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Eine Hifi-Beilage in der Tageszeitung im Feb 2019

Der 1500.- Euro Spieler
Der 3500.- Euro Spieler

Ich schaue und schaue - auf die Preise und sehe 1499.- Euro und 3.500.- Euro für einen analogen Plattenspieler von Technics - der zweite sogar ohne Abtastsystem.

Es handelt sich um in 2017/18 neu aufgelegte SL-1200 Modelle. Der eine "Spruch" in dem Produkt-Text unter dem Bild hatte es mir dann doch angetan. Da steht doch wortwörtlich :

Hochwertige Anschlüsse garantieren hervorragenden Klang. So ? wirklich ?

Da kann ich nur die gewaltige beeindruckende Fachkompetenz mit einem erklecklichen "Aha" untermauern. - Ich dachte bislang, die Qualitätskriterien seien die Nadel-Form der Diamantspitze und die Technik des Abtast-Systems sowie die mechanische Qualität des Tonarmes. Irre ich mich da so sehr ?
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Bei dem 3.500.- Euro "Angebot" wird diese "Legende in unlimitierter Auflage" beworben. Bislang war es ja (fast immer) so, daß gerade limitierte und durchnummerierte Sonder-Auflagen einen besonders hohen Liebhaberpreis zu rechtfertigen versuchten - Beispeil Thorens - (aber oft unerfolgreich):

Da dieser "legendäre" Pattenspieler aber 18 kg auf die Waage bringen soll und das auch noch ohne das - aus meiner "dillettantischen" Sicht - doch sicherlich notwendige Abtastsystem, wird das manchen Hifi-Fan ganz bestimmt "zum sofortigen Kauf anregen".
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Und selbstverständlich sind das beides Testsieger

Es fällt natürlich auch auf, daß auf den Seiten der Beilage so gut wie alle angebotenen Geräte/Receiver und vor allem die Boxen alles Testsieger der Zeitschrift AUDIO sind. Auch die beiden Plattenspieler sind natürlich Testsieger, was denn sonst. Scheinbar läßt sich kein Hifi-Produkt ohne einen Testsieg mehr verkaufen.
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Doch werfen wir einen Blick auf das kaufanregende Editorial :

Der Autor schreibt, daß "die Schallplatte nach wie vor das ultimative Medium zum Genuss von Musik" sei.

Es ist doch aber bedenkenswert, wenn die, die diese tolle Musik auf professionelle Tonträger bringen, also die Tonmeister da ganz anderer Ansicht sind. Weiterhin ist auch bemerkenswert, wenn in diesem Hifi-Studio jede Menge an Hifi-Anlagen mit den anderen ebenso ultimativen Klangquellen angeboten werden.

Was aber in dem Editorial richtig dargestellt wird, ist, daß "viele schöne Erinnerungen" an "den warmen Klang von Vinyl" aufkommen. Damit ist die Zielgruppe auch viel besser adressiert, nämlich die alten Hifi-Fans (mit dem Kindertrauma der damals vor 60 Jahren nicht erschwinglichen Märklin Eisenbahn), bei denen sich nach wie vor irgend etwas drehen muß - sonst klingt die Musik nicht. Da sogar semiprofessionelle Magnetbandgeräte wieder in homöopatischen Stückzahlen für völlig überzogene Preise angeboten werden, scheint sich da ein Markt aufzutun.
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Man nennt das - die Klassiker ausgraben . . . .

Laut Autor wurde 1972 eine Weltneuheit vorgestellt, der Technics Sl 1200 mit 11 Kilo Gewicht und Direktantrieb. Was der Autor natürlich verschweigt, Chefredakteur Dipl.Phys. Karl Breh hatte herausgefunden, daß dieser Direktantrieb gar nicht so perfekt war, wie es der Hersteller glauben machen wollte.
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Darum hatte es bei DUAL noch 2 oder 3 weitere Jahre gedauert, bis sie mit dem ebenfalls direkt angetriebenen DUAL 701 herauskamen. Der hatte diese Macken nämlich nicht. Im Nachhinein betrachtet war der Technics SL 1200 aber nicht "eines der meistbegehrten HiFi-Geräte der Welt". Das sind Tagträume eines genialen Verkäufers.

Auch der Spruch vom "haltbarsten und zuverlässigsten Schallplattenspieler, der jemals hergestellt wurde" entbehrt jeder nachprüfbaren Grundlage.

Und der Verweis auf 27.000 Internet Petitionen zur Neuauflage ist in keiner Weise ernsthaft nachprüfbar, vielleicht aus China mit 1,7 Milliarden Menschen (Nachtrag: es sind nur noch 1,25 Milliarden laut neuesten leidlich seriösen Informationen) oder aus Süd-Korea, die ja bei uns alles aufkaufen, auf dem irgendwie "Klangfilm" drauf steht, und seien es die letzten in irgendwelchen feuchten Kellern verrotteten und vergammelten Lautsprecher-Gurken.
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Jetzt ist diese Legende also zurück - freut sich der Autor.

Auch dieser Werbespruch ist natürlich Unsinn.

Wenn Sie hier im Hifi-Museum schmökern, werden ihnen viele tolle Plattenspieler und andere Geräte vorgestellt. Nach über 50 Jahren Hifi-Geschichte kommen so viele Wahrheiten an den Tag, daß man nur noch staunen kann. So hatte mir Wolfgang Matthiolius (†), erst Thorens Vertreter, dann Tandberg Vertreter, so manche Zahl an verkauften Thorens Plattenspielern (auch von den Wettbewerbern Lenco und DUAL und von Tandberg Bandgeräten) genannt, die ganz andere Schlüsse ziehen lassen.

Und Deutschland war damals der drittgrößte Hifi-Markt auf der ganzen Welt nach den USA und Japan. Die anderen Europäer wie England und Italien kamen weit hinten dran. Von Frankreich redete fast niemand.
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Und dann wird geschwärmt

Und dann wird geschwärmt, von Eigenschaften, die mit der hörbaren Musikqualität erstmal wenig gemeinsam haben. Denn ein Großteil der Musik kommt ja von den alten Vinyl-Platten und wenn auf den Sound der alten Platten von damals reflektiert wird, ist ein DUAL 1219 allemale ausreichend.

Es macht also so gut wie keinen Sinn bezüglich des Technics SL 1200, von "seiner Präzision, von der Genauigkeit der Abtastung, von der extremen Feinfühligkeit, mit der der Tonarm den Rillen im Vinyl folgt" zu schwärmen.

Nach meinem Wissen folgt zuerst mal die Abtastnadel, also die Diamantspitze, "den Rillen" in der Platte, zumal es ja nur eine einzige Rille ist. Manche Platten haben 2 Rillen, je eine auf jeder Seite oder hat Ihre Platte doch mehr Rillen ?

Was wiederum sehr aussagekräftig ist, daß man sich im Studio dieses Gerät ansehen und natürlich auch anhören kann und sollte. Es sei denn, der Verkäufer will Ihnen das Ohr abschwatzen.

Auch da kann ich hier in Rhein-Main nur den Tip geben, gehen Sie nicht zu den Profis, gehen zum Klangstudio Pohl, der läßt Sie in Ruhe lauschen und ausprobieren.
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Natürlich sieht der Technics 1200 (oder sogar beide Modelle) sehr technisch aus, wie damals 1963 der allererste DUAL 1009. Da könne sicher ein optisch unspektakulär simpler und fast gleich teurer LINN PLattenspieler nicht mithalten und somit ist für die Klangqualität ganz sicher die Farbe des Labels auf der 33er Langspielplatte ausschlaggebend . . . . . oder doch nicht ?
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Also wenn Sie etwas Satire oder Glosse entdeckt haben,
liegen Sie gar nicht so falsch

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