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Der YAMAHA DSP-E1000 für (damals) fast 1.800.- DM

Dieser optisch spartanische 5-Kanal Verstärker mit dem euphorisch beworbenen DSP-Sound Prozessor war eigentlich nur ein Zusatzverstärker für bereits vorhandene Stereoanlagen höherer Qualität. Dabei mußte die vorhandene Stereoanlage gar keine YAMAHA Analge sein.
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Wie in dem 12-seitigen DSP Prospekt von 1994 zwar ausführlich - aber öfter mißverständlich - beschrieben wird, erzeugt der sogenannte Soundprozessor aus den beiden eingespeisten Stereo-Hauptkanälen weitere 5 Kanäle mit diversen Mehrkanal-Stereo- oder Raum-Effekten. Aus meiner Sicht konnte der DSP-E-1000 die in der Werbung geweckten Erwartungen nie einlösen. Und ohne die Fernbedienung ging schon mal gar nichts. Daß es sinnvoll gewesen wäre, einen Fernseher als Menü-Anzeige anzuschließen, hatten die allermeisten - so auch ich - überlesen. Gleiches galt nämlich auch für den exorbitant teuren und auch exorbitant edlen DENON THX Vorverstärker.
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Der DSP-E1000 hat daher nur einen einzigen Stereo Eingang. Das verblüfft, denn im Prospekt wird öfter von Dolby Surround oder Dolby Pro philosophiert und verglichen. Der DSP-E1000 kann also nur Stereosignale ergänzen, irgendwo im Service-Manual stand etwas von einem Dollby-Decoder. Es gibt also nur einen Stereo-"Input" und gleich neben dran den "Main-Out" Ausgang - der "Rückfluß" zum speisenden Stereo-Verstärker in Verbindung mit einem "merkwürdigen" kleinen Pegelsteller.
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Echte 1 x 80 Watt und 4 x 25 Watt Sinus an 8 Ohm

Ein richtig dicker Netztrafo
und fünf massive Klemmen

Das Kraftpaket hat einen wirklich gesunden 270 Watt Trafo, der die 5 Kanäle speist. Jetzt sind 25 Watt Sinus für die 4 Effektkanäle zwar ausreichend aber doch nicht besonders viel. Die echten 80 Watt Sinus für den Center oder den Tiefbass sind aber schon recht kräftig. Das bereits vorhandene Stereogerät (oder der Stereo-Verstärker) sollte also schon 2 x 100 Watt Sinus für die Frontkanäle haben. Dort wird die große Verstärker-Kraft benötigt.

Daß die Endstufen in der bekannt hochqualitativen Yamaha Qualität powern, ist im Innenleben sichtbar. Die oben angegebenen Leistungen werden mit 20-20.000Hz und 0,01% Klirrfaktor angegeben. Bei Yamaha dieser Generation ist das absolut glaubwürdig.

Doch der Knackpunkt liegt in dem digitalen Teil der Vorverstärkerstufen. Denn das Eingangssignal wird zwar direkt an den speisenden Hauptverstärker (für die Frontlautsprecher) zurück durchgereicht, doch die anderen 5 Kanäle werden jetzt aus dem DSP gefüttert.
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Im Internet tolle "Specs" gefunden

Es ist schon toll, was Verkäufer in die technischen Daten hinein interpretieren.Mal ist der Verstärker 12 Kilo, mal 14 und mal 16 Kilo schwer. Mal hat er 100 Watt Sinus, mal 110 Watt Spitze, mal wieder weniger. Ein Vergleich mit den Anpreisungen von Immobilienmaklern drängt sich auf.

Dabei ist das originale Yamaha E-1000 Service Manual im Internet kostenfrei herunter zu laden und dort steht die "richtige" Wahrheit drinnen.
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Überwiegend verschiedene Raumhall-Effekte

Der Prozessor erzeugt aus den angelieferten Stereo-Informationen über seine abgespeicherten Nachhall-Informationen (die Raum-Parameter) der ausgemessenen Referenz- Areale die Raumhall-Anteile für die Effektlautsprecherkanäle. Ist aber eine CD bereits tüchtig "verhallt" wie die "James Last Editionen" oder die Julio Iglesias Gesänge oder Joe Cockers "Unchain My Heart live"zum Beispiel, dann kommt Schlimmes hinten raus.

Es ist zwar irgendwie ganz interessant, wie sich die "Kirchenmusik" mit dem James Last Orchster an der Waterkant anhört, aber von Musik-Genuss kann da (meiner Meinung nach) keine Rede mehr sein, es ist nur noch nervig und anstrengend.

Nehme ich eine der modernen Konzert-Aufnahmen nach 2010, bei denen die Tonmeister inwischen ganz gut wissen (bzw. gelernt hatten), wie man die Stereoinformationen professionell abspeichert und für eine Stereo-CD nahzu perfekt abmischt, wird mit dem DSP-E1000 alles, aber auch alles, nur noch verschlimmbessert.
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Ein Einblick in den DSP-E1000

Nachdem fast alle ehemaligen Käufer das (mit dem Verschlimmbessern) (auch) gemerkt hatten, standen diese eigentlich viel zu teuren 12 Kilo- "Blech-Kisten" in den Ecken oder Kellern, denn sie waren für fast nichts weiter zu gebrauchen.
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Es gab da mal einen Umbausatz, wie man die Endstufen anders einsetzen könnte, doch das war irgendwie fehlerträchtig. Im Sommer 2020 wurden mehrere E-1000 für 49 Euro angeboten und damit ist das Ende wirklich besiegelt Ein Blick hinein lohnt aber dennoch.

Man(n) könnte ja noch etwas draus machen ...........
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Das Netzteil der "E"-Version (Europa ohne England)

Das 220V Netzteil für Europa ohne Egland (das "G"-Modell) ist typisch Yamaha solide. Alleine aus der Erfahrung heraus traue ich dem Trafo die mehr als 250 Watt locker zu. An zwei unterschiedlich starken 25/25 Volt ~ Sekundärwicklungen jeweils mit Mittenanzapfung hängen 2 Gleichrichter, wobei einer nur für die analogen Endstufen und analogen Vorverstärkerwege mit ±15V und ±33V gebraucht wird und an dem anderen Gleichtrichter die stabilisierten ±5V "Digitalspannungen" erzeugt werden.
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Ein kleiner 220V Hilfstrafo ist immer am Netz und ermöglicht die gesamte Fernsteuerung. Ein 8bit Mikroprozessor steuert dabei das Einschalt-Relais für den Haupttrafo sowie Display und Schutzschaltung und die Relaistechnik der Verstärker- Lautsprecherausgänge.
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Die Aufteilung des Netzteils auf 2 Platinen ist etwas gewöhnungsbedürftig aber sicher dem raren Platz geschuldet. Jedenfalls gehen jede Menge Spannungen von dort an die anderen Platinen.
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Die Eingangs-Ausgangs-Platine mit den Cinch-Buchsen

Innen an der Rückseite des hinteren Abdeckungsblechs ist die lange Platine mit all den niederpegligen Cinch-Buchsen angebracht und dort sind auch die analogen ICs, die diese Ein- und Ausgänge schalten, regeln, steuern und versorgen. Was bei genauerem Blick auffällt, die hintere Abdeckung ist länderspezifsch wegen der Europa- Kaltegrätebuchse. Das ist eigentlich unnormal, daß da pro Region andere Backplanes verwendet wurden. Auch daß der Trafo nicht 110/120/220/240 Volt fähig ist, ist nicht glücklich. Es wurden demnach 4 oder 5 verschiedene Modelle produziert. Der Aufwand war immens.
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Der Entstufenblock mit dem Kühlkörper


Der ganze Block wird mit nominellen ± 33Volt Gleichspannung gespeist. Zwei 15.000 uF Kondensatoren (auf der Netzteilplatine) liefern den Impuls-Strom für die Spitzenimpulse. Alle Bauteile sind großzügig dimensioniert und sehr ordentlich positioniert. Die vier kleinen Endstufen werden mit je einem Vorverstärker-IC und je 2 Leistungstransistoren gebildet. Die Mono-Endstufe in der Mitte der Platine ist komplett diskret aufgebaut. Der gemeinsame Kühlkörper ist sehr großzügig dimensioniert. Die Ausgangsbuchsen/Klemmen werden über drei vom Steuer-Prozessor geschaltete !! Relais angekoppelt.

Das kitzelt natürlich die Kreativität, was man damit noch machen könnte. Yamaha Endstufen dieser Generation glänzen klanglich mit hervorragenden Eigenschaften.
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Vorher ein paar Besonderheiten, die man wissen sollte

Der 8-bit Steuerprozessor steuert auch die Lautsprecherrelais auf der Endstufenplatine. Also so ganz alleine funktioniert der Endstufenblock nicht. Da muß man etwas nachhelfen, daß diese 3 Relais mit einer Verzögerung geschaltet werden.
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Eine sehr aufwendige Lautstärke-Regelung von ALPS

Der große scharze mit einer LED beleuchtete Knopf auf der Vorderseite dreht ein 5-fach Potentiometer, und das sogar motorisch von innen. Was die 6. Kohlebahn ganz hinten vor den Getriebe macht, ist noch unklar. Im Servicemanual sind aber 7 Potis vorhanden bzw. eingezeichnet, die ich aber nicht gefunden habe. Auch scheinen die 5 Kohleschichtbahnen keine Abgriffe für eine Loudness Regelung zu haben und dazu noch eine lineare Charakteristik (100kOhm lin). Wie das funktionieren soll, ist auch noch herauzufinden. Jedenfalls ist dieses Modul recht aufwendig gemacht. Ob man das zukünftig noch brauchen kann ??
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Die große DSP Platine wird nicht mehr gebraucht.


Auch wenn es schwer fällt, diese frühe Technik ist volkommen überholt. Der Aufwand mit den digitalen Abschwächern (also den Lautstärkereglern), deren Einstellungen - also die Pegel-Verhältnisse von Front-, Seiten- und Rück- Kanälen untereinander, war für damalige Verhältnisse gewaltig. Die Chip-Entwicklung hat riesen Sprünge gemacht und diese gesamte Platine ist heute in 2020 in einem einzigen großen Chip integriert.
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Das Netzteil ist unverwüstlich und bestimmt langlebig

Zum alleinigen Betrieb des Endstufenblocks benötige ich die dort sowieso erzeugten Sekundärspannungen. Auf der Netzteilplatine sind 4 analoge Linear-Regler an dem Kühlblech verfügbar. Die beiden 5V Regler können einfach da bleiben, gebraucht werden die eigentlich nicht mehr. Die 3 lautsprecher-Relais auf der Endstufenplatine müssen künstlich angeschaltet werden. Die Op-Amps werden alle mit den stabilisierten ±15 Volt gespeist.
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