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"High End" - ein vieldeutiger Begriff oder Ausdruck

Beginnen wir mal um 1935, als die Musik noch aus dem Radio kam und die Hersteller versuchten, aus der sogenannten Mittelwelle das Beste zumachen. Unter anderen Herstellern profilierte sich die Firma SABA aus dem Schwarzwald mit - nach ihrer Meinung - besonders guten Geräten im damals oberen Preissegment. Nach unseren Nachforschungen waren einige Geräte der damaligen Radios zu deren Zeit High-Ender, zum Beispiel der Saba 980 WLK mit motorischem Sendersuchlauf. Dieses Gerät kostete damals 516.- Reichsmark + 96.- Mark für die Röhren und das war 1937 sehr viel Geld. Der Großvater des Autors gr - Eduard Schandl - verdiente in Berlin als Schneidermeister etwa 65 Reichsmark "pro Monat". Das war also 1938 High-End.
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Jetzt machen wir einen Sprung ins Jahr 1952

Schaub Lorenz Supraphon
Loewe Opta Hellas innen

Denn in 1952 gab es zwei herausragende Geräte, die sich auch nur "betuchte" Aufsteiger leisten konnten. Das war die Schaub Lorenz SUPRAPHON Truhe mit Plattenspieler und Magnet- Draht-Tongerät für damals edle 1750.- DM. Das Radioteil hatte bereits das neue UKW Epfangsteil, das bessere Qualität lieferte als der Plattenspieler. Die Studio-Qualität einer AEG K4 Bandmaschine (später eine AEG T8) konnte jetzt bis ins Wohnzimmer gebracht werden. Auch das Lorenz "Heimstudio 2927" als Luxus-Kombination mit dem kombinierten Plattenspieler und Drahttongerät kostete relativ viel Geld. In einer Sammlung in Lindenfels steht solch ein Teil betriebsfertig und macht einen ganz erstaunlichen Super-Sound. Das war 1952 wirkliches High-End.

Auch das Loewe Opta Hellas von 1956 mitsamt dem besonderen Optaphon 51 Magnetbandgerät von 1951 dürfen wir dabei nicht vergessen, denn dieses Mono-Radio hatte 2 getrennte Endstufen als quasi Hifi-Aktiv- Lautsprecher System.
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Der nächste Sprung geht ins Jahr 1963

Als 1963/1964 bei uns in Deutschland Stereo über UKW eingeführt werden sollte, gab es noch keine Empfänger mit Stereodecoder - weil es ja auch noch keine Stereo-Sender gab. "Alle warteten auf das Eichhörnchen".

Der "Sender Freies Berlin", der das zur Funkausstellung im Aug 1963 präsentieren sollte oder mußte, kam in die Bredullie, seine tolle und teure Stereo-Sendetechnik beeindruckend mit der besten verfügbaren Wiedergabetechnik zu präsentieren.

Und die Firma H.H. Scott aus den USA lieferte mit dem "Stereomaster 380" den damaligen UKW-Stereo Spitzenreceiver noch auf Röhrenbasis. Solch ein Gerät war damals mit über 3.500.- DM im ganz oberen Preissegment angesiedelt und es gab nur ganz wenige ähnlich gute Mitbewerber wie The Fisher, Harman Kardon und McIntosh. Wir haben von Professor Schwarze, der damals in 1963 beim SFB diese Stereo- Einführung betreute, einen von den damaligen 16 Scott Boliden geschenkt bekommen.
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Der nächste Meilenstein aus Deutschland kam 1968

Viele alt gewordene Hifi-Fans wollen es nicht mehr wahr haben, aber ein Hifi-Meilenstein war die damals neue Grundig Kombination RT100 und SV140 - und die beiden waren für kurze Zeit das Maß der Dinge. Viele Geräte des Wettbewerbs, die zwar ein besseres Image hatten (warum auch immer) konnten diesen beiden Geräte das Wasser nicht reichen. Das galt sogar für Klein+Hummel und auch für Sennheiser und für Thorens/Bolex.

Die Tests in den damals bereits akzeptierten Hifi- Magazinen sprachen von hervorragender Technik zu noch viel besseren Preisen. Erst ein oder zwei Jahre später holten die Japaner extrem schnell und gnadenlos auf. Die Spitzenmodelle von SONY, Kenwood und anderen Japanern legten die Meßlatte mehrere Stufen höher. Und auch aus Amerika kamen neue Geräte mit hervorragenden Eigenschaften - wirkliches High-End natürlich zu High-End Preisen.
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1970 - Von nun an überschlugen sich die Anbieter von High-End

So etwa ab 1970 reklamierten eine Menge kleiner und großer Firmen aus allen Ländern der Erde diesen (natürlich von ihnen selbst festgelegten) Qualtätsmaßstab - und natürlich insbesondere für die eigenen Produkte. Der Begriff "High-End" wurde sowohl von den Herstellern, von den Werbemenschen, von den Hifi-Magazinen und von den Kunden völlig unterschiedlich interpretiert.

Bei den Lautsprechern war sowieso jede Box von nun an highendig und bei den elektronischen Komponenten mußte man schon genau hinsehen, ob nur die Frontplatte highendig designed war oder ob auch das Innenleben dem Qualitätsan- spruch entsprach.

Eine der ersten Firmen kam aus der Schweiz und nannte sich Bolex, eigentlich ein Hersteller von 8mm Schmalfimtechnik. Bolex (Deutschland) vertrieb die beannten Thorens Plattenspieler. Auf einmal kamen auch noch Quad (England) und Marantz und McIntosh (beide aus USA) mit ins Vertriebsprogramm.

Doch ein Neueinsteiger mischte den Markt etwa ab Anfang 1971 so richtig auf.
Eine anfänglich kleine Frankfurter Edel-Hifi-Klitsche von Hermann Hoffmann - genannt "Audio International" - brachte die "Infinity ServoStatic 1" nach Deutschland und SAE und Crown.

In kurzer Zeit wurde aus der (Einmann-) Klitsche ein ernstzunehmender High-End Vertrieb, der es nicht auf Stückzahlen angelegt hatte, wie zum Beispiel der Ex-Partner mit der Firma Interaudio und dem Produkt BOSE 901 und fast alle Japaner - mit wenigen Ausnahmen wie Accuphase und DENON.

1975 - 1985 Viele (Kleinst-) Firmchen überfluteten den Markt

Neben den etablierten Großen kommen immer mehr Kleinstfirmen - meist sogenannte "One Man Shows" - ans Licht der Hifi-Welt, die in irgend welchen Testzeitschriften in irgend einem Sommerloch einen guten Test oder eine überschwengliche Produktbeschreibung "erwischt" hatten.

So gut wie alle Hifi-Magazine hatten ab 1982-/83 ernsthafte Probleme, noch nicht ausgeknautschte Themen zu finden und so schrieben sie über alles, das sich irgendwie fotografieren ließ und vielleicht etwas mit Hifi zu tun hatte.

Jetzt nach vielen Jahren der Beobachtung kann es ruhig ausgesprochen werden, diese Kleinstfirmen waren alle nicht lebensfähig, trotz guter Ideen - und sind Mitte der 1990er Jahre alle sanft entschlafen oder lautstark geplatzt.

Übrig geblieben sind die Firmen, die aufgrund solider Finanzen (oder extrem geringer Kosten) den Wettlauf mit der modernen Technik auch finanzieren konnten. So haben sich wenige Hifi-Austellungen oder High-End "Messen" in Deutschland und Europa etabliert, auf denen sich diese Firmen noch präsentieren.

Geht man dort als "nicht infizierter", gesunder und neutraler Besucher aufmerksam von Hotelzimmer zu Hotelzimmer, fallen die 80% der High-End Möchtegern-Genies schon auf. Die wenigen wirklich seriösen Anbieter von ernsthaftem High-End haben es schwer, sich von den vielen Schaumschlägern abzusetzen.

Dann fällt auch auf, daß es (auch) hier in Deutschland nur noch wenige Hifi-Studios gibt, die dem Ernst der Sache und der neuartigen technischen Komplexität gewachsen sind. In den einschlägigen Elektromärkten (die "Blöden" mit dem "Geiz") wurden in den 1990ern die edleren Hifi-Studios geschlossen und dann wieder aufgemacht, dann wieder umgebaut und dann irgendwann wieder eröffnet. Die Rentabilität in dieser ganz oberen High-End Nische wurde in diesen Märkten fortwährend auf den Prüfstand gestellt. Inzwischen in 2015 schreiben diese viel zu vielen "Blöd-"Märkte fast nur noch rote Zahlen und stehen insgesamt auf dem Prüfstand.
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2000 - Nach 35 Jahren des Zuschauens . . . .

und an die 1900 vorliegenden Hifi-Magazine (nochmals über 920 Kilo seit Juni 2015) steht fest, der Begriff High-End ist schwammig und wirklich nur vage zu definieren. Jeder Verlag und jedes Magazin definitert ihn anders.

Die ehemals horrenden - und damals fast unerfüllbaren - Qualitätsanforderungen
haben sich kontinuierlich verändert, hoch geschraubt und höher geschraubt und stoßen seit etwa 20 Jahren (2010) an ihre Grenzen.
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Die Programmquellen sind das A und O des Maßstabes geworden.

Die Geräte sind inzwischen auf einem solch hohen Niveau angekommen, das selbst ich als langjähriger Hifi-Fan nicht für möglich gehalten hätte.

Ein für mich beachtenswertes Ereignis war im Frühjar 2014 die Vorführung der Linkwitz Boxen mit meinen mitgebrachten JVC Classic-CDs aus 1983. Das war beeindruckend, was in diesen alten Moskauer Konzert-Aufnahmen drinnen steckt.

Aber auch beeindruckend war, daß auf mehreren neueren Aufnahmen (CDs) solch eine Qualität nicht heraus kam. Auch erhellend war die (meine) Erkenntnis, daß die mit extrem hoher Bitrate gespeicherten Musiken nur mit äußerster mühsamer Aufmerksamkeit unterschieden werden konnten.

So ist der Begriff High-End für jede Art der Miß-Interpretation prädestiniert. Das ganze theoretische Qualitätsgefasel ist nämlich sehr subjektiv. Am Ende muß es dem Hifi-Fan in den Ohren klingen, also der Klang muß ihm persönlich (und auch nur ihm) gefallen.
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