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Es gibt weltweit nur wenige Firmen, von denen man so viel lernen kann wie von BOSE.

Ein völlig einmaliges Lgog
Die beeindruckend gut gestylte BOSE Fabrikhalle

von Gert Redlich im März 2015
Bevor man sich in die Tiefen der Werbung stürzt,
egal wie gut die Spezialisten sind, braucht man ein Produkt mit einem absolut heraus- ragenden "Alleinstellungsmerkmal".

Und das hatte BOSE mit den BOSE 901 Laut- sprechern. Diese Boxen waren 1969 in den USA und ab 1970 in Europa absolut super. BOSE hatte ab 1964 bereits diverse Produkte hergestellt und auch vertrieben, zum Beispiel Netzteile. Davon ist aber bei uns in Deutschland so gut wie nie etwas aufgetaucht. Informationen aus der Zeit um 1968 habe ich nur bei Herrmann Hoffmann in Frankfurt Bonames gesehen/gefunden.
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Wichtig - Ein "Alleinstellungsmerkmal" !!

Zurück zu der Bedingung mit dem Alleinstellungsmerkmal. Soetwas muß man unbedingt haben. Nur, soetwas hatten andere Erfinder, Ingenieure, Entwickler und sogar ganz große Firmen auch - ein Produkt mit einem ganz tollen Alleinstellungs- merkmal. Denken sie nur mal an die Firma Telefunken mit der Bildplatte oder an QUAD mit dem ESL 57 oder an die Acrylglas-Plattenspieler von Transcriptor/Transrotor oder an den DUAL 1009, der 1963 eine ganz neue Epoche der High-Fidelity eingeleitet hatte.

Ein Teil der Firmen ist entschlafen, sie haben es nicht geschafft. BOSE ist nach wie vor auf dem Markt, wie erfolgreich, kann ich im Jahr 2015 nicht beurteilen. Damals - Anfang der 1970er Jahre - haben sie - angefangen aus einer Klitsche heraus - einen Senkrechtstart ohnegleichen hingelegt. Selbst der große Max Grundig hatte erheblich länger gebraucht.
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Das Produkt geschickt verkaufen ....

Die Werbung von BOSE war mustergültig, das waren richtige Markting Profis, wie es sie nur noch selten gab, auch bei den Japanern nicht. Ab 1970 erinnere ich mich noch an den ganz geschickt losgetretenen Rummel mit diesen neuen fünfeckigen Lautsprechern, die so manchen Wettbewerbern lange schlaflose Wochen bescherten.

Und BOSE hat von Anfang an (sicher auch auf Kredit) mit der Werbung geklotzt. Die ganzen Anfragen aus den Magazinen und Zeitungen (und sonstwo her) wurden kostenlos beantwortet - mit Massen von wunderbar gestylten Hochglanz-Prospekten.

Es wurden auch manche Eigenschaften angepriesen aus den USA, die da eingeflogen wurden., die später nicht so toll waren wie die "Mär" von dem 2 x 20 Watt Verstärker, der voll ausreichend sei. Das war natürlich Humbug, wurde aber erstmal so geschluckt. Appetit machen war angesagt und es hatte ja geklappt.

Auch die Musik-Vorführungen auf den diversen Radio-, Fernseh- und Hifi- Messen auf den BOSE Ständen waren immer gelungen - und soweit ich mich erinnere, waren das immer Vollblut-Profis, also exzellent geschulte Mitarbeiter meist aus den USA.

Bei uns und bei den Japanern wurden für die Messestände in Hannover und auf den Funkausstellungen sogenannte "Schnuckelmäuse" (auch Sternschnuppen genannt) von Agenturen angemietet. Das waren sehr sehr hübsche attraktive junge Damen, die einen Crash-Kurs bezüglich der ausgestellten Produkte bekommen hatten und sich dann mit den Fragen der Besucher rumschlagen mußten.

Ich hatte auf mancher Funkausstellung auf den deutschen Ständen betretene Gesichter gesehen, wenn die Besucher bei Grundig, WEGA oder SABA oder Normende oder GRAETZ vermeintlich gute Musik vorgführt bekamen und danach (auch noch) zu BOSE gingen. Ich glaube, keiner der von der BOSE 901 Vorführung sehr beeindruckten und jetzt überzeugten Besucher ging wieder zurück zu "den Deutschen" mit ihren (voll ausreichenden) 2 x 15 Watt Musikleistung.
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Sie hatten in der BOSE "Schallschutzkammer" (also dem relativ großen schalldichten Vorführraum) ein Live Konzert erlebt, das so beeindruckend war, daß sie es nicht mehr vergessen werden.
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BOSE konnte auch sich selbst gut verkaufen

Welche allgemein bekannte Firma in Europa hatte einen richtigen Professor als Chef ? Ich kenne da nur noch den Elektronik Vertrieb ELV aus Leer, kenne aber dort den Professor nicht. Nur Wenigen bekannt waren Prof. Heimann aus Wiesbaden und Prof. Sennheiser aus Hannover. In den USA war es der Professor Dr. Armar G. BOSE, der überall in den Vordergrund gestellt wurde.

Und BOSE hatte noch einen "virtuellen" Mitstreiter, den SYNCOM Computer. Um 1970 waren die realen Computer noch unheimlich teuer und groß und fast niemand hatte Ahnung, was sich hinter dem SYNCOM verstecken würde. Aber es klang überzeugend, weil sich auch keiner getraute, zu fragen, was denn damit überhaupt gemessen wurde. Die 901 waren eben SYNCOM getestet - fertig.

Und dann schaun Sie sich mal unten drunter die Fotos des BOSE Firmengebäudes auf dem Berg dort in Boston / Massachussets nördlich von New York an. Sieht das nicht richtig imposant aus ?
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Man nennt es Marketing : Klotzen, was das Zeug hält ....

Sehr beeindruckend - jedenfalls das Foto

Wenn ich nicht 1985 und 1986 bei unserem Lieferanten in Miami in Florida gewesen wäre und in dem imposanten Firmen-Gebäude der "Data Access Corporation" mehrere Vorträge und Schulungen genossen hätte, würde ich auch vor lauter Ehrfurcht in den Sand versinken.

Solch ein optisch imposantes riesiges und damit beeindruckendes Firmen-Gebäude würden wir uns hier in Deutschland nie leisten können, (dachten wir . . .).
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Doch Bauten in den USA sind mehr "scheinen" als "sein"

1986 - Das Data Access Gebäude in der Architekten-Ansicht
und hier 1987 die Holzkonstruktion im Rohbau - weitere Bilder des fertigen Gebäudes kommen noch

Doch der imposante Schein trog gewaltig. Das Data-Access Gebäude in Miami war zwar erstaunlich hoch - optisch etwa wie 4 Etagen und hatte rings herum wie beim Geheimdienst CIA geheimnisvoll abgedunkelte Scheiben, hatte aber doch nur zwei echte Etagen, Paterre und den ersten Stock. Die darüber liegende bombastische obere Hälfte verkleidete nur das innenliegende hohle Flachdach, auf dem vermutlich mehrere wäremeabweisende Ebenen oder Platten aufgelegt waren. Das brauchte man im heißen Miami bei Mittags um die 40 Grad unbedingt. Und als sich dann damals (1999 oder 2000) der große Tornado exakt auf dieser Linie seine 500m breite Schneise durch den Süden von Miami bahnte, wurde das Gebäude nahzu vollständig "zerlegt".

Der Orkan blies alle Scheiben raus, samt allen Akten- schränken
, den sogenannten Desks, also den Schreibtischen, den Computern und Druckern und allem Inventar und auch die EDV Schränke und "pustete" alles mehrere 100 Meter quer über den Parkplatz. Das optisch imposante Flachdach lief anscheinend rasend schnell voll Wasser und die Holz-Konstruktion brach unter der überschweren Last buchstäblich in sich zusammen.
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- So viel nur zu den imposanten Fotos aus Miami - und natürlich auch vom dem imposanten fotogenen BOSE Werk oben auf dem Hügel. Es sind doch nur ganz simple - nach unseren deutschen DIN Maßstäben - primitive Werkshallen, die nur von außen so groß und beeindruckend aussehen, vor allem, wenn man sie schräg von unten im Sonnenlicht ablichtet.
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Die Bilder und Darstellungen war allesamt aussagekräftig

Das bedeute, die Bilder sprachen für sich selbst. Das hatten Profis gemacht, das sah man auf den ersten Blick. Natürlich hatten die BRAUN Anzeigen die Handschrift des Herrn Rams und die HECO Anzeigen zeigten gigantisch flache Frequenz- gang Kurven und die CANTON Anzeigen zeigten in Groß- aufnahme die neuesten Bass-Chassis in super tollen Gehäusen, Magnat klotzte in hunderten von ganzseiten Anzeigen mit All-Ribbon, doch was sollte das alles ?

Wir wollten doch nur Musik hören. Vor allem die Japaner versuchten uns ab 1972 den Geschmack der Amerikaner aufzudrücken, es gab hunderte von Boxen-Anzeigen mit dem super tollen handgeschnitzten (oder etwa doch CNC gefrästen) Walnut- Holzgrill vorne drauf. Diese Boxen klangen jedoch verboten schlecht, und sie (die Japaner) hatten es nicht verstanden.

BOSE hatte eine neutrale dunkel- oder mittelbraune Stoffbespannung und die paßte fast überall (in die Wohnzimmer) rein - und die 901 Boxen waren angenehm klein.

Ganz sicher ist auch Ihnen aufgefallen, daß nicht jeder Deutsche ein 80m² bis 160m² großes Wohnzimmer sein eigen nannte. Doch die von den ganzen Zigarettenfirmen beworbenen Raucher hatten auch keinen eigenen immergrünen Golfplatz im eigenen Vorgarten oder eine 38 Fuß Segel-Yacht ab 350.000 DM in Nizza, Monte Carlo oder Cannes geparkt, auf der sie dann bei strahlender südlicher Sonne und leichtem Wind den (Atem-) Zug ihres Lebens "genußvoll genossen".

Selbst die Popgruppe ABBA
kam nicht umhin, einen ihrer Songs auf einer großen Segelyacht in Australien zu produzieren. So generiert man Träume.
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Neben dem SYNCOM Computer gab es noch den Spatial Expander und andere "Geheimnisse".

Hatten Sie es verstanden oder verstehen Sie es heute, was ein Spatial Expander sein soll ? Also bei BOSE war man sehr kreativ mit der Benennung oder Namensgebung von irgendwelchen Geräten oder Eigenschaften, die man auch sogleich per Markenzeichen weltweit schützen ließ.

Das klappt sogar heute noch.
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- Werbung Dezent -
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