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20 Jahre DHFI und Hifi-Stereophonie - von Karl Breh 1982

Vor zwanzig Jahren, im Januar 1962, erschien im Verlag G. Braun die Erstausgabe dieser Zeitschrift.

Sie hieß bis zum April-Heft 1963 HiFi- Stereopraxis, erhielt dann ab Mai desselben Jahres ihren endgültigen Titel.

Man konnte das Wort "Praxis" durch das ebensoviele Buchstaben zählende Wort "Phonie" ersetzen, ohne das Titellogo - vier Tonbandspulen und eine Schallplatte in symbolischer Darstellung - zu ändern.

Auf das nicht sonderlich griffige "Stereopraxis" war man in Anlehnung an die wissenschaftliche Monatszeitschrift "Atompraxis" gekommen, die als älteste deutsche Zeitschrift dieses Fachbereichs ab 1954 im Verlag G. Braun erschien, ab 1971 dann aber mit der in München erscheinenden "Kerntechnik" fusionierte.

Die Änderung berücksichtigte den Wunsch
, im Titel die Tatsache besser zum Ausdruck zu bringen, daß sich die Zeitschrift gut zur Hälfte ihres Inhalts mit musikalischen Themen und Schallplatten-Rezensionen befaßte und "HiFi-Stereophonie" im Begriff war, sich zu einem eigenständigen universalen Medium musikalischer Kommunikation, sozusagen zum zweiten Weg musikalischen Hörens zu entwickeln.

Und damit bin ich schon bei der Doppelbedeutung der Überschrift angelangt. Berücksichtigt man, daß HiFi und Stereophonie in unserem Lande 1962 gerade so weit gediehen waren, daß acht Firmen, davon fünf Hersteller und drei Importeure, sowie zwei Privatpersonen zusammentrafen, um die Gründung eines Deutschen High-Fidelity Instituts zu diskutieren und zu betreiben, zu der es dann am 1. März 1962 auch wirklich kam, liegt man nicht ganz falsch, wenn man das Geburtsjahr des Mediums HiFi-Stereophonie mit diesem Datum versieht.

Über das DHFI 1962 (von Karl Breh) . . . .

Wie die Situation in Sachen High-Fidelity damals in unserem Land ausgesehen hat, erhellt ganz gut die Satzung des DHFI, an der sich bis heute nichts Wesentliches geändert hat:

  • Das DHFI schließt alle an der naturgetreuen Wiedergabe von Musik und Sprache (High Fidelity) Interessierten zusammen.
  • Das DHFI bezweckt die Steigerung des Qualität-Standards auf dem Gebiet der High-Fidelity-Technik, um auch außerhalb des Konzertsaals oder Theaters einen vollkommenen Kunstgenuß zu ermöglichen.
  • Das DHFI fördert die sachliche Aufklärung aller Interessenten sowie fachliche Beratung der Käufer und Verkäufer von High-Fidelity-Geräten.
  • Das DHFI arbeitet gemeinnützig. Die Tätigkeit ist nicht auf Gewinnerzielung gerichtet. Im Verlauf der Arbeit eventuell erwirtschaftete Überschüsse dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden.

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  • a) Die Mitglieder erhalten keine Gewinnanteile und in ihrer Eigenschaft als Mitglieder auch keine sonstigen Zuwendungen aus Mitteln des DHFI.
  • b) Es darf keine Person durch Aufträge, die dem Zweck des DHFI fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.


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Wer waren nun diese Gründungsmitglieder des DHFI ?

Die Beantwortung dieser Frage (im Jahr 1982 !!) wirft ein weiteres Schlaglicht auf die damalige HiFi-Landschaft in 1962.

Es waren am 1. März 1962 die Firmen :
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  1. Herbert Anger AG, Importeur der Marken Ampex, Cabasse, General Electric, Ortofon, Quad und Thorens;
  2. Garrard-Audioson GmbH, Importeur der Marken Garrard, Goodmans, Jobo, Leak, Sherwood und Shure;
  3. Shure Brothers selbst durch ihren Europa-Konsulenten Hermann Kaercher sowie die deutschen Hersteller
  4. Braun AG,
  5. Dynacord (jawohl, man höre und staune!),
  6. Elbau (die es meines Wissens nicht mehr gibt),
  7. Elac GmbH (die in der damaligen Form ebenfalls nicht mehr existiert),
  8. Klein & Hummel (1968 aus dem DHFI ausgetreten mit dem Argument, es seien zu viele Mitglieder aufgenommen worden)

    sowie die Privatpersonen
  9. Ernst Pfau, bis Juni 1964 Chefredakteur und Herausgeber, bis März 1966 nur noch Herausgeber dieser Zeitschrift (heute noch unverwüstlich als Fachpublizist tätig), und
  10. Dietrich Hahn, Werbeberater (der nach wenigen Jahren den Kontakt zum DHFI aufgab).


Aus dieser Aufzählung läßt sich ohne viel Phantasie der berechtigte Schluß ziehen, daß die Bundesrepublik damals noch HiFi-Entwicklungsland auf ziemlich niedrigem Niveau war.

Bei den Herstellern gab es zwar einige Glanzlichter - wie die Braun AG, Klein+Hummel und Elac, die sich - nebenbei bemerkt - alle zusätzlich auch noch als Importeure ausländischer HiFi-Marken betätigten, - aber ein Markt für HiFi-Produkte war nur in Ansätzen erkennbar.

Wie ich zu Hifi kam (von Karl Breh) :

Auf diese Tatsache ist die Gründung der Zeitschrift HiFi-Stereophonie überhaupt zurückzuführen. 1960 noch an der Technischen Hochschule Karlsruhe und nebenbei im Verlag G. Braun als Lektor für den Bereich „Wissenschaftliche Bücher" tätig, empfand ich den dringenden Wunsch, eine HiFi-Anlage zu erwerben, um meiner Leidenschaft, Musik zu hören, ausgiebiger frönen zu können.

Von Fachwissen unbeleckt, ließ ich mich bei einem "Fachhändler" beraten und zum Kauf einer Musiktruhe, Stilrichtung Barock, überreden, deren Hersteller ich schamhaft verschweigen will. (Anmerkung aus 2013: es war ein großer deutscher Hersteller) Dieses Klangmöbel kostete damals über 2.000.- DM!

Der Ärger über das Gerät und die auf der Hannover Messe 1961 gewonnene Erkenntnis, daß dort bereits echte HiFi-Geräte angeboten werden (ich sah damals zum erstenmal den Garrard-Plattenspieler mit den Stroboskop-Marken am Außenrand des Plattentellers), ließen in mir den Gedanken reifen, daß es wohl einer verlegerischen Unternehmung bedürfe, um HiFi-Interessenten durch Aufklärung vor "ähnlichem Schaden" zu bewahren.

Da meine Lektoratstätigkeit auch eine aquisitorische Komponente hatte - ich machte Autoren für wissenschaftliche Bücher ausfindig -, schlug ich - sozusagen halt mal zur Abwechslung - die Gründung einer Zeitschrift vor, zu der es dann nach einigem - für mich nicht nur erfreulichen - Auf und Ab schließlich auch kam.

Die Aussichten für den Verlag auf schnellen wirtschaftlichen Erfolg waren mehr als düster. Es bedurfte schon des verlegerischen Weitblicks und der Bereitschaft, unternehmerisches Risiko einzugehen. Dr. Eberhard Knittel, Inhaber und Hauptgeschäftsführer des Verlags, vom langjährigen Verlagsleiter Dr. Hans Fehrle ermutigt, verfügte über beides. Wie sehr, mögen zwei Zahlen belegen : Das erste Heft hatte ganze fünf Anzeigenseiten und wurde an etwas mehr als einhundert vertrauensselige Abonnenten ausgeliefert.
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  • Anmerkung: Wir haben eine dieser 100 Erstausgaben im Nachlass des Herrn Hasselbach, Chefentwickler Audio der Firma Braun, erhalten und hier teilweise publiziert.

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Es erwies sich jedoch nach und nach, daß der Optimismus nicht unbegründet war. Die Auflage stieg, langsam, aber regelmäßig, die Anzeigenerträge wuchsen, so daß man absehen konnte, wann die Zeitschrift die Zone der roten Zahlen verlassen würde.

Ähnliches vollzog sich im DHFI. Am 16. März 1967, dem Tag der fünften Ordentlichen Mitgliederversammlung, zählte das DHFI zwanzig Mitglieder.

1968 wurde die erste internationale HiFi-Ausstellung mit Festival in Düsseldorf abgehalten. Veranstalter war das DHFI. Die Durchführung lag bei der Düsseldorfer Messegesellschaft Nowea. 1972 führte das DHFI die „HiFi-Tage" ein, Wochenendausstellungen mit Rahmenprogramm, drei- bis viermal jährlich stattfindend. Bis heute hat es fünfunddreißig dieser Veranstaltungen gegeben.

Die HiFi-Tage und der wachsende Erfolg der Düsseldorfer HiFi-Ausstellungen 1968, 1970, 1976, 1978 und 1980 führte zu einem beträchtlichen Anstieg des Mitgliederstandes: 1970: 29, 1976: 48, heute: 62. Am 1. April 1966 wurde Dr. Hans Wolf Freiherr von Werthern als Geschäftsführer des DHFI eingestellt. In den Fachhandelsseminaren des DHFI wurden bis heute 3500 Fachhändler geschult.

Heute hat sich nicht nur die Angebotsseite der HiFi-Landschaft gründlich verändert, auch im Blätterwald hat es kräftig gerauscht, nachdem der Markt erblüht war und entsprechendes Anzeigenpotential zum Einstieg verlockte. Die heutige Situation bedarf keiner Beschreibung. Jeder HiFi-Hersteller, Importeur, Fachhändler und Interessent kennt sie. Daß es so kommen würde, war zu befürchten. Und damit niemand einwende, post festum sei dies leicht festzustellen, darf ich auf das verkleinerte Faksimile des Editorials aus Heft 6/64 hinweisen.
(Anmerkung in 2013 : Es ist hier angefügt.)

Die Scylla des Rabattgemetzels hat sich inzwischen für allzu viele als tödliches Riff erwiesen, nachdem das dort geforderte Maß an Disziplin aller Beteiligten eben nicht erbracht wurde. Vermutlich ist dies in einer freien Marktwirtschaft auch gar nicht möglich.

Interessanter als diese wirtschaftlichen Erwägungen mögen für unsere Leser die nachfolgenden Beiträge unter der gemeinsamen Klammer „20 Jahre HiFi-Stereophonie" sein, mit denen wir den Versuch gemacht haben, die Spannweite der technischen Entwicklung in den verschiedenen Bereichen der High Fidelity aufzuzeigen. Wir bitten dafür um Verständnis, daß wir dabei nicht auf alle Marken zurückgegriffen haben, die in unserem Land zu den Wegbereitern zählen.

von Karl Breh im Januar 1982

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