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Das Gehäuse ist noch randvoll
der Elektronische Teil des XL-V1
Elektronik auf 4 großen Platinen

1983 - Der erste JVC CD-Spieler XL-V1

Zum 1983 im Herbst zur Funkausstellung ging der Virus herum.

"Wir" müssen auch einen CD Spieler anbieten.
Aber was tun ? Diese Frage stellten sich fast alle Hersteller auf der Welt, weil es sich nach der 4jährigen quasi subversiven Tätigkeit von Philips (und dann auch noch von Sony) keiner mehr leisten konnte, nicht mit auf dieses Pferd aufzuspringen.

Alle anderen digitalen (Ton-) Aufzeichnungsverfahren wie PCM auf Magentband und die 30cm LaserDisc hatten sich nicht durchgesetzt. Nur die 12cm Philips/Sony Compact Disc Scheibe war zukunftsfähig. Und so entwickelte Hitachi (Matsushita) ein CD-Laufwerk Chassis, nicht nur für sich selbst, sondern auch für den OEM- oder Lizenzvertrieb.

Schaut man sich alle CD Senkrechtlader dieser frühen Epoche an (den Sharp DX3 zum Beispiel), so sind sie alle sehr ähnlich. Die CD wird senkrecht von oben eingelegt oder je nach Geschick fallen gelassen.

Die Tür/Klappe wird von Hand zugeklappt, den letzten halben cm schließt sie von selbst und am Ende muß sie elektrisch per Taste wieder geöffnet werden. Innen drinnen werkelt jede Menge an früher Elektronik, halt auf dem technologischen Stand von 1983.
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Das CD Laufwerk des XL-V1

Das ganze Gerät war für damalige Verhältnisse bereits richtig modular aufgebaut. Die nach vorne umgeklappte Fronteinheit zeigt die Rückseite des mechanischen CD Laufwerks und rechts die Platine der Bedientasten und die Anzeige.

Oben sehen Sie die Frontansicht des Players und darunter die Rückansicht der nach vorne geklappten Frontplatte.
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Die Front-Klappe wird motorisch bewegt

Und wenn man es nicht weiß oder nicht glaubt, wird sie mit brutaler Gewalt aufgebrochen, wie bei unserem traurigen Sperrmüll-Fund.

Für solche brachialen Methoden waren diese Kunststoff-Hebel natürlich nicht ausgelegt.

Sie sind abgebrochen und damit bleibt die Tür nicht mehr (nie wieder) richtig zu und die CD kann nicht abgespielt werden. Schade.

Eigentlich ist das Laufwerk noch in Ordnung.

Ein massives ALU-Druckguss Chassis

Es war die erste Generation der optischen CD Abtastung mit diesen neuen kleinen Laserdioden und die wollten anfänglich nicht erschüttert werden. Später hat man die eventuellen Erschütterungen des Laufwerks über die bewegliche Linse elektronisch ausgeregelt, doch so weit war man 1983 noch nicht.

Die schwere Alu-Chassisplatte ist sehr sauber und sorgfältig plan gefräst und die Bohrungen und eingeschnittenen Gewinde sind ebenfalls erstaunlich präzise. Dazu sieht man ganz vorne links und rechts die beiden schwarzen Nasen, die das Scharnier der gesamten vorderen Tür darstellen.

In zwei v-förmigen Schienen läuft der ebenfalls massive Alu-Schlitten mit der Abtasteinheit. Der Spindel-Motor für die CD steht fest. Man sieht die breiten Leiterbahn-Folien, die zu der Elektronik führen.
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Die Laser-Diode ist fest im Chassis verschraubt

In den CD-Laser Spielern der ersten Generation waren die Sende- und Empfangs-Dioden noch mechanisch und räumlich voneinander getrennt.

Die Empfangsdiode sitzt im Schlitten

Das war schon nicht mehr der Stand der Entwicklung von Philips aus den ersten Laser- Bildplattenspielern aus 1972 bis 1974, als die Laser-Röhre noch ca. 20cm lang war.

Dazu gab es auch schon eine (linear-) motorisch bewegte Linse, die den reflektierten Laserstrahl scharf stellen konnte.

Der reflektierte Laserstrahl wurde durch die Linse (Bild oben) gebündelt und scharf gestellt (also der Abstand zur Reflektionsschicht wurde nachgeregelt) dann mit einem Spiegel (blauer Pfeil) entlang dem roten Pfeil zur Empfängerdiode (grüner Pfeil) gelenkt.
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Ein Blick auf die CD-Elektronik von 1983/84

Die Grundplatine
die 4 großen Steckkarten
CPU oder AD Wandler 1983?

Da sich Philips nach der publikumswirksamen Ankündigung der CD 1979 dann fast 2 Jahre sehr bedeckt gehalten hatte, mußt ab Anfang 1983 alles recht schnell gehen. Die CD wurde zur Funkausstellung in Berlin im August 1982 als marktreif propagiert, doch es gab fast keine Abspielgeräte. Die mußten in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft werden.

Die Entwickler (auch in Japan) wollten die modernsten Bauelemente verwenden, die Einkäufer mußten "das elektronische Zeug", also die Chips und Komponenten auch beschaffen und die Produktionsleiter sollten über Nacht richtige Stückzahlen produzieren. Im Nachhinein wissen wir aus diversen Veröffentlichungen, daß die Japaner immer zwei Nullen an die bei uns in Europa gewohnten Stückzahlen dran hängen mußten oder wollten.

Wenn ein Max Grundig (er war der "Größte Europäer") mal 10.000 Stück einer Type eines Produktes "absegnete", dachten die Japaner in Lots von 1 Million Stück - natürlich für den gesamten Weltmarkt.

Und wenn es sich um die modernsten und derzeit höchst integriertesten Chips handeln sollte, mußten auch die Halbleiterhersteller mitziehen. Das war nicht so einfach. Der Chip hier rechts hat das Produktionsdatum der Kalenderwoche 08 aus 1983. - Darum mal ein Blick auf das elektronische Innenleben des Hitachi OEM Players, hier als der JVC XL-V1.
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Die analoge Ausgangsstufe des XL-V1

Der analoge Ausgang ganz am End der digitalen Signalkette wurde mit kleinen (grünen) Reed-Relais stumm bzw. frei geschaltet. Die Entwickler wußten schon warum. Sonst kam das Einschalt- und Abschaltknacken des Wandlers bei jedem einzelnen Musik-Stück bis an die Lautsprecher. Mit einem großen Magneten kann man die Logik austricksen und das Relais dauernd einschalten und den Knack deutlich vernehmen.
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Es gab natürlich noch mehr ICs

Den voll integrierten universellen Mikroprozessor wie zu der gerade aufkommenden PC Zeit gab es 1982/83 noch nicht. Jede Funktion wurde einzeln "abgebildet". Unser allererster Büro-PC von CANON, der CX1 war sehr ähnlich aufgebaut, hatte aber bereits eine zentrale 6809 CPU.

Hier sieht man, wie die Funktionen des CD-Spielers mit einzelnen integrierten Schaltkreisen entwickelt wurde.
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"Unschön" nennt man das.

Das hätte so nicht sein dürfen, offene 230 Volt Kontakte direkt zum Anfassen. Das war natürlich auch damals schon Murks.

Das hatten inzwischen sehr viele Receiver und Verstärker nicht mehr.

Verschiedene geregelte Spannungen

Aufgrund der diversen "halbstarken" Leistungstransistoren (TO220) gehe ich von 4 analogen Spannungen aus, die mit damals modernen analogen Längsreglern erzeugt wurden, um den Player zu betreiben.

Was hier aber auffällt, die Steck-Kontakte der Kabel und/oder Steckplatinen sind nach 30 Jahren noch genauso blank wie am Anfang. Bei Braun, Grundig, Wega, Saba, Dual und Telefunken usw. ist (war) es nämlich genau umgekehrt, alle Kontaktstifte bzw. Steckkontakte dort sind heute kohlrabenschwarz.

Jahre später hat dann Sony in die DAT Edelplayer der Sony ES Klasse bis zu 10 einzelne Spannungsversorgungen (mit entsprechenden Sekundärwicklungen am Trafo) eingebaut, um ja alles "Analoge" vom "Digitalen" zu trennen, aber so weit war man 1983 noch nicht.
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Noch ein rückblickender Vergleich

Im Jahr 2013 ist es möglich, mal zurück zu schaun, wie es damals war und wie es sich entwickelte.

Im esten Bild sehen Sie links die kleine grüne Elektronik-Platine eines halbwegs modernen CD Laufwerkes aus 2003 im Vergleich zu der Masse an dunkelbraunen Steckkarten aus 1983.



Und hier rechts ein Bild der hochkomprimierten Chip- und Platinen- Variante eines DVD Slimline Laufwerks aus 2012.

Werfen Sie zum Ende einen Blick in die Entwicklung der CD ab 1979, die so ab 2012 gerade ihr Leben aushaucht.
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