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Über die gepflegten Mythen und Legenden von Accuphase

Wir schreiben 1982 und die japanische Firma Kensonic baut Geräte, die sich die allermeisten Deutschen nicht mal im Traum leisten können, so teuer sind die. Von der Imagepflege her ist Kensonic den Kollegen und Mitbewerbern von SONY sehr ähnlich.

"A SONY is a SONY" hatte sich über Jahrzehnte sehr erfolg- reich als Schlachtruf etabliert und dieser Slogan wurde auch akribisch gepflegt. Kensonic hat das Produkt "Accuphase" (ohne solch einen Slogan) in die höchsten Sphären der High-End Highfidelity katapultiert und über Jahrzehnte auch sehr erfolgreich vermarktet.

Bedenklich stimmt aber, wenn in 2017 ein seriöser extrem langjähriger Accuphase Händler (meinen Freund Rainer Pohl kenne ich seit 1973) die lokale Exclusivität von sich aus abgibt, weil die aktuellen Produkte den Kundengeschmack nicht mehr wiederspiegeln. So ist auch hier wie überall die Wellen- bewegung des Marktes zu respektieren, sonst geht es ihnen wie bei SONY so um 2005 herum, daß ein sehr sehr tiefer existenzbedrohender Einbruch kommt.

Betrachten Sie die nachfolgende Geschichte (also den etwas populistischen redaktionellen Artikel) mit leicht nachdenklichem Abstand als Marketing Aktion, und nicht als Bericht.

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Januar 1982 - Report (ein Kurzreport)
Dreimal lebenslänglich

Kompromißlos jagen die Chefs von Kensonic dem perfekten Klang nach - beruflich wie privat.

Die Brüder Kasuga kamen von Trio-Kenwood.
Über Jiro Kasuga und seinen Bruder Nakaichi schüttelte man 1972 in der gesamten japanischen HiFi-Branche den Kopf.

Obwohl sie die Trio Corporation (Kenwood)(Anmerkung : Kenwood hieß zuvor nur "Trio") höchstpersönlich mit begründet hatten und entsprechend dotierte Posten bekleideten, verließen sie Trio sang- und klanglos.

Als offizielle Begründung gaben sie an, ein HiFi-Unternehmen der allerhöchsten Klasse auf die Beine stellen zu wollen. (Anmerkug : In Japan war es damals üblich, sogar für die eigene Kündigung einen Grund anzugeben !!!)
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Es gab in 1972 eine Marktlücke im High-End

Gerätestapel statt Blumenvasen, fast zugebautes Fenster: HiFi privat von Kensonic-Entwicklungsleiter Masumi Dehara.
Einige Daten seiner Anlage: Vorverstärker: Accuphase C-240, C-220. Elektronische Frequenz- weiche: zwei F-15. Endverstärker: für den Tieftöner M-100; P-300X; P-260. Melco-60 Kilo Messing- laufwerk, . Tonarme: SME 3009 und 3012 R, Micro 505 X. Tonabnehmer: Accuphase AC-2, AC-1, EMT TSD-15, Ortofon MC-20 II, Denon DL-103
HiFi-Bausteine besetzen das Bücherregal, Boxenkolosse versperren den Blick ins Grüne: Kensonic-Präsident Jiro Kasuga schaltet nie ab
Das Aussehen ist unwichtig, Hören ist alles: Der Subwoofer Electro Voice 30W von Kensonic-Geschäftsführer Nakaichi Kasuga ruht auf häßlichen Beton-Rasengittersteinen

Das war 1972 ein reichlich vermessenes Unterfangen. Yasumasa Ishizuka, 47, Europa-Marketingchef von Kensonic: „Es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, daß es damals keine Hersteller von HiFi-Geräten der Spitzenklasse in Japan gab. Alle stellten Geräte mittlerer Preisgruppen in mittlerer Qualität her und ebneten dadurch ausländischen Spitzenfirmen wie Mclntosh, Audio Research, Mark Levinson und Revox den Weg."

In diese Bresche versuchten nun die Brüder Kasuga zu schlagen. Sie verabscheuten Quantität. Qualität mußte es sein, und zwar die höchste. Ishizuka: „Diese Einstellung wurde schon ein Jahr später gerechtfertigt, durch den Ölschock von 1973, der das Ende des Wegwerf-Zeitalters ankündigte. Und man muß dabei auch überlegen, welche ernsten Konflikte die japanischen Auto- und Elektronik-Produzenten heute mit ihrem Massenexport auf den europäischen Märkten verursachen."

Die Firma hieß „Kensonic" und das Produkt - die Marke „Accuphase"

Jiro Kasuga, 64, ist Präsident und Nakaichi Kasuga, 68, Geschäftsführer ihrer im Juni 1972 gegründeten „Kensonic". Ihre Geräte tauften die Kasugas auf die Marke „Accuphase". Die erste Serie bestand aus Endverstärker P-300, Vorverstärker C-200 und dem AM-FM-Tuner T-100.

Sie erhielt den begehrten Großen Preis, der in Japan von einer Jury aus sieben Fachmännern der Branche an alle zukunftsweisenden Produkte des HiFi-Weltmarkts vergeben wird. Und seitdem kassiert Kensonic diesen Preis Jahr für Jahr mit schönster Regelmäßigkeit.

Der Erfolg kommt von unermüdlichem Fleiß

Dieser fast unglaubliche Erfolg kommt nicht von ungefähr. Jede mögliche Schaltungstechnik und jedes eventuell geeignete Material für die Bauteile wird probeweise in die Prototypen eingebaut und von Entwicklungsleiter Masumi Dehara, 47, und seiner Mannschaft - jeder hat mindestens 20 Jahre Erfahrung in der HiFi-Industrie - erbarmungslosen Marathon-Hörtests unterzogen.

Von SONY gelernt: "Immer einen Schritt voraus sein."

Andere Unternehmen arbeiten allerdings genauso gründlich. Und doch gibt es nach Ansicht von Ishizuka einen Unterschied: den Willen, immer den anderen voraus zu sein: „Die Kombination von Theorie mit höchstentwickelter Technik, verbunden mit dem ehrlichen und ernsthaften Versuch, einen oder zwei Schritte weiter als jeder andere zu sein, ist der einzige Weg, Qualitätserzeugnisse herzustellen, die lange Zeit im Markt überleben können." Das bedeutet, sich lebenslänglich bedingungslos den harten Geboten der High-Fidelity zu unterwerfen.

  • Anmerkung : Der SONY Gründer Akio Morita hat diese Strategie bereits 15 Jahre früher in seinem Unternehmen als Losung und Ziel ausgegeben und in seinem Buch sehr ausführlich erläutert - und er hatte damit grandiosen Erfolg.

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Ein privates Zuhause bestehend aus Hifi-Anlagen

Die Frage ist nur, wie lange die Ehefrauen der Kensonic-Oberen durchhalten. Denn weder Firmenpräsident noch Geschäftsführer noch Entwicklungsleiter kennen ein übliches „Wohnzimmer". Wo bei Normalbürgern Bücher in der Schrankwand stehen, stapeln sich bei Jiro Kasuga HiFi-Geräte. Wo in üblichen Haushalten die Kommode eine Wand ziert, versperren bei Nakaichi Kasuga Mammutboxen den Weg.

Schlimmer noch bei Masumi Dehara: Da verbaut die Lautsprecher-Anlage für den linken Kanal fast das halbe Fenster. Und "dort, wo" Hausfrauen gerne Blumenvasen hinstellen, prangen beim Kensonic-Enwicklungsleiter Türme; jede Geräteart ist mehrfach vertreten. Jetzt schütteln die japanischen HiFi-Industriellen also schon über drei der ihren den Kopf.

von Klaus Kamfenkel im Jan. 1982

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