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Die DUAL KA-460 Quadro Kompakt-Analge

vom August 2019 aus Berlin - Diese DUAL KA-460 Quadro Console (Kompakt-Anlage) ist mit einem DUAL CS601 Riemen-Laufwerk ausgestattet, welches angeblich in den oberen Sphären der DUAL Plattenlaufwerke angesiedelt sein soll(te).

Beginnen wir mit dieser "Kompaktanlage" (daher "KA". Es war die zur damaligen Zeit (1975/76) größte "KA" inklusive Quadro, die von DUAL angeboten wurde. Um mit unseren vielen Quadro-Testplatten mal ausführliche Quadro-Tests durchführen zu können, haben wir solch eine Anlage im Kleinanzeigenmarkt preiswert erstanden.

Der Tuner kann natürlich nur UKW-Stereo, der Vorver- stärker ist dann 4-Kanal tauglich. Die 4 Endstufen sind mit nicht ganz glaubwürdigen 4 x 15 Watt Sinus am unteren Ende der Hifi-Skala - aber die anderen Wettbewerber waren auch nicht so viel besser. Eine Ausnahme machte nur der Marantz 4400 für sehr viel (mehr) Geld. - Der Verstärker und der Tuner entsprechen in etwa dem Dual CR120 Receiver.
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Das Dual 601 Plattenlaufwerk

Dem Preis (dieses "Kaufs") entsprechend war es insgesamt eine kleine Katastrophe. "Jemand" hatte versucht, das 601 Plattenlaufwerk aus dem KA-460 "zu entnehmen". Wenn man das mit dem DUAL Patent und diesen Arretierungsschrauben nicht weiß, nimmt man eben die Beißzange oder Rohrzange. Gesagt getan, aber es klappte immer noch nicht.

Den zweiten Versuch mit dem Wagenheber hatte der Spezialist dann aber doch unterlassen. Nur, schaun Sie mal auf alle 3 Schrauben. Soetwas hatte ich noch nie gesehen und ich habe viele DUALs gesehen. Es ist übrigens im KA-460 Handbuch gleich auf der ersten Seite ausführlich beschrieben, wie man das macht. Wer Lesen gelernt hatte, ist da wirklich im Vorteil.

Es war also schon eine Kunst, diese verbogenen Schrauben so zurecht zu drehen, daß man das 601 Laufwerk rausnehmen konnte. Die Netzzuleitung des 601 zieht man am Laufwerk ab, ebenso die Audio-Leitung. Dann erst kann man das Laufwerk ganz entnehmen.
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Das Innenleben der DUAL KA-460 Console

Die Kunststoffabdeckung des Gehäuses ist mit 6 edlen verchromten Linsenkopfschrauben befestigt und das linke Bedienpanel ist mit 4 kleinen Kreuzschlitzschrauben befestigt. Mit etwas Gefummel wegen des Bedienfeldes läßt sich der stabile obere Kunststoff-Rahmen abnehmen und die "Eingeweide" kommen zutage.

Wir sind im Jahr 1976 und es ist durchaus fair, ähnliche Geräte aus aller Welt und vor allem von GRUNDIG daneben zu stellen und zu vergleichen. Alles sieht hier aus wie ein Prototyp - man nennt das auch halbfertig oder gebastelt. Das kennen wir ja von den SABA Receivern und auch vom BRAUN Regie 500 und aufwärts. Zur Analyse ist der vorhandene Schaltplan mittelprächtig hilfreich. Nur Marantz konnte es im Plan des 4400 noch komplizierter darstellen.

Die einzelnen Funktionsmodule sind aus allen möglichen DUAL Tuner- und Verstärker- Modellen entnommen und hier kombiniert. So gut wie alles ist steckbar. Der Phonovorverstärker ist einer der ganz traurigen 2 stufigen Dual Vorverstärker von vor "20 Jahren". Das war jetzt etwas übertrieben, aber er ist mit seinen 2 Transisoren wirklich nur die aller-unterste Qualitäststufe. Der SQ-Dekoder ist ein IC-Baustein und hoffentich qualitätsneutral und der sogenannte Multimatrix-Dekoder enthält eine Schaltung mit 2 Transistoren pro Kanal, dessen Funktion mir trotz aller Erklärungen nicht einleuchtet.
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Die Logik der vielen Tasten und der 4 Kanäle

Die Bedienung und die Funktionen wurden ja alle noch "hart codiert" - so sagt der EDV-Mensch. Das bedeutet, alles muß über Kontakte und Drähte an irgendwelchen ganz langen Tastenstreifen abgebildet werden. Eine Fehlersuche anhand des Schaltplans erfordert jede Menge an Geduld und akribischer Leitungs-Verfolgung bzw. Signal-Verfolgung. Spaß macht es jedenfalls nicht.

Manche Funktionen erschließen sich überhaupt nicht und da würde man einen Fehler fast nicht fínden. Andere Funktionen werden ebensowenig benötigt , sodaß man die auch hätte weglassen können. Dadurch wäre Manches einfacher zu erklären gewesen.
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Ein Blick auf die Produktionskosten dieser Konstruktion


Wenn ich nach 40 Jahren solche Geräte vergleiche
, ist ja schon lange geklärt, ob der Hersteller den Wettbewerbsdruck überlebt hat oder nicht. WEGA, SABA, ELAC, DUAL und PE usw. hatten es nicht überlebt und GRUNDIG auch nicht, aber GRUNDIG mußte erst 15 Jahre später aufgeben.

Diese Modul-Bauweise hat nämlich nicht nur (angeblich) tolle Vorteile, sondern auch gravierende Nachteile. Auf dem Foto des Innenlebens des KA-460 sieht man mindestens 20 einzelne Platinen und jede Menge Steckverbinder und Kabel. Die Kabel und Leitungen müssen nicht nur von Hand verlötet werden, sondern die müssen auch geprüft werden. Ganz sicher ist es noch recht einfach, die einzelnen Steckmodule nach der Produktion serienweise einzeln zu prüfen, doch die vielen Steckverbinder sind erst am Ende der Montage des kompletten Gerätes dran.
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Die gesteckten Lautsprecherleitungen
Einblickunter das 601 Chassis

Die 230 Volt Netz-Zuleitung geht einmal durch das ganze Gerät von ganz hinten links nach ganz vorne rechts zum Schalter - und das ist absolut "unglücklich" (wobei das eine sehr sehr kulante Umschreibung von Murks oder Mist ist), auch wenn sie in einem durchsichtigen Schlauch verlegt ist.

Die 4 Lautsprecherleitungen gehen von den Endstufen (ganz hinten) auch nochmal ganz nach vorne zu den Schaltern und wieder zurück zu den Lautsprecher- DIN-Buchsen. Auch das ist "unglücklich" gelöst. Grundig hatte da zwei kleine Hochlast-Relais in den R3000 Receivern ganz hinten an den Buchsen und dazu eine lange Schubstange zum Netzschalter nach ganz hinten zum Trafo.

Alleine der große Schnittbandkern- Trafo ist wirklich lobenswert. Auch die regulierten Spannungen für die Module sind gut gelöst. Daß aber der eine Spannungs-Regler auf der Platine kein Kühlblech hat, ist wiederum eine Sollbruchstelle. Man sieht die Bräunung der Platine, es muß sehr heiß geworden sein.

Einige Trimmregler sind schon komplett schwarz sulphatiert. Da wird der Kontaktdruck irgendwann nicht mehr ausreichen und Fehler tauchen auf.
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Duals Leistungs-Angaben

Bei DUAL wußte man schon, daß die meisten Kunden auch auf die Ausgangsleistung schaun bzw. schielen. Und man wußte auch, daß die großen Japaner seit 1970 leistungsfähige Endstufen mit 2 x 60 Watt im Angebot hatten und daß die Kunden massenweise darauf "abgefahren" waren.

Und dennoch bastelt man wieder eine 4 x 15 Watt Endstufe bzw. 2 x 24 Watt bei 4 Ohm zusammen und dann auch noch 1% Klirrfaktor. Damit konnte man 1976 wirklich keinen mehr kitzeln. Im Prospekt stand aber etwas von 4 x 30 Watt und das stimmte definitiv nicht. Die seriösen "Tester" hatten (auch) bei den DUAL Geräten gnadenlos die echten realen Meßwerte geschrieben .... und auch das war schlimm - jedenfalls für DUAL.
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Im Prospekt wird die CD-4 Tauglichkeit von Plattenspieler und Zuleitung ganz besonders hervorgehoben. Für die CD-4 Platten benötigte man jedoch einen neuen zusätzlichen Abtaster mit Shibata Nadel. Das stan dgenz versteckt irgendwo ganz hinten. Doch die Leitung vom 601 Laufwerk - also vom Tonkopf zum Vorverstärker ist eine ganz gewöhnliche niederpeglige sogenannte "Dioden"- Leitung. Das ist überhaupt nichts Besonderes wie zum Beispiel eine Hochfrequenz-Fähigkeit für die Quadro-Frequenzen bis 50 Kilohertz.
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Der Phono-Vorverstärker im KA-460 + CD-4 Zusatz

Sollen mit einem zusätzlichen Quadro CD-4 Abtaster solche CD-4 Platten wirklich abgetastet werden, wird das Quadro-Signal ja zuerst mal durch den eingebauten Phono-Vorverstäker verstärkt und dann erst zu dem zusätzlich käuflichen und ansteckbaren CD-4 Zusatz-Demodulator CD40 geschickt und dort in die 4 Kanäle aufgetrennt und dann wieder zurück in den KA-460 eingespeist.

Im Klartext heißt das aber, der Phonovorverstärker muß bis 50 Kilohertz die abgetasteten 30kHz Signale (±15kHz) linear durchreichen, sonst kann der Demodulator nichts erkennen. Diesem Vorverstärker traue ich das bislang nicht zu. Er ist viel zu billig.
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Gesamtbewertung des Quadro Spitzengerätes

Positiv der Transformator

Der Drahtverhau und die Labor-Aufbau ähnliche Innenausstattung in Verbindung mit den mittelmäßigen Schaltungen der Schallplattenverstärkung ziehen die Bewertung dieser angeblichen Spitzen- Kompaktanlage auf ein Mittelmaß zurück. Daran kann auch der Dual 601 nicht viel ändern. Das ist wieder ein Zeichen dafür, die Psyche der potentiellen Kunden sträflich ignoriert zu haben - aber nicht nur bei DUAL.

Dieses Quadro-Spitzengerät hätte mit dem Spitzen-Plattenspieler 701 und mit einem Spitzen-Abtaster und auch mit einem Spitzenverstärker kombiniert werden müssen. Hier ist alles Mittelmaß und konnte so trotz der einigermaßen geglückten Optik nicht begeistern.

Schaut man dann auch noch gezielt innen rein, findet man den zwar massiven Holzrahmen mit einigen Blechchassis - aber mit einem dicken Brett unten drunter. Das ist nicht die Zugnumer, die man als ehemaliger Weltmarktführer bei Plattenspielern gebraucht hätte, um Schallplatten-Quadro erfolgreich zu promoten.
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Das Gefühl und die traurige Erkenntnis :

So haben vor allem die bislang hartgesottenen DUAL- Sympathisanten gedacht : Wenn "die" bei Dual es nicht mal schaffen, aus der Quadroplatte Spitzenleistungen herauszuholen, dann taugt doch das ganze Quadro-System sowieso nichts.
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Wir wollen alte Quadro- Prüf- und Meßschallplatten ein letztes Mal so gut wie möglich abspielen und zeitgleich digtalisieren. Das war der eigentliche Grund für diese Anschaffung des besten DUAL Quadro-Kompakt Gerätes.

Der Entzerrer- Vorverstärker macht nicht den Eindruck, den wir erwartet hatten. Er liegt deutlich unter dem Niveau von Chassis und Abtaster.

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