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25 Jahre Hifi - Entwicklung der "Highfidelity" - ein Rückblick

Jan 2013 - von Gert Redlich - Diese Rückblicke gab es 1980 auch schon, nur aus einem anderen Blickwinkel. In der ELO 1980 Heft 9 fanden wir diesen Artikel, der ein wenig den Gang der Dinge nachzeichnte, der bis 1980 die Hifi Fans bewegt hatte.

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25 Jahre Hifi - lautet die Überschrift in der ELO.

Dieser Verstärker war 1959 eine kleine Sensation. Nur 11 cm x 11 cm x 12 cm groß, mit 20 Transistoren bestückt, leistete er 2 x 5 W. Er spielt noch heute.

Ein Artikel inder ELO 1980, Heft 9 von Winfried Knobloch im Jahr 1980.

Wer war zuerst da - das Ei oder die Henne?
Bei „Hi-Fi" läßt es sich nachweisen - die „Henne".

Studiotechnik gab es bei uns schon längst bevor dafür aus den USA der Begriff „Hi-Fi" einsickerte. Da er sich leichter ausspricht als Studiotechnik, schlich er sich allmählich in den Sprachgebrauch ein. Wann er zum erstenmal in einer deutschen Fachpublikation auftauchte, ließe sich - mühsam zwar - gerade noch feststellen. Trotzdem ist dies nicht gleichbedeutend mit der Einführung der Hi-Fi-Technik. Denn erst die Einführung auf breiter Basis machte den Begriff „Hi-Fi" und die damit zusammenhängende Qualität allgemein bekannt. Und dieser Zeitpunkt liegt genau fest.

Es war die „Große Deutsche Rundfunk-, Fernseh- und Phonoausstellung 1955", die vom 26. August bis zum 4. September 1955 in Düsseldorf stattfand - auf den Tag genau vor 25 Jahren!
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Die ELO war eine Bastler Zeitschrift, die später in der Funkschau aufgegangen ist.

Bevor wir berichten, was unsere „Mutter", die FUNKSCHAU, in Heft 19/1955 dazu schrieb, müssen wohl die jüngeren unter unseren Lesern darüber aufgeklärt werden, daß wir uns 1955 noch im Röhrenzeitalter befinden, wenn auch in den Industrielaboratorien ganz vorsichtig mit den noch über 30DM teuren Germanium-Kleinsignal-Transistoren gearbeitet wird.

Stereo ist nur aus wissenschaftlichen Berichten bekannt und wird sich erst drei Jahre später (Anmerkung: also etwa 1958/59) ganz zaghaft einführen. Trotzdem versucht sich die Unterhaltungselektronikindustrie, die immer noch Radio- und Fernsehindustrie heißt, in Pseudostereofonie.
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3D oder Stereeo, wer hatte da 1955 Ahnung ?

Grundig 3D Klang 1955

"3D" ist gerade das Schlagwort, und jeder Hersteller baut in die Gehäuse im Gelsenkirchner Barock Seitenlautsprecher ein oder aber auch nur Schallführungen aus Pappe. Es gibt aber auch schon Schallsäulen, die unseren heutigen Lautsprecher- boxen wenigstens äußerlich ähneln, Baßreflexboxen und vor allem Leistungsverstärker - röhrenbestückt natürlich -, die unserer heutigen DIN 45500 alle Ehre machen würden.

Aber die kam erst sehr viel später. Und es gab schon hervorragend geschnittene Mono-Schallplatten, wie die Demonstrationsplattenserie „Studie in High Fidelity" von Capitol, mit denen man schon 1955 eine recht gute Vorstellung dessen bekam, was erst ein Jahrzehnt später Allgemeingut wurde. Stereo hatte man zwar noch nicht gehört, aber man vermißte es.

Die Technik war dennoch weit fortgeschritten

Wer diesen Röhrenverstärker besaß, war glücklich. Der Stereoverstärker VS-56 von Klein + Hummel leistet 2x19 W und hatte schon einen Entzerrerverstärker für magnetische Tonabnehmer.
Auch aus dem Jahre 1955 stammt dieses „gefaltete" Exponentialhorn für 21cm-Lautsprecherchassis. Mit 360L Volumen hatte es eine untere Grenzfrequenz von 28Hz, und es brachte einen beachtlichen Wirkungsgrad. Unser Prinzipbild zeigt den Schallweg.

Plattenspieler- und Verstärkertechnik hatten schon damals einen Stand, der sich zumindest bei den Hi-Fi-Geräten auch heute noch neben dem der heutigen Geräte hören lassen kann. Man erreichte es mit schweren Motoren, magnetodynamischen Tonabnehmern (!) und mit kunstvollen Gegenkopplungsschaltungen in den oft schon in Steuer- und Leistungseinheiten getrennten Röhrenverstärkern, wie beispielsweise mit Schirmgittergegenkopplung (Ultralinearschaltung) in der Gegentaktend-stufe. Leistung war mehr ein Problem der Transformatoren und Übertrager, deren Massen den Chassis-Konstrukteuren mehr zu schaffen machten als die Röhren. Hier gab es für jede Leistungsklasse welche.

Und wenn man bedenkt, daß der dynamische Lautsprecher auch heute noch dominiert, kann man sich vorstellen, daß die Ergebnisse von 1955 auch heute noch selbst von verwöhnten Zuhörern akzeptiert werden würden. Aber schauen wir noch einmal in die schon erwähnte FUNKSCHAU.

Da findet sich in der Funkausstellungsberichterstattung eine ganze Seite unter der Überschrift „Hi-Fi-Technik". Und nicht weniger als sechs Firmen werden mit ihren Produkten namentlich aufgeführt.

Darunter finden sich solche technische Neuheiten wie die „eisenlose Endstufe" von Philips für 800-Q-Lautsprecher, kombinierte Mit-Gegenkopplung von Klein & Hummel und ein Eckenlautsprecher. Der weitere Weg war vorgezeichnet.

Heute ist „Hi-Fi" aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, obwohl kaum einer weiß, wie man es richtig ausspricht. Die Amerikaner, praktisch veranlagt wie sie nun einmal sind, sprechen es phonetisch „hai-fai" aus. Wir Deutsche neigen mehr dazu, es „hai-fie" auszusprechen. „Das ist schon richtig", meinte ein englischer Freund zu mir, „dann mußt Du es aber ,high fee' schreiben." Was wörtlich hohe Gage bedeutet. Wie wahr!
Winfried Knobloch im Jahr 1980
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Und so führte sich Hi-Fi allmählich ein

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  • 1949
    wurden die ersten UKW-Sender in Betrieb genommen. Senderseitig war es schon Hi-Fi, die Empfänger ließen noch arg zu wünschen übrig.
  • 1953
    wurden Langspielplatte und Füllschriftverfahren eingeführt. Ihre volle Qualität konnte vorerst aber nur mit Studioplattenabspielgeräten ausgenutzt werden.
  • 1955
    war es soweit. Auf der Funkausstellung in Düsseldorf wurden die ersten Geräte gezeigt, die Hi-Fi ins eigene Heim brachten. Vorerst aber nur von Schallplatten.
  • 1958
    kamen die ersten Hi-Fi-Stereoschallplatten auf den Markt. Im gleichen Jahr sendete der Sender Freies Berlin auf zwei UKW-Frequenzen die erste Stereoversuchssendung aus.
  • 1959
    wurde der erste Transistor-Hi-Fi-Stereoverstärker veröffentlicht. Er ist hier abgebildet.
  • 1963
    begann der NDR mit Stereo-Versuchssendungen nach dem Multiplex-Verfahren. Bis heute sind noch nicht alle Senderketten voll stereofähig. Im gleichen Jahr kam Philips mit der Compact-Cassette auf den Markt. Zehn Jahre später erreichte sie Hi-Fi-Qualität. Um diese Zeit wurden auch die ersten Spulentonbandgeräte für Stereobetrieb ausgerüstet.
  • 1973
    wurde vergeblich versucht, die Quadrofonie in die Bundesrepublik einzuführen. Sie gilt heute als tot. Etwa um diese Zeit übernahmen die meisten Cassettenrecorderhersteller das Dolby-B-Verfahren zur Verbesserung von Höhenwiedergabe und Rauschabstand. Die Sensation auf der Funkausstellung aber ist die Kunstkopfstereoübertragung des Hörspiels „Demolition" vom Rias Berlin. Inzwischen ist es auch um diese Übertragungstechnik sehr ruhig geworden.
  • 1977
    führte Sony die ersten PCM-Aufzeichnungen vor. Die 85-dB-Dynamik berauschte die Zuhörer. Von dieser Technik ist noch einiges zu erwarten.
  • 1978
    demonstrierte Telefunken auf der „hifi 78" in Düsseldorf das High Com-Rauschunter-drückungsverfahren, das 20 dB Rauschabstand mehr bringt. Inzwischen liebäugelt auch der Rundfunk damit.
  • 1980
    kamen die ersten laserabgetasteten Minischallplatten auf den amerikanischen Markt. Wann folgen sie bei uns?

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Anmerkung: 1979 wurde die neue digitale CD angekündigt und 1983 gings los. Hier steht mehr.
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