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Die eckige BOSE 901 Serie II und die runde Serie IV
der BOSE Vorverstärker 4401

BOSE kam bei uns auf den europäischen bzw. deutschen Markt 1969/1970 mit einem sehr sehr ungewöhnlichen Lautsprecher, eigentlich einem Lautsprechersystem. Denn erstmalig gehörte zu einem Lautsprecher ein kleines Kästchen, das war unabdingbar notwendig. Die Allerwenigsten hatten damals kapiert, was es wirklich machte, aber das Ergebnis war grandios.

Doch dann merkten auch die Fans, mit 30 oder 60 Watt ist es nicht getan, damit kommt man nicht weit, schon gar nicht so weit, wie es die Werbung versprach. Man wollte ja den Konzertsaal oder besser "das ganze Konzert" live ins Wohnzimmer holen. Also mit 30 Watt war es ein sehr kleiner Konzertsaal, mehr ein Zimmerchen. Mit dem CROWN DC300A mit 2 x 190 Watt Sinus an 8 Ohm war das schon erheblich besser, das fetzte so richtig los.

Und dann kam BOSE völlig überraschend mit der 1800er Monster-Endstufe raus, also die bei BOSE bauten auch Elektronik. Und jetzt ging mit 2 x 400 Watt Sinus an 8 Ohm so "richtig die Wutz ab".

Nach dem schwarzen - vorne optisch unscheinbaren BOSE 1800 Profiverstärker, der für sich genommen schon ein damaliges riesiges Unikat war, wurde flugs die Heim-Version nachgeschoben, der 1801 mit 2 wunderschönen VU-Metern.

Und - wer hättet das gedacht -, BOSE schob noch "eins" nach, den BOSE 4401 QUADRO-Vorverstärker - sogar mit 2 oder noch mehr verschiedenen Quadro-Decodern drinnen - dachten wir, doch das war falsch. Es stand nur draußen drauf, drinnen war da nix von Quadro Decoder. Nach unseren Recherchen war das ja per Lizenzbestimmungen gar nicht erlaubt, nämlich beide konkurrierenden Quadro-Systeme (z.B. CD-4 und SQ) in einem Gerät zu integrieren.
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Der BOSE 4401 Vorverstärker - voll Quadro (1973/74) ??

Es war natürlich die Quadro Zeit und keiner wollte sich nachsagen lassen, er sei einer von gestern und hat (hätte) den Zug der Zeit nicht erkannt. Also auch BOSE baute seinen Vorverstärker als QUADRO Monster. Auf die Idee, daß das mal alles ein großer Flop werden würde, kam man 1973 noch nicht. Eigentlich hat er gar nicht viele Knöpfe und Regler, doch er war groß und sah für damalige Zeiten imposant und gewaltig aus.

Und als dann auch noch ein Auswahl-Drehknopf ganz links da war
, der von 4 Kanal diskret auf CD-4 und SQ und SQ-Logic und weitere 2 (Quadro-) Decoder umschalten konnte (bzw. man hätte umschalten können), war das Eis gebrochen. Viele mußten ihn einfach haben, hatten aber überlesen, daß da nur die Steckkontakte bzw. Pins für einen der beiden "geplanten" !! Quadro-Decoder /Demodulator vorbereitet waren.
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Doch der 4401 hatte gar keine Decoder drinnen - er war leer ...

Steckverbinder für einen CD-4 Decoder

Es kam in der Werbung ganz bestimmt und bestimmt absichtlich gar nicht klar zum Ausdruck :

Es war nämlich alles Schmuh mit "dem Quadro".
Es war nur eine nackte Steckerleiste für optionale Schallplatten- Decoder-/Demodulator- Boards "vorgesehen" !!!!, sehr sehr ähnlich zu dem MARANTZ 4400 QUADRO Boliden, der aber auch den (einen) Decoder (und immer nur einen) unterm Bauch trug, später jedenfalls.

Wichtig zu wissen ist, für den Marantz 4400 gab es  zumindest den SQ Decoder. Wir haben den da drinnen. Einen CD-4 Demodulator hatte ich jedoch noch nie gesehen. Für den BOSE 4401 gab es offensichtlich weder den einen noch den anderen - vielleicht in den Labors bei BOSE - aber auf dem Markt gabs die nicht zu kaufen, auch nicht für 75 Dollar.
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Das erinnert alles fatal an die frühe STEREO Werbung von 1962
(also nicht die von Ende 1963 !), als so gut wie alle (deutschen) Radio-Anbieter von UKW- Tunern und UKW- Empfängern mit "STEREO ohne Ende" warben und es dann ganz ganz klein unten rechts - wie bei Grundig - stand, daß der Decoder (erst mal) in Vorbereitung sei und bei Verfügbarkeit nachgekauft !! werden "könnte".

Es ging ja auch gar nicht anders, weil die Rundfunkanstalten alle auf den SFB in Berlin gewartet hatten, der den ersten STEREO Sender erst zum August 1963 zur Funkausstellung betriebsfertig hatte und allererste Stereo- Musterprogramme sendete. Also auch da (damals) alles "gelogen" ?, nein, natürlich nur ein bißchen gelogen oder beschummelt.
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Und auf dieser Seite schaun wir mal rein, wie der 4401 nach 40 Jahren noch aussieht.
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Der Werbeprospekt mit den Werbe-Sprüchen

Selbstverständlich wird der Vorverstärker vom Werbtexter in den höchsten Tönen gelobt, das ist ja auch normal. Darum listen wir hier nochmal auf, was da alles hervorgehoben wurde.

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Die herausragendste Neuentwicklung der letzten Jahre.

Der Vorverstärker BOSE 4401 läßt sich kaum mit anderen Vorverstärkern vergleichen. Hier wurden Grundlagenforschungs- ergebnisse und neue Technologien konsequent in das Konzept mit einbezogen, das neue Maßstäbe für Vorverstärker setzt.

Der 4401 ist ein voll durchkonstruierter 4-Kanal-Vorver- stärker, der höchsten Ansprüchen gerecht wird. Sowohl für Stereo- als auch für Quadrophonie. Er ist ausgerüstet für alle Quadroverfahren, die heute praktikabel sind oder zukünftig zum Einsatz kommen werden.

  • Anmerkung : Eigentlich hätte es heißen müssen, er sei für Quadro vorbereitet und eben nicht, er sei dafür ausgerüstet.

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Unterschied 1

Ein sehr wesentlicher und wichtiger Unterschied zu anderen Vorverstärkern ist der Phonoentzerrer des BOSE 4401. Das störende Rauschen bei Schallplattenmusik wurde durch die neue MET-Techmk (Minimum Effective Temperature) in einem Maße verringert, wie es bislang nicht möglich war. Im Gegensatz zu allen anderen Vorverstärkern ist der Rauschpegel des 4401 am geringsten, wenn das Tonabnehmersystem eingeschaltet wird. Also dann, wenn der Plattenspieler läuft.

Zwar stehen in den Prospekten anderer Vorverstärker auch recht niedrige Werte für den Rauschpegel. Aber diese Werte wurden bei kurzgeschlossenen Phonoeingang ermittelt. Also unter völlig irrealen Bedingungen. Denn "kurzgeschlossener Phonoeingang" heißt: Der Plattenspieler ist nicht eingeschaltet

Unterschied 2

Wirft man einen Blick in den geöffneten 4401 und vergleicht sein "Innenleben" mit anderen Vorverstärkern, fällt eines sofort auf: Der BOSE 4401 ist frei von Verdrahtungen. Störanfällige oder schlecht abgeschirmte Leitungen fallen weg. Sogar die Anschlußbuchsen auf der Rückseite des 4401 sind fest mit den gedruckten Schaltungen verbunden. Das ist servicefreundliche und zuverlässige Modulbauweise in letzter Konsequenz.

  • Anmerkung : Das ist zwar alles richtig, doch man spricht bei Layout- Fachleuten auch von "sehr aufgräumt" oder "vom Platz her verschwenderisch". Es sind alles einseitige Platinen mit sehr weit verteilten Bauelementen, und das ermöglicht natürlich Einstrahlungen von außen.
    Bezüglich der vielen hinten offennach oben schauenden Cinch Buchsen, es sind die billigsten und wackeligsten Buchsen, die jemals gesehen hatten. Das war nur billig, aber nicht professionell wie bei den BOSE Endstufen.

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Unterschied 3

Für Tonbandamateure erschließt der 4401 bislang nicht gekannte Möglichkeiten.
Selbst mit sehr aufwendig konstruierten Vorverstärkern konnte der Tonbandliebhaber seine Überspielungen von Rundfunk, Schallplatten oder anderen Bändern nicht korrigeren.

Anders beim BOSE 4401

Hier können die Überspielungen durch die Klangregler und Klangfilter optimal ausgesteuert werden - sowohl bei der Wiedergabe als auch bei der Aufnahme. Auch das simultane Überspielen auf zwei Tonbandgeräte ist ein Vorteil, den andere Vorverstärker nicht bieten.

Darüberhinaus besitzt der 4401 noch viele andere Vorteile. So sind getrennte Klangregler für die Bässe und Höhen der vorderen und hinteren Kanäle beim BOSE 4401 selbstverständlich.

  • Anmerkung : Das sind überflüssige verkomplizierende Eigenschaften, die so gut wie niemals gebraucht wurden, jedenfalls bei uns Tonband-Fans nicht. Diese "Prospekt-Möglichkeiten" sind genauso überflüssig wie bei DUAL (und anderen) der Schalter zum Endlos-Spielen von Langspielpaltten, der nie nie nie von einem Hifi-Fan benutzt wurde.

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Die Quadro-Fernbedienung

Ebenso selbstverständlich ist, daß die Lautstärke jedes einzelnen Lautsprechers getrennt geregelt werden kann. Sogar durch Fernbedienung. Natürlich ist auch ein Anschluß für einen externen Equalizer vorhanden. Und auch ein 4-Kanal-Kopfhörerausgang, der sich automatisch auf hoch- oder nieder-ohmige Kopfhörer umschaltet, gehört zur Ausstattung des 4401. In der Grundausstattung ist der Vorverstärker für Stereowiedergabe ausgerüstet. Für die Umstellung auf Quadrophonie gibt es steckbare Module, die einfach eingeschoben werden Daß die Steuerelemente klar und übersichtlich angeordnet sind, versteht sich von selbst. Die Bedienung ist daher leicht und einfach.

Fazit: Der BOSE 4401 läßt keinen Wunsch offen.

Kommentar :

Das mit der Klangregelung pro Kanal oder getrennt für vorne und hinten hat so gut wie nie irgend jemand gebraucht oder gefordert. Auch das Einschleifen der Klangregler in den Tonband-Aufnahmezweig war Unsinn, denn dann mußte man sich die (abweichenden) Stellungen der Regler zum reinen Hören und zum Überspielen merken und das war in der Praxis ein Unding. Ein Mischpult mit Klangregelung war da viel besser bzw. hilfreich.
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Das größte Manko war aber der fehlende Quadro SQ oder CD-4 Dekoder. Somit konnte man gar keine erschwinglichen Quadro Musiken geniessen. Ein Vierkanal Bandgerät mit fertig bespielten 4-Kanal Bändern war um 1972 unglaublich teuer.

Am Ende war den Kunden nicht mehr zuzumuten, an der Verkabelung irgendeine Veränderung vorzunehmen, da von den Laien niemand mehr wußte, was denn nun wo reingesteckt werden sollte oder mußte und irgendwann regelte man die Boxen mit dem Rear (Rückseite) Regler - einfach, weil es auf einmal wieder ging.

Waagrechte Cinch-Anschlüsse (Buchsen) auf der Rückseite waren damals schon staubempfindlich, aber erst nach 30 Jahren im Regal ging den Besitzern ein Licht auf, daß Staub und Feuchtigkeit ganz unangenehme Eigenschaften hatten. Die Buchsen hatten auf einmal einen komischen Belag, der den Strom nicht mehr leitete. Die Kabel hatten Wackler und Aussetzer, aber nicht im Kabel, sondern in den Buchsen. Nach 40 Jahren muß das sorgfältig gesäubert werden.

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Die technischen Daten aus dem Bose Service Manual

Das Service Manual könnte aus Monat 08/1975 gewesen sein. Der BOSE 4401 Vorverstärker war nach 1978 schon wieder aus allen Prospekten verschwunden.
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SPECIFICATIONS

The 4401 preamplifier offers four independent channels from input to output with a capability of matrix decoding, discrete four-channel, or stereo operation. Signals from all current program sources, both stereo and quadraphonic, can be processed by the 4401.

The 4401 incorporates unique phono preamp circuitry, utilizing MET™ (Minimum Effective Temperature) circuitry accounting for the ultra-quiet operation of the phono preamp.

Optional circuitry for the SQ decoder and the CD-4 demodulator is contained on easily-installed, plug-in modules. *

Internal provisions for an additional four-channel module are provided for yet-to-be-developed four-channel systems.

The tone control circuits, as well as the high and low filters, can be used to process a signal prior to recording. Recordings can be made on two tape recorders simultaneously, and tapes can be copied from either tape recorder.

The 4401 provides separate jacks for the connection of external equalizers. A rear channel equalizer by-pass switch allows equalization of only the front channels without the use of jumper cables for the rear channels.

GENERAL

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  1. Separate left/right balance controls for both front and rear channels.
  2. Independent front and rear channel tone controls.
  3. "Baxendall" (??) tonecontrol circuits for optimum frequency contour control.
  4. Output amplifiers capable of driving both low and high impedance headphones.
  5. Time delay circuitry eliminating turn-on transients.
  6. Two-position phono capacitance switch for optimum matching of conventional or CD-4 phono cartridges.
  7. Optional SQ decoder and CD-4 demodulator plug-in modules.*
  8. Optional remote balance/volume control.

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ELECTRONIC

Input Sensitivity:
Phono 1  ...............   2mv @ 1kHz
Phono 2...............   2mv @ 1kHz
Tuner.....................200mv
Aux......................200mv
Tape 1   ....................200mv
Tape 2....................200mv
Rated Output:2v RMS..........
Minimum 7v RMS before overload.
Output Impedance: 600 ohms.

Input Impedance:
High Level  ..............100k ohms
Phono (except CD-4 mode)............   47k ohms
Phono (CD-4 mode).......100k ohms
Frequency Response:
High Level 20-20,000Hz ....... ±0.2db
RIAA Phono-Equalization ..... ±1db
Distortion:
Harmonic Distortion < 0.2%, 20-20,000 Hz at rated output.
IM  Distortion < 0.2% at rated output.
Hum and Noise:
High Level .... Minimum 80db below rated output.
Noise typically 90db down.
Phono.........500  uV A-weighted.
(Unweighted, typically less than 1mV.)
Low Filter: -3db@70Hz, 6db per octave attenuation.
High Filter: -3db@7kHz, 12db per octave attenuation.
Tone Control Range:
Bass................ ±15db @ 50Hz
Treble.............. ±15db @ 20kHz
Volume Muting.............. -20db

POWER REQUIREMENTS

Voltage......105-130V ac or 210-260V ac
Frequency........... 50-60 Hz (ac only!!)
Maximum power consumption. ... 30 watts
Dimensions: 6" high x 18" wide x 13 1/8" deep.
Weight: 12 pounds.
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