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Der Phase Linear 700B kam etwa 1974 zu uns

Es ranken sich viele Legenden um den eigentlichen Entwickler, eigentlich waren es ja zwei, sehr ähnlich zu Infinity. Die "dicksten" Verstärker hatten damals etwa 120 Watt Nennleistung pro Kanal, also echte Dauerleistung. Mehr gaben die einzelnen Transistoren noch nicht her. Und das Kaskadieren oder auch Parallelschalten von Transistoren hatte man noch nicht so richtig im Griff. Es gab zuerst mal nur den Crown DC300A, der das mit 2 x 190 Watt (laut der Specs nur 2 x 150 Watt) Sinus bereits konnte und es gab damals den SAE Mark ??, der Verstärker hatte etwa 2 x 200 Watt auf die Beine gebracht.
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Und es gab einen "Bedarf" an Mehrleistung

Horst Dieterles Reserven
Crown DC300A Rückseite

Die ersten großen Hifi-Boxen kamen auf den Hifi-Markt und die klangen nur dann berauschend, wenn genügend Leistung da war. Bei den Vorführungen in den Hifi-Studios oder auf den Messen und in den dortigen Hotelzimmern wurde dann vielleicht mal 10 Minuten volle Pulle aufgedreht und das klang wirklich super - und die Welt war in Ordnung.

Die Eingeweihten wußten aber auch, daß bei längerem Betrieb mit solchen Leistungen dann dann der Chefreparateur, bei Audio Intl. (SAE) war das Horst Dieterle (†), ganz viel Arbeit bekam. Er hatte vorsorglich ganze Styropor-Paletten von damals sehr teuren Leistungstransistoren in seinem Lager.

Und diese besonders dicken Leistungsverstärker waren damals nämlich "thermisch sensibel". Und die Kühlbleche waren oft viel zu klein - wie bei dieser 700B Endstufe und auch bei den frühen SAE Endstufen. Alleine der Crown DC300A hatte diese (thermischen) Reserven für stundenlanges Powern unter Vollast. Dort wurden nämlich 4 + 4 Leistungs-Transistoren pro Endstufe eingesetzt.
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Wenn der Importeur die Grantie verkürzt . . . ein Grund ??

Der Edelhersteller
gibt nur (noch) 1 Jahr

Die neu auf den Markt gekommenen Importeure suchten gierig neue Vertriebsprodukte im hochpreisigen Bereich, so wie es Herrmann Hoffmann mit Audio Intl. erfolgereich vormachte. Die Firma Teppler hatte sich aber genauso mit diesen Produkten "verhaun", wie es Michael Gießen mit der OHM F erlebt hatte. Viel zu viele der großen Edel-Boxen und der teuren Hochleistungs-Verstärker hatten (natürlich in der Garantiezeit) den ersten Totalausfall und wurden dem Hifi-Studio zurückgebracht. Und der Händler hatte das unerwartete Problem des Verpackens und Versendens (und war dann richtig satt).
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Die Sprüche auf den Prospekten waren eben nur Sprüche

Vor allem, diese Geräte wirken optisch nur mit dem auf massiv gestylten Edelholz-Holzgehäuse und den martialischen Panzergriffen. Und vergoldet muß es sein, es war die Zeit der goldfarben eloxierten Frontplatten.

Aus den Gesprächen mit den damaligen Interessenten (1973) bei der Firma AUDIO-Hifi in Wiesbaden in der Adolfsallee erinnere ich mich an manche Wunschträume der Kunden, wie man das monumentale Gerät noch beleuchten oder anstrahlen könne, damit es noch besser "wirke". Da das Gehäuse separat verpackt war, kostete die Luftfracht aus USA aber richtiges Geld und damit war der Aufpreis heftig. Nur - ohne das Gehäuse sah der Verstärker überhaupt nicht mehr repräsentativ aus, eher im Gegenteil.

Auch diese Erfahrung galt gleichermassen für die SAE und Crown Geräte.
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Die Sprüche des Importeurs waren ebenfalls heftig


TEPPLER präsentiert :

Der neue Hifi-Verstärker,
für den Superlative noch zu schwach sind.

Der erste Verstärker der 1980er Jahre
700 Watt Sinus - 1 ... 25.000 Hz

Der stärkste Transistorverstärker der Welt.


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Eine bisher unvorstellbare Leistung

Sie wurde erst möglich durch die jüngste Entwicklung in der Technologie der Silizium-Hochspannungstransistoren und eine Digitalcomputer-artige Schutzschaltung in der Endstufe:

Lineare Verstärkung - 350 W Sinus pro Kanal bei 8Ohm

zu kleine Kühlflächen
8 + 8 Transistoren pro Kanal

über den Frequenzbereich von 1 Hz bis 250000 Hz - Der Klirrgrad ist nicht mehr meßbar; sicher ist nur, daß er noch unter einem hundertstel Prozent liegt.

Warum braucht man 700 Watt?

Es ist leider ein weitverbreiterter Aberglaube, daß 30 oder 50 Watt ausreichen, daß höhere Leistung einfach »lauter« sei. Es geht nicht um Lautstärke, ein unstabilisierter 50 Watt-Verstärker kann »lauter« sein als Phase Linear, es geht um naturgetreue Musikwiedergabe, und die muß verzerrungsfrei sein.

Selbst beste 100-W-Verstärker verzerren, wenn sie überlastet werden. Kräftige Baßstellen oder musikalische Spitzenbelastungen können sie oft nicht verarbeiten, sie brechen zusammen (Clipping), der Originalklang wird verändert, unerträgliche Verzerrungen, bis zu 40%, treten auf.

Die besten Lautsprecher fordern höchste Leistung

Moderne "acoustic Suspension" Lautsprecher sind unglaublich verzerrungsfrei, aber sie fordern hohe Leistungen. Nur ein ausreichender Energieantrieb gleicht den niederen Wirkungsgrad aus. Bei den besten Lautsprechern reichen 700 Watt gerade, um ohne Verzerrung die Schalldruckspitzen wiederzugeben, wie sie bei Live-Aufführungen vorkommen.

Je größer die Verstärkerleistung, um so naturgetreuer die Musikwiedergabe. Diese Erkenntnis hat zur Entwicklung des Phase Linear geführt, dem stärksten und modernsten HiFi-Verstärkers, den es gibt.

Phase Linear - noch nie zuvor hat ein Verstärker eine so reine, verzerrungsfreie, unverfälschte Musikwiedergabe erlaubt.

TECHNISCHE DATEN:

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  • Leistung: Mehr als 350 Watt Sinus pro Kanal an 8 Ohm von von 1-20 kHz
  • Clipping:
    Bei 400 Watt sinus pro Kanal an 8 Ohm.
    Bei 700 Watt sinus pro Kanal an 4 Ohm
  • Leistungsbandbreite: 5-0,25 MHz bei 1 Volt Eingang
  • Harmonische Verzerrung: Kleiner als 0,25%
  • Klirrgrad normalerweise unter 0,01%
  • Dämpfungsfaktor: Größer als 1000:1 bei 20 Hz
  • Rise time: Weniger als 1,6 Mikrosekunden
  • Eingangsempfindlichkeit: 1,6 Volt für 350 Watt an 8 Ohm
  • Fremdspannungsabstand: Besser als 100 dB unter 350 Watt
  • Maße: H 190, B 480, T 260
  • 1 Jahr !! Garantie
  • Literaturhinweis: Robert Carver -
    A 700 Watt Amputier Design AUDIO, Februar 1972

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Jetzt die Sprüche der Amerikaner

Wie auf anderen Seiten bereits angemerkt, in Amerika durfte man fast alles schreiben, das einem so eingefallen ist - selbst wenn es der größte Unsinn war.

Grunsätzlich sind "unsere" Produkte die besten auf der Welt und alle sind immer und ohne Zweifel "State of the Art", also das Allerfeinste, das es gibt. Darum lesen Sie mal, wie die kleine Firma Phase Linear ihren 700B beworben hatte :

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THE WORLD'S MOST POWERFUL STEREO AMPLIFIER!

(Rückblick) In the Spring of 1971, beneath a corner grocery store in Richmond Beach, Washington, Phase Linear built its first amplifier. The designer and the builder were audiophiles who understood the need for a power amplifier with capabilities previously undeveloped by the high fidelity industry.

They were convinced their efforts in amplifer design would advance the "state of the high fidelity art". However, the rest of the world was not at this time convinced of the need for a high powered amplifier and few people in the industry would even listen to them.

Was not there a myth that amplifiers need never be over 50 watts? Who had heard of (or heard) amplifier clipping anyway?

Fortunately, as with any honest improvement, its merits were realized and finally appreciated. To the experimenter, the eccentric, and a knowledgeable microcosm of audiophile offbeats, the first Phase Linear Model 700's were sold.

They listened; they heard the end of a myth. They then began to spread the news and soon speaker manufacturers realized their systems sounded better when powered by a Phase Linear amplifier—a new latitude was now available in speaker design as well as amplifier design.

Today . . . . (August 1973)

Today the hi-fi industry has aligned itself to capitalize on the benefits of super power — an idea created in Richmond Beach: an idea once thought frivolous but today considered essential for the best possible performance from a high fidelity system; an idea that says simply this . . . music, created with modern, wide range loudspeakers, can only approach realistic levels if the reproducing power amplifier is capable of several hundred watts output.

After a thorough examination of the benefits of high power, Julian Hirsch (Anmerkung : das war damals der seriöse Master-Tester der amerikanischen Hifi Industrie) wrote

"... some of our preconceived ideas were exploded by our exposure to super amplifiers . . . anyone using a low efficiency speaker system with a 60 to 100 watt (total power) amplifier cannot approach a realistic listening level . . . the tendency is to operate at a lower (undistorted) level and to delude ourselves into accepting it as 'realistic,' which it is not!"

Mr. Hirsch later wrote in the August, 1973 issue of Popular Electronics :

"... the reproduction of a solo piano at a natural volume level, using high quality acoustic-suspension speaker systems, can easily require amplifier peak powers of several hundred watts."

The Phase Linear 700B is the best amplifier you can purchase at any price and the standard of excellence all manufacturers try to equal. The 700 started Phase Linear as a company and it changed the hi-fi industries design criteria for amplifiers.
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PERFORMANCE

There are several ways to evaluate an amplifier but the most important one is audio performance. At Phase Linear we feel the best method to evaluate performance is through listening.

Take time to listen to the Phase Linear 700B. It not only has sample power for any system - but there is not a better sounding amplifier on the market. Listen for the warmth of the bass and the smoothness of the highs. Instruments will sound realistic and voices will be accurately amplified.

The performance of Phase Linear amplifiers extends beyond the limits of audibility and often beyond the limits of measurability. Consider what past reviewers have said about the earlier Model 700:

Ultra wide frequency response; the best of any competitive amplifier. "There is no need to present a frequency-response curve of the amplifier since it is perfectly flat from D.C. to 10kHz, the limit of our audio generator."
C. G. McProud, Audio Magazine

Ultra low distortion; the lowest. "The lowest distortion, in spite of its enormous power capability, was on the Phase Linear 700 ..."
Julian Hirsch, Stereo Review

"... distortion . . . was as low as we can go with the present equipment."
C. G. McProud, Audio Magazine

The lowest noise of any amplifier. "Hum and noise figures were also well below anything we have encountered before."
C. G. McProud, Audio Magazine

The highest power of any amplifier. " ... in terms of sheer power it is the most impressive we have tested."
High Fidelity Magazine

The design goal of the Phase Liner 700B was to refine even further the performance levels of our previous efforts. With such a goal it is no wonder the Phase Linear 700B has become the industry standard of amplifier excellence.
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Nachtrag in 2012

Die Zeiten hatten sich geändert und meine Erfahrung von 1976, als der 700B mit 4 Bose 901 in einer Wiesbadener Diskothek periodisch wegen Überhitzung abschaltete (ohne Gebläse), waren nicht auf den Klang, sondern mehr auf die 2 x 350 Watt an 8 Ohm gemünzt.

In 2012 konnte ich den 700B mit einigen anderen Verstärkern vergleichen (ich hatte da schon den SONY XA 50 ES CD Player) und kam zu demselben Ergebnis wie bei dem 2 x 400 Watt BOSE 1801 Verstärker. Die Audio-Quellen, die wir heute haben, sind so viel besser geworden, daß man im Vergleich doch deutliche Unterschiede zu den historischen Kraftprotzen hört.

Leistung satt heißt heute nicht mehr, auch klanglich High-End zu sein. Gleiches gilt auch für die alten SAE Endstufen und die alten Marantz und sonstigen Kraftprotze oberhalb von 2 x 200 Watt Sinus.

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