Sie sind hier : Startseite →  Hifi Wissen und Technik→  Hifi - Wer bestimmt das

Wer bestimmt, was wirklich Hifi ist und wie es klingen muß ?

Aufgrund der ganz erstaunlichen Resonanz der dpa Meldung zum 80. Geburtstag der Langspielplatte am 16.9.2011 stand das Telefon nicht mehr still. Und immer wieder kam die Frage, welche Vinyl Platten klingen denn nun wirklich gut oder welche Aufnahmen seien "die" Referenz ?

Doch darauf gibt es keine "wertneutrale" Antwort und schon gar keine "richtige" Aussage.

Darum hier ein paar Grundlagen:

Wer bestimmt die Qualität einer Konzertaufnahme ?

Bis die Aufnahme auf dem Band (das war damals) oder auf dem Server (das ist heute) drauf ist, gibt es ein paar technisch-akustische Gegebenheiten, die zum Gelingen beitragen können oder die alle Mühen grundlegend vermurksen.

  1. Das Studio, der Raum oder der Saal spielt die erste entscheidende Rolle. Inzwischen ist sehr gut bekannt, wie der Tonmeister den Raum, das Studio, den Saal oder die Halle akustisch ausmessen kann und auf seine Recording-Tauglichkeit hin überprüft. Erfahrene Akustiker "klatschen" den Raum aus.

  2. Die Plazierung der Musiker in diesem Raum hat immer noch großen Einfluß auf den aufgenommenen Schall der jeweiligen Instrumente. Eine Kesselpauke oder mehrere Kontrabässe vor einer harten Wand können unglückliche Resonanzen erzeugen, die kein Toningenieur mehr weg bekommt.

  3. Die jeweiligen und verschiedenen Mikrofone sind essentiell wichtig. Ein Toningenieur eines renomierten Aufnahmestudios hat bestimmt 20 oder noch viel mehr verschiedenartige Mikrofone in seinem Repertoir und davon jeweils mehrere. Ein solches Mikrofon von z.B. Neumann, Schoeps oder Sennheiser kann durchaus 4.000 Euro pro Stück kosten. Er hat gelernt, welche Mikrofon-Technologie zu welchem Instrument und zu welcher Stimme passt und in welchem Abstand er das Mikro positionieren muß (also nicht "kann" sondern "muß").

  4. Der Toningenieur mit dem Produzent bestimmt, mit wievielen einzelnen "Spuren" (so hieß es damals) er die Instrumente einzeln oder in kleinen Gruppen aufnimmt, um sie später zur Stereo oder Quadroaufnahme zusammen zu mischen. Das war eine reine Geldfrage. Ein 24spur Master war natürlich deutlich teurer als ein 8spur Master oder gar "nur" eine Stereoaufnahme.

  5. Der Dirigent mit dem Produzent und dem Tonmeister zusammen entscheidet, ob ein Teilstück eines Studiokonzertes wiederholt wird oder abgehakt wird. Bei einer Liveaufnahme ist die akribische Vorarbeit der Technik mit dem Tonmeister extrem wichtig, hier kann nichts wiederholt werden. Wird ein falsches Mikro zu spät entdeckt, könnte eine Trompete oder ein Saxophon deutlich übersteuert und verzerrt klingen, unwiederbringlich.

  6. Beim finalen Abmischen der Mehrspuraufnahme kann es zum Streit zwischen Tonmeister und Künstler (sprich Dirigent) kommen, die beide andere Vorstellungen vom aktuellen Endergebnis haben. Lesen Sie etwas über das Karajan Syndrom und seine dumpfen bassbetonten Aufnahmen.

  7. Und dann muss die Platte noch im Schneidstudio auf die "Folie" geritzt (geschnitten) werden. Ist dort der Tonkopf des Bandgerätes nicht perfekt sauber oder ist der Stichel nicht optimal gekühlt (mit Helium), geht wieder etwas von der Perfektion verloren.

  8. Beim späteren Pressen einer Vinyl-Platte können sich zu dem Verschleiß der beiden Pressmatrizen (die obere und die untere) weitere Fehler einschleichen, die die Qualität der Platte erheblich beeinträchtigen können. Ist die Vinyl-Masse nicht heiß genug oder zu heiß, können klitzekleine Bläschen auftauchen. Ich war dabei, als Herr Brüggemann alle drei Probepressungen von drei verschiedenene Presswerken verworfen hat, alles Murks hatte er leise geschimpft.

-

Das analoge Abtastsystem im Tonarm des Abspielers

In den letzen 30 Jahren habe ich, angefangen von einem Shure M44 bis zum Ortofon oder ELAC oder ClearAudio oder Shure V15III, alles Mögliche an Tonabnehmern mal probieren können und jeweils mühsamst versucht, ein Urteil zu finden.

Eigentlich klang jedes Abtastsystem einfach nur anders. Selbst die teuersten Vorverstärker mit fest eingestellten Eingangsstufen klangen anders und der Accuphase Vorverstärker C280L (einer der teuersten, die es gab) mit diversen Impedanzen und Kapazitäten, ebenso der Revox Vollverstärker B251 (damals auch sehr teuer) mit diversen Schalterstellungen klangen jeweils anders.

Dazu habe ich noch einen sündhaft teuren MC Vorvor-Verstärker DENON HA-500 (damals etwa DM 950.-), der mir auch nicht half, die "eine" absolute Einstellung zu finden. Nach Tagen, Nächten, ja ganzen Wochen wurde die Unsicherheit immer größer, etwas falsch gemacht zu haben. Wo war denn nun das supergeniale Optimum geblieben. An dem Revox Tangentialspieler kann es doch wohl nicht liegen. Der ist doch auch bei den analogen Gurus jenseits von Eden.
-

Darum: Hifi ist und bleibt subjetiv

Wer glaubt, mit seinem 18.000 Euro Plattenspieler etwas mehr aus der schwarzen Scheibe heraushören zu können, soll damit glücklich werden. Daß ich es nicht glaube, ist meine persönliche Meinung und hat eben etwas mit Glauben zu tun.

Da vertraue ich eher den altgewordenen ex DGG Spezialisten, die mir bei meinen Zeitzeugenbefragungen gesteckt hatten, daß mehr Qualität als die, die mit einem DUAL 1019 oder gar 1219 herunter kommt, ja sowieso nicht drauf sei. Sie (also die DGG Mannen) wüßten doch genau, was sie da drauf "schreiben" (ritzen).
-

Jetzt zur modernen Technik

Als ab 1983 die ersten CDs in Mengen auf den Markt kamen, war die große Masse begeistert und sprach von endlich mal kristallklaren rausch- und knackfreien Aufnahmen. Die kleinere Menge der Vinylfans sprach von steril wie im OP und völlig überzogener Klarheit.

Im Rückblick kann ich das für einige Exemplare dieser ersten Generation von CDs durchaus bestätigen. Es gab da Produzenten, die trieben das neue Medium auf die Spitze. Aber diese Anfänge waren bei den ersten Steroaufnahmen voller Euphorie über die neue plastische Wiedegabe genauso. Freddy Quinn sang wie festgenagelt absolut genau in der Mitte und von links kam die Gitarre und von rechts das Schlagzeug, ebenso steril und uveränderlich in die Erde gerammt.

Und erst die ersten 4-Kanal Quadro Platten, auch so um 1972, da wurde "quadrophoniert" einmal rund ums Gehirn herum, bis einem schwindlig wurde.

Inzwischen gibt es phantastische Stereoaufnahmen und sogar phantastische plastische 5-Kanal Aufnahmen - wie zum Beispiel der Gesang der Diva in dem Spielfim "Das fünfte Element" - von Sarah Brighman gesungen. Das ist Quadro und Hifi-Qualität vom Allerfeinsten.

Also auch mit dem betagten Wave-Format lässt sich durchaus noch leben.

Auch MP3 wird zu Unrecht vertäufelt.

Leider und immer wieder versuchen selbsternannte Gurus, das Kompressionsverfahren MP3 in die Pfanne zu klopfen. Leider diskreditieren sich die meisten durch stümperhaftes Nichtwissen, wobei sie fast alle gar keine Grundlagen für Ihre Urteile nennen können.

Die MP3 Technologie beschreibt mathematisch, was der Mensch wirklich nur hören kann, nichts weiter. Wie man dieses Wissen jetzt benutzt, ist Jedem überlassen, der irgendwelche Musik in MP3 Format konvertriert.

Nehmen wir als Beispiel das freie Programm Audiograbber 1.83. Öffnet man die MP3 Eigenschaften, sieht der Laie völlig verwirrt eine riesen Menge an Einstellmöglichkeiten.

Da fällt schon die variabel einstellbare Bitrate von 32KHz bis 320KHz ins Auge. Weiterhin könnte er von Mono bis Superstereo 8 diverse Schalter setzen. Der bei mir eingeklinkte freie "Encoder" LameEnc-dll-1.32 hat dazu (nur) noch eine variable Bitrate als Alternative. Es gibt aber auch dort viele weitere Varianten. Laut der Experten vom Rundfunk sind es an die 300 verschiedene Codierungsmöglichkeiten. Wer von den Kritikern hat die alle mal ausprobiert.

Wenn ich also eine CD in MP3 wandle, kann das Ergebnis nie besser sein als die Wavedatei auf der CD.
Alleine das Umwandeln eines analogen 38cm/s Studio-Masterbandes mit einem extrem hochwertigen 96Bit (oder auch noch besserem) A/D Wandler liefert die digitale Quelle für spätere noch bessere MP3 Dateien.

Und jetzt kann ich auch noch die Zielgröße meiner Datei mit den diversen Schaltern variieren.
-

Aus einer 60MB Wavedatei mache 3KB oder 50KB MP3

Nehme ich eine ganz normale 60MB große 6,5 Minuten Wavedatei als Beispiel und wandle die in mehrere Muster-MP3 Dateien, kommt Erstaunliches aber auch Erwartetes heraus.

  1. Mit der kleinsten Bitrate (32 Kbit/s) und Mono wird die extrem klein und hört sich natürlich schon sehr bescheiden an. Was erwarte ich von 0,85MB ?

  2. Nehme ich 128 Kbit/s, erhalte ich etwa 4,5 bis 5,5MB in Vollstereo und eine durchaus gute Qualität.

  3. Erhöhe ich die Bitrate auf 196 Kbit/s, ist das Resultat bereits 10MB groß und kling wie das Original. Der Unterschied ist wirklich marginal, auch im Vergleich zur 128 Kbit/s Datei.

  4. Erhöhe ich die Bitrate weiter auf 320 Kbit/s, tut sich bei einer von der CD umgewandelten Wavedate qualitativ nichts mehr, alleine der Glaube versetzt Berge. Die Datei jedoch ist jetzt fast 20 MB groß.

-

Laden Sie sich aus dem Internet das freie kostenlose Windows 32 Programm "Audiograbber 1.83" samt dem "lame" Kodiermodul herunter und probieren Sie es selbst aus. Sie werden staunen.

- Werbung Dezent -
Zurück zur Startseite ----- © 2012 - Copyright by Dipl. Ing. G. Redlich - D-65191 Wiesbaden - hier gehts zum Telefon der Redaktion
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos.