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1965 - Der große Schallplattenkatalog.

Sehr ähnlich - der dicke und schwere Schallplattenkatalog von 1968
alles Platten aus der Zeit ab 1969

Der große deutsche Schallplattenkatalog wiegt ein paar Kilo. Er ist groß wie ein Adreßbuch, 1567 Seiten stark, bereits durch zwei Nachträge ergänzt. Er enthält (registriert) über 20.000 Langspielplatten.

Sie sind unter mehr als siebzig Etiketten (wir sagen heutzutage Labels dazu) erschienen, werden von mehreren Dutzend Firmen vertrieben. Dabei sind die Programme der Importdienste, der Schallplattenhändler mit Auslandsbeziehungen, noch nicht vermerkt.

Das breite deutsche Plattenrepertoire wird durchschnittlich um 408,5 neue Platten im Monat erweitert. Angebot und Umsatz sind größer als je zuvor in der sechzigjährigen Geschichte der Platte.

Ein paar Tips für den Aufbau einer "Diskothek"

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  • Anmerkung: Damit ist aber keine "Disco" der damaligen Zeit gemeint, man könnte es sonst vermuten. Es geht um eine Plattensammlung.

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Statistiker haben (Anmerkung: in der Zeit um 1965) ausgerechnet: Jeder 18. Bundesbürger - ob Greis oder Baby - „hortet" Schallplatten. Jedoch vermuten Vertriebsfachleute der großen Plattengesellschaften, daß ihre Kunden zwar die Platten aufheben, aber nur eine Minderheit begonnen hat, Schallplattenbestände zu Diskotheken zu organisieren. Die Industriemänner geben allerdings auch zu, daß viele Händler, Produzenten und Importeure wenig getan haben, um Plattenkäufern das Sammeln zu erleichtern, sie durch die verwirrende Fülle des Katalogs zu führen.


Sie überschütten vielmehr die Kunden mit Prospekten, Buchblättern, Werbeschriften, um zu verkaufen. Und Leitfäden für Sammler, Fahrpläne für die Einrichtung von Diskotheken erschienen nur ganz gelegentlich, gehen meist im Reklamewust unter.

Über siebzig Etiketten (Anmerkung: Labels / Anbieter)

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  • Wie können sich nun Laien unter über siebzig Etiketten (Anmerkung: Heute sagt man Labels dazu) zurechtfinden?
  • Wo lernen sie, Angebote richtig zu lesen?
  • Wer sagt ihnen, welche Produktionen technisch einwandfrei sind?
  • Von wem erfahren sie, welche Aufnahmen in ihre Sammlung passen?
  • Woran erkennen sie alte, woran neue Offerten?
  • Wer gibt ihnen Richtlinien für die Anlage ihrer "Diskothek"?
  • Werden im Handel komplette Plattensammlungen angeboten?
  • Gibt es vollständige Reihen mit Musik einzelner Komponisten?
  • Wieviel dürfen Schallplatten großer Interpreten kosten?

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Erst einmal die "ernste" Musik

Vorweg: Hier ist ausschließlich von ernster Musik die Rede. Für die Käufer dieser Aufnahmen, die von Schallplattenexperten kurz als „E-Musik" klassifiziert werden, schlägt Teldec-Sprecher H. J. Weritz dieses Ordnungsprinzip vor: „Eine Diskothek sollte nach Stilkreisen aufgeteilt werden:

  • Alte Musik,
  • Vorklassik,
  • Wiener Klassik,
  • Romantik,
  • Impressionismus,
  • Musik unserer Zeit,
  • Oper.


Und aus jeder Zeit sollten die wichtigsten Kompositionen mit typischen Werken vertreten sein."

Warum so verwirrend und kompliziert ?

E-Musik kostete richtiges Geld, von49.-DM angefangen
bis hoch zu über 250.- für eine Opern- oder Konzert- Kassette

Zweifellos setzt es ein Studium voraus, sollen diese Forderungen an Sammler erfüllt werden. Indes, sind Offerten auch allgemein verwirrend, historische Übersichten kompliziert, es gibt ein paar Industriefirmen, die ihr fülliges Repertoire so übersichtlich vorsortiert haben, daß Teile leicht in Plattensammlungen übernommen werden können.

Musterbeispiel: Die „Archivproduktion" der Deutschen Grammophon Gesellschaft, die mit wissenschaftlicher Akribie ältere musikalische Literatur dokumentarisch archiviert hat.

Und noch eine neue Zusammenstellung des gleichen Hauses ist soeben erschienen: Musik und Dichtung, eine 48 Seiten lange Sammlung wichtigster Werke von 24 Komponisten, ergänzt durch Biographien, knappe musikgeschichtliche Betrachtungen. Die Porträts passen in jede Diskothek.

Die Hamburger Teldec

Die Hamburger Teldec hat unter dem Sammelbegriff „Musik und ihre Zeit" eine luxuriös ausgestattete Reihe begonnen. Jede Kassette ist ergänzt durch einen „Kulturfahrplan": „Musik aus der Zeit King James L", Werke von Josef Haydn, Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Bachs Brandenburgische Konzerte, auf Originalinstrumenten gespielt, „Musik am Elisabethanischen Hof", werden durch illustrierte Textbücher über Kultur und Politik in „ihre geistesgeschichtliche Umgebung" gestellt.

Und mit der zweiten Teldec-Reihe „Mit Musik leben" erschienen ebenfalls spezielle Komponistenporträts, jeweils aus fünf Langspielplatten, so verpackt, daß sie auch im Bücherschrank untergebracht werden können. Extrareihen und Sammelprogramme ergänzen die allgemeinen Firmenkataloge. Sie sind geeignet, Diskotheken durch Spezialabteilungen anzureichern.

Die Deutsche Grammophon Gesellschaft

So bietet beispielsweise die Deutsche Grammophon Gesellschaft Russische Gesänge an: „Choräle zum Jahreswechsel", „Geistliche Chormusik aus Rußland", „Gesänge der Kosaken", „Lieder vom Don", außerdem eine Jugendserie für Kinder von vier Jahren an. Prominente „erzählen ihr Leben", unter ihnen Oskar Kokoschka, der Maler; Dietrich Fischer-Dieskau, der Bariton, und Willy Haas, der Kritiker.

Sehr speziell sind die DGG-„Schallplatten zum Mitmusizieren": Der bekannte Pianist Erik Werba spielt Mozart-, Strauß-, Wolf- und Schumann- Lieder „Zum Mitsingen für Sopranstimmen"; „Hausmusik" erschien unter den Titeln „Spiel mit auf deiner Blockflöte", „Spiel mit auf deiner Geige", „Spiel mit auf deiner Gitarre". Und schließlich stellte Prof. Dr. Michael Alt eine „Musikkunde in Beispielen" zusammen, die er verständlich kommentiert. Alle in Deutschland vertretenen Schallplattengesellschaften haben ein fülliges Opernrepertoire.

Die Kölner Electrola

Die Kölner Electrola, die als Tochter des EMI-Konzerns das weltgrößte Opernrepertoire auf Schallplatten anzubieten vermag, hat auf Grund der jüngsten Besucherstatistiken der deutschen Bühnen nun versucht, die Käuferwünsche analysieren zu lassen.

Fazit: 33 Prozent der Schallplattenliebhaber möchten Opernaufnahmen besitzen. Und angesichts dieser Erkenntnis startete die Electrola zum Herbst mit dreißig neuen Querschnitten eine Opernaktion, die auf bald hundert Aufnahmen erweitert werden soll.

Die Deutsche Grammophon Gesellschaft setzt dieser massiven Offerte ein ständig wachsendes Repertoire gegenüber. Und die Teldec legt unter dem Titel „Oper der Welt" alle wichtigen Aufnahmen in Ausschnitten mit Weltprominenz vor.

Die Klassik von Electrola

Der Hinweis auf das tönende Museum der Electrola ist allerdings unerläßlich. In der Serie historischer Platten „Unvergänglich - Unvergessen" veröffentlichte sie jetzt die Folge 200: Mozarts „Hochzeit des Figaro", eine Inszenierung des Theaters in Glyndebourne aus den dreißiger Jahren mit dem Berliner Dirigenten Fritz Busch. Im Mitschnitt dieser 52 Meilen südlich von London gegründeten Emigrantenbühne singen Roy Henderson (Graf), heute Professor an der Königlichen Akademie für Musik in Lodon, Aulikki Rautawaara (Gräfin), heute Konzertsängerin, Audrey Mildmay (Susanne), Gattin des Mäzen dieses Festspielensembles, und Willi Domgraf-Fassbaender (Figaro), heute Oberspielleiter in Nürnberg.

In dieser Serie der Platten mit Patina erschienen bereits drei Mozart-Opern aus Glyndebourne: unter der musikalischen Leitung von Fritz Busch „Don Giovanni" und „Cosi fan tutte", unter Sir Thomas Beecham „Zauberflöte" mit Helge Rosvaenge und Erna Berger.

Mehrere tausend Opern-Querschnitte

Verständlich, daß Opernfans angesichts solcher Angebote und der Ankündigungen von ein paar tausend Querschnitten versichern, das Opernprogramm fülle eine separate Diskothek.

Eine LP zwischen 21 und 25 Mark

20 technisch sehr billig gemachte Diso-Hits für DM 22.-

Der Preis für Aufnahmen mit „E-Musik" schwankt im allgemeinen zwischen 21 und 25 Mark. Eine Diskothek, die aus 100 Schallplatten besteht, hat also zwischen 2100 und 2500 Mark gekostet.

Die Deutsche Grammophon Gesellschaft in Hamburg beobachtete nun über drei Jahre Preiskritik und Kaufgewohnheiten von 5000 deutschen Haushaltungen. Das Ergebnis ihres Tests: Sie startet jetzt unter dem Etikett „Heliodor" eine Klassikreihe, in der die 30-cm-Langspielplatten für 9,80 Mark angeboten werden.

Jetzt auch ab 16.- bis 9,80 DM

Die Teldec ist ebenfalls zu dem Schluß gekommen, daß vor allen Dingen jugendliche Sammler billigere Plattenreihen erwarten. Sie stellte unter dem Titel „Meister der Musik" interessante Aufnahmen von Bach bis Strawinskij zum Preise von 16.- D-Mark je Platte zusammen.

Und auch die anderen Firmen haben Serien aufgelegt, in denen die 30cm-Platten „um zehn Mark" kosten. Das heißt: Eine Diskothek aus hundert Platten ist heute schon für rund 1000 Mark aufzubauen.

Fazit:

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  • Wenn Sie eine Plattensammlung (Diskothek) einrichten wollen, stellen Sie zunächst einen genauen Organisationsplan auf.
  • Wählen Sie für Ihre Diskothek die Komponisten und Werke der Stilkreise aus, die Ihrem Geschmack entsprechen, gleichzeitig aber die Sammlung komplettieren.
  • Lassen Sie sich entweder vom Fachhändler oder direkt von den Schallplattenfirmen Prospektmaterial geben. Die meisten Firmen haben ihr Angebot bereits für Schallplattensammler vorsortiert.
  • Prüfen Sie die Plattenpreise. Auch die Aufnahmen der „billigen" Serien können für Ihre Sammlung interessant sein.

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