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Man könnte sagen : Arnold Nudell erzählt . . . . .

In den Hifi-Zeitschriften wurde sehr oft die Sonnenseite der Medallie wiedergegeben, so auch hier. Von Herrmann Hoffmann, erster Importeur von Infinity, kennen wir auch die Schattenseiten der (ach so super tollen) Firma Infinity und den steilen Aufstieg und den ebenso steilen Abstieg der oder des Gründer(s).
Ganz sicher waren beide Entwicker hochmotiviert und auch befähigt, sich um die Creme de la Creme der Schallwandler zu bemühen und solche Edel-Lautsprecher auch erfolgreich zu entwickeln. Was ihnen aber völlig abging, das war die Vermarktung eines sehr erfolgreichen Produktes und vor allem auch die Produktion dieser Lautsprecher. So waren in den frühen Infinity Basswürfeln diverse verschiedene 38er Bass-Chassis drinnen (mit unterschiedlichen Eigenschaften), weil jedesmal der Lieferant ausgefallen war und/oder Alternativen gesucht werden mußten. Ein Grund waren sicher auch die geringen Stückzahlen dieser großen Chassis.

Mit dem großen Geld kam natürlich auch der Fluch der Tag- und Nacht-Arbeit, der Zerfall der Ehe(n) und der zunehmende Alkoholkonsum. Und zu der Zeit des Interviews war Mr. Nudell nur noch das "herumreisende Aushängeschild" - ohne die sogenannte Weisungsbefugnis eines Infinity Firmen-Präsidenten. Das wußten aber nur die Insider, fast nie die Redakteure. Wenige Jahre danach hatte er Infinity endgültig verlassen (müssen?).

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"Der Marathon-Mann" aus HIFI exklusiv 3/87
Ein Amerikaner in Paris

Er bezeichnet sich selbst als »workaholic«, liebt klassische Musik ebenso wie Paul Simon, spielt hervorragend Klarinette und ist Präsident des größten Lautsprecher-Herstellers der Welt. Ein Gespräch mit Infinity-Chef Arnold Nudell

  • Anmerkung : Das ist natürlich völlig übertrieben. Der größte Hersteller der Welt zu sein, behaupten mindestens 5 mir bekannte Unternehmen.


Der äußere Rahmen für mein Gespräch mit dem Infinity-Präsidenten hätte stilvoller kaum sein können. Wir sitzen im Wintergarten der feudalen Pariser Nobelherberge »Royal Monceau« und Arnold Nudell scheint meine Gedanken zu erraten.

Arnold Nudell in der Pariser Nobelherberge »Royal Monceau«

»Ganz nett, ich komme immer hierher, wenn ich in Paris bin.« Die vergangene Nacht sei etwas anstrengend gewesen, »aber wir sind schließlich in Paris.« Nudell, elegant gekleidet, aber noch ein wenig blaß, bestellt Eistee, und noch bevor ich meinen Notizblock zücken kann, will er genaueres über seinen Gesprächspartner erfahren.

»Man sollte immer wissen, mit wem man es zu tun hat«, erklärt er dieses Frage-Antwort-Spiel mit vertauschten Rollen. »Und jetzt schieß los.« Mr. Nudell... »Sag Arnie zu mir«

Angefangen hatte es 1968 in unserer Garage

Okay, zunächst die obligatorische Frage, wie hat alles angefangen? »Ich habe in Los Angeles Mathematik und Physik studiert und danach in der Raumfahrt-Forschung gearbeitet. Zur High Fidelity kam ich durch meine Liebe zur Musik. Mit dem damals erhältlichen Equipment konnte man einfach nie so gut Musik hören, wie ich mir das gewünscht hätte.

Deshalb gründete ich zusammen mit Cary Christie die Firma Infinity, das war 1968. Unsere Ziele waren von Beginn an hoch gesteckt, der einzige Maßstab war immer die Natürlichkeit und Exaktheit live gespielter Musik. Kostenfragen können da nur von zweitrangiger Bedeutung sein.«

Arnold Nudell über die Engländer

Eigentlich erstaunlich, so etwas aus dem Munde des Physikers zu hören. »Überhaupt nicht. Wir sind ein hochtechnologisiertes Unternehmen. Schau dir unsere Chassis an, die Magnete, die Kunststoffe - alles High Tech.

Aber das ist doch nur die eine Seite; das, was ich als »Kunst« bezeichne, beginnt erst mit der musikalischen Abstimmung.« Und da sind die Geschmäcker verschieden. »Genau. Und deshalb klingen ja auch alle Lautsprecher unterschiedlich. Nimm die Engländer, ein großartiges Volk, ich liebe sie. Die bauen hervorragende Zwei-Wege-Lautsprecher. Aber je größer sie werden ...«

Arnold Nudell über den besten Lautsprecher

Wenn es eine Skala gäbe, sagen wir von eins bis zehn, wo steht der derzeit beste Lautsprecher? A.N. überlegt einen Moment. »Ich würde sagen, bei sieben«. Und welcher ist das? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. »Die Infinity Reference Standard 5«.

Ich bin verdutzt. »Die I.R.S.4 war nie erhältlich und die Nr. 5 steht bisher nur in meinem Wohnzimmer. Aber sie wird noch in diesem Jahr kommen. Auch eine etwas kleinere Version für zirka 50.000 Mark.«

Probehören von Masterbändern

Kommen wir nochmal zur »Kunst« der Abstimmung zurück. »Dazu verwende ich vorwiegend Masterbänder. Ich besitze über 1000 von verschiedensten Musikrichtungen. Leider liegt ja die Qualität der meisten Schallplatten weit unterhalb des erreichbaren Niveaus.«

Und die CD? »Kam absolut unausgereift auf den Markt. Alle Player bis auf ein, zwei Ausnahmen klingen bei höheren Frequenzen scharf und verzerrt. Dabei ist das kein grundsätzliches Manko. Nur haben die Multis die technischen Parameter für »Mid-Fi« definiert, und erzählen jetzt, das System wäre perfekt. Dabei könnte man weit mehr herausholen. Und innovative Kleinfirmen werden sie dazu zwingen. Grundsätzlich halte ich CD aber für eine feine Sache - für den Verbraucher und für Hersteller und Handel.«

Wird es von Infinity wieder Elektronik geben ?

Infinity hat vor Jahren mit eigener Elektronik und sogar Tonarmen experimentiert. Ist in dieser Richtung wieder etwas zu erwarten ?

»Es gibt doch heute ganz hervorragende Verstärker. Auf meiner Skala würde ich sie etwa bei »acht« einstufen. Wir konzentrieren uns deshalb ganz darauf, bessere Lautsprecher zu bauen als die anderen. Also, Infinity wird kein Vollsortimenter. Na ja vielleicht, man weiß ja nie ...«; er lacht verschmitzt.

Arnold Nudell und die Lautsprecherkabel

Wie sieht er die derzeitige Kabeldiskussion? »Ach, das ist ein Thema für sich. Früher meinte man, ein Stück Draht mit Verstärkung sei das Optimum. Heute fragt man, ja - aber welches Kabel? Eines vorweg: Kabel klingen unterschiedlich! Nur ist es unseriös und unsinnig zu behaupten, und viele HiFi-Blätter tun das ja, das eine Kabel sei besser als das andere. Worauf es ankommt, ist die jeweilige Anlagen-Kette! Alles andere ist Augenwischerei.«

Arnold Nudell - das Gesicht spricht seine eigene Sprache

Mal ehrlich, Arnie, macht die viele Arbeit und das ständige Herumreisen eigentlich noch Spaß, was sagt deine Familie dazu?

»Also ich bin so etwas wie ein >Workaholic<. Wenn ich spätabends nach Hause komme, höre ich immer noch mit Freude Musik. Und wenn ich unterwegs bin, lasse ich mir immer Konzertkarten besorgen; manchmal spiele ich sogar Klarinette beim Los Angeles Philharmonie Orchestra. Meinen beiden Ehefrauen war das wohl alles ein wenig zu viel, ich bin jetzt wieder solo.«

Es ist bereits später Nachmittag und A.N. will sich ein wenig ausruhen. »Komm um sieben Uhr wieder, da habe ich eine Überraschung für dich.«

Die Überraschung - die neue Kappa-Serie - und zwar laut

Joachim Grigg, Chef von Infinity-Deutschland, wird konkreter. »Sie sind der erste Europäer, der die neue Kappa-Serie zu hören bekommt.«

Ich komme pünktlich. Der Ort des Geschehens ist kaum zu verfehlen und noch weniger zu überhören. Der freundliche Herr an der Rezeption lächelt etwas gequält: »Die Messieurs von Infinity befinden sich im Konferenz-Saal.«

Wenig später fragt ein frustrierter Mitarbeiter der angrenzenden Pianobar vorsichtig, ob es nicht eventuell ein ganz klein wenig leiser ginge. Geht nicht, die Kappas will man einfach laut hören.

Spezialaufnahmen der Sheffield-Leute

Plötzlich Glockengeläut und gutturale Urlaute. Arnie, jetzt in Jeans, schlägt sich vor Freude auf die Schenkel ob der erschrockenen Gesichter in der Hörerschaft.

»Das haben die Sheffield-Leute extra für mich in einem Kuhstall aufgenommen. Wahnsinnige Impulse! Die wollten nie glauben, wieviel Rauminformationen auf ihren Platten drauf sind. Jetzt tun sie's.«

Repariert wird mit dem Inbusschlüsel

Leon Kuby, Vice President International Sales, meint eine kleine Unsauberkeit herausgehört zu haben. Arnold Nudeil, Chef dieses Unternehmens mit 3stelligem Millionenumsatz, rutscht auf den Knien zur Kappa, zuckt den Inbusschlüssel und entfernt etwas Dämmmaterial. Wir hören wieder. Leon ist zufrieden.

Wenn Arnold Nudell die anderen aufs Glatteis führt

»Ich werde dir eine kleine Story erzählen. Ich habe mal ein paar Kritiker eingeladen, die einen hinter einem Vorhang versteckten Infinity-Lautsprecher beurteilen sollten. Die Meinungen waren natürlich unterschiedlich. Einige Wochen später das gleiche Spiel. Und wieder gab es ganz kontroverse Ansichten. Du hättest ihre betretenen Gesichter sehen sollen, als ich den Vorhang öffnete und dahinter kein Lautsprecher stand, sondern ein leibhaftiges Streichquartett. Ich will damit ausdrücken, welches Maß an Subjektivität selbst bei erfahrenen Hörern vorherrscht. Die Schlüsse daraus kannst du selber ziehen.«

Einen Eimer Pommes frites und Bier, das ist es . . . .

Dienstbare Geister schieben einen Wagen mit kulinarischen Kostbarkeiten herein - Avocados, Krabben, edle Tropfen. A.N. rümpft ein wenig die Nase und flüstert einem Kellner etwas ins Ohr. Der kommt nach ein paar Minuten wieder, mit einem Eimer Pommes frites und einem Champagnerkübel voll Bierflaschen.

»That's it.« Arnie, wird es irgendwann den perfekten Lautsprecher geben, die Nummer »10«? »Ganz sicher, und ich werde ihn bauen. Wo ist der Ketchup?« Wir gehen nach Hause. Die Pianobar ist leer.

"am" im März 1987
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