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Hier beginnt die Erzählung eines Zeitzeugen aus Hamburg

Unser Zeitzeuge Heinz Schleusner ist durch die ganze Welt gereist und hat viel gesehen und erlebt. Ich durfte ihn im Sept. 2022 bei seinem Familien-Besuch in Hamburg ebenfalls besuchen und ausgiebig erzählen lassen, wie das war vor über 60, 70 und 80 Jahren, als ich noch gar nicht da war oder gerade mal 10 Jahre alt war. Als er im Okt. 2022 wieder zurück nach Guatemala geflogen war, hat er mir zusätzlich zu den 7 Stunden Sprachaufzeichnungen seine bereits aufgeschriebenen Notitzen gemailt. Der Anfang beginnt hier.

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1968 - Wir fühlten uns wohl in Lima und wurden beinahe seßhaft

Durch die unerwarteten Änderungen und Herausforderungen in Lima war natürlich an die ursprünglich geplante Rückkehr nach Deutschland nicht zu denken, zumal sich die Familie in Peru sehr wohl fühlte.

Es lag daher auf der Hand, auch aus Kostengründen, sich ein Haus zu kaufen anstatt weiter auf Miete zu wohnen, zumal damals gute Fianzierungen angeboten wurden.
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Gerhard Schreier hatte einen guten Tip für uns - ein Haus

Eines Tages erhielt ich Nachricht von UHER, dass ein Herr Gerhard Schreier sich fuer UHER Geräte interessierte und ich doch Kontakt aufnehmen sollte. Ich rief ihn also an und wir vereinbarten ein Treffen für den folgenden Sonnabend in unserem Büro.

Gerhard Schreier war vom UHER REPORT 4000 fasziniert, aber mehr aus Neugier als aus geschäftlichen Gruenden, denn sein Arbeitsgebiet war die Medizintechnik. Wir kamen daher bald auf andere Themen und er erzählte mir, dass er gerade ein Haus zu sehr günstigen Bedingungen von einer Urbanizadora an der Carretera Central gekauft hätte.

Die Gegend lägei bei rund 450m über dem Meeresspiegel klimatisch besser und außerdem sei es auch schon Provinz, also steuerlich besser als Lima. Das Haus sollte vor Jahresende bezugsfertig sein. Wir vereinbarten also kurzer Hand, ihn dort mit meiner Familie am morgigen Sonntag zu besuchen und uns alles anzusehen.
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Etwas über das Baugebiet, die Lage und das neue Haus

Wie gesagt, so getan. Die Anfahrt, wie beschrieben, war etwas kompliziert. Wir mussten die Carretera Central bis ueber Vitarte hinaus dann links abfahren Richtung CLUB EQUESTRE de HUACHIPA und gleich dahinter begann die Urbanización CLUB DE HUACHIPA, die das Gebiet des fundos Llas Llamosas umfasste.

Die Grundstücke hatten im Durchschnitt eine Grösse von 2.500 m2. An der Hauptstrasse EL POLO waren 6 Musterhäuser im Bau. Das erste hatte sich Gerd Schreier ausgesucht, den wir dort auch samt Familie antrafen. Das Ganze war geplant als Parkwohnanlage ohne Zäune zwischen den Grundstücken, die ja auch recht gross waren.

Das Ganze war uns recht sympatisch. Von den Musterhäusern, die gekauft werden konnten, gefiel uns das letzte im Bungalowstil gebaute am besten. Der von Natursteinen eingefasste Haupteingang führte auf eine Terrasse, deren rechter Teil durch den Schlaftrakt abgegrenzt war, sodaß das Ganze eine umgedrehte L-Form hatte.

Das langgestreckte Wohn-Esszimmer mit Kamin hatte ca. 40 m2, dazu kamen 3 Schlafzimmer und 2 Bäder, die Küche und der Personaltrakt mit Innenhof, Duschbad und 2 Schlafzimmern.

Ich dachte damals schon an eine Überdachung der Terasse zu einem neuen Wohnzimmer mit Kamin und einer Verlängerung der Terasse in den Garten. Das haben wir dann auch recht bald realisiert. Links vom Eingang befand sich der Carport fuer bis zu 3 Autos. Das Grundstück hatte eine Grösse von 2.650 m2 bei einer Strassenfront von 35 Metern.
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Im Winter 1968 wollten wir einziehen

Die Vermarktung stand noch am Anfang und die Verkäufer waren an einem Verkauf an Ausländer sehr interessiert, weil diese für die Einheimischen eine attraktive Referenz waren.

Bei einer Anzahlung von nur 10% und einer Finanzierung über 5 Jahre kamen wir auf eine Tilgung entsprechend der doppelten zur Zeit gezahlten Miete. So schlugen wir also ein und sollten das Haus am 1. Dezember 1968 übernehmen. Da unser Mietvertrag zum 15. Dezember kündbar war, waren wir einverstanden.

Was weder der Verkäufer noch wir berücksichtigt hatten, war eine Kursklausel im Vertrag, denn damals galt der peruanische SOL noch als sehr solide.
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Und dann putschte das Militär - und es wurde billiger

Das sollte sich aber ändern, als im Oktober 1968 die Militärs putschten und den Präsidenten Fernando Belaunde Terry nach Argentinien ins Asyl schickten. Durch die folgende Abwertung der Währung wurde nun unser Hauskauf günstiger als gedacht.

Wir waren also zunächst guter Hoffnung, daß alles klappen würde und fuhren so manches Wochenende nach Huachipa, wo die pure Sonne schien, während Lima unter einer Wolkendecke lag.

Da alles viel langsamer ging als vereinbart und erwartet, versuchten wir, Druck zu machen mit dem Hinweis, dass wir unsere Wohnung gekündigt hätten und auf einen Einzug angewiesen seien. Gerd Schreier ging es ähnlich. Die anderen Musterhäuser waren noch nicht verkauft oder die Käufer standen nicht unter Umzugszwang.
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Es gab noch gar keinen Strom

Anfang Dezember begann "man" dann mit dem Einsetzen der Türen, aber eines war schon gewiss: elektrischen Strom würde es nicht geben.

Dafuer stellte man bei Schreiers einen alten Generator der Hacienda auf, der uns zunächst mit Strom versorgen sollte und wir zogen eine provisorische Leitung ueber die anderen Grundstücke zu uns. Der Generator arbeitete aber nur maximal 3 Stunden, so dass wir zwischen 8 und 9 Uhr durch Blinksignale von Schreier die Nachricht bekamen, dass abgeschaltet werden musste.
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Weihnachten mit 3 kleinen Kindern

Wir waren also zu Weihnachten in unserem neuen Paradies und brauchten natürlich auch einen Weihnachtsmann. Gerd Schreier war dazu bereit und erschien seinen Möglichkeiten und dem Ambiente entsprechend mit grossem, weissen Bart in einem bunten Bademantel mit Tropenhelm und Flinte und dem Sack voller Geschenke. Die Kinder waren beeindruckt.

Wir waren rund 30 km vom Strand entfernt

In Huachipa waren wir nun rund 30 km vom Strand entfernt. Es war Sommer 1969, die Kinder hatten Ferien und was nun?

Per Zufall entdeckte ich im Comercio eine Anzeige „ Vendo piscina desarmable ...“ Wir nichts wie hin. Sie war noch zu haben und wir wurden handelseinig. Zuhause bauten wir sie aber nicht auf dem Rasen auf, sondern einigten uns mit dem Maurermeister der Urbanización, sie in die Erde einzulassen. In 2 Wochen war alles fertig.

Unsere Kinder und die kleineren von Schreiers konnten natürlich noch nicht schwimmen und so fuellten wir das Becken langsam mit immer mehr Wasser je nach den Fortschritten, die die Kinder unter Renate Schreiers Anleitung machten. Nach 4 Wochen war die Piscina voll und alle bis auf Nicole konnten schwimmen. Sie aber hatte dafuer Schwimmflügel und konnte mitmachen.
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Und dann wurde ein richtiges Schwimmbad gebaut

Das Plastikbecken hatte auch den nächsten Sommer überstanden und uns allen Spass und Erfrischung bereitet. Danach bauten wir dann ein solides Becken mit Sprungbrett und Filteranlage, das bis zum Verkauf des Anwesens funktionierte. Es war 10 Meter lang, 5 Meter breit und bis zu 2.2 Meter tief.
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Geschäftlich war 1968 sehr erfreulich.

Wir verkauften an die neue Schallplattenfabrik "EL VIRREY" eine der neuen NEUMANN VMS 66 Schneidanlagen und den ersten Rundfunksender, einen 1.000 Watt AM (Mittelwelle) Sender von Sparta an LA VOZ del ORIENTE. Vor allem aber lief das Lokalgeschäft mit DYNACORD hervorragend und verschaffte uns schnell eine führende Position auf dem Markt.

Wir erweiterten das Programm dann auch durch die Übernahme der Vertretung der japanischen Firma ROLAND, die Elektronikorgeln und andere Effektgeräte herstellte.
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Eine neue Verkaufsrundreise bis nach Deutschland

Natürlich machte ich die übliche Rundreise von Lima aus, die jetzt in Deutschland endete. Von dort ging es dann zurück über Mexico, dort begannen die olympischen Spiele, für die wir eine Reihe von Geräten geliefert hatten.

Juli 1968 - im deutschen Pavillon auf der Feria del Pacifico

Im Juli 1968 nahmen wir zum ersten Mal an der Feria del Pacifico im deutschen Pavillon teil.

Wir stellten die Produkte von DYNACORD, UHER, BEYER, GRUNDIG Elektronik, NEUMANN und anderen aus und hatten bei uns auch den Besuch des damaligen Präsidenten BELAUNDE TERRY. Der deutsche Pavillon hatte auch ein Restaurant, das deutsche Spezialitäten und deutsches Bier anbot.
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Neue Freunde gewonnen, das "MEDIUM TERZETT"

Zur Unterhaltung auf dem deutschen Messestand hatte man das "MEDIUM TERZETT" (aus Osnabrück) angeheuert. Die kamen im Glauben, dass sie als Terzett ohne elektrische Verstärkung auskommen würden. Das klappte natürlich nicht bei der Grösse und bei „Open Air“ im deutschen Restaurant, das an den Pavillon angegliedert war - und wir waren ihre Rettung.

Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, zumal sie auch in den folgenden Jahren kontakiert wurden und sie erholten sich bei uns in Huachipa und OMA Schachts gutem deutschen Kuchen.
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El VIRREY und alles drum herum gegen RICARDO NIETO

El VIRREY hatte nun auch sein Studio fertig und wollte die Ausrüstung dafür bei uns kaufen, aber unter der Bedingung, dass wir ihnen auch einen professionellen Techniker beschafften. Diesen fand ich in GERD NIEKAU, der vor dem Krieg beim Reichsrundfunk in Königsberg gelernt hatte unter Bill Puth.

Wir lieferten also das erste NEUMANN Transistorpult und die Aufnahmemaschinen von SCULLY, die wir inzwischen als Konkurrenz gegen AMPEX Bandgeräte aufgenommen hatten.

Schon 1967 hatten wir 2 ALPHA Pressen an RICARDO NIETO auf Kredit verkauft. Dieser wurde auch in die Pleite getrieben, da VIRREY ihm die Vertretungen italienischer und mexikanischer Marken wegkaufte.

Da Nieto zwar kein Geld, seine Familie in La Punta - der Grossvater war der berühmte Admiral Nieto - Besitz hatte, einigten die grössten Gläubiger sich auf einen gemeinsamen Prozess gegen ihn. Ich lehnte eine Teilnahme ab.
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Loyalität und Freundschaft zahlte sich aus

So erschien eines Tages Ricardo Nieto bei mir im Büro, bedankte sich dafür, daß ich nicht an dem „Komplott“ teilgenommen hatte und eröffnete mir „ por ello, Ud. Va ser el único que recuperá su dinero“ und schlug vor, bei der EPSA zu arbeiten, bei einem Mindestgehalt und Provision, um auf diese Weise ein Einkommen zu haben und im Laufe der Zeit seine Schulden zu bezahlen.

Ich war einverstanden, denn familiär hatte er gute Beziehungen vor allem zu den Streitkräften, die damals ja am Ruder waren.
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UHER UNIVERSAL 5000 und später REVOX A 77 waren später die Renner

Durch ihn haben wir dann u. a. die Marine, das Heer und auch den zivilen Geheimdienst mit automatischen Telefongesprächsaufzeichnungsanlagen ausgerüstet.
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Zunächst auf der Basis des UHER UNIVERSAL 5000 und später mit der REVOX A 77. Das Heer wurde damals von den ISRAELIS mit Funkanlagen ausgerüstet und wir lieferten die Ausrüstungen für die Servicezentren mit Geräten von Rohde & Schwarz und amerikanischen Herstellern sowie Werkzeugen von BERNSTEIN u.a.
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Ricardo Nieto erholte sich und wollte bei uns aussteigen

Nach 5 Jahren erklärte er dann, dass er nun schuldenfrei sei und sich jetzt wieder auf eigene Füße stellen und bei EPSA ausscheiden wolle.

Das tat er dann unter Mitnahme einer netten jungen Frau, die bei uns arbeitete und deren Mann nach USA gegangen war und sie mit den Kindern hatte sitzen lassen.

Er übernahm Vertretungen brasilianischer Spritzguss- und anderer Plasik und Werkzeugmaschinen und hatte damit Erfolg. Später – als es in Peru total bergab ging – ist er dann mit Familie nach Brasilien gegangen.
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Als die Transistortechnik die Röhren ablöste

Durch die allgemeine Verdrängung der Röhrentechnik durch die Transistortechnik brauchten wir dringend einen Ersatz fuer das RCL Tonmischpult, da Herr Hormann nicht in der Lage war dieses zu transistorisieren.

1969 - Die deutsche Industriemesse in Sao Paulo

Zunächst bot sich ECKHART KRIEGER an, der in Zusammenarbeit mit SEMRAU eine eigene Fertigung aufgebaut hatte. Bei ihm bestellten wir dann auch ein 8-Kanalpult mit 24 Mikrofoneingängen für die Ausstellung auf der deutschen Industriemesse, die 1969 in Sao Paulo stattfand und auf der wir mit Wandel & Goltermann einen Gemeinschaftsstand hatten.

Wir waren auch im Gespräch über den internationalen Vertrieb seiner Geräte, aber dazu kam es dann nicht mehr. Krieger hatte eine grosse Ausschreibung des türkischen Rundfunks gewonnen, die er dann nicht erfüllen konnte und somit in Konkurs ging, wobei auch noch das seiner Frau gehörende Haus, mit dem sie gebürgt hatte, verloren ging.

Die genauen Einzelheiten habe ich nie erfahren. Auf jeden Fall – und das war wohl sein grösster Fehler – verschwand er erst einmal von der Bildfläche und war für niemand mehr – wohl auch seine Familie – erreichbar.
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Unser Lutz Meyer wechselte zu MCI nach MIAMI

1969 haben wir u. a. auch eine Schneidanlage VMS 66 an die neue Firma DYNAMIC SOUND von Byron Lee verkauft und Lutz Meyer flog nach Kingston, um sie zu installieren. Das klappte auch wie gewohnt.

Gleichzeitig hatte Byron in Miami ein Mischpult und Bandmaschinen der Firma MCI gekauft, deren Chef zur gleichen Zeit deren Installation in Kingston durchführte. Beim Mischpult klappte das aber nicht und zunächst ertönte nur Radio Jamaica, wenn man einen Regler öffnete.

Lutz half dann auch erfolgreich, die Fehler zu beheben und erzählte JEEP HARNED  (von MCI) wohl, dass er sich mal an der deutschen Verdrahtungstechnik ein Beispiel nehmen sollte, worauf dieser ihm anbot, doch bei ihm in Miami zu arbeiten und bot 1500 $ Salär an.

Mit dieser Nachricht kam Lutz dann zurueck nach Lima. Da er bei uns gerade die Hälfte, nämlich 750 $ und etwas Provision dazu verdiente und sein Vertrag auslief, riet ich ihm, das Angebot anzunehmen, da er noch jung sei und jede Gelegenheit zur Horizonterweiterung ausnutzen solle. So geschah es dann auch.
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Roland, unser neuer Mann , hatte es schwer

Inzwischen hatte bei uns ein anderer junger Mann angefangen, den uns Herr Metzler von der deutschen Handelskammer geschickt hatte. Er war aus Liebesgründen in Lima hängen geblieben und hatte keinerlei Ausbildung irgendwelcher Art.

Ich stellte ihn ein, weil er dringend etwas tun musste, was ihm etwas Geld einbrachte und wir vereinbarten eine Probezeit von 3 Monaten. Sein Aufgabengebiet war der Verkauf unserer Linien bei den Händlern im PARURO mit einem Grundgehalt und Provision.

Er musste sich buchstäblich alles erst aneignen und sein Konkurrent war mein ehemaliger Partner Charlie Rosenthal mit seiner Firma ELA S.A.
 
Roland zeichnete sich schon damals durch sein Stehvermögen aus. War er doch 3 Monate lang den Jiron Parura auf und ab gelaufen, ohne einen Auftrag an Land zu ziehen und erst am letzten Tag der vereinbarten Probezeit kam er stolz mit seinem ersten Auftrag, ca. 180 $ Feinsicherungen der Firma DIFUS, meines Freunde José Maria Noriega, den ich einige Jahre vorher bei dem Aufbau seiner Fertigung in Mexico unterstützt hatte.
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Roland durfte sich bewähren - Charlie verschwand

Ich erklärte Roland also, daß er weitermachen könne und dass ich volles Vertrauen habe, dass er seinen Weg machen würde. So war es denn auch.

Durch neue Linien wie z.B. die ULTRON Röhren von Bürklin in München, die WELLER Lötkolben und anderes wurde er, wie einer der Kunden es bezeichnete, zum „Prinzen von Paruro“, während Charlie Rosenthal noch der „König“ war.

Das sollte sich aber bald ändern, denn auch durch die ELA kam Charlie nicht auf den grünen Zweig und Charlie wanderte klammheimlich und leise mit der Familie nach Ecuador aus. Dort ist er dann wenige Jahre später in einem Maisacker ermordet aufgefunden worden. Über die Ursachen seines Todes weiss ich weiter nichts. Roland ist dagegen zum „König von Paruro“ avanciert.
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Es ging weiter aufwärts

Trotz der geänderten politischen und wirtschaftlichen Lage wuchs unser Geschäft in Lima weiter. Für die deutsche "BOSCH Fernseh" aus Darmstadt gewannen wir eine Ausschreibung für die Ausrüstung eines Fernseh Übertragungswagens. Da die neue Regierung die „Industrialisierung“ des Landes vorantrieb, entstanden viele neue Montagefirmen.

Eine dieser Firmen, die FTA Fabricantes Técnicos Asosiados, die unter RCA Lizenz Radio und Fernseher montierte, hatte auch die Lizenz fuer die RCA Schallplatten und baute eine Presserei auf, für die wir – wie schon fast üblich – die NEUMANN Schneidanlage und auch die Galvanikanlage für die Pressmatritzenherstellung lieferten.
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Die deutsche Industrieaustellung in Sao Paulo 1969 war ein absoluter Flop.

Es kamen kaum Fachbesucher sondern vor allem „Sehleute“ und Hausfrauen. Auch hatte Carlos Moura wohl auch kein richtiges Interesse, denn er wollte Mischpulte selbst in Brasilien bauen. So mussten die meisten Sachen wieder nach Deutschland zurueck verschifft werden.
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Es kam noch schlimmer

Als ich im nächsten Jahr (1970) wieder nach Deutschland kam, war ECKHART KRIEGER bereits pleite und unauffindbar. Durch meine Kontakte erhielt ich schliesslich die Nachricht, dass er in der Lüneburger Heide irgendwo bei einem Bekannten Kabel lötete.

Ich nahm Kontakt auf und vermittelte ein Treffen mit seiner Frau. Da war allerdings nichts mehr zu kitten. Sie war dabei, wieder nach Berlin umzusiedeln.
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Eckhart war wenigstens einsichtig

Eckhart sah endlich auch ein, dass er wieder Fuss fassen müsste, obwohl die Schuldenlast und der bestehende Offenbarungseid dies nicht leicht machten. Da ich daran interessiert war, auch in Hamburg wieder einen Fachmann zu haben, einigten wir uns darauf, dass er zum nicht pfändbaren Mindestlohn bei ESTEMAC arbeiten würde und ich ihm über Peru eine inoffizielle Zuzahlung leisten würde.

Das hat auch ein paar Jahre geklappt. Er hat mich später auch durch Reisen von Hamburg aus entlastet und dort vor allem die technische Leitung übernommen.
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Unser unverkauftes Mischpult

Zur Feria del Pacifico 1970 kam er dann zum ersten Mal nach Lima. Mit ihm kamen viele Geräte, die wir offiziell ausstellten, die aber schon verkauft waren, denn (Import-) Lizenzen waren sehr schwer zu bekommen und für die Messe- Ausstellungsgüter gab es bei „Verkauf auf der Messe“ Sonderlizenzen.

Dabei war auch das unverkaufte Mischpult, das als grosse schwarze Platte mit vielen Knöpfen und Reglern und aufgesetzten, recht kleinen VU Metern nicht sehr eindrucksvoll war.

Aber wir hatten ja eine eigene Tischlerei. So bauten wir dafür einen eindrucksvollen Tisch mit einem eindrucksvollen Aufsatz für die VU-Meter und das ganze wirkte viel imposanter. Manuel Guerrero von der Firma DISCOS MAG kaufte es uns auch wegen des vergleichbar günstigen Preises und der sofortigen Verfügbarkeit ab.
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Die ersten Ansätze einer peruanischen Filmindustrie

Damals entwickelten sich auch die ersten Ansätze einer peruanischen Filmindustrie und neben kleineren Firmen, die vor allem Werbefilme machten, hat auch ein reicher Peruana polnisch jüdischer Abstammung, Bernhard Batievsky, peruanische Spielfilme produziert und praktisch die ganze Ausrüstung dafür, Kameras von ARRI, NAGRA Bandmachinen, Beleuchtung, einen Filmschneidetisch von KEM und Projektoren bei uns über die Messe gekauft.

Zu den Kinofilmen von Batievsky gehörten u.a. EL CHOLO über den damals berühmtesten peruanischen Fussballspieler Hugo Sotil und ESPEJISMO. An die anderen erinnere ich mich nicht mehr. Der Regisseur war wohl immer Armando Robles Godoy, der später nach Venezuela ging, und der Kameramann Fred Allert, ein Österreicher, der als einziger Überlebender einer verunglückten SIERRA BLANCA Expedition danach in Peru blieb.
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Produziert wurde auf 16mm Film

Ein beonderer Schlager war auch der Doppelband- Projektor von BAUER - vor allem für die kleinen 16 mm Produzenten. Unser Messestand hatte damals eine Grösse von 40 Quadratmetern, um alle Geräte unterzubringen.

Nach der Messe flog ECKHART KRIEGER nach Bolivien, wo sich der Rechtsberater von Miguel Dueri, EDUARDO IBAÑEZ, durch den Aufkauf der Reste von DISCOS HERMEN zu einem Konkurrenten mauserte.

Er kaufte zunächst 2 ALPHA Pressen, eine kleine EUROPAFILM Galvanikanlage und eine NEUMANN VMS 66 Stereo Schneidanlage.
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HENRY LöSCHNER, ein ROTARIER im ROTARY CLUB

In Huachipa siedelten sich nach und nach auch andere Deutsche an, u. a. HENRY LöSCHNER, ein Ingenieur der Bewässerungstechnik, der schon vor dem Kriege in Lima gearbeitet hatte und zwischendurch in Venezuela gewesen war.

HENRY war ROTARIER im ROTARY CLUB von SAN ISIDRO, wo er früher gewohnt hatte und auch noch ein Haus besaß. Er lud mich zu den wöchentlichen Clubtreffen ein, die dazu führten, dass man mich zum Eintritt in den Club einlud. Ich nahm auch gern an.
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ROTARY INTERNATIONAL - ein Club mit professionellem Wissen

ROTARY INTERNATIONAL ist eine Organisation von lokalen Service Clubs, deren Mitglieder Profis aus allen Bereichen des Lebens sind, es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihre Gemeinde mit professionellem Wissen zu unterstützen.

Um das Konkurrenzelement auszuschalten, durfte nur ein Mitglied einer Berufsgruppe Mitglied sein und dies sollte möglichst der Beste oder Einflussreichste sein. Ich konnte Mitglied werden, weil es in Huachipa keinen Rotary Club gab und mein Wohnort davor San Isidro war.

Ich habe mich auch stets für die Ideale der ROTARIER eingesetzt, habe die verschiedenen Positionen innerhalb des Clubs besetzt, für die man jeweils für 1 Jahr gewählt wurde und bin dann schliesslich für das Jahr 1974/75 zum Präsidenten gewählt worden.
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In Lima waren wir der Club der Gringos

Unser Club wurde damals in LIMA als Club der „Gringos“ bezeichnet, weil wir einen sehr hohen Anteil von Ausländern, bis zu 12 Nationalitäten, hatten. Darunter waren Argentinier, Bolivianer, Chilenen, Ecuatorianer, Brasilianer, Uruguayer, Venezolaner, Deutsche, Italiener, Tschechen, Polen und Ungarn.
 
Zu einigen der Rotarier entwickelte sich eine enge Freundschaft. Da war José “Pepe” Ledvinka, ein Tscheche, der nach seiner Flucht aus der komunistischen Tschechei über die Schweiz mit seiner Frau Maria, einer Russin, deren Eltern nach dem 1. Weltkrieg in die Tschechei geflüchtet waren, in Peru gelandet war.

Er hatte auch die peruanische Staatsangehörigkeit angenommen und war Geschäftsführer der Versicherungsgesellschaft LA COLMENA. Beide kamen oft zum Wochenende nach Huachipa und Pepe ist später auch Teilhaber der ESLAB geworden.

Ein anderer lieber Mensch war ELIAS BLANC, ein Jude aus Besarabien, der schon nach dem 1. Weltkrieg nach Peru gelangt war. Er war Schneider und hatte eine Firma, die Maßanfertigungen machte.

Auch zu anderen bestanden Beziehungen, die über die rotarischen Aufgaben hinausgingen. Marek Rakower, ein Pole, der auch Mitglied der polnischen Exilregierung in London gewesen war und jetzt eine Professur an der Agrar-Universität LA MOLINA hatte, Victor Raul Iparaguirre, ein sehr gebildeter Peruaner, ebenfalls Professor an der SAN CARLOS Universität, Rudi Neisser, Sohn deutscher Juden, die noch rechtzeitig auswandern konnten.

Eng war auch der Kontakt zu Gerhard „Jerry“ Astruk, der aus Fürth stammte und dessen Vater Hopfenhändler war. Er ging bis zur Auswanderung auf dem jüdischen Gymnasium in Fürth zusammen mit seinem Vetter Henry „Heini“ Kissinger zur Schule. Seine Mutter und die Mutter von Henry Kissinger waren Schwestern. Er betrieb in LIMA das Reisebuero SUDEX.
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