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Nachtrag zu den Quadro-Infos aus den 1970er Jahren ...

Es gibt nur wenige, die sich noch lange danach intensiv mit dem Kommen und Gehen der analogen Quadrophonie beschäftigt hatten und alles an verfügbarem Material aufgehoben hatten, das zu der damaligen Zeit verbreitet wurde. Inzwischen ist die damalige 4 Kanal Quadro- phonie über "5+1" und "7+1" zu "12+irgendwas" hochgetrieben worden und nur wenige Starverkäufer können wirklich plausibel erklären, was es dem ganz normalen Stereofreund mit dieser Technik wirklich bringt. Hier wird diese Thematik augearbeitet. Die Einführung finden Sie hier.

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Thema : "Die Zauberflöte als erste Quadro- Oper"
Das Repertoire der Schallplatte (fonoforum 1973 Heft 8)

Noch vor kurzem konnte man von den Verfechtern des Quadro-Gedankens lebhafte Klagen darüber hören, daß die Software-Hersteller sie bei der Propagierung ihrer Idee im Stich ließen, denn außer einigen Vierspurbändern gäbe es kein vorführbares Programmaterial.

Nach der Einführung der verschiedenen Verfahren zur Speicherung vierkanaliger Informationen auf Schallplatten hat sich die Lage auf dem Tonträger-Gebiet unauffällig, aber schnell geändert.

Als erste Schallplattenfirma brachte CBS Anfang 1972 Vierkanal-Schallplatten heraus. Das Quadro-Repertoire dieser Firma ist inzwischen auf 41 LPs angewachsen, die Platten, die aus Amerika importiert werden und zum Preis von 28.- DM über CBS zu beziehen sind, sind Parallelveröffentlichungen zu den größtenteils in Deutschland schon bekannten Stereo-Versionen.

Einige Monate später kamen aus Japan die ersten CD-4-Platten von JVC Nivico. Das JVC-Repertoire - mit hierzulande sonst nicht bekannten Einspielungen vorwiegend japanischer Herkunft - umfaßt mittlerweile 18 Platten, die Einzelplatte soll im Handel 17,50 DM kosten.

Während von WEA - Labels: Warner, Elektra, Atlantic - bis Redaktionsschluß noch keine Platten in Deutschland greifbar waren, ist das CD-4-Repertoire von RCA inzwischen als Import über die Teldec zu beziehen (25,- DM pro Platte).

Im Unterschied zu CBS bietet RCA Einspielungen an, die es nicht in Stereofassung geben soll. Ähnlich geht auch EMI-Electrola vor, die als erste deutsche Firma die Produktion von Quadro-Schallplatten aufgenommen hat: keine der neun (9) Platten des klassischen Startprogramms überschneidet sich inhaltlich mit Stereoaufnahmen, sie bieten entweder Neuaufnahmen oder Aus- und Querschnitte aus Stereo-Kassetten.

Electrola wird zu Beginn der kommenden Saison auch die erste Gesamtaufnahme einer Oper in einer vierkanaligen Fassung offerieren: die Münchner Produktion der „Zauberflöte" unter Wolfgang Sawallisch (das Operettengegenstück wird der „Bettelstudent" sein).

Wie ist das mit der Kompatibilität ?

Angesichts dieser Situation stellt sich für den Schallplattensammler als erste wichtige Frage die nach der (Stereo-) Kompatibilität von quadrophonen Platten (auf "nur" Stereo-Plattenspielern).

Kann und soll man sich Quadro-Platten anschaffen, auch wenn man vorerst bei seiner Stereo-Anlage bleiben will? Und: Welche Platte soll man wählen, wenn parallel zur Stereo-Version auch Quadro angeboten wird ?

Zur ersten Frage: Nach unseren bisherigen Hörerfahrungen gibt es keinen Grund, sich nicht Quadro-Platten auch für den eigenen Stereo-Bedarf anzuschaffen. Bei den SQ-Platten von Electrola und CBS waren außer dem fehlenden Raumeffekt keinerlei Einbußen beim Abspielen in Stereo zu bemerken, der Klang war nach Farbe und Balance praktisch identisch.

Anmerkung : Das war bei meinen Tests aber gänzlich anders. Die SQ-Quadroplatten haben irgenwie komisch geklungen, jedenfalls bei einer hochwertigen Anlage. Ich hatte damals die Infinity Servostatic 1 bei mir stehen.

Nicht ganz so einheitlich war das Bild bei den CD-4 Platten. Eine ganze Reihe von RCA-Aufnahmen klangen zwar in Stereo ebenso ausgezeichnet wie über eine Vierkanalanlage, in einigen Fällen jedoch änderte sich der Eindruck spürbar.

So wirkte der quadrophon durchaus unbeengte Klang der Rachmaninow-Platte in Stereo etwas gedämpft. Ebenso klangen die Beethoven-Aufnahmen von JVC in Stereo zwar betont klar und sauber, aber weit weniger „saftig" als über Quadro. Bei CD-4 sind also Unterschiede der Klangwirkung offenbar eher möglich, wenngleich sie bei den hier rezensierten Platten nur in einem Fall zu einer deutlichen qualitativen Einbuße führten. Wie man sich im Fall der Wahlmöglichkeit zwischen Zwei- und Vierkanal-Version derselben Aufnahme entscheiden soll, hängt nicht vom technischen Pro und Contra ab.
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Es reichte von viel bis gar nichts an Unterschieden

Bei den EMI-Platten, die uns in zwei Versionen vorlagen, schienen die klanglichen Unterschiede minimal, bei den CBS-Platten waren sie deutlicher, ganz allgemein klang die SQ-Version eine Spur heller und halliger, die Stereo-Aufnahme dagegen etwas klarer und konturierter. In Einzelfällen, etwa bei der Stern-Zukerman-Aufnahme der Konzertanten von Mozart und Stamitz (siehe Heft 2/73), war dagegen in der Quadro-Version das (sehr geringe) Bandrauschen der Stereo-Version völlig eliminiert.

Fertigungstechnisch zeigten die vierkanaligen Platten völlig dasselbe Bild wie ihre Stereo-„Schwestern", generell scheinen die Hersteller sich bei diesen Erstlingen um hohe Qualität der Pressungen besonders bemüht zu haben: Oberflächenstörungen und Knistern waren nur ganz selten zu vernehmen, auch Bandrauschen und Rumpeln wurden - bei recht massiven Abhörlautstärken - nur vereinzelt registriert.

CBS und RCA liefern ihre Vierkanal-Aufnahmen in der neuen dünnen Plattenform (Gewicht um 100g gegenüber 130-150g bei den üblichen Platten).

Sie erreichten uns dennoch zum größten Teil ohne Höhenschlag. War eine Platte verwellt, so legte sie sich allerdings nicht auf dem Plattenteller von selbst wieder gerade, wie sie es nach den Herstellerangaben eigentlich tun sollte.

Jetzt zur Wiedergabe über eine Quadro-Anlage ...

Und die Wiedergabe über eine Quadro-Anlage? - Das Abspielen der SQ-Platten erwies sich als völlig problemlos. Die geringere Kanaltrennung zwischen Front- und Rücklautsprechern, die im System begründet liegt, tritt bei normalen Klassikaufnahmen, die den Klangkörper nach Konzertsaalmanier vor dem Hörer belassen, nicht negativ in Erscheinung. Die CD-4 Platten demonstrierten, daß Schwächen im Frequenz- und Dynamikumfang der Aufzeichnung, die man aufgrund des Verfahrens erwarten könnte, sich in der Praxis nicht auszuwirken "brauche".

RCA, die offenbar alle technischen Energien auf ihre „Quadradiscs" konzentriert hat, bietet einige Platten, die in Klangfülle und Leuchtkraft als musterhaft gelten können und jeden Vergleich aushalten.

Ein Ausschaltknacks am Ende der Aufzeichnung der Informationen für die hinteren Kanäle ist eine belanglose Unschönheit. Eine gewisse Problematik kommt bei den CD-4-Platten jedoch durch ihre offenbar gesteigerte Störanfälligkeit ins Spiel: Das Abspielen erfordert offenbar peinliche Sauberkeit, und auch nach ausgiebiger Säuberung von Plattenbesen und Nadel nach jeder Plattenseite war ein völlig störungsfreies Abspielen nur schwer zu erreichen (wohlgemerkt: von Platten, die über Stereo völlig einwandfrei klangen), bei etwas laxerem Vorgehen konnte das Abspielen durch häufige Knistergeräusche, die sich gelegentlich zu massiven Verzerrungen steigerten, zu einer leicht enervierenden Sache werden.

Hier ist - so unser derzeitiger Erfahrungsstand - offenbar das gewohnte Schallplattenniveau zur Zeit nur mit Schwierigkeiten zu erreichen, fonoforum wird in Zukunft das klassische Quadro-Angebot der Schallplattenfirmen im Rahmen seiner Schallplattenbesprechungen mitrezensieren.

Eine Quadroplatte wird im Vorspann angezeigt durch ein Q, das durch die Indexbuchstaben d oder m als Quadroplatte nach Diskret- oder Matrix- Verfahren näher beschrieben wird.

17 bei uns erhältlichen Neuaufnahmen in Quadrotechnik

Die folgende Sammelbesprechung befaßt sich mit 17 bei uns erhältlichen Neuaufnahmen in Quadrotechnik und ergänzt sie durch einen Blick auf quadrophone Parallel- und Ausschnitt- veröffentlichungen bereits in Stereo bekannter Einspielungen sowie durch Hinweise auf einige Aufnahmen des Unterhaltungsrepertoires. Durch den „Balken" (nur auf den gedruckten Heftseiten) sind diejenigen Platten aus dem Erstangebot hervorgehoben, die für „Klassiker" besonders interessant sind.

Die Quadro- Abspielanlagen in der Redaktion

Abgehört wurde über mehrere Anlagen verschiedener Größe mit den Lautsprecherboxen AR LST, Braun L810, Revox 4631. Canton LE600 und LE350 - diese abwechselnd für Front- und Rücklautsprecher - sowie einer Vierergruppe JVC SX-3.

Als CD-4-Demodulator diente der 4 DD-5 von JVC, als SQ-Decoder der Sony SQD 2020, zum Abhören der SQ-Platten wurde ein Ortofon M15E Super verwendet, für CD-4-Platten ein JVC 4MD-20X.

Als Verstärker fanden Verwendung die Modelle Klein+Hummel ES707, Lansing SG 520/SE400, National SU-3600 und Sony TA-1055. Als interessanter Nebeneffekt unserer Abhörtätigkeit sei hier zum Schluß noch kurz das Phänomen erwähnt, daß Quadrophonie „boxenfreundlich" ist: Verfärbungen von Lautsprechern wurden bei Betrieb einer Quadro-Anlage (ähnlich wie bei der parallelen Verwendung mehrer Boxenpaare) zumindest teilweise neutralisiert.
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