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Ein Monster-Receiver aus 1978

bearbeitet im Dez. 2016 von Gert Redlich - Unter Monster-Receiver verstanden und verstehen wir die übergroßen und überschweren Boliden, die man kaum nocht tragen konnte. Der Vorteil war natürlich, die hatte auch niemand geklaut. Selbst heute so ab 2014, da die Sammler Traumpreise bezahlen, sind die 30 oder 35 Kilo Kisten diebstahlsicher.

Es war die Zeit damals um 1978, als nichts groß genug sein konnte. Und Power satt sollte auch da sein. Da es solche Boliden immer wieder gab, muß es auch Kunden dafür gegeben haben. Die allermeisten normalen Hifi-Fans hatte sich dagegen Tuner, Vorverstärker und Endstufen als getrennte Hifi-Bausteine angeschafft. Das machte wirklich mehr Sinn. Alleine manche Endstufen wogen bereits 20 Kilo.
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In der Ausgabe 07/1978 des Magazins STEREO - ein "Test"

Die Hifi-Zeitschrift STEREO hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich und hatte bei den verbissenen Hifi-Fans keinen guten Ruf. Denn da stand ja nichts von Hifi im Titel. Und so fanden auch diese Tests und vor allem der hier folgende Test keine so große Bedeutung. Das Gerät war für die Masse der Fans sowieso viel zu teuer und sollte vermutlich auch nur der "symbolische" Spitzenreiter des 1977er Receiverprogramms sein. Werfen Sie durchaus auch mal einen Blick auf den Pioneer SX-1980 Monster-Receiver - getestet in der gleichen 1978er Ausgabe.
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Der Receiver Marantz 2500 (1978)

Auf den ersten Blick wirkt der Marantz, der mehr als einen halben Zentner (also über 50 Kilo ?? - Er wiege aber laut Datenbaltt nur 59 Pfund der 32 Kilo) wiegt, recht unübersichtlich. 27 Knöpfe und Regler, 9 Leuchtdioden, der Tuning-Knopf, die UKW-Skala und gar ein Oszilloskop lassen selbst Fachleute nach dem richtigen Schalter suchen. Doch zieht man die sieben Knöpfe für die Oszilloskop-Bedienung und die 4 Knöpfe für die Tonbandfunktionen ab, so bleibt nicht viel mehr als das, was ein "normaler" Verstärker auch hat.
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Die Beschreibung der "Ausstattung"

Die Klangregelung besteht aus Baß-, Mitten- und Höhenregler. Diese Regler können über den "tone mode" -Schalter ausgeschaltet werden, wenn man linear hören will. Außerdem können mit diesen Schaltern die Einsatzfrequenzen von Baß- und Höhenregler verändert werden, entweder einzeln oder beide zusammen. Der Einsatzpunkt liegt dann bei 100 Hz (Baßregler) bzw. 10 kHz (Höhenregler). Weiter läßt sich der Klang noch durch eine Loudnesseinrichtung, ein Höhenfilter und ein Rumpelfilter für Schallplattenwiedergabe beeinflussen. Die Balance ist als Schiebepotentiometer ausgelegt.

Statt eines Mono-Knöpfchens hat der 2500 den "Mode"-Schalter, mit dem man Stereo, Stereo vertauscht, Links + Rechts (also Mono), links allein oder rechts allein hören kann. Mit dem "Selector"-Schalter kann auf die gewünschte Programmquelle AM, FM, Phono 1, Phono 2, Aux 1 oder Aux 2 geschaltet werden, was über Leuchtdiode angezeigt wird.

Details für Tonbandfreunde

Die "Tape Copy"-Einrichtung erlaubt das Überspielen von einem Tonband auf ein anderes. Bedenkt man, daß sich an der Gerätevorderseite noch die "dubbing"-Buchsen für den Anschluß eines Tonbandgerätes befinden und daß man den "Pre Out"-Ausgang des Vorverstärkers für klanggeregelte Tonbandaufnahmen heranziehen kann, ohne irgendwelche Brücken lösen zu müssen, so bleibt kein Wunsch für den Tonbandfreund offen.
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16 (!) Endtransistoren

Zwei Leuchtdioden sprechen an, sobald die Ausgangsleistung den "clipping point" erreicht. Außerdem verfügt der Marantz noch über eine thermische Lautsprecherabschaltung, die bei starker Überlast recht zuverlässig anspricht.

Die 16 (!) Endtransistoren befinden sich in einem Tunnel, der durch ein Zweistufengebläse gekühlt wird, das bei großer Belastung selbständig auf stärkere Kühlung schaltet.
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Ein Oszilloskop

Doch was den Marantz von herkömmlichen Receivern unterscheidet, ist sein Oszilloskop. Mit den seitlich des Bildschirms angebrachten Potentiometern kann die Lage des Punktes justiert sowie die Amplitude des angezeigten Signals eingestellt werden. In Stellung "Audio" kann aus der entstehenden Figur die Amplitude und bei Stereo-Programm die Kanaltrennung abgelesen werden. Bei "Tuning" ersetzt das Oszilloskop Feldstärkeinstrument und Kanalmittenanzeige gleichzeitig, in "Multipath"-Stellung wird zusätzlich der Modulationsgrad angezeigt. Außerdem steht für den FM-Empfang ein Muting-Schalter zur Verfügung, dessen Schwelle auf der Rückseite des Geräts einstellbar ist, sowie ein "MPX Noise Filter", um verrauschte UKW-Sendungen auf Kosten der Kanaltrennung zu verbessern.

Nächster Absatz :
Die Beurteilung

Nach kurzer Eingewöhnung bereitete die Bedienung keine Schwierigkeiten, obwohl wegen der Vielzahl der Knöpfe auf das Lesen der Beschriftung nicht verzichtet werden konnte.

540 Watt Sinus

Die angegebene Sinusleistung von 340 Watt an 4 Ohm übertraf unser Testgerät bei weitem. Wir haben nach DIN bis zu 540 Watt gemessen! Bei dieser Leistungseuphorie darf man jedoch nicht übersehen, daß es wenige HiFi-Boxen gibt, die diese Leistung längere Zeit aushalten. Immerhin bleibt eine enorme Reserve.

An 8 Ohm bringt der 2500 immer noch beachtliche 340 Watt Sinus. Der Klirrfaktor mit 0,1% bei 1 Watt ist gut, bei 100 Watt mit 0,013% sogar sehr gut. Ab 100 Watt Sinusdauerton schaltet allerdings der Kühl-Ventilator auf volle Leistung, was zu Brummkomponenten führt. Außerdem arbeitet er in Stufe 2 recht geräuschvoll, was als störend empfunden wurde.

Der Dämpfungsfaktor bei 40 Hz und 1 kHz ist sehr gut, mit 28 bei 10 kHz noch gut.

Die Eingänge

Die Eingangsimpedanz der Eingänge stimmt praktisch mit den Normwerten überein, die Übersteuerungsfestigkeit der Eingänge ist groß. Der "Pre Out"-Ausgang liefert bei 370 Ohm Ausgangsimpedanz 3,7 Volt. Hierzu ist positiv zu bemerken, daß keine Brücke zur Endstufe gelöst werden muß, um den "Pre Out"-Ausgang zu benutzen. Dadurch kann dieser Ausgang problemlos zum Anschluß eines Tonbandgeräts herangezogen werden, wenn man Aufnahmen mit Klangregelnetzwerk machen will. Die Fremdspannungs-Abstände sind für ein Gerät dieser Preisklasse nicht gerade überwältigend, aber ausreichend.

Die Klangregelung

Sehr gut hingegen ist die Klangregelung ausgelegt, die mit der umschaltbaren Charakteristik gezielte Klangveränderungen ermöglicht. Das Rumpelfilter ist mit 18 dB/Oktave steil ausgelegt und läßt den Frequenzbereich oberhalb 20 Hz unberührt. Das Höhenfilter ist als Besselfilter mit 18 dB/Oktave ausgelegt. Diese Filterart hat zwar keinen gleichmäßigen Frequenzverlauf, dafür vermeidet sie Phasenverzerrungen und Überschwinger, wie sie bei üblichen steilflächigen (oder vieleicht doch steilflankigen) Filtern auftreten können. Der Phonofrequenzgang mit +0, -0,5dB Abweichung von der Normkurve ist recht ordentlich. Beim Empfangsteil erwies sich der große, um eine vertikale Achse sich drehende Abstimmknopf als praktisch, "Muting"-Knopf und "MPX Noise Filter" gehen im Gewirr der Klangregelknöpfe jedoch etwas unter.

Nochmal : Das Oszilloskop

Das Oszilloskop läßt ein Technikerherz höher schlagen. Ist es einmal justiert, braucht man nur durch Knopfdruck die gewünschte Funktion einzuschalten. In Stellung „Audio" erkennt man leicht Amplitude und mit etwas geübterem Auge die Kanaltrennung des niederfrequenten Audio-Signals, während man in "Tuning"-Stellung gleichzeitig Feldstärke und Sendermitte ablesen kann. Diese Doppelanzeige erscheint zwar elegant, doch zum Ablesen der Signalspannung ist der von der Feldstärke abhängige Stich ein wenig unglücklich.

Rund sieben Millimeter hoch, wandert er auf der vertikalen Achse und erlaubt schwer eine eindeutige Bestimmung, die man sich merken kann, um die Signalstärke eines zweiten Senders damit zu vergleichen. Die Ratiomitteneinstellung dagegen ist sehr genau und fällt mit dem Rauschminimum zusammen, das Klirrminimum nur unwesentlich davon entfernt. Ideal auch die Oszilloskop-Funktion „Multipath". Frequenzhub des Senders, Frequenzhubüberschreitung, Mehrwegeempfang, Antennenausrichtung bei Rotorantennen und Zweisenderempfang können (für Laien anhand der beigefügten Bilder) abgelesen werden.

Allerdings fiel bei unserem Testgerät nach wenigen Betriebsstunden die Fokussierung des Oszilloskops aus, wodurch es unbrauchbar wurde.

Die UKW Skala

Die Skala ist mit einer maximalen Abweichung von 50kHz relativ genau, die Empfindlichkeit als Funktion der Empfangsfrequenz variiert allerdings bis zu 3dB. Bei niedrigen Empfangsfrequenzen muß man mit einer um fast 30% geringeren Empfindlichkeit rechnen. Die Eingangsempfindlichkeit mit 1,3uV (mono) und 30uV (stereo) ist gut, ebenso der Begrenzereinsatz bei 0,8uV, angenehm auch das auf der Geräterückseite einstellbare Muting.
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Wenig Rauschen bei UKW

Sehr gut sind Fremd- und Geräuschspannung bei mono und stereo (weit über 70dB), ebenso der Klirrfaktor mit Werten zwischen 0,08 und 0,2%. Selbst bei großen Signalhüben bis 90kHz steigt der Klirrfaktor nicht über 0,2%, und Ratiomittenverstimmungen bis 70kHz lassen den Klirrfaktor noch unhörbar unter 0,5% bleiben. Dabei muß man jedoch berücksichtigen, daß der Marantz-Tuner breitbandig ausgelegt ist und diese ausgezeichneten Werte (wie bei vielen amerikanischen und japanischen Geräten) auf Kosten der Zweizeichentrennschärfe zustande kommen. Liegt z.B. ein anderer stärkerer Sender 200kHz oder weniger neben dem Gewünschten, so ist ein Stereoempfang nicht mehr möglich.

Dies kommt sowohl in unserer Messung der Trennschärfe zum Ausdruck, wo wir eine Durchlaßbandbreite von rund 300kHz (-3dB) ermittelten, als auch im Empfangstest, wo dieses Gerät unserem Referenztuner Revox B760 speziell bei diesen Prüfungen nicht überlegen war. Ähnliches gilt auch für die Gleichwellenselektion, bei der sowohl Meßwert als auch Praxistest ein übereinstimmendes Ergebnis lieferten.

Die technischen Daten und der Preis

Das sind die Messwerte aus dem Testlabor. Was mir damals schon suspekt war, wie haben die die Dauerleistung bei 2 x 540 Watt wirklich über eine halbe Stunde gemessen ?

Meine beiden 8 Ohm / 1% / 250 Watt Meßwiderstände von DALE werden bereits bei 250 Watt Sinusleitung nach wenigen Minuten (symbolisch) glühend heiß und müssen erheblich bzw. kräftig gekühlt werden.
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Letzter Absatz : Die Zusammenfassung

Der zusammenfassende Eindruck von diesem Gerät ist einerseits die enorme Ausgangsleistung bei sehr geringen Verzerrungen, in der eine große Reserve steckt, andererseits ein speziell für amerikanische Verhältnisse ausgelegtes Empfangsteil, das hierzulande bei dichter Senderbelegung zu Empfangsschwierigkeiten führen kann. Ist genügend „Luft" zwischen den Stationen, kann man sich allerdings eines hervorragend sauberen und klaren Klangbildes erfreuen.

Der Receiver ist solide gebaut und mit vielen Features, wie beispielsweise dem Oszilloskop, ausgestattet, was seinen Preis für jene rechtfertigen sollte, die diese Einrichtungen ausnützen können. Trotzdem sehen wir den geforderten Betrag in Anbetracht der eingeschränkten Empfangsmöglichkeiten als sehr problematisch an.

Der Tester war 1978 ein Herr Jacob, der aber im Impressum nicht genannt bzw. aufgeführt wird. Darum haben wir auch keinen Vornamen.
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Mein Kommentar

Der Marantz 2500 von 1978
Der Pioneer SX-1980 von 1977

Wie bei dem Pioneer SX-1980 Monster (Bild rechts) ist auch der hier beschriebene Marantz 2500 ein Prozzo Prozzo Teil, das in der Realität nur in den Augen der Kollegen bzw. Mitschüler Bestand hatte, sofern man es sich überhaupt leisten konnte. Wie der Pioneer ist auch der Marantz nahezu diebstahlsicher, weil er immens schwer ist.

Nach meiner Meinung ist die goldene Optik des Marantz dem silbernen Pioneer um ein paar kleine Ticks voraus, weil einmal das Oszilloskope hervorsticht und dieser waagrechte Senderwahlknopf so einmalig ist und auch noch toll aussieht. Die technischen Daten sind sehr sehr ähnlich. Auf jeden Fall läßt sich damit in dem 16m² Zimmer mehr angeben als mit der 2 x 1000 Watt Car-Hifi- Endstufe im Corsa, Polo oder Fiesta.

Die zwei mal 500 Watt Sinus bei 4 Ohm würden die wenigsten Lautsprecher und schon gar nicht die Eltern oder die Ehefrau vertragen. Und ein dermaßen verärgerter Nachbar würde vermutlich die Hauptsicherung des Wohnblocks sprengen, damit endlich wieder Ruhe einkehrt. Das Lüftergeräusch wird mit Sicherheit ganz schön auf den Senkel gehen, für 5.800.- DM allemale. In der Computerzeitschrift ct werden seit den 1990er Jahren die Lüftergeräusche der PC- Netzeile in "Sone" gemessen und 0,1 Sone sind in stillen Räumen gerade noch akzeptabel. Man hört sie bereits. Der hier muß deutlich lauter sein.

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