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Ein Artikel oder ein sogenannter "Test" in stereoplay 1/1980

Die Zeitschrift oder das Hifi-Magazin stereoplay hatte in den Zeiten von 1978 bis etwa 1985/86 einen wenig überzeugenden Ruf und auf den ausführlichen Seiten und Subseiten des Magazins hatte ich die Selbstbeweihräucherung und auf Hochglanz lackierte Lobhudelei oftmals kritisiert.

Hier haben wir solch einen Artikel, hier auch "Test" genannt, dem damals schon die Glaubwürdigkeit abhanden kam. Vieles war wie ein bezahlter Werbeprospekt aufgebaut und weidlich empor gehoben. Der Anzeigenkunde mußte sicherlich hoffiert werden. Und sicher waren die Macs tolle Geräte, doch keine Überverstärker. Dazu kam immer mehr Wettbewerb auf, nicht nur aus USA, vor allem aus Japan und sogar aus Deutschland. Die Chips und die mechanischen Bauteile gab es auf der ganzen Welt zu kaufen. Allein das über 30 Jahre aufgebaute Image der McIntosh Laboratorys wurde weiter ausgeschlachtet und aufwendig gepflegt.

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Test Mclntosh C 29 - "Noblesse oblige" - stereoplay 1/1980

Es gibt Sachen, von denen man gern träumt. Ein Mclntosh gehört dazu.
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"Das Handbuch lesen dauert 38 Minuten."

Auf dem „Owner's Manual" - wie profan klingt dagegen das Wort „Betriebsanleitung" - steht unübersehbar, daß die Lesezeit dieses mustergültigen Handbuchs 38 Minuten beträgt. Und tatsächlich - nach einer guten halben Stunde (falls die Englisch-Kenntnisse ausreichen) weiß der Besitzer, wie viele Geräte er an seinen Mclntosh-Vorverstärker C29 anschließen kann und wie welcher Regler funktioniert.

Das Gefühl, einen Rolls Royce gekauft zu haben

Aber er erfährt auch, daß der berühmte Mclntosh aus den USA, dessen Name nach Rolls Royce klingt und der fast das gleiche Image wie der englische Nobelschlitten genießt, eher durchschnittliche Daten aufweist. Ein Vorverstärker der 5000 Mark Klasse mit berühmtem Namen - und keine Spitzendaten?

Nun, die überläßt ein Mac, wie er vom kleinen Kreis der Mclntosh-Anhänger genannt wird, getrost billigeren Geräten. Diese Marke wird nicht nach Meßdaten oder gar nach Mark und Pfennig bewertet. Bei dem erzkonservativen amerikanischen Unternehmen zählt allein Qualität.

Der Mythos wird gepflegt . . .

Präzise Klangregler-Einstellung durch Stufenschalter: McIntosh-Details

Wie lange es dauert, bis einer der Angestellten die paar engtolerierten Widerstände für eine Platine selektiert hat, kümmert die Geschäftsleitung weniger als bei Konkurrenz-Unternehmen. Egal, wie lange ein anderer braucht, um den hochwertigen Stufenschalter zu verdrahten - wichtig ist vor allem, daß er keinen Fehler macht.

  • Anmerkung : Diese fest verdrahteten Stufenschalter in der Klangregelung hatte der 3.200.- Mark SONY Receiver STR 6120 bereits 1972 !!


Das Gehalt der Mitarbeiter steigt übrigens nicht mit der Zahl der gefertigten Baugruppen, sondern hängt davon ab, wie wenig Fehler dabei unterlaufen. Ein Mclntosh soll schließlich nach 25 Jahren genauso zuverlässig spielen und gut klingen wie zu Anfang.

  • Anmerkung : Das sind eigentlich typische Marketing Sprüche, die hier nicht hingehörten. Denn ein sehr sehr langer und ausführlicher Artikel auf der Website von Roger Russell, ehemals Chef der Lautsprecher-Entwicklung spricht da ganz Anderes.


Ebenso bedächtig arbeitet die Entwicklergruppe. „Es gibt keine strikte Begrenzung der Zeit und der Kosten eines Entwicklungsprojekts", behauptet Maurice Painchaud, der Vizepräsident.

  • Anmerkung : Auch das ist leider dummes Zeug und übliches Marketinggewäsch, denn als die Eigentumsverhältnisse gewechselt hatten (Frank McIntosh hatte die Firma verkauft), wurde erheblicher Druck auf die Effiziens gelegt.


In der Tat nimmt die Forschung in der Firmenbilanz nach den Gehältern die zweite Stelle ein. (Anmerkung : Ein sehr misteriöser Vergleich - was wird da mit wem verglichen ?)
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Im C29 werden ausschließlich ICs verwendet

Zwischen akkurat angeordneten Bauelementen die fotoelektrische Signalverzögerung (Bildmitte): Verstärkerplatine

So verwundert es auch nicht, daß McIntosh neue Schaltungskonzepte für seine Geräte selber entwickelt hat. Und wohl deshalb versehen auf der blitzsauberen Schaltplatine des C29 ausschließlich integrierte Schaltkreise den Verstärkerdienst.

Daß ausgerechnet Mclntosh als einer der ersten Hersteller diese kleinen Bauelemente, bei denen oft Hunderte von Transistoren und Dioden auf engstem Raum untergebracht sind, bei seinen Geräten einsetzt, darf als kleine Sensation gelten.

Das Unternehmen ist nämlich mit Neuerungen äußerst zurückhaltend; es gehört beispielsweise zu den Firmen, die noch bis vor wenigen Jahren röhrenbestückte Verstärker bauten. Vielleicht aus Angst, die neuen Transistoren, auf die sich damals alle Welt stürzte, könnten den langwierig gezüchteten Klang verfälschen. Obwohl damals die transistorisierten Geräte bessere Meßdaten brachten, war "der Klang" der Röhre "unschlagbar".

  • Anmerkung : Der Redkateur Gerald Dick spricht zum Glück nicht von "besser" !!


Das scheint sich nun geändert zu haben. Die neuen Verstärkerelemente, die bislang nur zögernd von einigen exklusiven HiFi-Spezialisten eingesetzt werden, fanden offensichtlich Gnade bei den Mac-Ingenieuren : Sie sollen mindestens so gut wie Röhren klingen, sind viel bequemer bei der Fertigung zu handhaben, und liefern dabei sogar noch bessere Daten. Das war allerdings das kleinste Problem, denn spektakuläre Meßdaten hat bisher noch kein Röhrenverstärker geschafft.
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Das Netzteil und der Netztrafo

Weniger modern denkt Mclntosh bei der Konstruktion des Netzteils: Der sorgfältig abgeschirmte Netztransformator ist so altmodisch groß dimensioniert, daß er manchem 40-Watt-Endverstärker gut zu Gesicht stehen würde. Diese teure Konstruktion hat den Vorteil, daß sie genau das tut, was sie soll: Spannungen transformieren und nicht Brumm durch Streufelder liefern, die bei knapp bemessenen Trafos auftreten.

  • Anmerkung : Der Vergleich hinkt leider ganz gewaltig, denn sogar Max Grundig hat in seine erheblich preiswerteren und nahezu genauso edlen 1979er Hifi-Serien richtig dicke überdimensionierte Schnittbandkern-Trafos eingebaut. Die gibt es hier beim Mac aber noch nicht. !!

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Die Features (Eigenschaften) des C29

Ermöglicht alle erdenklichen Betriebsarten: Funktionswahlschalter

Natürlich ist die Ausstattung des C 29 vollständig - oder fast vollständig. Da gibt es einen eigenen Verstärker für die beiden Kopfhörer-Ausgänge, und natürlich ist die Loudness stufenlos einstellbar, um die gehörrichtige Lautstärkeregelung der Raumakustik anpassen zu können. Da gibt es den „Mode Selector", mit dem allerlei Spielchen getrieben werden können wie zum Beispiel Stereo verkehrt, beide Kanäle nur links oder nur den rechten Kanal auf beide Ausgänge.

Es gibt eine Netzsteckdose für den Plattenspieler, die ganz raffiniert konstruiert ist: Wird der Plattenspieler eingeschaltet, so erkennt das ein Sensor, der dann den C 29 einschaltet und, falls die übrigen Geräte daran angeschlossen sind, die ganze HiFi-Anlage. Der Besitzer kann auch zwischen zwei Bandgeräten überspielen und dabei noch Musik hören.

Aber er kann kein dynamisches MC-Tonabnehmer-System anschließen. Und das ist bei diesem Verstärker ein Mangel. Denn einen "Vorvor"-verstärker der gleichen Qualität zu finden, dürfte nicht allzu leicht sein. Gewiß, es gibt vorzügliche magnetische Abtaster, die ohne diesen zusätzlichen Verstärker auskommen, aber Freaks, die auf die Dynamischen MCs schwören, möchten ihren Mac nicht gerade mit irgendeinem Pre-Pre zusammenschalten.

  • Anmerkung : Das ist eine typisch deutsche Marotte, die qualitativ mit NICHTS zu begründen ist.


Dafür entschädigt dann, zumindest zum Teil, das Mclntosh-Flair, das der eingeschaltete Verstärker ausstrahlt: In magischem Grün leuchten alle Beschriftungen der neun Regler auf, dazwischen schimmern rote Leuchtpunkte, die anzeigen, welche Reglerstellung gewählt wurde. Und das liefert dann, wegen der professionellen Verarbeitungsqualität und der konservativen Bauweise, Grund genug für die Faszination, die von einem Mac ausgeht.
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Die Messungen im Labor

Im Meßlabor, wo (auf Deutsch besser: "in welchem") der sachliche Tester sich von Flair und Faszination nicht beeindrucken läßt, übertraf der C29 alle im Handbuch offensichtlich zu vorsichtig angegebenen Meßdaten deutlich. Besonders gut schnitt er bei der Q20-Messung ab, auf die (Anmerkung: aber nur) stereoplay großen Wert legt, da sie eine brauchbare Aussage über das dynamische Verhalten eines Verstärkers liefert und wichtig ist für die Verarbeitung der hohen Impulse moderner Direktschnittplatten.

Erst bei 100 Millivolt am Phonoeingang traten dann deutliche Verzerrungen auf. Allerdings, solch hohe Signalspannung erzeugt bis heute noch keine Platte.

Sehr gut waren auch die Klirrwerte, die freilich unter 0,03 Prozent keine Aussagekraft mehr haben; darunter liegt auch ein Mac. Eher durchschnittlich dagegen waren die Fremdspannungsabstände und das Übersprechverhalten. Da liefern in der Tat weitaus billigere Verstärker bessere Daten. Trotzdem, Datenfetischisten werden nicht zu Mclntoshs Stammkunden zählen, und letztlich entscheidend ist der Klang.

Das fiel beim Mclntosh C 29 auf:

Keine Frage, der C29 kostet viel Geld. Dafür bietet der Prestige-Vorverstärker aber auch eine ganze Menge. Beispielsweise erwies sich im Praxis-Test die Einschaltautomatik des C29 für die gesamte HiFi-Anlage, die nur durch den Plattenspieler-Start in Gang gesetzt wird, als sehr angenehm. Statt die fünf bis sechs Netzschalter einer typischen HiFi-Anlage betätigen zu müssen, reduziert der Mclntosh diese Prozedur auf den Plattenspieler-Schalter.

  • Anmerkung : Ist natürlich dann Unsinn, wenn ich über den ebenso edlen McIntosh Tuner Stereo-Musik hören möchte oder sogar Musik vom Tonband oder dem Cassettenspieler und wenn ich (in wenigen Jahren) gar keinen analogen Plattenspieler mehr benutze, weil ja in Kürze (1983) die CD heraus kam.

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Ebenso nützlich ist die eingebaute Verzögerungsschaltung, die dafür sorgt, daß der C29 erst dann das Tonsignal an den Endverstärker oder die Aktiv-Boxen weitergibt, wenn seine Betriebsspannung bereits kurze Zeit anliegt. Damit werden dann Einschaltknackse sicher vermieden. Und dazu gehören auch Ausstattungs-Details wie präzise Klangregler, die aufwendig mit Stufenschaltern aufgebaut sind, oder der spezielle Lautstärke-Regler, der genauer als ein Dezibel arbeitet.

Allerdings hätte ich aber auch erwartet, daß Mclntosh den HiFi-Fans, die gerne mit Tonabnehmern experimentieren, mehr entgegenkommt. Beim C29 vermisse ich nämlich die umschaltbare Eingangskapazität für magnetische MM Tonabnehmer und den empfindlichen Eingang für dynamische MC Abtaster.

Im Hörtest zeigte sich dann auch, daß der C29 zu den Verstärkern gehört, die Amerikas HiFi-Fans gern mit „State of the art" bezeichnen. Über sehr gute Lautsprecher wie die englischen IMF-Monitore vermittelte der Mac ein homogenes und präzises Klangbild. Einzelne Instrumente blieben sauber definiert, auch wenn ein Richard Strauss-Orchester extreme Anforderungen an die Komponenten stellte. Es kam nicht vor, daß dabei ein Musik-Instrument wanderte oder an Kontur verlor.

Weibliche Singstimmen brachte der Vorverstärker mit Wärme und Klarheit, wobei wiederum die Präzision der Abbildung auffiel. Streicher behielten ihren charakteristischen zarten Anstrich (vorausgesetzt, auf der Platte gibt es solche Feinheiten), im Kontrast dazu stand der harte und kristallklare Anschlag eines Klaviers.

Gewiß, der Verstärker ist teuer. Aber er liefert jene Perfektion und Leistung, wie sie auch bei exklusiven Autos zu finden sind - und die sind auch nicht billig.

Gerald O. Dick im Winter 1979

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