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Eine Laudatio in der HIFI VISION 1989 Heft 5

Um es nocheinmal zu wiederholen, solche Laudatien beleuchten die Sonnenseite des Lebens, auch des geschäftlichen Erfolges. Hinter den Kulissen sieht es viel zu oft ganz anders aus. Auch Ernst Pfau war bei allen seinen Fähigkeiten als Redakteur oder Journalist nicht unumstritten. Ein paar Eigenarten kosteten ihn dennoch einige Freundschaften.
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Mai 1989 - HiFi-Pioniere: DER ALT-MEISTER

Ernst-Pfau-1989-85-Jahre
Ernst-Pfau-1963
Ernst-Pfau-1980

von Thomas Hoffmann im Mai 1989 - Ernst Pfau feierte kürzlich seinen 85. Geburtstag. Trotzdem zieht sich der große alte Mann des deutschen HiFi-Journalismus noch nicht aufs Altenteil zurück.

Am 24. Februar dieses Jahres 1989 feierte Ernst Pfau seinen 85. Geburtstag. In einem Alter, in dem andere längst ihr verdientes Pensionärsleben führen, bleibt der Jubilar immer noch dicht am Puls der High-Fidelity. Das Fernseh-Symposium in Montreux und die Internationale Funkausstellung Ende August in Berlin sind für ihn auch in diesem Jahr ein Muß.

Kein Wunder, denn der dienstälteste deutsche HiFi-Journalist lebt schließlich seit Jahrzehnten von Informationen und Kontakten aus der HiFi-Szene.

Ein journalistisches Talent

Ernst Pfau kam 1904 in Heidelberg auf die Welt, „an einem Sonntag, morgens um halb sechs, dem Geburtstag meiner Mutter". Er besuchte die Realschule in Bad Dürkheim und anschließend die Oberrealschule in Ludwigsburg. Besonders die technischen und musischen Fächer interessierten ihn. Die Liebe zur Kunst und zur Musik hat Pfau vom Vater geerbt. Der war Kunstmaler und die Musik seine große Leidenschaft. Zu Hause gab es ein Grammophon, und auch der Hausmusik-Abend war obligatorisch. Der Vater spielte Klavier, und Pfau junior begleitete ihn mit der Geige.

Seinen Physiklehrer auf der Oberrealschule verblüffte Pfau 1918 mit einem Vortrag über die Relativitätstheorie, die Einstein 1905 aufgestellt hatte. Schon damals zeigte er sein journalistisches Talent: Pfau konnte schwierige physikalische und technische Zusammenhänge so erklären, daß sie auch von Nicht-Fachleuten verstanden wurden.

Die NS Zeit

Nach dem Abitur studierte Pfau Architektur, Physik und Mathematik an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Mit dem Journalismus hatte der angehende Architekt damals noch nichts zu tun.

So begann er seinen Berufsweg planmäßig. Vielleicht wäre Pfau ein erfolgreicher und bekannter Baumeister geworden, wenn nicht die Nationalsozialisten an die Macht gekommen wären. So lehnten die neuen Machthaber nach dem Ausruf des Reichskulturgesetzes seine Rachdach-Entwürfe als „jüdisch" ab. Und ein Architekt, der nicht Mitglied in der Reichskulturkammer war, wurde damals automatisch arbeitslos.

Pfau suchte also eine neue berufliche Existenz. Seine Neugier, sein technisches Wissen und ein paar Kontakte brachten ihn zum Journalismus. Als freier Mitarbeiter berichtete er ressortübergreifend für die Stuttgarter Tagespresse und für einige technische Fachzeitschriften.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg mit 42 Jahren und der Rückkehr aus französischer Kriegsgefangenschaft 1946 blieb Pfau dem Journalismus treu. Er arbeitete als Ressortleiter Politik, später Wirtschaft und dann als verantwortlicher Redakteur für die Umland-Ausgaben bei zwei Stuttgarter Zeitungen.

Aber die geforderte Redaktionsdisziplin bei der Presse war nichts für den „aufmüpfigen" Techniker. Er wollte lieber als freier Journalist arbeiten.

Zu dieser Zeit kam gerade der Rundfunk in der jungen Bundesrepublik auf. „Niemand verstand etwas von dieser neuen Technik", erzählt Ernst Pfau, „und so konnte ich gar nicht so viele Artikel schreiben, wie die Verlage drucken wollten."

Ein früher High-Fidelity Fan

Erfahrungen mit der Rundfunk-Technik konnte er vorweisen. Immerhin hatte er 1934 für einen selbstgebastelten Radioempfänger den ersten Preis bei einem Technik-Wettbewerb gewonnen. Und bereits nach dem ersten Weltkrieg baute er aus „organisierten" Teilen einen Empfänger mit vier Röhren zusammen, mit dem er die legendären Radiosendungen aus dem Londoner Savoy-Hotel hören konnte.

Und auch die High-Fidelity hatte es ihm angetan. Der Wunsch nach möglichst naturgetreuer Musikwiedergabe kam Ende der 1950er Jahre von den USA nach Deutschland. Von Stereo noch keine Spur, galt damals der monophone Rundfunkempfänger mit Plattenspieler als Höchstmaß an high-fideler Ausstattung in der Wohnung.

1953 Pfau und die Fachzeitschrift „Sonora"

Schon 1953 gründete Pfau die erste Fachzeitschrift zu diesem Thema. Doch das Blatt namens „Sonora" erschien nur viermal. Danach stellte der Verleger, die Bielefelder Verlagsanstalt (Anmerkung : die Verlagsanstalt war später ab 1956 Herausgeber des fonoforum), es aus Geldmangel ein.
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Doch einmal mit dem HiFi-Virus infiziert, prägte nun dieses Thema Pfaus journalistische Arbeit. So war es kein Zufall, daß er als Hauptinitiator zu den Männern der ersten Stunde bei der Gründung des Deutschen High-Fidelity Instituts (DHFI) im Jahre 1962 gehörte. Noch heute ist er dort Ehrenmitglied.

Parallel zur Gründung erschien auch eine Zeitschrift des DHFI, die „HiFi-Stereopraxis", später „HiFi-Stereophonie". Erster Chefredakteur war - wie konnte es anders sein - Ernst Pfau.
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  • Anmerkung : Erstens stimmte die Reihnfolge nicht. Und zweitens hat nicht das DHFI diese Hifi-Zeitschrift gegründet, sondern eher hat Karl Breh die Gründung des DHFI initiiert. Die Hifi-Sterophonie wurde nämlich bereits in 1961 von dem jungen Karlsruher Dipl. Physiker Karl Breh und dem 60jährigen Verlagsleiter des G. Braun Verlages (Karlsruhe) Dr. Knittel vorbereitet und im Januar 1962 gestartet. Mangels Brehs verfügbarer Zeit (zwecks Promotion) und auch durch die publizistische Begabung empfohlen, wurde der 58jährige Ernst Pfau als Herausgeber und Chefredakteur angestellt bzw. eingestellt.

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In diesen Jahren kamen im HiFi-Bereich viele Entwicklungen auf den Markt, wie beispielsweise die Kompaktcassette. Pfau kommentierte und erklärte die neuen Techniken mit fachlicher Kompetenz und journalistischem Geschick.

1973 wechselte Pfau als Berater und freier Autor zum Münchner HiFi-Magazin „Stereo". Er schrieb verschiedene technische Serien, zuletzt über die Grundlagen der CD-Technologie. „Ich war das technische Gewissen der Zeitschrift", beschreibt Pfau spaßhaft seine Position.

  • Anmerkung : Diese Darstellung bedarf unbedingt der Korrektur. Bereits Mitte 1963 ging das nicht mehr zu bremsende Gerücht durch die Hifi-Szene und vor allem durch die Köpfe und Gedanken der Lieferanten und Importeure, die Hifi-Stereopraxis - 1963 im Juni gerade in Hifi-Stereophonie umbenannt - sei bestechlich (man nannte das "beinflußbar"). Größere und vor allem auch teure Testgeräte würden den Weg zurück zum Versender "nicht mehr finden" und sich in Luft auflösen. Und das war für den Verlag der sichtbare gefährliche Anfang vom Ende. Ernst Pfau wurde abgelöst und mußte gehen. Er verblieb zumindest offiziell noch ein paar Jahre als Herausgeber im "Schattenkabinett" des Impressums.

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Auch als Buchautor machte sich der gebürtige Heidelberger einen Namen. Er veröffentlichte sechs Fachbücher zu den Themen High-Fidelity, Magnettontechnik, Fernsehen und Elektronik.

Durch seinen unermüdlichen Einsatz in Sachen HiFi wurde Pfau weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Sein Name hat auch unter Amerikas und Japans HiFi-Kennern einen guten Klang.

Diese Popularität hatte für den Journalisten eine willkommene Begleiterscheinung: Er reiste quer durch die ganze Welt. „Ich war dauernd auf Achse", erzählt der 85jährige von seinem Hobby. Wenn er von seinen Reisen nach Japan, in die UDSSR oder nach Südamerika berichtet, glänzen seine Augen.

mit 85 Jahren

Neben HiFi interessiert den Journalisten alles, was mit Technik und Naturwissenschaft zu tun hat. Ob Computertechnik oder Astrophysik, Pfau ist immer ein fachkundiger Gesprächspartner.

Mit der Entwicklung der High-Fidelity im Audiobereich ist der Jubilar sehr zufrieden. „Heute jedoch hat der Audiobereich durch die Digitaltechnik seine Grenzen erreicht", meint Pfau.

Die Aufgaben der Zukunft liegen für ihn auf einem anderen Gebiet: „Der HiFi-Gedanke muß auf den Videobereich und das Fernsehen übertragen werden."

In den letzten Monaten mußte der große alte Mann des HiFi-Journalismus aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Die schlechter werdenden Augen und ein Beinleiden behindern ihn.

Trotzdem gehört er noch längst nicht zum alten Eisen. Auch wenn die Zahl der alten Weggefährten ständig kleiner wird. „Ich sage immer, die halten das Leben nicht aus", kokettiert Pfau mit seinem Alter. Sein Geheimrezept für das Altwerden: „Ich kenne keinen Streß. Ich lasse mich nicht hetzen."

Zur Entspannung trägt auch die Musik bei. In seiner Wohnung im schwäbischen Asperg türmt sich neben der umfangreichen Bibliothek und den Papieren eines langen Journalistenlebens eine Schallplattensammlung mit rund 6000 Titeln. Doch seit der Einführung der CD bleiben die schwarzen Scheiben bei ihm im Regal, er genießt den digitalen Klang. Ernst Pfau ist 85, aber eben immer auf der Höhe der Zeit.

Thomas Hoffmann im Mai 1989
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Nachtrag in 2015 :

Bei der Durchsicht der vielen vielen Mangazine aus den unterschiedlichsten Verlagen fiel immer wieder der Autor oder Redakteur Ernst Pfau ins Blickfeld. Er war also auf allen Hochzeiten vertreten, egal, wer dort gerade am Ruder einer Hifi-Zeitschrift war.

Und er mochte Karl Breh nicht mehr, der ihn ja aus der Hifi-Stereophonie rausgeworfen hatte, als das mit den "Geschenken" in der ganzen Branche die Runde machte. So sind seine Kommentare bezüglich aller Initiativen Brehs immer negativ geprägt, egal wie erfolgreich die wirklich waren.

Gleiches galt auch später nach 1984 für die Redaktionskollegen aus stereoplay und AUDIO, als Karl Breh dort (von ganz oben) als Chefedakteur eingesetzt wurde und Dr. Gerald O. Dick gehen mußte - und flugs eine neue Zeitschrift Hifi-Vision aufmachte. Sofort war auch Ernst Pfau mit bei den Aussteigern dabei.

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