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Über das Innenleben des Marantz 4400

Voll und dicht gedrängt

Der Marantz 4400 war der Luxusliner der 1974er Marantz Linie. Außen war das ein tolles Gerät und mit dem grün flimmernden Scope sehr beeindruckend. Auch die publizierten technischen Daten konnten hungrig machen. Über das Innenleben wußten wir viel zu wenig und an das Service-Manual dachte auch niemand, weil man ja sowieso keine 4500.- DM oder mehr - nur zum Spielen - übrig hatte.

Erst in der Hifi-Stereophonie 4/1976 erschien ein Test, doch da waren fast alle unsere Hifi-Gelüste bereits befriedigt und QUADRO war bereits schon wieder "out". Karl Breh äußert sich zwar sehr angetan von diesem schweren Quadro Teil und lobte die quadrophonische Wiedergabe mittels externer Decoder, doch über die echten High-End Stereo Qualitäten sagt er nichts.

Schade ist auch, daß er keinen Blick in und auf das Innenleben geworfen hatte. Denn dort gibt es die meisten Höhen und Tiefen.
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Kein Geheimnis : Jedes Gerät geht auch mal kaputt.

Und dann ist zumindest zur Fehlerdiagnose ein Blick auf den Schaltplan erforderlich. Was funktioniert eigentlich wie ?

Nach dem Durchlesen des Tests
bin ich aber genauso schlau wie vorher. Im Benutzer-Handbuch steht zwar auf Englisch und Französisch drinnen, wie man was anschließen muß und wie man UKW mit FM-DOLBY empfangen kann und wie QUADRO funktioniert. Doch erstens hatten wir nie FM-DOLBY und dann war QUADRO schon wieder vergessen. Und was es mit den 4 Endstufen bei 2-Kanal Stereo auf sich hat, ist nebulös. Nur, was man nicht machen soll, ist ausführlich beschrieben. Dazu das Auspacken und die technischen Daten. Doch das reicht nicht.
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Also erst mal kein FM DOLBY und kein QUADRO

So möchte ich den 4400 als reinen UKW-Stereo Receiver betreiben (und verstehen) und suche die 50uS Deemphasis UKW Einstellung. Fehlanzeige, es gibt nur 75uS und 25uS. Aha, und was mache ich nun ? Karl Breh hatte zwar einen linearen Frequenzgang entsprechend unseren 50uS gemessen und bestätigt, sagte aber nicht, welche der beiden Stellungen damals gewählt war.

Ich schaue da lieber in den Schaltplan rein. Der war bei dem Benutzer- Handbuch dabei. Doch jetzt wird mir leicht übel. Alle Platinen (und damit die Schaltungen) haben Code Nummern und es gibt davon sehr viele. Ohne ein zusätzlich vorhandenes Service-Manual und der Aufschlüsselung der Funktionen mit diesen Code- oder Platinennummern ist der große Schaltplan (mehr als DIN A3 groß) reine Makulatur, fast wie eine ägyptische Tapete.
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Sehr viel Mühe beim Entziffern der Zusammenhänge

Jetzt bin ich ja wirklich kein Anfänger mehr bei der Betrachtung komplexer Schaltpläne. Doch hier hat jemand einen Plan gemacht - gezeichnet, den "die Anderen" nicht vestehen sollen. Soetwas hatte ich bislang noch nicht gesehen. Der Plan des Kenwood 7200 ist auch etwas konfus, doch der hier schlägt alles.
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Alleine das Nachvollziehen der Umschaltung von 220 Volt auf 240 Volt, eigentlich eine besonders leichte Aufgabe, ist nervtötend. Bei einem Reparaturgerät wird das geregelte Netzeil sehr sehr heiß. Jetzt herauzufinden, wer (von den Reglern) welche Spannung auf welcher Platine erzeugt und an welchem Pin anliefert, ist eine Lebensaufgabe. Das ist natürlich schade, denn dann wird solch eine "Reparatur" unsinnig.
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Es gibt sogar ein Funktionsdiagramm

Aus dem Funktionsdiagramm des Benutzterhandbuches kann man sich ein paar Einzelheiten herauslesen und sein eigenes Diagramm beginnen. Jedenfalls wird ein Teil der Spannungen des Netzteils angeführt. Die anderen Spannungen muß man wieder woanders suchen.

Auch wie die Brückenschaltung der beiden (2 x 50 Watt) Stereo Endstufen zu zwei echten Stereoverstärkern mit dann 2 x 125 Watt wirklich funktioniert, ist nicht erläutert. Und warum diese "gebrückte" Schaltung nur noch mit 8 Ohm Boxen und nicht mit 4 Ohm Lasten laufen solle, ist ebenso schleierhaft. Gerade bei solchen Brückenschaltungen wird die Stabilität der Ausgangsstufen deutlich verbsssert - siehe QUAD 303 und CROWN DC-300A und andere.

Im Service Manual sieht es nicht gut aus

Von einem Service-Manual erwarte ich, daß im Schaltplan Meßpunkte eingetragen sind, die ich auf den Platinen-Zeichnungen und/oder im Gerät ganz einfach finde. Ohne Meßpunkte mit definierten angegebenen Werten ist ein Kontrolle oder Justage zum Beispiel von Ruheströmen in Endstufen sehr schwierig - siehe Canton Aktiv-Boxen. Und wenn die Suche nach solchen Punkten Stunden dauert und ein enorme Kreativität des Denkens voraussetzt, läuft da etwas schief.

Die andere Seite der Medallie wäre natürlich - sehr ähnlich dem CROWN DC-300A und dem BOSE 1800/1801 Verstärker - , daß man eine sehr intensive Schulung brauchte, um mit diesen Boliden und der dort angewandten Technologie und deren Konzepten warm zu werden. Die zwei genannten Verstärker waren nur von ganz wenigen Spezialisten wieder erfolgreich zu reparieren. Und beide "Spezialisten" sind seit Jahren nicht mehr unter uns.
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Sehr schade - eigentlich heißt das : Finger weg vom 4400

Der schwere Brummer ist beeindruckend und gefährlich zugleich. Man kann Stunden damit verbringen, durchzublicken, weil man sich nicht eingestehen will, daß man es nicht verstanden hat. Ohne vernünftige Unterlagen (oder das Wissen darum) ist man schlicht überfordert.
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