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Die BRAUN-Receiver wurden gerne getestet - 1978

BRAUN Geräte waren anders als die meisten "der Anderen". Das Design war schlicht, silbern oder schwarz und einfach anders. Außerdem waren diese Geräte (aber nicht die BRAUN Lautsprecher) fast nur in BRAUN Studios zu erwerben und sie waren teurer als die gängigen Markt-Renner, also richtig exklusiv. Eine Zeit lang waren sie technologische Vorreiter, aber nur kurz. "Die Anderen" holten recht schnell auf.

Es gab also eine Menge sogenannter Tests in den mehr oder weniger kompetenten Fachmagazinen und Zeitschriften. Nicht alle waren objektiv und nicht alle waren fachlich korrekt. Doch urteilen Sie selbst.
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Der Receiver Braun Regie 550 (von 1978) :
Über die Ausstattung

Kompaktes Steuergerät in Flachbauweise, schwarzes Gehäuse und schwarze Bedienungselemente. Häufig benutzte Tasten sind durch Farbpunkte markiert. Das Empfangsteil arbeitet in den Bereichen UKW, Lang-, Mittel- und Kurzwelle. An sieben Stationstasten können UKW-Sender vorprogrammiert und jederzeit abgerufen werden. Markierungsscheiben mit den Kurznamen aller bundesdeutschen Rundfunkanstalten gehören zum Lieferumfang, sie können in entsprechende Bohrungen unterhalb der Stationstasten eingesteckt werden.

Programmiert werden die Stationsspeicher an kleinen Wendelpotentiometern (im Fachjargon hießen die Spindel-Potentiometer). Dabei erleichtert eine spezielle "Übernahme"-Schaltung das Auffinden des gewünschten Senders. Die manuelle Abstimmung wird durch einen Schwungradantrieb unterstützt. Ein Ratiomitteninstrument ermöglicht exakten Feinabgleich, ein Feldstärke-Instrument zeigt an, wie stark der jeweilige Sender einfällt. Weitere Bedienungselemente für das Empfangsteil: automatische Scharfabstimmung (AFC), Rauschunterdrückung (Muting) und „Nur Stereo". Diese Funktion unterdrückt alle Mono-Sender.
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Programmquellen schalten

Außer dem Rundfunkempfang können drei weitere Programmquellen auf den Verstärker des Regie 550 geschaltet werden: Phono, Band und eine andere Hochpegelquelle (Reserve). Sie werden über DIN-Buchsen angeschlossen, die in einer Aussparung der Bodenplatte angebracht sind.

An den Buchsen „Band" und „Reserve" steht außerdem das Ausgangssignal für Tonbandaufnahmen zur Verfügung. Drei-Kopf-Recorder betreibt man vorteilhaft über den Reserve-Eingang; in diesem Fall hat man durch Eindrücken der Taste „Monitor" die Möglichkeit der Hinterbandkontrolle. Bässe und Höhen werden am Regie 550 über ungerastete Doppeldrehpotentiometer eingestellt, die wahlweise beide Kanäle gemeinsam oder getrennt beeinflussen (Rutschkupplung).

Die variable Loudness

Eine Braun-Spezialität: Die Lautstärke kann man an zwei Drehknöpfen regulieren, von denen der eine frequenzunabhängig, der andere loud-nesskompensiert arbeitet. Durch diese Aufteilung wird die Loudness-Korrektur unabhängig vom Signalpegel der verschiedenen Quellen und vom Wirkungsgrad der angeschlossenen Lautsprecherboxen. Der linear arbeitende Pegelsteller kann wie die Klangregler für beide Kanäle getrennt bedient werden, so daß ein eigener Balance-Drehknopf überflüssig wird.

Zum Ausstattungskomfort gehören neben einem Mono-Schalter zwei Drucktasten für Rausch- und Rumpelfilter. Die Eckfrequenzen der beiden Filter liegen bei 60 Hz beziehungsweise 12 kHz, die Flankensteilheit beträgt 12 dB pro Oktave. Wer weitere Filter- oder Entzerrungsmöglichkeiten wünscht, kann über eine „Pre-out, Main-in"-Buchse einen externen Equalizer oder ähnliche Zusatzgeräte einschleifen.

Die LS- Anschlüsse

An der Rückseite des Geräts stehen DIN-Lautsprecher-buchsen für zwei Boxenpaare zur Verfügung. Über einen Lautsprecher-Schalter können die beiden Paare einzeln oder gemeinsam betrieben oder-für Kopfhörerwiedergabe - ganz abgeschaltet werden. Hat man je Kanal zwei Boxen in Betrieb, so werden sie automatisch in Reihe geschaltet. Man muß also keine Überlastung der Endstufen befürchten. Diese sind im übrigen durch eine elektronische Sicherung geschützt.

Zwei Kopfhörer können über Würfelstecker an der Frontseite des Regie 550 angeschlossen werden. Die Antennenbuchsen für AM und FM (300 Ohm symmetrisch) liegen versenkt in der Bodenplatte.

Die Beurteilung des Regie 550

Die Endstufen des Regie 550 liefern eine kräftige Ausgangsleistung, die zur Beschallung der meisten Wohnräume völlig ausreicht. Die nichtlinearen Verzerrungen liegen im gesamten Leistungsbereich praktisch unter der 0,1%-Marke und bleiben damit unter der Hörbarkeitsschwelle. Der Dämpfungsfaktor hat bei allen Frequenzen des Hörbereichs einen vernünftigen Wert.

Positive Ergebnisse auch bei den Fremdspannungsabständen: Selbst bei kleinen Ausgangsleistungen werden alle Programmquellen weitestgehend rausch- und brummfrei wiedergegeben. Ein besonderes Lob verdient in dieser Hinsicht der Phono-Vorverstärker: Mit 72dB Fremdspannungsabstand bei 5 Watt Ausgangsleistung arbeitet er äußerst rauscharm.

Die Eingangspegel

Durch große Empfindlichkeit und normgerechte Impedanz zeichnet sich der Phono-Eingang aus.

Hochohmig und übersteuerungsfest, aber nicht besonders empfindlich sind die Hochpegeleingänge. Das Empfangsteil liefert dagegen ein vergleichsweise kräftiges NF-Signal, so daß Pegelsprünge beim Umschalten zwischen Radio und Band in vielen Fällen nicht zu vermeiden sein werden.

Der Tonband-Aufnahme-Ausgang liefert einen wünschenswert kräftigen Pegel, der rauscharme Aufnahmen über die DIN-Eingänge von Cassetten- und Spulengeräten ermöglicht. Dennoch: Die deutschen Hersteller sollten sich allmählich mit dem Gedanken anfreunden, ihre Geräte mit hochpegeligen Cinch-Ausgängen auszurüsten.

Auch die symmetrischen Flachstecker für den Antennenanschluß sollten der Vergangenheit angehören und den abgeschirmten Koaxialsteckern Platz machen.

Die Buchsen in der Bodenplatte nach Dieter Rams

Ganz und gar unpraktisch empfand der Tester die Plazierung der Anschlußbuchsen in der Bodenplatte des Regie 550. Man muß ganz schön jonglieren, wenn man neben den diversen Steckern auch noch das oft notwendige Antennen- Symmetrierglied in der Aussparung unterbringen will.
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Die Filter

Optimal haben die Braun-Entwickler die beiden Filter ausgelegt. Deren Eckfrequenzen sind so gewählt, daß man trotz des eingeschränkten Übertragungsbereichs noch gerade von High-Fidelity reden kann. Andererseits werden durch die große Flankensteilheit Störgeräusche wirkungsvoll unterdrückt. Wenn schon Filter, dann solche! Dieses Beispiel sollte Schule machen.
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Lob für die Loudness-Korrektur

Bei aller Skepsis gegenüber solchen Einrichtungen muß auch der Loudness-Korrektur ein Lob gespendet werden. Bei richtiger Einstellung der beiden Pegelregler kann man erreichen, daß der Frequenzgang für jeden Schallpegel annähernd gehörrichtig entzerrt wird.

Beim Betriebstest fiel uns angenehm auf, daß sich der Regie 550 absolut knackfrei ein- und ausschalten läßt. Wer zwei Lautsprecherboxen je Kanal anschließen will, wird es begrüßen, daß diese automatisch in Reihe geschaltet werden.

Das Empfangsteil

Beim Empfangsteil hat sich Braun für die Kapazitätsdioden-Abstimmung entschieden. Diese Technik ermöglicht die Verwendung von Stationstasten, die die Bedienung eines Empfängers angenehmer machen. Im allgemeinen sagt man der Kapazitätsdioden-Abstimmung nach, daß sie instabil arbeite. Beim Regie 550 konnten wir jedoch keine Frequenzdrift durch Erwärmung feststellen.

Effekte durch Alterung der Bauteile können bei unseren Tests naturgemäß nicht durchgeführt werden. Deshalb können wir über das Langzeitverhalten keine Aussagen machen. Die Stationstasten werden über Wendelpotentiometer (Spindelpotentiometer) programmiert - eine kostspielige, aber solide Lösung.

Die Übernahme-Schaltung gewährleistet, daß man beim Einstellen der Stationsspeicher den gewünschten Sender eindeutig anhand der Skala identifizieren kann. Mit der Skalengenauigkeit waren wir allerdings nicht sonderlich zufrieden.

Das Feldstärke-Instrument zeigt eine vernünftige Charakteristik. Gut ablesen läßt sich das Ratiomitte-Instrument, es hat eine eindeutige Mittenmarkierung. Bei unserem Testgerät lag allerdings die Mittenanzeige geringfügig neben dem Klirrminimum. Bei exakter Abstimmung bleibt der Klirrfaktor äußerst klein, selbst Pegelspitzen werden noch weitgehend verzerrungsfrei verarbeitet.

Weiteres zum Empfangsteil

Mittelmäßiges leistet das Braun-Empfangsteil bei der Eingangsempfindlichkeit. Schwache und mittelstarke Sender waren stärker verrauscht als bei unserem Referenztuner. Dies wird auch durch die gemessenen Werte belegt. Stark einfallende Sender brachte der Regie 550 dagegen ebenso rauscharm wie das Vergleichsgerät.

Zumindest konnten die Unterschiede beim Empfangstest nicht wahrgenommen werden, was bedeutet, daß das Empfängerrauschen unter dem vom Sender ausgestrahlten Störpegel liegt. Vernünftig ist der Einsatzpunkt der Stummabstimmung gewählt, die Stereo-Schwelle liegt aber (wie bei vielen anderen Empfängern) viel zu tief. Pilotton und Hilfsträger werden beim Braun-Gerät sehr gut unterdrückt, das gleiche gilt für AM-Stö-rungen und Pilottonverzerrungen. Von jeder Kritik verschont bleiben Frequenzgang und Übersprechdämpfung.

Seine Stärke zeigt der Braun-Receiver beim Empfang eng benachbarter Stationen. Hier war er unserem Referenzgerät durchweg gleichwertig, in einem Fall sogar überlegen! Ähnlich gut wurde der "Regie" mit Gleichkanalstörungen fertig. Störimpulse, wie sie durch kommutierte Elektromotore entstehen, unterdrückte er bei kleinen Antennspannungen besser als der Referenztuner. Unterlegen war er diesem beim Fernempfangstest. Wie auf Grund der gemessenen Eingangsempfindlichkeit zu erwarten, brachte der Braun extrem schwache Stationen stärker verrauscht. Unterm Strich hinterläßt der Regie 550 einen positiven Eindruck. Durchweg gute Daten, durchdachte Konstruktion (bis auf ein paar Detail-Mängel) und solide Verarbeitung zeichnen diesen Receiver aus. Er ist mit Sicherheit seinen Preis wert.

Wagner/Wienforth im Frühsommer 1978
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