Die "Infinity Servostatic 1" war einmalig.
Es war 1970 und viele Hifi Enthusiasten versuchten, mit dem bis dahin bekannten Wissen und der damaligen Technik, den idealen Lautsprecher zu bauen. Und einige Wenige schafften das auch. Nur ideal war keiner der Lautsprecher damals.
Reden wir mal gar nicht vom Preis solcher Sonderkonstruk- tionen, was gab es damals als herausragende Schallwandler im Hifi-Bereich ?
Da waren die Quad Elektrostaten mit den beiden Mono-Röhren -verstärkern, es gab die damals edlen Lautsprecher von Braun und noch einige andere. Weiterhin gab es massenweise Durchschnitt aus England, Frankreich, Deutschland, Italien, Dänemark. Die edlen Teile aus den USA, deren Hersteller uns hier in Deutschland etwa 5 bis 8 Jahre voraus waren, die wurden von wenigen Importeuren für teuerstes Geld an den Mann gebracht, jedenfalls wurde es versucht.
Ich war damals gerade mal 22 Jahre alt und durfte im Bieberhaus in Frankfurt ganz hinten auf der Zeil im Hifi Studio schnuppern, was es alles gab. Manche der dort ausgestellten Geräte bzw. deren Preise waren absolut tabu, weil damals jeglicher Chance beraubt.
Die "Servo Statik 1" wurde von Mitte 1969 bis etwa 1973 gebaut, die Servostatik 1a im Anschluss von etwa 1973 bis Mitte 1977. Die SS1 hatte je 4 Hochtonflächen und 4 Mitteltonflächen. Dazu kam der in enem Palisanderwürfel untergbrachte 38cm Servobass, der nach unten abstrahlte.
Die SS1a hatte dann 7 Hochtöner und 6 Mitteltöner und der 38er Tiefbass strahlte nicht mehr nach unten, sondern nach vorne zum Hörer.
Einer der Importeure saß in Frankfurt, die Firma Audio Int'l.
Der Chef war Hermann Hoffmann. Und der hatte neben Crown (später Amcron) und SAE und anderen schönen Geräten auch den Infinity Import. Und er hatte eine wirklich bildhübsche Frau, eine Französin. Alleine das war schon ein guter Grund, dort in Bonames öfter mal aufzukreuzen.
Er hatte die kleine aber lukrative Lücke entdeckt und mit großem Engagement die Hifi-Anlagen für die Upperclass, die deutsche Oberklasse, aquiriert und importiert. Und bei Hermann Hoffman hatte alles seinen Preis. Wer nicht zur Oberklasse (= zur oberen Gehaltsklasse) gehörte, musste lange und akribisch sparen.
Die Besonderheiten der Servostatic 1
Die SS1 war kein normaler Lautsprecher und schon gar nicht für die 70 Jahre. Bei der Elektronik musste man sich weit aus dem Fenster lehnen, finanziell gesehen.
Die Hoch- und die Miteltöner brauchten entgegen der Aussage der Verkäufer massig Leistung bei unter !! 2 Ohm Scheinwider- stand und bei sehr stark induktiver Last. Alles Andere war und ist Unsinn. Die Endstufe mußte (muß immer noch) einen richtigen Übertrager ansteuern, der das Audio-Signal in die Hochspannung einmischte. Die 4 Hoch- und 4 Mitteltöner waren elektrostatische Flächenmembranen von edler Qualität (ähnlich wie die Quad) jedoch von nur minimaler Effizienz. Nur der Crown DC300A (2 x 190 Watt an 8 Ohm, / 2 x 350 Watt an 4 Ohm und nahezu 2 x 500 Watt an 2 Ohm) und der D150 (2 x 75 Watt an 4 Ohm und bis zu 2 Ohm herunter) waren damals geeignet.
Die Aufteilung der Frequenzen wurde aktiv über eine (der Frühzeit entsprechend recht primitive) elektronische Weiche für drei Bereiche vorgenommen und die Pegel waren in Grenzen per Schieberegler einstellbar. Der Bass ab ca. 170 Hz abwärts ging direkt auf einen 70 Watt Monoverstärker mit einer damals völlig irren elektrischen Gegenkopplung. Im Konus der Schwingspule waren zwei unterschiedliche Wicklungen, eine dicke zum Powern und eine ganz dünne kleine, um das damit generierte (echte !) elektische Signal zum Regelkreis zurückzuführen.
In 2006 habe ich den 70 Watt Verstärker mal durchgemessen, das war enttäuschend. Es war damals aber erst 1970 und bis 200 Hz brauchte man nichts als Stabilität. Klanglich ist das Teil heute eine Katastrophe. Auch die Frequenzweiche war nach heutigen Maßstäben nicht mal mittelmäßig von Übersteuerungsfestigkeit und Phasenlage. Weiterhin hatte der "gekapselte !! " Netztrafo auf die Frequenzweiche ein 50Hz Brumm eingetreut. Also habe ich dieses Teil komplett aus dem Verkehr gezogen und mit den beiden Panelen an einen Liebhaber mit verkauft.
Elektrostaten kann man nicht powern
Elektrostaten gehen nicht sehr laut, klingen dafür aber bei Streichern aller Art absolut herrausragend, auch heute noch. Auf der anderen Seite sind sie für Popmusik ungeeignet wegen der Impulsspitzen beim Schlagzeug. Damals hatte ich zum Krachmachen auch noch zwei Tannoy Arden.
Auch oder gerade, wenn der Crown DC 300A an 2 Ohm über 500 Watt Sinus an die Mitteltöner lieferte, die metallisierten schwingenden Folien dürfen nie an die begrenzenden Metall-Gitter anstoßen bzw. anschlagen. Dann knallt es, das ist nämlich ein Kurzschluß für das Hochspannungssystem und es brennen kleine Löcher in die Folien ein. Außer, daß man die Funken sprühen sieht, hat man nur noch Probleme. Die Mitteltonflächen würden bei vielen Löchern einen akustischen Kurzschluß bekommen und noch leichter anschlagen bei noch geringeren Lautstärken. Und dann ist das Ende abzusehen. Ist die Folie erst einmal an vielen Stellen zerfetzt, "lautspricht" der Lautsprecher nicht mehr. Die Jecklin Float Kopfhörer lassen grüßen.
Der Basswürfel der SS1 ist nach wie vor gigantisch.
Die SS1 bestand also aus 4 Elementen, den beiden Hoch-Mittelton Panelen, der Frequenzweiche mit Bassamp und dem Basswürfel, natürlich auch Palisander furniert. Und dort lächelte ein 48cm Basslautsprecher in einem geschlossenem Gehäuse. Und wenn fast schon die ganze Hütte kracht, hatte die Membran immer noch keine sichtbare Auslenkung, völlig konträr zu den Braun L710.
Die gummierte Leinensicke ist nach 40 Jahren immer noch wie neu und jetzt an der Denon 5 Kanal Anlage mit 110 Watt Sinus an 8 Ohm, jetzt kommt ein Tiefbass, wie ihn sich Geoge Lukas auch gebaut hatte.
Darum habe ich diesen Würfel nicht mit verkauft.













