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In der Feb. Augabe der Hifi-Stereophonie 1982

Die Marketing Welle fängt an, zu rennen. Philips und SONY pushen die Vorabinformationen über ihre Compact Disc und sind jedem Redakteur ein redseliger Ansprechpartner. So auch hier. Der Chef Hans G. Gout, Senior Director Compact Disc der Polygram, plaudert über die Pläne und den Istzustand der Produktion der CD.

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Compact Disc :
Die Kohorten formieren sich

Hans G. Gout, Senior Director Compact Disc der Polygram

In der Geschichte der Tonaufzeichnung wird das Jahr 1982 wohl in dicken Ziffern eingetragen werden. Denn es wird uns, 105 Jahre nach Edisons Phonographen und 95 Jahre nach Berliners Schallplatte, die ersten Digitalplatten bringen.

„Es gibt kein Halten mehr", meinte Hans G. Gout, „Senior Director Compact-Disc" der Polygram in Baarn/Niederlande und damit verantwortlich für die europäischen Compact-Disc-Aktivitäten, bei einem Gespräch Ende vorigen Jahres.

Die zentrale Fabrikation für CD in Hannover

„Wir bauen zur Zeit in Hannover die zentrale Fabrikation für CD auf, und jede Woche wird eine Menge Geld investiert. Die Entwicklung geht zügig voran."

Die hochintegrierten Schaltkreise, die für die aufwendige Fehlerkorrektur- Elektronik der neuen Plattenspieler erforderlich sind, stehen kurz vor der Fertigung, so daß von Seiten der „Hardware" alles fertig zum Start Ende 1982 ist.

Völliges Umdenken bei der Herstellung

Die Schallplattenherstellung selber erfordert ein völliges Umdenken und die Entwicklung neuer Verfahren; zum Beispiel muß der neue Diskus unter, so der Fachterminus, „Reinluftbedingungen" gefertigt werden. Auch beim „Mastering", also dem Überspielen der digitalen Informationen auf die Platte, gibt es sozusagen jede Woche Neues zu lernen.

Doch ist man bei Polygram, der Holding-Gesellschaft von Polydor/ Deutsche Grammophon, Phonogram und Dccca, sicher, daß alle diese bei neuen Technologien üblichen und „normalen" Anlaufschwierigkeiten zum angepeilten Termin und im gedachten Preisrahmen - eine CD soll rund 30% teurer sein als eine Hochpreis-LP - ausgeräumt sein werden.

Populäres Klassik-Repertoire

Natürlich wurden auch schon Marktuntersuchungen angestellt. Danach werden die ersten Käufer von Digitalplatten (und -Spielern) meist Leute Zwischen 25 und 50 Jahren sein, die überdurchschnittlich verdienen, eine überdurchschnittlich große LP-Sammlung besitzen und überdurchschnittlich an Musik interessiert sind.

Dies wird nicht ohne Einfluß auf das Startprogramm bleiben, das zur Zeit in der Planung ist: Es wird im Klassik-Bereich relativ stark sein, dabei werden jedoch die Werke des Standardrepertoires - klassischromantische Solokonzerte, die „berühmten" Sinfonien und Orchesterwerke - im Vordergrund stehen; nicht bei der ersten Welle von Digitalplatten-Veröffentlichungen werden Aufzeichnungen wie etwa der Bayreuther „Ring" unter Boulez sein. Erste Titel des Startprogramms sollen möglicherweise schon beim Pariser "Festival du Son" im März (gemeint ist 1982) konkret genannt werden.

Erst 200 CDs, dann bis zu 500 Titel

Die Fertigung wird im Juni oder Juli anlaufen, man stellt sich vor, bis Ende 1982 unter den Markenzeichen Deutsche Grammophon, Philips und Decca 200 bis 250 Titel als Digitalplatten anbieten zu können.

1983 sollen, so die Planung, rund 300 - 500 Titel dazukommen. Im Pop-Bereich wird man dabei durchaus auch auf Analog-Aufzeichnungen zurückgreifen und sie dem „digital processing" unterwerfen, bei Klassik werden im Anfangsstadium ausschließlich Digital-Bandaufnahmen überspielt.

LP und MC und CD kommen parallel

Auch in den Grundfragen der Veröffentlichungspolitik sind die Weichen schon gestellt. Die Compact Disc wird - wie heute schon die Musik-Cassette - parallel zur LP in den Handel kommen, der Käufer wird also in Zukunft dasselbe Programm je nach Bedarf und Möglichkeiten auf drei verschiedenen Tonträgern kaufen können.

Da auf CD eine Stunde Musik auf einer Seite unterzubringen ist, bedeutet dies, daß es die neuen Digitalplatten nur in Form einseitig bespielter Scheiben geben wird, die Rückseite wird von einem Etikett im LP-Format eingenommen.

Eine völlig neue Verpackung wird kommen

Gegen den „bargeldlosen Einkauf": Die Compact Disc wird in diebstahlsicheren Ständern angeboten werden.

Auch von der ursprünglichen Vorstellung, die „Verpackung" der Compact-Platte solle nichts anderes sein als eine verkleinerte LP-Tasche, ist man in Baarn inzwischen abgekommen: Zur Diskussion steht jetzt ein aufklappbares Etui in Hartplastik, das mehr an die MC als an die LP-Verpackung erinnert.

Die feste Hülle bietet nicht nur die Möglichkeit
, den Begleittext als Einlegblatt besser unterzubringen zu können, sondern ist auch eine Voraussetzung dafür, diese neuen Platten im Handel ähnlich der MC in diebstahlsicheren Ständern anzubieten - daß die Digitalplatten allein schon wegen ihres Taschenformats ein begehrtes Objekt des „bargeldlosen" Einkaufs sein werden, scheint nach den Erfahrungen mit der MC sicher.

Präsentationspolitik

Wichtiger Punkt in den Überlegungen der niederländischen Marketing-Strategen ist überhaupt die Frage der Präsentation des neuen Tonträgers durch den Handel. Da gibt es Skizzen und Entwürfe zuhauf - bis hin zu futuristisch anmutenden Informations-Säulen mit eingebautem Bildschirm und Ohrlautsprechern oder zu Abhörsesseln mit „Trockenhauben" zum Abspielen der Digitalplatten.

„Wir müssen und wollen natürlich versuchen, mit CD so schnell wie möglich zu einem nennenswerten Umsatz zu kommen", meint Gout, „denn die Produktion wird zu Anfang teuer sein. Aber das wird nicht notwendig so bleiben, denn später schlagen der geringere Materialbedarf und der geringere Platzbedarf bei der Lagerhaltung erheblich zu Buch."

Anmerkung im Vorgriff : Der letzte Absatz unten drunter hat sich als Trugschluß herausgestellt. Bereits jetzt war überall bekannt, daß die MC der LP (natürlich mit der gleichen Aufnahme) das Wasser nicht reichen konnte. In ganz wenigen Jahren ist klar, gleiches gilt auch für die CD und die LP. Die CD wird die LP und vor allem die MC nahezu völlig ablösen, zu Lasten der Hersteller von analogen Plattenspielern und Abtastsystemen und Abtastnadeln.

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Kein „Kampf der Systeme" ! - wirklich ?

Kein vordringliches Thema ist für Gout die Frage eines „Kampfes der Systeme" auf dem Markt. „Die japanischen Gerätehersteller haben sich fast einmütig für Compact Disc entschieden, und die werden das Neue unglaublich pushen. Die anderen großen Schallplattenfirmen werden mitziehen müssen."

Man wird sehen. ihd

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