Velbert in der Elberfelder Morgen-Zeitung vom 15. 12. 1927.

„Langenberg sendet"

„Ein Besuch des Senders auf der Hoort - Der Strom wird geformt, verstärkt und moduliert. Vergleich mit einer Rotationsmaschine. - Von J. Unold aus Velbert.
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  • Die beiden Eisentürme hoch im Niederbergischen, die seit einem Jahr Tag für Tag auf Welle 468,8 Musik u. Sprache in harmonischer Abstimmung, klangerschöpfend und klar in den Aetherraum, weit über die Berge und über die Grenzen Deutschlands hinaussenden, - sie sind mit dem Landschaftsbild verwoben. Spitz und rank pfeilen sie 100 Meter frei in die Lüfte ...
  • ... Die Entfernung, die räumliche Weite ist überwunden. Ein Wort, das irgendwo gesprochen wird, ein Lied, das zum Herzen klingt oder ein Ereignis, das die Menschen erzittert, - alles, alles erfüllt die Aetherwellen. Ein Wunder; etwas Unbegreifliches ...
  • Und wie sieht dieses Geheimnis aus? Ist es ein Stoff, den wir mit den Sinnen wahrnehmen können, den wir bildhaft in Dimensionen einteilen? Gewiß es ist Materie, es ist Strom, Elektrizität. Wohl verstehen wir diese unsichtbare Kraft zu nützen, zu werten, - nicht aber in Atome, in Moleküle zu zerteilen, zu zerlegen und destillieren. Das Forscherhirn versagt. ...
  • ... An einem Mittwoch wars, dem allgemeinen Besuchstag des Senders in Langenberg, als wir die steile Höhe der Hoort bestiegen, vorbei am Bismarckturm. Gewaltig wirken die beiden Antennentürme, ein Triumph der Technik, die das Riesenhafte symbolisiert. Unter der Antenne das Sendehaus. Früher, während des Krieges, diente dieses Gebäude als Flugzeughalle. Heute beherbergt es die modernsten Maschinen, die den Strom anstauen, konzentrieren und ihn in abgestimmten Wellen in den grenzenlosen Luftraum senden. ...

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  • Wie sieht es denn im Innern dieses Sendehauses aus? Sind es Riesenmaschinen, die hämmernd arbeiten, einen großen Lärm, ein ewiges monotones Rattern und Schlagen erzeugen? - Ganz das Gegenteil! Kein Lärm, kein Knarren und Maschinenstoßen. Sonntägliche Ruhe, träumende Stille, Weltabgeschiedenheit. ...
  • ... Und warum dies? Der Strom ist kein hartes Eisen, keine flüssige Materie, er ist unsichtbar für das menschliche Auge, ist eine Spannkraft - ein Bruchteil der großen unerfaßlichen Weltkraft. Wir wissen es noch nicht, können es mit unserem Verstände nicht ergründen.
  • ... Das Sendehaus in Langenberg unterhält die Antenne unter Starkstrom, der für Sprache und Gesang destilliert ist bei einer Voltzahl von 12.000 und leitet auf diese Stromwellen die durch die Mikrophonleitung übersandten Darbietungen weiter. Das Langenberger Sendehaus ist also nur ein Vermittler.
  • Die Vermittleraufgabe ist aber nicht leicht. Den Urstoff, die Kraft erzeugt das Sendehaus nicht selbst. Der Strom kommt in einer Stärke von 5.000 Volt aus Kupferdreh, wird zunächst in einen besonderen Raum, den Gleichrichterraum geleitet, und so präpariert, gemodelt und geformt, damit er für die Antenne verwendbar ist. Mit Transformatoren wird der Strom auf 380 Volt reduziert, um ihn dann dem Motor der Gleichstrommaschinen weiterzugeben.

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  • Im Maschinenraum erfolgt nun die Transformation des Stromes auf 12.000 Volt-Stärke.
  • ... Wie in einem Uhrwerk greift die Technik ineinander. Der Beamte, ein Techniker, erläutert uns jeden einzelnen Dynamo ...
  • ... So viel aber prägt man sich ein, daß der Strom von den Technikern hier gebändigt, konzentriert und gestaut wird. Bildhaft gesprochen sehen wir im Maschinenraum also das Staubecken des Strom.
  • Und dann betreten wir den Raum, der die Sendeapparate enthält. ...
  • ... Nicht nur der Strom wird durchgesiebt, von den Schlacken und allem Unreinen geläutert und in Schlauchtrommeln und Röhren moduliert und auf das gesprochene Wort oder den Ton musikalischer Darbietungen abgestimmt, auch das Mikrophonkabel wird verstärkt und abgestimmt, damit die Darbietungen erstens gut hörbar weitergegeben und zweitens nicht verzerrt werden.
  • Hinter der Schalttafel sehen wir ein Gewirr von Drähten, spiralförmigen Apparaten, Schlauchtrommeln, Spulen, Isolatoren, Behältern usw., die alle ihre spezielle Bestimmung haben.
  • ... Nur ein einfacher Draht führt diesen präparierten Kraftstrom aus dem Apparatehaus hoch zur Antenne. 12.000 Volt leitet dieser dünne, einfache Draht weiter.
  • Der Fachmann flechtet als Beispiel des Sendens ein plastisches Beispiel ein. Er vergleicht diesen besonders präparierten und verfeinerten Strom mit der weißen Papierrolle einer Zeitungs-Rotationsmaschine. So wie hier der Satz auf die weiße Fläche übertragen wird, so überträgt das Steuerhaus des Senders die durch das Mikrophonkabel einlaufenden Darbietungen weiter. ..."

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Dieser erste Rheinlandsender wurde später, nachdem Langenberg einen Großrundfunksender erhalten hatte, vorübergehend bei Umbauarbeiten an anderen Sendern als Ersatz eingesetzt. Nach seiner Modernisierung wurde er am 23.12.1935 in Saarbrücken in Betrieb genommen, wo er bis 1945 gearbeitet hat.
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a) Hochfrequenz-Technik
4. Großrundfunksender

Während die Gesamtleistung aller deutschen Mittelwellen-Rundfunksender Ende 1927 nur 35,25kW betrug, nahm Polen Anfang 1928 in der Nähe der deutschen Grenze den Sender Kattowitz-Brynow mit 12kW Leistung in Betrieb, so daß sich die DRP gezwungen sah, die Leistung des benachbarten deutschen Senders Gleiwitz (bis dahin 0,25kW) entsprechend zu steigern. Sie griff auf einen verfügbaren zweistufigen 5kW-Ausstellungssender (selbsterregte Steuerstufe: RS53; Endstufe: 2 x RS250) zurück, der am 30.3.28 als Nebensender von Breslau in Betrieb genommen wurde.

Leistungsstarke Groß-Rundfunksender waren Neuland

Am 27.11.1929 wurde in einer grundlegenden Besprechung beim Rundfunk-Kommissar (vgl. Abs. DId), an der alle am deutschen Rundfunk beteiligten Kreise teilnahmen, im Hinblick auf die Beeinträchtigung des deutschen Rundfunks durch die im Ausland errichteten Großsender von der DRP eine Leistungserhöhung für alle deutschen Hauptsender gefordert. Ein in Südwestdeutschland beschleunigt zu errichtender Groß-Rundfunksender sollte die Unterlagen für die neu zu errichtenden Sender liefern. Unabhängig davon sollten die Bauelemente für weitere Großsender noch vor Inbetriebnahme des ersten Senders in Auftrag gegeben werden [85; 87].

Erste Feldstärkemessungen mit fahrbaren Versuchssendern

Mit Rücksicht auf einen möglichst großen Versorgungsbereich wurden die Standorte für die neuen Großsender durch sorgfältige Feldstärke-Messungen mittels eines fahrbaren Versuchssenders festgelegt. Sie mußten genügend weit von bebautem Gelände, großen Industrieanlagen usw. errichtet werden, damit nicht schon im Nahfelde eine unzulässig große Absorption eintrat. Trotzdem konnte dank der wesentlich höheren Leistung der geplanten Sender in den dicht besiedelten Gebieten der bisherigen Hauptsender-Städte mit einer auch für Detektorempfang ausreichenden Feldstärke gerechnet werden.

Erster 60kW Mittelwellensender

Als erster Großsender wurde am 21.11.1930 Mühlacker in Dienst gestellt. Der SBender besaß 7 Stufen. Als Frequenznormal mit einer Toleranz von ±50Hz diente noch die Eigenfrequenz einer frei hängenden Spule. Die vierte Stufe ließ sich auf Selbsterregung umschalten. Die Schwingkreise der 6. und 7. Stufe erhielten mit Rücksicht auf den geforderten Durchlaßbereich von 30 ... 10.000 Hz wassergekühlte Dämpfungswiderstände. In der Endstufe mußten (mangels geeigneterer Großleistungsröhren) noch 18 wassergekühlte Röhren der Type RS 255 parallel und in Gegentakt geschaltet werden, um die geforderte Telephonieleistung von 60kW zu ergeben. 2 RS 255 waren als Reserve vorgesehen. Die Anoden-Verlustleistung der Röhren wurde durch eine 2Kreis-Rückkühlanlage abgeführt. Der Gesamt-Wirkungsgrad des Senders betrug nur 14% [77].

Erster quarzgesteuerter Mittelwellensender

Als zweiter Großsender wurde am 15.12.1930 der 8stufige Lorenz-Sender bei Heilsberg mit ebenfalls 60kW Leistung in Betrieb genommen, dessen Anfangsstufe erstmalig quarzgesteuert war. Die Frequenzabweichung über mehrere Stunden betrug dabei nicht mehr als 1Hz. Die Endstufe mußte ebenfalls noch mit 18+2 Röhren RS 255 in Parallel- und Gegentaktschaltung bestückt werden. Für den Kühlwasserkreis dienten erstmalig schraubenförmig gewundene Keramikröhren, bei denen nur noch ein Gesamtleckverlust von etwa 0,25% der aufgenommenen Leistung auftrat. Eine 3-gliedrige Siebkette hinter dem Anodenkreis der Endstufe gestattete eine Reduktion der Oberwellen-Feldstärke auf 0,5mV/m, gemessen in 2,5km Entfernung [78].

Neue wassergekühlte Röhren von je 150kW Nutzleistung

Inzwischen ergab sich die Notwendigkeit, mit Rücksicht auf die Leistungserhöhung der benachbarten ausländischen Sender auch die Leistung von Langenberg dem neuen Großsenderstand anzugleichen. Um einen mehrmonatigen Betriebsausfall durch Umbau der vorhandenen Anlage zu vermeiden, errichtete die DRP neben dem bisherigen ein völlig neues Senderhaus mit einem 60kW-Telefunken-Sender (in Dienst gestellt am 20.12.1932), der in seinem Aufbau (Bild 17) dem am 27.8.1932 in Betrieb genommenen Großrundfunksender Breslau (Rothsürben) entsprach.

Dieser Sender enthielt 7 Stufen, von denen die erste durch einen Vakuum-Quarz im Brückenthermostaten gesteuert wurde. Die Frequenzabweichung blieb dadurch innerhalb der Grenzen von ±2Hz. Die 2. Senderstufe ließ sich auf Selbsterregung umschalten. In der Endstufe wurden nur noch 2 neu entwickelte wassergekühlte Röhren RS 267 von je 150kW Nutzleistung in Gegentaktschaltung benötigt (Bild 18). Die Leistung des Senders betrug 60kW, konnte jedoch durch modernere Leistungsröhren auf 100kW erhöht werden [79; 80].

Die Großsender der dritten Bauperiode mit jetzt 120kW

Damit war die endgültige technische Form für die Großsender der dritten Bauperiode gefunden. Die folgenden Sender München, Leipzig, Frankfurt/M., Berlin und Hamburg unterschieden sich von den bisher erwähnten nur noch hinsichtlich der Röhrenbestückung und einiger Einzelheiten der Strom- und Kühl Wasserversorgung (Bild 19).

Leipzig sendet auf Mittelwelle mit 120kW

Leipzig wurde von vornherein mit Rücksicht auf das dicht besiedelte Versorgungsgebiet mit 4 Endröhren RS 267 von je 150kW in Gegentakt-Schaltung für eine Leistung von 120kW gebaut und war damit der stärkste deutsche Mittelwellen-Sender [82].

Der Rundfunksender Frankfurt, dessen Leistung auf 17kW begrenzt worden war, erhielt nur die ersten sechs Stufen eines normalen Großsenders. Die vom RPZ vorgeschriebene absolute Frequenzkonstanz von ±10Hz wurde in allen Fällen mit Sicherheit erreicht. Der Gesamtwirkungsgrad der Großrundfunksender konnte auf 21% im unmodulierten Zustand gesteigert werden [89].

Sender wurden auch wieder abgebaut

Durch den Bau dieser Großsender wurden die Nebensender Dortmund, Elberfeld (1927) und Kiel (1934) überflüssig und konnten aufgehoben werden, während die Nebensender Berlin-O (bis 1933), Trier, Stettin, Koblenz, Reichenbach und Stolp zur Verbesserung der Empfangsbedingungen in den von den Großsendern nicht mit ausreichender Feldstärke versorgten Gebieten neu errichtet wurden, teilweise aus überzählig gewordenen Sendern der zweiten Bauphase (Bild 20).

Fast alle Sender liefern jetzt 100kW

Infolge der Ende 1930 in Europa einsetzenden Erhöhung der Rundfunksender-Leistung sah sich die DRP gezwungen, entgegen ihren auf der Prager Wellenkonferenz 1929 vorgebrachten Forderungen nach einer allgemeinen Leistungsbegrenzung der Mittelwellensender auf 50 ... 60 kW auch ihrerseits die Leistungen der Großrundfunksender bis zu der nach dem Europäischen Rundfunkvertrag von Luzern zugelassenen Höchstgrenze von 100 kW zu erhöhen.
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Noch stärker: Eine neue 300kW Senderöhre

Um die unerwünschte Parallelschaltung von Leistungsröhren zu vermeiden, hatte die Firma Siemens u. Halske in Zusammenarbeit mit Telefunken bereits 1930 mit der Entwicklung einer Groß-Senderöhre (RS 300) begonnen, die einen erheblichen Fortschritt auf dem Gebiete der Senderöhren-Fertigung bedeutete und bis heute noch nicht übertroffen ist.

Die Röhre besaß eine rohrförmige Kathode aus Niob (später aus Tantal), die durch einen koaxial angeordneten Heizkörper mit 35kW bei 17,5V geheizt wurde, wobei der Kathodenzylinder gleichzeitig als Rückleitung für den Heizstrom diente.

Dank dieser halb-indirekten Heizung konnte sich durch den Heizstrom (2.000A) kein nennenswertes Magnetfeld ausbilden, so daß die Röhre unmittelbar mit Wechselstrom geheizt werden konnte, ohne daß eine störende Brummodulation auftrat. Die Röhre konnte bei einer Anodenspannung von nur 10 ... 12kV eine Hochfrequenz-Nutzleistung von maximal 300kW liefern. Sie wurde 1932 zuerst im Deutschlandsender erprobt.

Die 300kW Röhre lebt jetzt 10.000 Stunden

Ende 1933 wurden die Sender Berlin, Mühlacker und München als erste auf diese neue Endröhre umgestellt. Sie wurde später durch die RS 301 (200kW Nutzleistung) ersetzt, die sich gegenüber der Vorgänger-Type durch einen geringeren Heizleistungsverbrauch (25kW), höhere Spannungssicherheit und eine Lebensdauer bis zu 10.000 Stunden und mehr auszeichnete. Sie ist bei den Großsendern der dritten Entwicklungsstufe zum Teil noch heute im Betrieb. [169].

a) Hochfrequenz-Technik
5. Umbausender - (die vierte Entwicklungsphase)

(Die vierte Entwicklungsphase im deutschen Rundfunksenderbau)

Umbausender nannte man die Sender, bei denen man die Sendefrequenz mit geringem Umbau verändern konnte.

Die Wellenlänge der bisher behandelten Großsender ließ sich ohne zeitraubenden Umbau nur um ±5% ändern. Hierin erblickte man 1938 in Regierungskreisen eine Benachteiligung Deutschlands im Falle eines etwaigen Aetherkrieges, und der DRP wurde die Auflage gemacht, für die Großsender die Möglichkeit eines Wellenwechsels innerhalb weniger Minuten vorzusehen. Da diese Forderung bei den vorhandenen Sendern aus hochfrequenztechnischen Gründen nicht erfüllt werden konnte, mußte in den Gebäuden der Sender Breslau, Hamburg, Heilsberg, Mühlacker, München und später auch in Graz je ein völlig neuer 100kW Sender errichtet werden. Damit begann die vierte Entwicklungsphase im deutschen Rundfunksenderbau, die sich von 1939 ... 1941 erstreckte.

Eine neue Frequenz in etwa 10 ... 20 Minuten

Die neuen „Umbausender" (Bild 21) besaßen nur noch 5 Stufen und waren für verschiedene vorgesehene Frequenzen jeweils mit besonderen Steuerquarzen ausgerüstet, während sie sich, auf Eigenerregung geschaltet, in etwa 10 ... 20 Minuten auf jede beliebige Frequenz zwischen 500 und 1.500kHz abstimmen ließen. (Frequenzkonstanz 5 x 10 hoch-5).

Als Endstufenröhre diente in diesen mit Leistungszusatz- (Anodenspannungs-) Modulation ausgerüsteten Umbausendern eine neuentwickelte Röhrentype, RS 366, mit besonders hoher Spannungsfestigkeit und einer Nutzleistung von 70kW (Bild 22). Der Gesamt-Wirkungsgrad der neuen Sender betrug 33% bei unmoduliertem Träger und 40% bei 100% Modulation [154].

1938 - ein Supersender für die Engländer in Ostfriesland

Nach demselben Prinzip war eine Sendeanlage gebaut, die 1938 vom RPM unmittelbar bei Telefunken in Auftrag gegeben wurde. Dieser Mittelwellensender Osterloog (Ostfriesland) sollte an die „Air Time Ltd.", ein englisches Wirtschaftsunternehmen für Reklamesendungen, vermietet werden, da in England selbst Rundfunk-Werbesendungen nicht zugelassen waren. Er erhielt seiner Aufgabe entsprechend eine Richtstrahlanlage mit der Hauptstrahlrichtung nach Westen und konnte bereits im Oktober 1939 - 1 Jahr nach Baubeginn - in Betrieb genommen werden.

Zehn 100kW-Sender für Lang- und Mittelwelle

Das RPM hatte für dieses Wirtschaftsprojekt einen Sender freigegeben, der für eine heute noch phantastisch anmutende Groß-Sendeanlage „X" vorgesehen war: Auf dem Umfang eines Kreises von etwa 1,1km Durchmesser sollten in zuckerhutförmigen Betonbunkern zehn 100kW-Sender der obigen Bauart für Lang- und Mittelwellenbereich in den Stufen 3; 4 und 5 errichtet werden. Diese sollten von einer zentral gelegenen Steuerstufe mit veränderlicher Phase erregt werden. Dadurch hoffte man, mittels der 10 Antennen jedes beliebige Richtstrahldiagramm zu erreichen. Vier derartige Anlagen waren geplant, darunter eine in Bassum, eine in Grünberg/Schl. Sie sind mit Ausnahme einzelner Bauelemente nie ausgeführt worden.

a) Hochfrequenz-Technik
6. Der Deutschlandsender

Eine Sonderstellung unter den deutschen Rundfunksendern nahm von jeher der zentral gelegene Langwellensender Königs Wusterhausen ein. Während der ersten Entwicklungsphase des deutschen Rundfunks übernahm der vom Personal der Hauptfunkstelle gebaute „Konzertsender" zunächst das Programm des Voxhaus-Senders, um dessen Detektor-Empfangsbereich zu vergrößern [90]. 1925 tauchte zum ersten Mal im Schrifttum für einen in Königs Wusterhausen neu zu erbauenden Langwellensender die Bezeichnung „Deutschlandsender" auf [68].

Der Deutschlandsender I von 1,5kW über 5kW auf 35KW ausgebaut

Am 7.1.1926 wurde der 1,5kW Konzertsender ersetzt durch einen 5kW Telefunken-Sender (Schalttafel-Bauart), der sich von den normalen Rundfunksendern der zweiten Bauperiode nur durch 8 Röhren RS 52 in der Endstufe unterschied. (Der gleiche Typ wird heute noch im Küstenfunkdienst verwendet). Dieser alte Deutschlandsender I, der im wesentlichen das Programm des Voxhauses übertrug, wurde am 20.12.1927 durch einen modernen, eigenerregten dreistufigen Sender offener Bauart mit einer Trägerleistung von 35kW ersetzt, der im übrigen dieselbe Schaltung wie der Rheinlandsender besaß. Er war in der Endstufe mit 6 in Parallel- und Gegentaktschaltung arbeitenden Wasserkühlröhren von je 20kW (RS 225) ausgerüstet. Die gesamte Sendeanlage wurde von einem Zentral-Schaltpult aus gesteuert.

Der Deutschlandsender II in Zeesen

Als Standort für den neuen Sender II hatte man den etwa 1/2km von Königs Wusterhausen entfernt liegenden Ort Zeesen gewählt, um gegenseitige Störungen der Sender zu vermeiden [92]. Die Leistung des Deutschlandsenders II wurde Mitte 1931 durch Einbau neuer Röhren auf 60kW erhöht. Diese Leistung konnte jedoch naturgemäß, nachdem gegen Ende der dritten Bauphase die Leistung fast aller deutschen Rundfunksender auf 100kW erhöht worden war, den Ansprüchen nicht mehr genügen, zumal da durch den Europäischen Rundfunkvertrag von Luzern für Landessender eine Höchstleistung von 150 kW zugelassen war.

Der Deutschlandsender III in Herzberg/Elster

Eine Erweiterung der Zeesener Anlage verbot sich aus räumlichen Gründen. Deshalb entschloß man sich nach sorgfältigen Feldstärkemessungen, im Zentrum des zu versorgenden Gebietes, in Herzberg an der Elster, 90km südlich von Berlin, einen völlig neuen Großsender mit verstärkter Leistung zu errichten. Dieser Deutschlandsender III enthielt zunächst zwei gleichartige, aus je einem Steuervorsatz und zwei Hochfrequenz-Verstärker-Stufen bestehende Vorstufen (Betrieb und Reserve) (Bild 23), die wahlweise auf drei parallel schaltbare Endstufen arbeiten konnten. Jede Endstufe (Bild 24) war mit 2 in Gegentakt arbeitenden 20kW-Röhren (RS 250) und 2 Leistungsröhren von 200kW (RS 301) ausgestattet, die in Verbindung mit der Anoden-B-Modulationsschaltung eine Trägerleistung von 165kW lieferten. Diese drei Stufen (Bild 25) arbeiteten über 3 Sekundärkreise auf einen für eine Gesamtleistung von 500kW bemessenen Sammelkreis, der seine Energie über einen Kabeleingangskreis und zwei konzentrische oberirdische Energie-Leitungen (Bild 26) auf die Antenne übertrug.

Der Plan, diesen Sender nach dem Vorbild des Bauvorhabens X durch 10 gleichstarke 500kW-Anlagen zu erweitern oder ihn durch Hinzufügen von 10 Sendern geringerer Leistung zu einem Kreisgruppen-Antennensystem mit schwundmindernder Wirkung im Langwellengebiet auszubauen, ist nicht ausgeführt worden.

a) Hochfrequenz-Technik
7. Fahrbare Sender

Je umfangreicher die Großsender-Anlagen wurden, umso schwieriger gestaltete sich das Problem, beim Ausfall eines Senders infolge notwendiger Instandsetzungsarbeiten oder "höherer Gewalt" (Anmerkung: man nannte es später auch Feindeinwirkung) rasch Ersatz zu beschaffen, um das betroffene Gebiet ohne nennenswerte Unterbrechung mit Rundfunk versorgen zu können und um gleichzeitig zu verhindern, daß die unbenutzte Frequenz etwa vom Sender eines anderen Landes besetzt würde.

Man löste diese Aufgabe anfangs dadurch, daß man von Fall zu Fall einen entbehrlich gewordenen älteren stationären Sender als Ersatzanlage einbaute, was naturgemäß nur bei planmäßigen Instandsetzungsarbeiten, nicht dagegen im Katastrophenfalle möglich war. Bei 25 ständig in Betrieb befindlichen Rundfunksendern erschien daher der Bau einiger sofort einsetzbarer Ersatzanlagen berechtigt, zumal da diese auch für Feldstärkemessungen und andere Sonderaufgaben einsetzbar waren.

Ein 20kW Sender auf 6 LKWs

Das RPZ entwickelte deshalb 1932 einen fahrbaren 6-stufigen 20kW-Rundfunksender, der in seiner endgültigen Form zusammen mit einem 140kVA Diesel-Generator in drei dreiachsigen 10t-Lastwagen (Daimler-Benz) und drei Anhängern mit Spezialaufbau (Gaubschat) eingebaut war. Dazu kamen noch ein geländegängiger Wagen mit einem Teleskop-Antennenmast und verschiedene Hilfsfahrzeuge. (Von dem ursprünglichen Plan, den Sender in Eisenbahnwagen unterzubringen, war man mit Rücksicht auf die abgelegene Lage der meisten Großsender 1933 wieder abgekommen).

1934 zum ersten Male eingesetzt.

Der fahrbare Sender I wurde zum ersten Mal Ende 1934 beim Umbau des Großrundfunksenders Breslau auf 100kW Leistung als Ersatzsender eingesetzt, ebenso Anfang 1935 bei der Umstellung des Senders Leipzig auf neue 300kW-Röhren. Der erste Katastropheneinsatz des Senders fand am 10.10.35 statt, als der Antennenturm des Langenberger Senders durch eine Windhose umgestürzt war.

Fahrbarer Sender Typ II auf 10 LKW

Hierbei stellte sich allerdings heraus, daß die schweren und hohen Fahrzeuge insbesondere im gebirgigen Gelände noch nicht beweglich genug waren. Deshalb wurde vom RPZ ein zweiter Typ eines fahrbaren 20kW-Senders (Bild 27 u. 28) entwickelt, der in 10 geländegängige 3t-Lastwagen und einen Anhänger eingebaut war [193]. Beide Senderausführungen haben sich für Mittel- und Langwellenbetrieb gut bewährt und sind noch heute in Betrieb (u. a. als Telegraphiesender für Pressezwecke oder als alliierte Soldatensender (BFN)). Sie wurden während des Krieges sowohl als Ersatz für vom Gegner zerstörte Sender (z. B. Straßburg) als auch für die Truppenbetreuung eingesetzt.

Ein 100kW-Sender in Eisenbahnwagen

Ein während des Krieges in Eisenbahnwagen eingebauter 100kW-Sender konnte am 23.8.1947 nach stationärem Einbau die Aufgabe des am 25.3.1945 gesprengten Senders Frankfurt/M übernehmen.

a) Hochfrequenz-Technik
8. Kurzwellensender

Anfang August 1926 wurde von der DRP in Königs Wusterhausen der erste 1kW-Kurzwellensender (Telefunken) errichtet. Die Sendeversuche begannen im September auf Welle 52m. Der Sender übertrug normalerweise das Berliner Programm und diente in erster Linie dem damals beginnenden Internationalen Programmaustausch (IPA).

1229 - erster 8kW Kurzwellensender in Zeesen

1929 stellte die DRP im Gebäude des Deutschlandsenders II in Zeesen (Haus 4) einen neuen 7-stufigen-Kurzwellensender (Telefunken) mit Quarzsteuerung in Dienst, dessen mit 2 RS 225 bestückte Endstufe eine Trägerleistung von 8kW lieferte. Der Sender arbeitete im allgemeinen auf Welle 31,38m. Ab 1931 begannen Versuchssendungen auch auf Welle 19,73m [176].


1932 wurde im selben Hause ein ähnlicher, von C. Lorenz gelieferter Kurzwellensender errichtet. In den beiden folgenden Jahren stellte die DRP beide Sender auf neuzeitliche Betriebsanforderungen um, insbesondere auf Wellenwechsel innerhalb weniger Minuten ohne erneute Neutralisation und Einstellung der Telephonie-Kennlinie. [174].

1935 - zwei KW Sender für die Olympiade

Für die Olympischen Spiele 1936 wurde im Jahre 1935 mit dem Bau zweier neuer Senderhäuser (5 und 6) in Zeesen (Bild 29) begonnen, die je 4 von Telefunken und C. Lorenz gelieferte anodenspannungsmodulierte 40kW-Kurzwellensender erhielten. Die Sender (Bild 30) waren für einen Wellenbereich von 15 ... 60m bemessen und besaßen dank der Quarzsteuerung eine Frequenzkonstanz von 10 hoch-6.

Dadurch, daß in allen 7 Stufen die Abstimmittel doppelt vorhanden waren, konnte der Sender bereits auf eine neue Welle abgestimmt werden, solange er noch auf der alten lief [175]. Um jeden Sender auf mehrere Richtstrahler schalten zu können, war in jedem Haus ein nach Art eines Fernsprechwählers gebauter Antennenwahlschalter mit 6 beweglichen Kontaktarmen für je 50kW- Hochfrequenzleistung vorgesehen, an dessen festen Kontakten die zu den Antennen führenden konzentrischen Schalenkabel angeschlossen waren.

4 Draht HF Kabel mit 4 x 10mm Durchmesser

1939 mußten diese Hochfrequenzkabel, da sie den Spannungsbelastungen der anodenspannungsmodulierten Kurzwellensender nicht gewachsen waren, durch Vierdraht-Energieleitungen von je 10mm Durchmesser ersetzt werden (Wellenwiderstand Z = 240 Ohm).

1943 - Deutsches KW Überseeprogramm mit zwei x 50kW

Während 4 dieser Sender für den deutschen Übersee-Rundfunk betrieben wurden, dienten die restlichen vier dem Internationalen Programmaustausch. Da die Anlage während des Krieges den Anforderungen der Reichsrundfunk-Gesellschaft (RRG) nicht mehr genügte, mußte die DRP 1942 in Elmshorn eine neue Kurzwellenstation errichten, die zunächst mit zwei 50kW-Kurzwellensendern der Olympia-Type ausgerüstet wurde. Sie wurde 1943 in Betrieb genommen und strahlte bis zur Kapitulation das Überseeprogramm der RRG aus. Nach dem Kriege übertrug der eine dieser Sender vom 11.3.46 bis zum 21.1.1947 das Programm des British Forces Network (BFN) und seit dem 23.3.47 das Programm des Nordwestdeutschen Rundfunks auf 6115 kHz. Der zweite Sender dient heute dem kommerziellen Funksprechverkehr mit Südamerika.

1940/42 kamen 4 weitere KW Sender von Marconi (Radio-Slavia-Prag)

Um den wachsenden Anforderungen des ehemaligen Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda an Sendern für den Übersee-Funkdienst entsprechen zu können, sah sich die DRP 1940/42 genötigt, auf dem Gelände des Großrundfunksenders München-Ismaning in zwei neu errichteten Gebäuden noch 4 Kurzwellensender von 75 ... 100kW aufzustellen. Da die deutsche Senderindustrie damals nicht mehr genügend lieferfähig war, mußte die DRP diese Sender (Wellenbereich von 60 ... 13m) von der Firma Radio-Slavia-Prag, einer Tochtergesellschaft der Marconi Wireless Co, käuflich erwerben. Sie dienen heute als European Relais Base (ERB) des OMGUS der Übertragung der „Stimme Amerikas".
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Die von der DRP ursprünglich vorwiegend für den Übersee-Funksprechdienst geplante Sendeanlage in Oebisfelde, die 1945 acht 100kW-Kurzwellensender, zwei 20kW-Sender und einen 5kW-Sender enthielt, während einige 100kW-Sender (Thomson-Houston) sich noch im Bau befanden, wurde vom ehemaligen Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda fast ausschließlich für Propaganda-Rundfunk eingesetzt. Die Anlage wurde nach dem Zusammenbruch teils demontiert, teils gesprengt.
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a) Hochfrequenz-Technik
9. Wiederaufbau nach 1945

Während der letzten Entwicklungsphase im Rundfunksenderbau, die 1945 begann, mußten zunächst die durch den Krieg unmittelbar und mittelbar verursachten Schäden behoben werden. Völlig zerstörte Anlagen - wie z. B. der Sender Langenberg I - wurden ausgeschlachtet, ihre noch brauchbaren Einzelteile anderen Sendern - Mühlacker und Osterloog - zur Verfügung gestellt.

Den ersten Notbetrieb ermöglichten in einigen Fällen, u. a. in Frankfurt/M, kleinere fahrbare 1kW-Sender der Besatzungsmacht. Der normale Sendebetrieb wurde 1945 z. T. mit fahrbaren 20kW-Sendern der DRP wieder aufgenommen, die stellenweise - z. B. in Langenberg - im Sendergebäude fest eingebaut wurden.

Teilweise zerstörte Anlagen wurden größtenteils vom Senderpersonal, anfangs mit Hilfe ortsansässiger Firmen, später unter Mitwirkung der eigentlichen Senderbaufirmen wieder in Stand gesetzt, wobei oft mit behelfsmäßigen Mitteln gearbeitet werden mußte. Andere Anlagen konnten aus aufgefundenen Vorratsbeständen für das Bauvorhaben „X" ergänzt werden.

Mangel an Hochleistungs-Senderöhren im Verein mit autarken Bestrebungen zwangen Radio-München 1946 dazu, den 100kW-Sender München I zeitweise statt mit der Endstufe nur mit der vorletzten Stufe, d. h. mit etwa 1/10 der Nennleistung zu betreiben.

Senderöhren waren nach 1945 extrem knapp

Senderöhren mußten teils aus Beständen der ehemaligen deutschen Wehrmacht entnommen werden, teils wurden sie mit Lastwagen der Besatzungsmächte, später mit deutschen Eisenbahntransporten oder mit Flugzeugen der Luftbrücke aus Berlin geholt. Daneben wurden von der Britischen Besatzungsmacht aus England deutsche Nachbau-Senderöhren importiert.

Der Wiederaufbau der Sender, die Durchführung des Sendebetriebes und insbesondere die Organisation des Nachschubs erforderten sowohl vom Senderpersonal als auch vor allem von den durch den Krieg entwurzelten Angehörigen der Nachfolgebehörden des ehemaligen Reichspostzentralamts vor der Währungsreform vielfach übermenschliche Anstrengungen, die man nur dann richtig würdigen kann, wenn man berücksichtigt, daß der Ernährungssatz für die deutsche Bevölkerung in den Jahren 1945/1947 z. T. kaum 1000 Kalorien je Tag betrug.

Die Zeit von 1945 bis 1949

Von den Besatzungsmächten wurden bis Ende 1949 etwa 12 teils fahrbare, teils stationäre Soldatensender errichtet, die teilweise im Gleichwellenbetrieb arbeiteten. Außerdem wurden 8 frühere deutsche Sender für Zwecke der Besatzungsmächte eingesetzt. Die durch den Ausfall und teilweisen Gleichwellenbetrieb deutscher Großsender entstandenen Versorgungslücken versuchte man während der 5. Entwicklungsstufe durch den Bau von 14 neuen Mittelwellen-Sendern (2 ... 20kW) auszufüllen. Diese Sender (Bild 31 u. 32) waren, soweit es sich um Neubauten handelte, durch die Entwicklung neuer Röhren, u. a. einer luftgekühlten 10kW-Triode (RS 720) (Bild 33) hinsichtlich ihres technischen Aufbaus in gewissem Sinne normalisiert.

In der Planung dieser letzten Senderbau-Epoche ist mit Ausnahme des UKW-Rundfunks heute noch kein System zu erkennen.

a) Hochfrequenz-Technik
10. Ultrakurzwellen-Sender

Die ersten Versuche mit einem Ultrakurzwellen-Hörrundfunk wurden vom Reichspost-Zentralamt in Berlin bereits 1931 mit 2 amplitudenmodulierten UKW-Sendern von je 300W Trägerleistung auf den Wellen 6,75 und 7,50m ausgeführt. Sie zeigten, daß Sender der genannten Leistung genügten, um auch in Städten mit ausgedehntem Weichbild Lautsprecherempfang mit einfachen Geräten zu ermöglichen [170].

1932 - Erfahrung mit UKW Fernsehsendern in Berlin

Der im Sommer 1932 von der DRP in Berlin-Witzleben errichtete 3 kW-Fernseh-Sender (Telefunken) auf Ultra-Kurzwelle 6,985m übertrug, solange er nicht mit Fernsehbildern moduliert wurde, ständig die Darbietungen des Berliner Rundfunks.

Nach der Zerstörung dieses Senders durch den Brand der Funkausstellung am 19.8.1935 wurde von der DRP das Problem des UKW-Hörrundfunks nicht weiter verfolgt, da man inzwischen im hochfrequenten Drahtfunk ein insbesondere für den Hörer wirtschaftlicheres Mittel zur Rundfunkversorgung gefunden hatte.
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1948 - Deutschland muß umdenken auf UKW - im Nachhinein ein Glückstreffer

Erst im Jahre 1948 wurde unter dem Zwange des bevorstehenden Kopenhagener Wellenplanes die Frage des UKW-Rundfunks von den nunmehr nach dem Willen der Besatzungsbehörden für die Rundfunkversorgung Deutschlands zuständigen Rundfunk-Anstalten wieder aufgegriffen [191].

Am 28.2.49 wurde der 0,25kW UKW-Sender München-Freimann (Rohde u. Schwarz) auf 90,1 MHz, am 1.3.49 der 0,1kW UKW-Sender Hannover (Telefunken) auf 88,9 MHz in Betrieb genommen. Es folgten die Sender Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Kassel, Nürnberg, Würzburg und Köln, sämtlich im 3,3m-Band (Bild 34 u. 35). Ende April 1950 sollen etwa 40% der Rundfunkhörer Gelegenheit haben, am UKW-Rundfunk teilzunehmen [301].

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