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Sammeln Sie Platten ? - Tips aus 1965

hier ein paar Platten,
hier schon ein paar mehr Platten

Plattensammeln bringt Probleme. Schallplatten müssen gelagert werden, gepflegt werden. Jedoch ist allgemein bekannt,

  • daß Wurstscheiben keine Lesezeichen für Bücher sind,
  • daß Bücher sich nicht als Bieruntersätze eignen,
  • daß Lederbände nicht auf dem Ofen lagern sollen und
  • daß Bücher nicht unter der Brause gesäubert werden.


Hingegen sind die Grundsätze für die Behandlung von Schallplatten sogar Sammlern größtenteils unbekannt. Dabei sind Schallplatten - so die Autoren des „Handbuches für Sammler", Ulrich Klever und Walter Haas - noch „viel empfindlicher als Bücher. Sie sind . . . ein Teil einer feinen, kunstvollen Maschine, und wenn dieser Teil nicht in einem einwandfreien Zustand ist, kann die Maschine nicht zufriedenstellend funktionieren."

Wie sollen nun Platten behandelt werden?


Wo dürfen sie lagern? Gibt es praktische Regale? Kann man sie waschen? Sind sie zerbrechlich? Gehören sie in Alben? Werden sie vom Staub bedroht? Können auch fabrikneue Platten fehlerhaft sein? Darf man Platten bügeln?

Die Lagerung

Grundsätzlich müssen Platten getrennt nach Größen gelagert werden, also zusammen gehören jeweils die 17cm Platten, die 25cm Platten, die 30cm Platten. Diese Trennung ist vor allem wichtig, wenn Platten in Schränken oder Regalen liegen.

Immer dann nämlich, wenn die Platten nicht ganz fest aufliegen, ist die Gefahr groß, daß sie sich im Laufe der Zeit verbiegen. Es ist wohl am besten, Platten aufrecht zu stellen, ziemlich eng, damit sie sich nicht durchbiegen können.

Zwar werden heute schon einige Schallplatten-Regale angeboten, doch ist es in den meisten Fällen nötig, spezielle Plattenborde anfertigen zu lassen. Sie sollten grundsätzlich nach den Abmessungen der Kassetten berechnet werden, also mindestens 35 Zentimeter hoch und 35 Zentimeter tief sein. Faustregel: ein Bord von 130 Zentimeter Länge faßt rund 130 Langspielplatten. Solange die Sammlung noch nicht sehr groß ist, können die Platten allerdings auch — in Alben verpackt — zwischen Büchern stehen. Nachteil: In den Alben sind die teilweise kostbaren Plattentaschen nicht immer unterzubringen.

Die besten Plattenständer haben Produzenten für die Fachhändler entwickelt: Drahtständer, Holzkästen, Metallregale für Langspielplatten und Grabbelkisten für Schlagerplatten.

Merke: Plattensammlungen dürfen nicht
in der Nähe von Heizungen gelagert werden, außerdem nicht in feuchten und staubigen Räumen. Wärme, Staub, Feuchtigkeit sind ihre erklärten Feinde. Grundsatz: Sammler müssen Pfleger sein.

Fingerabdrücke werden hörbar

Vorweg: Platten sollten nur in Ausnahmefällen verliehen werden, nie unverpackt herumliegen, nie Fingerabdrücke bekommen.

Die Musik ist nämlich durch winzige Vertiefungen in die Platten geritzt, verständlich also, daß auch geringste Verschmutzungen ihre Wiedergabe stark beeinträchtigt. Schallplatten sind so empfindlich, daß sie schon leiden, wenn sie nur unvorsichtig in Hüllen geschoben werden, die kein Futter aus Plastik oder weichem Papier haben.

Ganze Industrieunternehmen haben sich inzwischen auf Staubbekämpfung in Diskotheken spezialisiert. Sie entwickelten Staubtücher, Bürsten, Samtbesen. Und seit kurzem gibt es gar ein Gerät, daß man mit dem Tonarm koppeln kann und das vor dem Saphir die Rillen sauber fegt. Dieser „Dustbug" (Plattenbürste) läßt sich in jeden Plattenspieler einbauen.

  • Anmerkung : Hier wird viel Schindluder verkauft und Murks angeboten. Gerade der (tockene) Dustbag war solch ein teuerer Flop.

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Platten waschen

Ist jedoch eine Platte erst einmal richtig verstaubt, helfen weder Plattentücher noch Spezialbürsten. Sie muß gewaschen werden. Richten Sie ruhig für diese Reinigung ein schwaches Benzin oder Alkoholbad an und reiben Sie die Platten hinterher vorsichtig mit einem Fensterleder ab.

  • Anmerkung : Das ist natürlich völliger Quatsch gewesen. Eine warme Seifenlauge aus lauwarmem Regenwasser mit einigen Tropfen Geschirrspüler wirkte ach damals bereits Wunder.


So sorgfältig wie die Platten zu pflegen sind, muß auch der Tonarm des Abspielgerätes behandelt werden. Wenn der Saphir oder Diamant verstaubt ist, wenn er einen Bart hat, rutscht er oft über mehrere Rillen, ohne einen Ton abzutasten; auch das schadet den Platten. Selbstverständlich gibt es für die Pflege von Saphiren Extrabürsten.

  • Anmerkung: Wenn die Abtastnadel bereits so sehr verstaubt war oder ist, daß sie über die Platte rutscht, hatte bzw. hätte man bereits vorher nichts mehr gehört außer Rauschen und Knistern.

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Platten "bügeln" ?

Unangenehm ist es nun, wenn Platten wellig geworden sind, durch falsche Lagerung, durch Druck, manchmal schon auf dem Transport von der Fabrik zum Händler. Jede Platte sollte darum schon im Plattengeschäft geprüft werden. Hat nämlich die Fabrik nach der Pressung die Platte zu früh in die Hülle geschoben, dann kann sie sich durch die Spannung der Tasche schon verbogen haben. Grundsätzlich werden in den Fabriken aber Schallplatten sorgfältig vor der Verpackung getestet. In den Pressereien der großen Firmen sitzen sogar mehrere Dutzend „Prüferinnen", die den ganzen Tag Platten abhören und fehlerhafte Platten aussortieren.

Sind Platten nun zu Hause krumm geworden, sind auch diese Schäden zu beseitigen. Wellige Stücke sollten auf ganz glatten Unterlagen vorsichtig erwärmt werden, bis sie sich wieder flach ausstrecken.

  • Anmerkung: auch eine ganz vage Aussage insbesondere bei 30cm LPs - wie warm auf welcher Unterlage - etwas "zu" warm bedeutet volles Risiko des Totalverlustes.


Merke: Jedes Staubkorn kann bei einem guten Abspielgerät als Knacken zu hören sein, jeder Fingerabdruck als Knistern; jeder unvorsichtige Einsatz des Saphirs hinterläßt ewige Kratzer. Grundsatz: Erneuern Sie den Saphir regelmäßig (etwa alle sechs Monate).

Rezept für die Party (aus 1965)

K-Tels super Power Murks Platten mit 20 !!! Musikstücken
hier nochmal 20 Titel drauf
auch hier 20 Titel drauf
hier 32 Titel auf 2 Platten
hier nur 26 Titel auf 2 Platten
20 Hits auf Arcade und
20 Hits auf AudioTon

Die Schallplatte macht's möglich: Künstler können gleichzeitig auf ein paar hunderttausend Partys singen. Jeder kann es sich leisten, die teuersten Stars der Welt für sein Privatprogramm zu „engagieren": Tote und lebende Sänger, europäische und amerikanische Orchester, Jazzer aus Newport und Warschau, Solisten aus der Carnegie-Hall und dem Palladium in London, Chansonetten aus Paris und New York, Neutöner und Klassiker, Folkloristen aus Israel und Texas, Politiker und Mimen, Bigbands und Combos.

Musikkonserven für jeden Geschmack liefert die internationale Musik-Industrie. Und es ist dem Konsumenten überlassen, sie zur rechten Zeit zu „öffnen", sie geschmackvoll zu garnieren — die heißen Platten der Rolling Stones zu den kalten Platten am Hausball-Büfett, Bierzeltmusikanten zum Stimmungsabend, den Bert-Kaempfert-Sound zum intimen Tete-a-tete, Willy Schneiders „Klingende Weinkarte" zum „Rheinhessen" oder zum „Mosel", die Lieder vom „Wirtshaus an der Lahn" zum Herrenabend, „Die große Starparade" als Kulisse für „leichte Unterhaltung".

Das Erfolgsrezept

Wenn Sie fragen, ob es ein sicheres Rezept dafür gibt, daß Plattenabende mit Freunden keine platten Abende werden, muß man entschieden mit Nein antworten.

Es ist sicher ebenso schwer, für Freunde und Gäste ein Schallplattenkonzert zu arrangieren, wie die Aufgabe, eine gute Rundfunksendung zu produzieren. Für beide Fälle gibt es nämlich die gleichen Zutaten: viele Millionen Meter Plattenrillen, in die alles geritzt ist, was akustisch reizvoll ist. Natürlich haben die Plattengesellschaften selbst komplette Programme „für alle Gelegenheiten" zusammengestellt (nichts fehlt), aber Individualisten, die keine Konfektion mögen, müssen schon ihr Repertoire selbst zusammenbasteln. Sie sind auf ihrer Plattenparty auch Ihr Disk-Jockey.

Relativ einfach ist die Programmgestaltung noch für einen Tanzabend. Im großen deutschen Schallplattenkatalog stehen nämlich ein paar hundert Aufnahmen für jeden Geschmack, teilweise mit Empfehlungen deutscher Tanzlehrer dekoriert. Es spielen beispielsweise Max Greger und sein Tanzturnier-Orchester Evergreens, der Hamburger Rundfunkdirigent Alfred Hause Tangos, der Jazzpianist Fritz Schulz-Reiehel und sein Bristol-Bar-Stxtett, Willy Berking vom Hessischen Rundfunk, der in den USA erfolgreiche Hamburger Bert Kaempfert und ein paar Dutzend Weltorchester aus allen Erdteilen jeden Rhythmus.

Anmerkung : Diese Platten sind Murks.

Auf eine 30cm 33er Schallplatten-Seite gehen eigentlich nur 5 bis 6 echte Schlager in guter Studio-Qualität (also wie bei den 45er Singles) drauf. Alles Andere ist technischer Murks und sowohl an den tiefen Tönen beschnitten wie auch bei der Maximallautstärke (und der Dynamik). Diese ganze Billigplatte klingt absolut dünn und schmächtig, auch für damals 22 DM. Dennoch fanden sich Millionen von Käufern. Manche dieser "Hit"-Platten habe ich über 10 Mal geschenkt bekommen (und entsorgt).

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Der Disk-Jockey (Plattenreiter)

Wenn Sie einen Plattenwechsler benutzen, kommt es noch darauf an, daß Sie die Aufnahmen geschickt in bunter Reihenfolge aufeinanderstapeln.

Wollen Sie indes besondere Aufnahmen aus Ihrer Diskothek präsentieren — Opern, klassische Musik, moderne Kompositionen, Wort-Aufnahmen, Kabarett-Mitschnitte, Chansons, dann müssen Sie ein Programm konstruieren, eine private Musiksendung, für die es eigentlich nur wenige gute Muster gibt, eventuell die Rundfunkreihe „Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank" oder die NDR-Serie von Hans Gertberg „Jazz und Jazzverwandtes".

Vorweg: Der Disk-Jockey (Plattenreiter) ist eine amerikanische Erfindung. Er gehört drüben aber keineswegs nur in Rundfunk- und Fernsehsender, wie vielfach angenommen wird. Er arbeitet vielmehr auch in Tanzbars, Jugendhäusern, Schulen, Universitäten, also überall dort, wo sich Schallplattenfans treffen. Und es ist seine Aufgabe, Schallplatten aufzulegen, vorzustellen, zu kommentieren. Legendäre Popularität haben in den USA seit Jahrzehnten alle jene Jockeys, die ohne Manuskript locker und ganz persönlich plaudern: informativ, aktuell, witzig.

In Deutschland sind Disk-Jockeys noch selten. Die meisten, die für Funk und Fernsehen arbeiten, kommen aus England und Amerika (Chris Howland, Mal Sandock).

Soeben haben sich aber schon alle jene Disk-Jockeys zu ihrem ersten Verband formiert, die in Barbetrieben Musik von Schallplatten machen. Und aus den Erfahrungen dieser Bar-Jockeys können private Sammler schon viel für ihre privaten Schallplattenpartys lernen.

Die letzten Kniffe (aus 1965)

In einer Diskussion faßte ein Berliner Schallplatten-Jockey seine Kniffe in der Programmgestaltung so zusammen: „Wenn ich Gäste mit Konservenmusik fesseln will, ist es nötig, daß
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  1. jedes Programm so aufgebaut wird, daß die Hörer vom ersten Ton an überrascht werden,
  2. alle Kommentare sehr knapp bleiben und Spannung für die nächste Aufnahme erzeugen,
  3. Programme Pausen haben, in denen die Gäste diskutieren können,
  4. gelegentlich durch ein paar Quizfragen Musik und Plaudereien aufgelockert werden."

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Und obwohl der „Disko-Klub", die Fachinformation für Jockeys, ausdrücklich darauf verweist, daß Programmgestaltung „streng gehütetes Geheimnis der einzelnen Disk-Jockeys ist", erklärte ein Hamburger Plattenreiter:

„Ich fange meine Sendungen immer mit effektvoller Musik an, breche diese dann nach kurzer Zeit ab und gebe meinen ersten Kommentar. Wenn Einleitungsmusik und Text richtig sitzen, ist meistens der Erfolg gesichert."

Und über die Nachrichten für seine Kommentare berichtet er: „Ich scheue mich nicht, zu erzählen, daß Robert Stolz sein Alter so häufig korrigiert hat, daß bereits die Nachschlagewerke einander widersprechen, daß der Dirigent Herbert von Karajan gern fliegt, daß die Sängerin Lisa Della Casa Burgfrau ist."

Max Baer, der "Verräter"

Max Baer, Jockey in einem süddeutschen Klub, verrät: „Ich führe in meinen ,Wunsch- programmen' jeden neuen Titel nur mit einem Satz ein." Nutzen Sie nun die Erfahrungen dieser routinierten Profis aus, sollte Ihr Programm bei einer privaten Party etwa so abrollen: Sie spielen Ihre Erkennungsmusik kurz, sprechen Ihre Zuhörer in einer knappen Einführung an und wechseln Musik und Informationen ab. Ihre kurzen Texte müssen ganz locker sein und interessante Neuigkeiten enthalten: 3000 Bands mit über 30.000 Musikern spielen in England Oldtime-Jazz.

  • Meyer-Davis heißt der „erfolgreichste" Dirigent der Welt. 60 Orchester tragen seinen Namen und haben für ihn weit über 100 Millionen Dollar (400 Millionen Mark) eingespielt.
  • Die Leningrader Philharmoniker haben während ihrer Europa-Tournee ein Fußballspiel ausgetragen und verloren. Ihre Gegner waren Schlagermacher einer Schallplattenfirma.
  • An jeder vierten westdeutschen Schule gibt es eine Jazz-Band.
  • Vierhunderttausend Franzosen sind im Musikgeschäft tätig. Ihre Erfolge sind größer als die der Mode- oder der Parfümbranche.


Allen Anfängern gibt Baer den Rat, für die Zusammenstellung der Kommentare einen Zettelkasten anzulegen, in dem Nachrichten gesammelt werden, die in Zeitungen, Zeitschriften, Illustrierten über Musik und Plattenstars erscheinen. Baer: „Inzwischen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß zu einer Diskothek auch ein kleines Archiv gehört, das ist schließlich noch das billigste an der ganzen Sammlung."

der Kommentar :
Das war die "Weisheit" aus 1965 - aber damals schon Quatsch.

So weit die Empfehlungen von 1965. Aus eigener Erfahrung kann ich noch hinzufügen: Wenn Sie dann noch mit der größten DIA-Show aller Zeiten vom letzten Italien-Urlaub drohen, haben Sie ganz sicher alle Getränke für sich ganz alleine und es gibt auch überhaupt kein Gedränge mehr.

Also vergessen Sie den ganzen alten Quatsch von vor über 50 Jahren. Es war aber sicher lustig, das mal wieder zulesen.

Alles aus der Constanze 1965 !!!!

 

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